Abenteuer unterwegs

„Unser Lebensstil braucht kein Label“

Nima Ashoff, Steve Meßmer und die Hunde des Paares leben in ihrem alten Mercedes-Benz 608D. Nima bezeichnet sich selbst ungern als „Digitalnomade“, auch wenn das Paar im August 2015 sich dazu entschied, Vollzeit im Camper zu wohnen und von dort zu arbeiten. Nima erzählt im Interview mit CamperVans über ihr Leben und ihre Arbeit aus dem Düdo heraus.

Seit wann leben Du und Steve im Campervan? Und wie kam es dazu?

Mein Freund Steve und ich sind im August 2015 mit unseren beiden Hunden in den Bus gezogen. Kennengelernt haben wir uns zwei Jahre vorher in Spanien, wo wir zusammen einen sechswöchigen Roadtrip mit Steves Auto gemacht haben. Wir sind beide Outdoorfans und haben uns gefragt, wie wir unsere Hobbies und das Arbeiten besser miteinander verbinden könnten. Am Ende war das Leben im Campervan für uns die ideale Lösung, denn so sind auch unsere Hunde immer mit von der Partie.

Was müsste passieren, damit Ihr wieder nach Deutschland zurückkehrt?

Einmal im Jahr kehren wir für maximal vier Wochen nach Deutschland zurück, um bei unserem Oldtimerbus „Horst“ die Hauptuntersuchung machen zu lassen. Dass ich langfristig wieder in Deutschland lebe, kann ich mir zurzeit nicht vorstellen, Steve auch nicht. Für uns fühlt es sich dort zu eng, zu begrenzt und zu hektisch an. Mir fehlt es an Lebensqualität und auch an gutem Wetter. Aus welchem Grund ich also langfristig zurückkehren sollte, wüsste ich gerade nicht.

Was haben Freunde und Familie gesagt, als Ihr ihnen von den Plänen erzählt habt?

Sowohl Steve als auch in sind dafür bekannt, ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen. Bevor wir uns kennengelernt haben, habe ich schon mal 15 Monate in Katalonien gewohnt. Steve hat sich mehrfach eine lange berufliche Auszeit genommen und ist durch Asien gereist. Unsere Freunde und Verwandten kennen uns also als abenteuerlustig. Dass wir in ein Wohnmobil ziehen wollen, war für die meisten daher keine große Überraschung.

In was für einem Campingbus seid Ihr unterwegs?

Unser Bus ist aus dem Jahr 1980, ein Mercedes-Benz 608D. Wir haben ihn auf den Namen Horst getauft. Er ist circa sieben Meter lang, 2,20 Meter breit und 3,20 Meter hoch. Sein zulässiges Gesamtgewicht beträgt 6,5 Tonnen. Das kommt uns sehr entgegen, da wir ziemlich viele Sportgegenstände mitschleppen: Von der Kletterausrüstung bis hin zu zwei Mountainbikes. Gezahlt haben wir für ihn genau 10.000 Euro.

Hattet Ihr schon einmal ein größeres technisches Problem mit dem Fahrzeug?

Bei so einem alten Fahrzeug gibt es immer wieder was, das den Geist aufgibt. Einmal ist uns der Kühler kaputtgegangen, kurz davor der Bremskraftverstärker. In Spanien hat die Wasserpumpe den Dienst eingestellt und in Griechenland mussten wir die hinteren Bremszylinder tauschen. Das sind aber alles Sachen, die normal sind und sich – zum Glück – gut reparieren lassen. Ansonsten sind wir bisher von größeren Problemen verschont gebliebe, toi toi toi.

Was für einen Ausbau hat der Camper? Habt Ihr irgendetwas spezifisch für Eure Bedürfnisse an dem Fahrzeug modifiziert?

Als wir Horst gekauft haben, war er bereits komplett ausgebaut und zum Glück so, dass es uns gefallen hat. Er hat ein Bett für zwei Personen im Alkoven und noch ein Doppelbett im hinteren Bereich, dort schlafen wir. Dazwischen liegen der Ess- beziehungsweise Arbeitsbereich und ein winziges Bad mit einer Trenntoilette und einem Waschbecken. Draußen haben wir eine Kaltwasser-Dusche.

Am eigentlichen Ausbau haben wir nichts verändert, nur den alten PVC Boden durch Kork ersetzt. Aber an der Technik hat Steve geschraubt: Dadurch, dass wir zu 100 Prozent im Bus leben und arbeiten, brauchen wir ausreichend Strom. Deshalb haben wir vier Solarpanels à 100 Watt auf das Dach geschraubt und zwei 6 Volt Batterien mit jeweils 330Ah eingebaut. Abgesehen davon war Horst sofort startklar und einzugsbereit.

Was ist für Euch der nützlichste Gegenstand, den Ihr beim Leben im Van richtig schätzen gelernt habt?

Da gibt es eine Menge an Kleinkram, der uns schon bei der einen oder anderen Reparatur hilfreich war: vom Tape bis hin zum Kabelbinder. Was wir außerdem dabei haben, ist unser Benzinkocher, obwohl wir im Bus mit zwei Gasflammen kochen. Wenn uns doch mal das Gas ausgeht, dann greifen wir auf unseren Coleman zurück, aber auch zum Outdoor-Kochen holen wir ihn häufig heraus.

Vermisst Ihr irgendetwas von Eurem alten Leben?

Ab und zu vermisse ich eine richtig heiße Dusche, bei der mir nicht der Wind um die Ohren fegt, aber diese Momente sind sehr selten. Sonst fällt mir nichts ein, das ich vermisse. Im Gegenteil, ich genieße es sehr, dass ich nun viel einfacher, freier und naturverbundener leben kann.

Wie teuer ist das ungebundene Leben?

Das kommt ganz darauf an, wie man es sich gestaltet. Wir gehen sehr selten essen und kaufen am liebsten regionale Produkte auf dem Markt ein. Das spart natürlich Geld. Da die Lebenshaltungskosten in jedem Land unterschiedlich sind, verändern sich dadurch auch unsere Ausgaben. Im Schnitt brauchen wir zusammen ungefähr 1000 bis 1300 Euro, inklusive Sprit, Auslandskrankenversicherung, Hundefutter, Internet, und, und, und.

Wie finanziert Ihr das Leben? Was habt Ihr früher gemacht?

Bevor wir aufgebrochen sind, haben wir uns eine kleine finanzielle Rücklage geschaffen. Wir wollten uns zuerst an das mobile Leben gewöhnen und nicht direkt arbeiten müssen. Steve ist Informatiker und hat sich jetzt erst einmal eine Auszeit genommen.

Meine ursprüngliche Ausbildung ist eine pädagogische, später habe ich viele Jahre als Trainerin in einem Großkonzern gearbeitet. Als mir das nicht mehr gefallen hat, habe ich mich zur Entspannungspädagogin und zum systemischen Coach weitergebildet und mich selbstständig gemacht. Heute arbeite ich als Texterin und Coach, das geht hervorragend über das Internet. Außerdem betreibe ich noch meinen Blog abenteuer-unterwegs.de und einen Onlineshop für Klettergeschenke.

Würdet Ihr Euch selbst als „Digitalnomanden“ bezeichnen?

Obwohl ich laut der Definition in diese Schublade falle, bezeichne ich mich selten so. Der Begriff ist inzwischen zu einem Schlagwort geworden, der aber den wenigsten Menschen wirklich etwas sagt. Ich sage lieber, dass ich ortsunabhängig über das Internet arbeite, auch wenn sich das nicht ganz so hip anhört wie „Digitalnomade“. Die Bewegung der digitalen Nomaden hat in den letzten zwei Jahren enormen Zulauf gefunden. Immer mehr Leute wollen sich ihre Arbeit flexibler und selbstbestimmter gestalten. Es gibt aber auch unter den Digitalnomanden Menschen, die nun im Internet-Hamsterrad gefangen sind. Damit kann ich mich nicht identifizieren. Ich finde es großartig, welche Möglichkeiten mir das Internet bietet, um mobil zu leben, aber am liebsten bin ich trotzdem offline in der Natur unterwegs.

Was sind Eure Reiseziele 2017? 

Bis Ende April waren wir noch in Griechenland unterwegs. Dann wollen wir weiter nach Albanien und Montenegro. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Deutschland soll es im Herbst nach Portugal und Marokko gehen – wieder für ein Jahr.

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