„Wir suchen mit Van unseren Platz in der Welt“

Katharina Lanz und Paul Hübner gaben ihre Jobs und ihre Wohnungen auf, um einen freieren Lebensstil zu führen. Seit Juli 2016 leben und arbeiten die beiden in ihrem Kastenwagen von Pössl und reisen dabei vorzugsweise in die Berge oder ans Meer. Im Interview erzählt das Paar von ihrem Leben als Digitalnomaden.

Wie lange lebt Ihr in Eurem Campervan?

Paul: Zum 8. Juli 2016 ging die Schiebetür am Kastenwagen zu und wir sind losgefahren. Aber geboren wurde die Idee schon etwa ein Jahr früher. Unser Normalo-Leben in Stuttgart war von viel Arbeit bestimmt und wir haben überlegt, wie wir Arbeiten, Reisen im Ausland und unsere Hobbies wie Snowboarden und Surfen vereinen können. Über Silvester haben wir uns in einer Hütte in den Bergen zurückgezogen und in einem riesengroßen Brainstorming das Konzept unserer Agentur im Van entwickelt. Etwa sechs Monate später waren wir Wohnungen und Jobs los und die Reise als Vannomaden startete.

Was müsste passieren, damit Ihr wieder an einen festen Wohnsitz einziehen würdet?

Kathi: Entweder wir haben keine Lust mehr oder wir haben unser Traumhüttchen zwischen Meer und Bergen gefunden und ziehen da direkt ein.

Paul: Wir sind auf der Suche nach unserem Platz in der Welt und das sowohl geografisch gesehen als auch sinnbildlich. Wir wissen noch nicht wo wir hingehören und wo wir hinwollen. Der Gedanke besteht darin diesen Platz mit dem Van zu finden. Und wenn wir ihn finden, dann bleiben wir da. Irgendwann wollen wir setteln und eine Familie gründen. Und mit Kind wollen wir wahrscheinlich nicht mehr im Van leben.

Wie bleibt Ihr im Kontakt mit Familie und Freunde?

Paul: Mein Eindruck ist, dass ich mit meinen Freunden, seit dem wir unterwegs sind, viel mehr im Kontakt stehe. Die sind sowieso in ganz Europa verteilt. Im Stuttgarter Alltag hatte ich oft dann doch keine Zeit und hab mich dann doch nicht gemeldet. Jetzt melde ich mich bewusster und auch öfter. Entlang unserer Touren machen wir bewusster Besuche bei Freunden und planen die Stopps einfach mit ein.
Kathi:
Es ist gar nicht so viel anders als sonst. Ich bin es eh gewohnt mit meinen Freunden über Whatsapp zu schreiben und ob die jetzt am Wochenende nach Stuttgart kommen oder wir uns alle in Innsbruck zum Boarden treffen, ab München sind beides nur 2 Stunden Fahrzeit. Über den Winter waren wir auch gar nicht so weit weg von der alten Heimat und ich habe zum Beispiel auch Familie in Frankreich, wo sich jetzt viel eher mal ein Besuch anbietet.

In was für einen Camper lebt Ihr und was habt Ihr für Ihn gezahlt?

Paul: Unser Bjørn, so haben wir ihn getauft, ist ein Kastenwagen 2Win Plus von Pössl auf Citröen Jumper Basis. Er ist 5,99 Meter lang und hat eine zulässige Gesamtmasse von 3,5 Tonnen. Er ist Jahrgang 2015 und hat 40.000 Euro gekostet.

Hattet Ihr jemals größere technische Probleme mit dem Van?

Paul: Wir hatten DIE Panne. Beim Zwischenstopp an Weihnachten stand der Van das erste Mal zwei Wochen unbewohnt. Als wir ihn dann wieder in Betrieb nehmen wollten, ging fast alles kaputt, was bei Frost so kaputt gehen kann. Das Magnet-Ventil im Klo ist gefroren und geplatzt, die Wasserpumpe ging kaputt, es war überall Wasser im Kastenwagen. Die SOG-Toilette ließ sich nicht mehr ausschalten, dann ging sie nicht mehr an. Abwasser- und Frischwassertank sind zugefroren. Innerhalb von zwei Tagen war alles außer Betrieb. Aber wir konnten jedes Problem wieder beheben. Nur die SOG-Toilette hat Pössl repariert. Aus dieser mega Panne haben wir definitiv gelernt. Mittlerweile sind wir, zumindest mental, auf ein paar Ausfälle vorbereitet.

Nervt euch Etwas am Leben im Van?

Paul: Nee eigentlich find ich das Ressourcen-Management, also Wasser auffüllen oder die Toilette entsorgen, cool und nehme das ganz bewusst wahr. Wir versuchen da auch beim Wasser zu sparen und beim Heizen zu optimieren.  Das macht schon irgendwie Spaß, auch wenn es immer wieder Arbeit ist.

Kathi: Zwei Dinge, die uns nicht so gefallen sind das Duschen und die Stromversorgung. Die Dusche ist eben kein unendlicher warmer Strahl wie früher in den 4 Wänden. Im Van kommt da doch wenig aus der Leitung. Was die Stromversorgung betrifft, nervt es einfach, dass man immer am Landstrom hängen muss, um über die Steckdosen etwas laden zu können, wie unsere Laptops zum Beispiel. Wir haben uns halt USB-Stecker organisiert, aber das reicht grade mal für die Handys. Für unsere Rechner und alles andere haben wir einen Konverter. Außerdem ist immer unser Solarkoffer immer an Board und versorgt uns mit der Extraportion Stro

Wie ist das Leben als Paar in einem Campervan? Was macht Ihr, wenn Ihr Euch mal streitet?

Kathi: Ne Woche beleidigt sein und schmollen geht halt nicht. Da müssen wir schon viel miteinander reden und uns viel mehr lesen. Manchmal kann ein Problem, auf engem Raum, größer erscheinen als es letztendlich ist. Und über den Abwasch kann man sich egal wo man lebt streiten (lacht) Wir schauen aber auch, dass wir getrennt etwas unternehmen oder ab und zu Freunde besuchen.
Paul: Du kannst dich halt nicht zurückziehen zwei Tage. Da wird einiges einfach ausdiskutiert.
Kathi: Ja oder es wird kalt und man will wieder rein. (lachen)

Wie teilt ihr euch Arbeit und Freizeit ein?

Kathi: Je nach Projekt. Aber wir haben als Freiberufler die Möglichkeit uns die Zeit am Tag frei einzuteilen. Je nach Wetter und kreativer Phase. Oft nutzen wir den Tag lieber um zu boarden und arbeiten dann abends oder auch nachts.
Paul: Wir nehmen uns aber schon bewusst Freizeit. Wenn ich beim Kajak fahren bin, gebe ich den Kunden bescheid, dass sie uns in diesem Zeitraum nicht erreichen. Allerdings läuft das manchmal auch umgekehrt. Wir waren schon beim Snowboarden und standen im Lift und ich bekam einen Anruf, dass auf der Website eines Kunden etwas nicht lief. Da hab ich mich übers Handy in den Quellcode eingewählt und ihn repariert.

Wie teuer ist das Leben on the road?

Paul: Wir kommen insgesamt etwas über 2000 Euro Fixkosten im Monat. Das ist alles mit drin: die Van-Finanzierung, unsere Versicherungen, Telefonrechnungen, Lebensmittel und Stellplatzgebühren.

Wie verdient Ihr Geld, während Ihr Vollzeit im Camper lebt?

Kathi: Wir haben beide Berufe, die wir von unterwegs ausüben können. Paul ist Projektmanager und Berater und ich bin als Mediendesignerin so der kreative Kopf. Das sind einfach Arbeitsgebiete, die es begrüßen unterwegs zu sein. Da beflügelt das Reisen auch die Arbeit und man sammelt ständig Inspiration.

Paul: Den Schritt in die Selbständigkeit im Van sind wir sehr strukturiert angegangen – mit einer Art Businessplan. Wir hatten ein richtiges Geschäftskonzept und das hat den Van involviert. Trotzdem waren wir am Anfang etwas unsicher. Gott sei dank flatterte gleich im ersten Monat ein großer Auftrag ins Haus. Bis jetzt funktioniert die Agentur wirklich gut und wir arbeiten stetig an Projekten und können darauf aufb

Was sind noch Eure Pläne für 2017?

Kathi: Unser Terminkalender ist voll und die Routen sind geplant. Nachdem wir die erste Hälfte des Jahres vor allem in Frankreich, Spanien und Portugal unterwegs waren, haben wir in der zweiten Jahreshälfte mal Osteuropa angepeilt.

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