Landschaften vom Wasser aus erleben – ein ungeheurer Reiz. Hybridkajaks versprechen für solche Exkursionen attraktive Vorteile, etwa Campingbus-taugliche Packmaße. Wir haben zwei Hybride und einen Exoten mal genauer unter die Lupe genommen.
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Flüsse, Seen, Küsten – es gibt wohl kaum eine intensivere Art, diese Landschaften zu erleben, als vom Boot aus. Nicht nur der Perspektivenwechsel macht eine Bootstour zum Genuss, man erreicht mitunter versteckte Buchten und einsame Inseln, kann die Stille des Wassers genießen sowie die Ufervegetation und Tiere sehr viel intensiver erleben.
Das perfekte „Beiboot“ für Camper? Es muss ein möglichst kompaktes Packmaß bei minimalem Gewicht bieten. Es muss sich als Rucksack leicht schultern lassen, sollte der Einstieg zur Tour nicht direkt am Stell- oder Campingplatz liegen. Der Aufbau? Er muss schnell und unkompliziert gelingen, auch wenn die Übung mal fehlt. Und am Ende muss es beim Paddeln richtig viel Spaß durch guten Vortrieb und ein hohes Maß an Kippstabilität und somit Sicherheit bieten. Denn wir suchen keine Boote für Paddel-Profis, sondern für Gelegenheitspaddler mit hohen Ansprüchen.
Bei unserer Recherche treffen wir auf die Hybridkajaks der Marke Nortik. Genauer gesagt auf die Nortik-Scubi-Familie. Beim deutschen Hersteller Nortik findet man vom ultraleichten Einer, dem Scubi Lite, über kompakte Zweier bis zum gestreckten Scubi 3, der Platz für eine ganze Familie bietet, eine Vielzahl verschiedener Hybrid-Boote für unterschiedliche Ansprüche. Hybrid bezeichnet hier eine Technologie, die über wenig, schnell und unkompliziert montiertes Gestänge dem Rumpf eine wasserschnittige Form spendiert und deren seitlichen, oberen Hochdruckluftschläuche dem Boot zudem eine stabile und sichere Wasserlage garantieren.
So weit die Theorie und schöne Marketing-Versprechen. Doch gelingt der Aufbau der Boote tatsächlich in unter 10 Minuten, und wie paddeln sich die Dinger am Ende? Wir sprechen mit Steffen Sator von Faltboot.de. Für unseren Test empfiehlt er uns den, nomes est omen, leichten Scubi Lite, den Scubi 2 XL und einen Exoten, den wir gar nicht auf dem Radar gehabt hätten: das Trekraft. Ein nur drei Kilogramm leichtes Schlauchboot, das nur mit Hilfe eines Luftsacks, ähnlich einem Strandsessel, aufgepumpt wird.
Am Ende, wie so häufig bei der Wahl des individuell passenden Sport-Equipments, müsst ihr vor dem Kauf ganz genau definieren, welche Gewässer ihr erkunden wollt und welche Ansprüche ihr an euer Boot stellt. Die drei Boote hier in unserem kleinen Praxis-Check haben in jedem Fall das Potenzial, Reisebegleiter von Campern zu werden. Unser Tipp: Probepaddeln. Nutzt das Angebot vieler Händler und vergleicht Aufbau und Fahreigenschaften. Nur ein Boot, das euch restlos überzeugt, werdet ihr gerne und häufig aufbauen und nutzen.
Wir haben uns in die Scubis ein wenig verliebt – und werden im Sommer einige Flüsse der Pyrenäen erkunden.
Nein, eigentlich wollten wird das Nortik Trekraft nicht testen. Auf den ersten Blick wirkte das wulstige Schlauchboot wie ein Spielzeug für den Kindergeburtstag auf uns. Was wäre der Verzicht für ein Fehler gewesen. Das Staunen beginnt mit dem Blick aufs Gewicht: 2,7 Kilogramm – und setzt sich fort bei der ungewöhnlichen Art und Weise, das Teil mit dem Luftsack aufzublasen: Luft greifen, Sack verschließen, Luft in die Kammer pressen, wiederholen. Das geht erstaunlich einfach. Eine Pumpe braucht man nicht. Weltklasse. Dann, ganz ehrlich: Auf dem See ist das Boot recht spaßbefreit. Geradeauslauf ein Fremdwort. Aber hierfür ist das Trekraft auch nicht gedacht. Man packt es ans Bike oder Rucksack, schultert es für eine Wanderung einen Fluss hinauf – und fährt damit wieder nach Hause. Oder überquert den See, Fjord oder Fluss, der sich einem auf einer Wanderung in den Weg legt. Im Zubehör findet sich sogar ein Bike-Halter, der das zerlegte Bike auf der Front sichert. Mal ehrlich: ein grandioses Konzept, das völlig neue Ufer eröffnet.
Mit Verdeck Rafting taugliches Schlauchboot Luftboot, Farbe:Orange-Schwarz, Ausstattung Nortik Falt-Schlauchboote:mit Verdeck
Die Scubis stellen sich als Hybridkajaks vor. Wirklich neu ist ihre Bauart/Konzept nicht. Es gibt sie schon seit über gut 16 Jahren. Hergestellt werden sie in Deutschland, in aufwendiger Handarbeit, was ihre hohe Qualität unterstreicht. Das Besondere: die Kombination aus Gestänge und Luftkammern. Ersteres formt einen schnittigen Rumpf und scharf geschnittenen Kiel. Da die Luftkammern weit oben, quasi über der Wasserlinie sitzen, verfügen die Boote über Tiefgang und exzellenten Geradeauslauf. Beide, sowohl das Scubi Lite (der kleine Einer) als auch das Scubi 2 XL im Test, haben uns diesbezüglich vollauf überzeugt. Zudem gleiten die Boote überzeugend mühelos durchs Wasser.
Küstenwanderungen oder ausgedehnte Touren über skandinavische Seen? Immer gerne. Keine Frage: Festbodenboote hätten in puncto Effizienz die Nase noch etwas vorn – aber diesen Punkt als Manko bei den Hybridbooten anzumerken, wäre Jammern auf allerhöchstem Niveau.
Die schon angesprochenen Luftkammern sorgen für eine ausgesprochen sichere Wasserlage. Um mit einem Scubi zu kentern, müsste man sich schon außerordentlich viel Mühe geben. Und selbst wenn: umdrehen, weiterfahren.
Sehr angenehm: Das Netzgewebe der Sitzfläche ist ausreichend weit vom Boden – der Hintern sitzt nicht permanent im Nassen – und die einstellbare Rückenlehne unterstützt bequem ohne spürbare Druckstellen, wie wir es in anderen Booten erleben mussten.
Sitzhöhe und Bootbreite passen perfekt: Kein Tester, keine Testerin hatte beim Paddelzug „Bootskontakt“ mit den Händen. Auch ein Punkt, der uns beim Test anderer Boote häufig störte.
Die Aufbauzeit von rund 10 Minuten haben wir beim Lite schon beim zweiten Aufbau locker unterboten – beim ersten Anlauf war’s noch etwas kniffelig, bis wir das Gestänge richtig sortiert und eingesetzt hatten. Fürs 2er XL kann man tatsächlich rund fünf Minuten addieren, aber die von Faltboot.de anvisierten 15 Minuten sind durchaus realistisch. Bei beiden Booten geht das Fixieren des Gestänges und das Aufpumpen absolut locker von der Hand, ganz ohne Stolperfallen und Generve.
In der Familie der Scubis finden Interessenten eine große Auswahl an Modellen. Jedes kommt im praktischen Transportrucksack und kann jederzeit problemlos zum Ausgangspunkt einer Tour im Bus, Taxi oder Zug mitgenommen werden (kein zweites Auto oder Abholung nötig).
Was Scubis nicht mögen: Steinkontakte. Das eingesetzte Gestänge spannt den Kiel – und auch wenn die Gummihaut ausgesprochen robust ist: Häufiges Aufsetzen wäre keine gute Idee.
Im Test hat es das Scubi Lite besonders den kleineren und leichteren Testern angetan. Mit gerade einmal knapp acht Kilogramm lässt es sich jederzeit leicht schultern, im Rucksack auch mal über längere Strecken tragen. Das Scubi Lite gleitet einem Festbodenboot ähnlich spurtreu durchs Wasser und zeigt sich auch von Seitenwind auf dem Starnberger See kaum beeindruckt. Hintergrund: Da die Luftschläuche sehr hoch angesetzt sind, liegen die Scubis deutlich tiefer als reine Schlauchboote im Wasser und bieten nicht ganz so viel Angriffsfläche. Zudem ist der Rumpf durch das Gestänge prima ausgeformt und steif und schneidet ohne viel Verdrängung durchs Wasser. Dabei bleibt es herrlich agil und drehfreudig. Ein Spaßgarant allererster Güte. Auch Fahrer mit rund 90 Kilogramm können das Lite mit Verdeck problemlos nutzen.
Wer etwas mehr Beinfreiheit und Zuladungsreserven (Stauraum) für längere Touren wünscht, greift zum Scubi 1 XL. Es ist 60 Zentimeter länger, minimal breiter, schleppt gerne 20 Kilogramm mehr, bringt aber mit 12 Kilogramm auch fast 50 Prozent mehr Gewicht auf die Waage. Was immer noch attraktiv wenig ist.
Was wir uns gewünscht hätten: Tragegriffe an Front und Heck. Die gibt’s übrigens am Scubi 1 XL. Nicht nur gut zum Tragen – auch zum Festzurren des Bootes. Wo auch immer.
In Sachen Aufbau funktioniert beim 2er XL alles wie beim Lite – ein bisschen mehr Gestänge und größere Luftkammern verlangen nach ein paar Minuten mehr Engagement. Einmal auf dem Wasser, steht schnell fest: Selten hat uns ein Boot mehr Spaß gemacht. Alle guten Charaktereigenschaften des Lite finden sich hier wieder, mal abgesehen von der Drehfreudigkeit, was man von einem fast fünf Meter langen Boot auch kaum erwarten kann. Man kann den 2er XL auch Solo nutzen oder ihm für eine dritte Person (Kind) einen weiteren Sitzplatz implantieren – oder aber den Platz für mehr Zuladung nutzen. Für längere Touren beispielsweise. Für das Scubi 2 XL gibt es als Zubehör zudem einen Drop-Stitch-Einlegeboden, der das Boot ordentlich aussteift und einen festen Tritt erzeugt im Kajak (gibt es auch für den 1 XL). Dazu ein Verdeck mit sogenannten „festen“ Süllrändern, also aus Hart-Kunststoff, an dem man eine Spritzschürze befestigen kann, wie man es auch vom Profikajak her kennt. Auch ein kleines Segel oder Ruderanlage findet man im Zubehör.
Alternativ, allerdings mit weniger verfügbarem Zubehör: Wenn man ausschließlich zu zweit unterwegs ist und nicht übermäßig viel Gepäck dabeihat, ist das Scubi 2 (ohne XL) die bessere Wahl. Es hat ein kleineres Packmaß, passt mit 100 mal 50 Zentimetern so gut wie in jeden Camper und hat überzeugende Fahreigenschaften, vor allem in Sachen Stabilität und Geradeauslauf. Das Scubi 2 ist Dauerbrenner des Herstellers seit 13 Jahren.
Ein Paar unterwegs im 4×4-Camper: Was liegt näher, als ein Boot mit zwei Sitzplätzen mit auf die Tour zu nehmen? Vielleicht die Alternative: zwei Boote mit je einem Platz. Tatsächlich lohnt die Überlegung. Denn wenn mal einer allein auf eine Bootstour starten möchte, hat er oder sie mit dem 1er unvergleichlich mehr Spaß als mit einem 2er. Auf gemeinsamen Touren, wo jeder sein eigenes Boot paddelt, kann einer mal kurz zu einer kleinen Erkundungstour abzweigen, die den anderen nicht interessiert hätte. Gut fürs Beziehungs-Karma. Und zusammen, aber nebeneinander in zwei Booten zu paddeln, ist sicherlich nicht weniger spaßig als zusammen in einem Boot.
Nachteil: Zwei Boote brauchen mehr Stauraum (auch wenn das bei Scubis relativ ist) und sind teurer. Aber: Die Überlegung lohnt. Wir haben uns nach dem Test tatsächlich entschlossen, beim nächsten Kauf auf zwei 1er umzusatteln.