Ein Loch im Reifen ist kein Weltuntergang, aber dennoch ärgerlich. Vor allem, wenn kein Ersatzrad an Bord ist. Reifenpannen- und Reifenreparatur-Sets dienen als erste Hilfe.
Etwa alle 150.000 Kilometer hat ein Autofahrer eine Reifenpanne – statistisch gesehen. Und auch bei den Pannenursachen für ADAC-Straßenwachteinsätze liegen Reifenpannen weit vorn – im Jahr 2024 mit 8,8 Prozent nach Starterbatterie, Motor und Anlasser/Bordnetz auf Platz 4. Wer viel Auto fährt – und das tun Camper zwangsläufig – kann sich also darauf einstellen, dass auch ihn irgendwann eine Reifenpanne ereilt.
Ein Ersatzrad haben aber die wenigsten Camper an Bord. Es ist zu schwer, nimmt zu viel wertvollen Stauraum weg und erhöht auch noch den Kraftstoffverbrauch. Und auch im Pkw-Bereich sind Ersatzräder mittlerweile eher die Ausnahme – viele Hersteller legen stattdessen ab Werk ein sogenanntes Reifenpannen-Set in den Kofferraum. Weder ein Ersatzrad noch ein Reifenpannenset ist Pflicht – im Ernstfall kann letzteres aber durchaus den Urlaub retten.
Ein Reifenpannen-Set besteht aus Dichtmittel und Kompressor und ist im Grunde für jeden Autofahrer problemlos anzuwenden. Ein Fremdkörper wie ein Nagel oder eine kleine Schraube kann in vielen Fällen im Reifen verbleiben (es sei denn, der Hersteller des Pannen-Sets sieht es anders vor), das Dichtmittel wird über das Reifenventil eingefüllt und der Reifen anschließend mit dem Kompressor wieder aufgepumpt. Die beiliegenden 12-Volt-Kompressoren lassen sich dabei in der Regel einfach an den Zigarettenanzünder anschließen.
Die Sets am Markt unterscheiden sich vor allem in einem Punkt – nämlich in der Frage, wie genau das Dichtmittel in den Reifen gelangt. Muss der Nutzer das Dichtmittel manuell aus der Flasche ins Reifenventil drücken, muss er dazu zunächst mit einem kleinen, im Set enthaltenen Spezialwerkzeug den Ventileinsatz entfernen. Das ist ein weiterer Arbeitsschritt und etwas aufwendiger. Bei anderen Sets wird das Dichtmittel direkt mithilfe des Kompressors in den Reifen gefüllt und dieser gleichzeitig aufgepumpt. In diesem Fall muss der Ventileinsatz nicht entfernt werden, der Nutzer spart sich einen Arbeitsschritt.
Doch so einfach und praktisch Reifenpannen- Sets auch sind – sie haben ihre Grenzen. Die abzudichtenden Löcher dürfen nicht größer als sechs Millimeter sein und sich ausschließlich im Bereich der Lauffläche befinden. Größere Löcher, Löcher an der Innenseite oder Flanke des Reifens, Risse, Laufflächenablösungen, Gewebebruch oder undichte Ventile lassen sich mit den Sets nicht abdichten. Probleme kann es zudem im Winter bei sehr niedrigen Temperaturen geben: Dann sind die Dichtmittel oft sehr zähflüssig und dichten möglicherweise nicht richtig ab.
Und vor allem: Reifenpannen-Sets sind immer nur eine Notlösung, um zur nächsten Werkstatt fahren zu können. Die meisten Hersteller geben nach der Anwendung eine Reichweite von maximal 160 bis 200 Kilometern an und das höchstens mit Tempo 80. Ein Reifen, der mit einem Reifendichtmittel behandelt wurde, darf später aus verschiedenen technischen Gründen nicht mehr repariert werden. Wer ein Reifendichtmittel verwendet, muss sich also darüber im Klaren sein, dass er den Reifen durch einen neuen ersetzen muss.
Für manche Camper kommt das nicht infrage. Denn in bestimmten Situationen wollen oder müssen sie den defekten Reifen noch reparieren lassen. Zum Beispiel, wenn ein geeigneter Ersatz im Ausland nicht zu beschaffen ist oder wenn bei bestimmten RDKS-Systemen bei einem Reifentausch nicht nur der defekte Reifen, sondern auch der zweite Reifen derselben Achse erneuert werden müsste. Oder einfach auch dann, wenn der defekte Reifen noch recht neu ist und über ausreichend Restprofiltiefe verfügt, der Schaden kurz nach Entstehung entdeckt wurde und zeitnah repariert werden kann. Schließlich ist eine professionelle Reifenreparatur in der Regel deutlich günstiger als ein neuer Reifen. In diesen Fällen greifen viele Autofahrer eher zu einem Reifenreparatur-Set statt zu einem Pannenset. Der Unterschied: Reifenreparatur-Sets enthalten sogenannte Vulkanisierungsstreifen, oft auch Reparaturstopfen oder -kordeln genannt, die mithilfe einer Stechahle in das Loch eingefädelt werden und es so abdichten. Anders als bei Dichtmitteln kann der Reifen dann später in einer Werkstatt professionell und dauerhaft repariert werden.
Während der Vorteil der Reparatur-Sets also auf der Hand liegt, ist ihre Anwendung im Vergleich zu Pannen-Sets mit Dichtmitteln deutlich aufwendiger und anspruchsvoller. Für Bastler, Schrauber und alle, die sich ein bisschen mit Reifen auskennen, ist es durchaus machbar, aber es ist keine einfache „Jedermann-Lösung“. Tipp: Wer sich unsicher ist, ob er sich die Reparatur zutraut, sollte die Anwendung einmal zu Hause an einem defekten Reifen ausprobieren. Wichtig: Auch diese Reparatur ist nur möglich bei maximal sechs Millimeter großen Löchern im Bereich der Lauffläche. Alle andere Schäden und größere Löcher können und dürfen auch mit den Reparatur- Sets nicht behoben werden. Außerdem ist zusätzlich ein Kompressor nötig, um den Reifen wieder aufzupumpen. Anders als bei den Pannensets ist ein solcher in den Reparatur- Sets nicht enthalten. Welche Pannen- und Reparatur-Sets es gibt, wie diese sich unterscheiden und was sie kosten, zeigt unsere Marktübersicht.
Reifenpannensets
Reifenreparatursets
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