> Autarkie mit dem Camper: So gelingt autarkes Reisen am besten

Autarkie mit Vernunft: So gelingt flexibles Reisen mit dem Camper

10.02.2026
Text: Karsten Kaufmann | Bild: Kruger Media

Gutes und nachhaltiges Ressourcen-Management an Bord: Viele Camper träumen von maximaler Unabhängigkeit in ihren Fahrzeugen. Was heißt das konkret und wie gelingt es am besten? Wir klären auf.

Batteriekapazität und Wasservorrat sind entscheidende Faktoren, wenn wir über Autarkcampen sprechen. Aber es gibt weitere wichtige Säulen für eine lange Unabhängigkeit. Autarkie beim Campen bedeutet, dass die Vorräte für etliche Tage nicht zur Neige gehen dürfen: also Energie, Wasser und Lebensmittel. Und die Toilette sollte möglichst selten geleert werden müssen.

 

 

 

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1. Tipps und Grundlagen für autarkes Reisen

Die richtige Toilette

Zäumen wir das Pferd von hinten auf und beginnen mit der Toilette. Um gleich auf den Punkt zu kommen: Wer an entlegene Orte reisen möchte, wird kaum seine Kassettentoilette regelmäßig, spätestens nach drei bis vier Tagen, entleeren können. Und ordnungsgemäß wird er hier auch keine in Plastikbeutel eingeschweißte Fäkalien entsorgen können. Der einzige vernünftige Toilettentyp für solche Reiseziele ist also eine Trockentrenntoilette.

Autark versorgt: Lebensmittel- und Wasservorräte richtig planen

Kommen wir zu Lebensmittel. Hier beißt die Maus keinen Faden ab: Je kleiner das Fahrzeug, desto geringer die Stauraumreserven, desto schneller wird man irgendwo Nachschub besorgen müssen. Hier sind große Fahrzeuge mit großen Kühlschränken und großen Staufächern klar im Vorteil. Auch bei unserem nächsten Punkt, den Wasservorräten, punkten große Fahrzeuge – nicht umsonst ist in Expeditionsmobilen auch mal ein 200-, 300- oder 400-Liter-Frischwassertank montiert. Wer hier konsequent spart, wird seine Autarkie um etliche Tage strecken können. Während zwei Personen 100 Liter in zwei Tagen verbrauchen, kommen andere gut eine Woche damit aus – bei guter Körperhygiene.

Autarkie durch Strom: Energieversorgung im Camper realistisch bewerten

Der kritischste Punkt ist die Energie. Hier ist ein Trend losgetreten: die Luxus-Autarkie. Camper hören und lesen von Fahrzeugen mit gewaltigen Batteriebänken und dächerfüllenden Solaranlagen. Wenn Geld und Gewicht keine Rolle spielen, mag man diesem Trend folgen. Im seltensten Fall muss der Kastenwagen allerdings 600-Ah- oder der Bulli 300-Ah-Bordbatterien mit sich rumschleppen.

Caren Heim vom Elektronik-Anbieter Ective erklärt: „Spätestens seit der Corona-Pandemie ist es für viele Camper ein Wunsch, möglichst komfortabel und autark unterwegs zu sein – was auch das Aufkommen der sogenannten ‚Luxus-Autarkie‘ erklärt. So wird die Stromversorgung zunehmend großzügiger geplant. Doch Kosten und Gewicht setzen Limits. Letztendlich hängt die Wahl des Stromsystems von den individuellen Erwartungen an die Reise ab. Gut informierte Kunden entscheiden sich bewusst für ein minimalistisches Equipment.“

Und minimalistisch bedeutet nicht, dass man großartig auf etwas verzichten muss. Der Espresso muss nicht unbedingt (oder immer) über die Saeco, Wechselrichter und Bordbatterien gebrüht werden. Kochen via Induktion ist toll – aber verbraucht gewaltige Energiemengen. Wenn man täglich fährt, und/oder die Sonne die Batterien lädt. Warum nicht.

Wer im Sommer auch mal länger eine Klimaanlage betreiben möchte, kommt ums Diesel-Aggregat oft nicht herum. Leise, umweltfreundliche, aber auch teurere Alternative wäre eine Brennstoffzelle.
Foto: Hersteller

Autarkie sinnvoll gedacht: Warum Hybridlösungen oft die bessere Wahl sind

Am Ende lohnt es sich aber über eine vernünftige Hybridlösung nachzudenken. Macht komplette Gasfreiheit Sinn? Muss man für Tausende Euros LiFePO4-Akkus und Solarpanels kaufen und spazierenfahren, meist ihre Batterien nur zu 20 bis 30 Prozent entladen, um aber dann, für wenige verregnete Tage im Jahr, wenn’s in nordische Gefilde geht, genug Energie an Bord zu haben, um via Induktion kochen zu können? Wer eine fest monierte Gasinstallation und zweijährige Gasprüfungstermine scheut, kann ergänzend für solche Momente einen mobilen Kartuschenkocher mitführen. Der wird dann genutzt, wenn die Batteriereserven für alles andere an Bord spielend ausreichen, aber 120 Ah zum Kochen pro Tag eben nicht mehr verfügbar sind. Und wer zudem gerne mal einen Gasaußengrill oder einen Backofen (Stichwort frisches Brot beim Autarkcampen) wünscht, sollte über die Installation einer Alugastankflasche oder eines kleinen Gastanks nachdenken. Die sind leicht, lassen sich europaweit nachfüllen und haben hochattraktive Energiemengen im Bauch.

10 Tipps zum Wassersparen

  1. Direkt am Wasser campen: Wer direkt an einem See, Fluss oder Bach campt, kann das Wasser – sofern es sauber ist – als Brauchwasser (zum Beispiel zum Abspülen oder Waschen) verwenden.
  2. Wasserfilter nutzen: Wird frei zugängliches Wasser gefiltert, kann es als Brauch- oder sogar als Trinkwasser genutzt werden. Ein Aktivkohlefilter neutralisiert den Geschmack. Alternative: Wasser abkochen.
  3. Perlatoren mit begrenztem Durchfluss verwenden: Wie zu Hause können auch die Armaturen im Van mit wassersparenden Perlatoren ausgerüstet werden.
  4. Wasser nicht einfach laufen lassen: Das Wasser immer sofort abdrehen, wenn es gerade nicht benötigt wird.
  5. Armaturen nicht voll aufdrehen: Beim Händewaschen oder Säubern von Obst und Gemüse wird kein voller Wasserstrahl benötigt, eine geringere Wassermenge reicht meist völlig aus.
  6. Wassersparend kochen: Oft wird fürs Kochen weniger Wasser benötigt, als der Hersteller angibt – das gilt zum Beispiel bei Nudeln oder Reis.
  7. Beschichtetes Kochgeschirr verwenden: Wird mit beschichteten Pfannen und Töpfen gekocht, braucht man weniger Wasser zum Abspülen. Tipp: Fett in Pfannen vor dem Abspülen mit Küchentuch aufsaugen.
  8. Regenwasser auffangen: Regenwasser kann beispielsweise zum Einweichen von schmutzigem Geschirr verwendet werden.
  9. Nicht täglich duschen und Haare waschen: Wer nicht jeden Tag duscht und seine Haare wäscht, spart viel Wasser.
  10. Kalt duschen: Wird kalt geduscht, fließt kein Wasser ungenutzt in den Abfluss, bis warmes Wasser aus der Duschbrause kommt.

2. Technische Faktoren und Voraussetzungen für Autarkie

Bedarfsanalyse Stromverbrauch & Richtwerte

Bordbatterien sind eine wichtige Säule einer soliden Autarkie. Doch welche Kapazität benötigen meine Batterien? Wie viel Solar muss aufs Dach? Um auf diese Fragen eine schlüssige Antwort geben zu können, muss jeder Camper seinen individuellen Strombedarf ermitteln. Hierbei kann diese Tabelle helfen.

Wichtig: die individuellen Laufzeiten notieren, weitere Verbraucher ergänzen und/oder hier aufgeführte Geräte, die nicht verwendet werden, einfach löschen. Bedenkt: Im Winter wird der Kompressorkühlschrank seltener anlaufen, dafür kommt die Heizung hinzu. Jahreszeit und individuelles Nutzungsverhalten können extrem variieren. Bitte gewissenhaft notieren.

Am Ende hast Du Deinen durchschnittlichen Tagesverbrauch vor Augen. Und jetzt wird es spannend: Wie lange stehst Du im Normalfall an einem Platz? Je höher hier die Ansprüche an die Autarkie, desto größer müssen die Bordbatterien und/oder die Solarpanels sein, um hier für einen Energieausgleich zu sorgen. Oder die Bereitschaft, die Klimaanlage und/oder das Induktionskochfeld einmal nicht zu verwenden. Bei langen Schlechtwetterphasen kann beispielsweise auch einmal ein Gaskartuschenkocher zum Einsatz kommen. Der kostet im Vergleich quasi nichts, das Fahrzeug ist im Grunde immer noch gasfrei, da es nicht zur Prüfung muss. Aber bedenke: Auch LiFePO4-Batterien sollten nicht ständig zu 90 Prozent entladen werden. Geringe Entladetiefen schonen die Batterien und verlängert ihre Lebensdauer.

Bedarfsanalyse des Stromverbrauchs im Campervan.
Foto: Redaktion
Erfahrungs- und Richtwerte für Vorräte und Verbrauch.
Foto: Redaktion

Lade-Booster

Ohne einen Lade-Booster geht bei modernen Fahrzeugen in puncto „Batterieladung während der Fahrt“ rein gar nichts mehr. Intelligente Lichtmaschinen liefern ohne klare Leistungsanforderung keinen Ladestrom für die Bordbatterien – diesen Job übernimmt zukünftig der Lade-Booster. Er signalisiert Leistungsbedarf und steuert jederzeit die Ladung der Bordbatterien. Seine Installation ist kinderleicht – er wird einfach in die Ladeleitung zwischen Starter- und Bordbatterie eingefügt. Die funktioniert auch mit Fahrzeugen mit EBL.

Lade-Booster liefern, je nach Modell, von rund 20 bis 90 Ampere Ladestrom. Ihre Leistung muss zwingend auf die Batterieart und -größe abgestimmt werden.

Mit 30 Ampere sind die meisten Camper mit Bordbatterien bis rund 120 Ah sehr gut bedient. Was Booster nicht können: Powerstations laden.

Solaranlage

Wer lange autark campen möchte, kommt um Solarstrom nicht herum. Wie groß die Anlage sein sollte, darüber entscheiden Stromverbrauch, Batteriekapazität und Reiseziel. Wer täglich fährt, kommt übrigens mit einer sehr bescheidenen Solaranlage aus – die Lichtmaschine powert über einen Lade-Booster gewaltige Ladeströme in Rekordzeit in die Bordbatterien. Unser Tipp: tragbare Module. Dann kann der Camper auch mal im Schatten stehen – und nur das Panel liegt in der Sonne. Das Kleine von Ective bringt über 200 Wp. Das Packmaß ist kaum größer als DIN A4. Faltbare Solarmodule brauchen einen Anschluss (Stecker) an die Bordbatterie(n), meist über einen weiteren Solarregler oder einen, der noch Leistungsreserven frei hat.

Kern der Autarkie: LiFePO4-Bordbatterien

Warum Du auf diesen Batterietyp setzen musst:

  • Sehr hohe Zyklenzahl: LiFePO4-Akkus erreichen bis zu 5.000 und mehr Zyklen.
  • Extrem hohe Energiedichte: bis zu 90 Prozent der nominellen Kapazität verfügbar.
  • Sehr gute Schnellladefähigkeit: Booster und Ladegeräte mit extremer Leistung laden LiFePO4-Akkus in Rekordgeschwindigkeit. Steht ausreichend Ladezeit zur Verfügung, honorieren die Akkus reduzierte Ladeströme mit höherer Lebensdauer.
  • Optimaler Energie-/Gewichtsindex pro 1 Ah verfügb. Energie*: Lithium-Akkus liefern pro Kilogramm mehr Energie. LiFePO4 (1 Ah/0,14 kg) / AGM (1 Ah/0,45 kg). Während eine 120-Ah-AGM-Batterie also etwa 27 bis 30 Kilogramm auf die Waage bringt, wiegt eine handelsübliche LiFePO4 gerade einmal rund 13 Kilogramm. Plus/minus…
  • Parallel- und Serienschaltung möglich: LiFePO4-Akkus lassen sich für 24-Volt-Bordnetze in Serie schalten – zur Kapazitätserweiterung können abhängig vom Hersteller gleich mehrere Batterien gleicher Kapazität parallelgeschaltet werden.
  • Effizienz: LiFePO4-Batterien haben einen sehr geringen Innenwiderstand. So nehmen sie zum einen schon minimale Ladeströme an, akzeptieren zum anderen den Ladestrom in voller Höhe, bis sie randvoll sind. Perfekt für Solaranlagen! Im Vergleich: Bei AGM- oder Gel-Akkus regeln Ladekennlinien den verfügbaren Ladestrom lange vor Vollladung herunter. Energie verpufft ungenutzt.
  • Sehr zuverlässige Technik: LiFePO4-Batterien namhafter Hersteller sind sehr sicher.
  • Prismatische Zellen: Zwischenzeitlich laufen prismatische Zellen den günstigeren Rundzellen den Rang ab. Sie bieten mehr Energie auf engem Raum und weitere attraktive Vorteile.
  • Problemfreie Teilladung: AGM- und Gel-Akkus wollen und müssen vollständig und fix nach der Entladung wieder aufgeladen werden. Sonst drohen Sulfatierung, hoher Verschleiß und frühzeitiger Ausfall. LiFePO4-Akkus benötigen keine Vollladung, fühlen sich bei Teilladung, etwa bei 70 Prozent (insbesondere wenn sie länger nicht benutzt werden) besonders wohl.
  • Perfekt für den Betrieb von Wechselrichtern: Während bei AGM- und Gel-Batterien durch die hohe Stromentnahme die Spannung frühzeitig einbricht und der Wechselrichter den Betrieb einstellt, bleibt der LiFePO4-Akku spannungsstabil bis zur vollständigen Entladung.
  • Entgegen der Vernunft, Beispiel 1: Vorsicht mit Bluetooth. Bluetooth-Module sind kleine, aber permanente Verbraucher. Über einen längeren Zeitraum summiert sich der Verbrauch. Prüfe, wann und ob Du das Modul abschalten kannst.
  • Entgegen der Vernunft, Beispiel 2: Muss es eine integrierte Heizung sein? Bordbatterien sollten in isolierten Staufächern oder im Innenraum montiert werden. Dort ist es im Sommer vergleichsweise kühl, im Winter frostsicher. Eine in der Batterie integrierte Heizung verschlingt unnötig Energie, die Heizmatten zwischen den Zellen wirken zudem wie eine Isolationsschicht, die bei Hochstromanwendungen und/oder im Sommer zu einem unnötigen Hitzestau in den Batterien führen können. Kurzum: keine wirklich gute Idee.
  • Vernünftig – mit integrierter Temperatursteuerung: Batterien müssen temperaturgeführt geladen oder entladen werden. Hersteller von Zellen sind sich einig: Unter 0 Grad sollte der Ladestrom reduziert werden – zu hohe Ströme stressen die Zellen unnötig.

Powerstations

Powerstations, wie beispielsweise von Ecoflow oder Zendure, eignen sich hervorragend als Stand-alone-Lösung für Selbstausbauer – oder als Ergänzung für Serienfahrzeuge. Je nach Modell sind schon ganz ordentliche Energiereserven integriert, mehrere 12-Volt- (Kfz-Steckdose/USB-Ports) und auch ein oder mehrere 230-Volt-Steckdosen (integrierter Wechselrichter) kommen mit der Powerstation an Bord.

Bisher konnten die Energiewürfel über Landstrom und/oder Solar geladen werden. Das Bordnetz konnte nur während der Fahrt über die Kfz-Buchse (Zigarettenanzünder) angezapft werden, wollte man Strom über die Starterbatterie/Lichtmaschine saugen. Allerdings waren hier nur lächerlich kleine Ströme realisierbar. Aktuell stellte Ecoflow den Alternator-Charger vor. Eine vernünftige deutschsprachige Bezeichnung hat der Hersteller noch nicht, aber das Konzept passt: Der Charger mit der Bord- oder Starterbatterie des Campers verbunden, wird zukünftig dort während der Fahrt Strom abzapfen (oder bei Solarstromüberschuss an der Bordbatterie auch im Stand) und die Ecoflow Powerstation laden. Da diese eine Betriebsspannung von 48 Volt hat, und das Ladekabel zudem auch eine Kommunikationsleitung ist, kann der Alternator-Charger nicht zum Laden von 12-Volt-Batterien benutzt werden. Via App kann der Nutzer einstellen, bei welcher Spannung von Start- oder Bordbatterie der Charger anfangen soll zu laden und wann er stoppen soll.

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