Spätestens beim Einbau von Fenstern wird’s so richtig spannend für Selbstausbauer. Mit dem richtigen Material und einer verständlichen Anleitung ist die Sache aber halb so wild.
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In jeden Campervan gehören ordentliche Fenster. Sie sorgen für Licht und Luft im Fahrzeug, also für ein gutes Raumklima. Übrigens: Neben einer gesetzlich vorgeschriebenen Zwangsbelüftung (Größe abhängig von Fahrzeug-Grundfläche nach DIN EN 721) empfiehlt das TÜV-Merkblatt Selbstausbauern mindestens zwei gegenüberliegende Fenster. Querlüften heißt das Zauberwort – der ein oder andere Prüfingenieur wird das zur Bedingung für eine Womo-Zulassung machen.
Das Lastenheft für ein geeignetes Campingfenster darf sogar noch deutlich umfangreicher ausfallen. Neben einem großzügigen Lüftungsquerschnitt zählen möglichst gute Isoliereigenschaften, die Praktikabilität von Ausstellern, Verdunkelung und Fliegenschutz und vor allem die Qualität: Schließlich muss ein Fenster Regen, Sonne und Frost viele Jahre lang standhalten. Es sollte wegstecken, wenn mal ein Ast touchiert wird, und einen Einbrecher möglichst lange beschäftigen. Idealerweise fügt sich das Ganze dann noch nahtlos ins Gesamtbild des Fahrzeugs ein.
Damit spricht vieles für ein Rahmenfenster. Hier ist die Scheibe in einem festen Rahmen eingefasst, der in die Fahrzeugwand eingesetzt und verschraubt wird. Vorgehängte Fenster hingegen besitzen keinen umlaufenden Rahmen; die Scheibe wird oben in einer Leiste eingehängt, mit einer Dichtung versehen und liegt wie ein zu großer Topfdeckel auf der Karosserie auf. Selbstausbauer haben aber nicht nur über Größe und Bauart zu entscheiden. Wer genauer hinschaut, entdeckt feine Unterschiede zwischen den Modellen verschiedener Hersteller – und teilweise wird einem das Leben etwas leichter gemacht.
Die meisten Rahmenfenster für Kastenwagen sind beispielsweise leicht gewölbt, um deren Kontur zu folgen und Verwerfungen im Blech zu vermeiden. Damit die Idee aufgeht, muss der Selbstausbauer seinen Adapterrahmen jedoch mit dem selben Radius (i. d. R. 5 m) anfertigen, und da wird es schon kompliziert. Auch deshalb setzt Dometic beim Pur-Win S10 auf einen stahlverstärkten Rahmen aus Polyurethan. Das Material hat nicht nur sehr gute Isoliereigenschaften, sondern ist auch robust und witterungsbeständig (Dometic bietet eine 15-jährige Wetterschutzgarantie). Ausreichend flexibel ist es außerdem. Der Plan: gerader Rahmen und gewölbte Karosserie nähern sich einander an; am Ende ergibt sich ein flaches, flächenbündiges Design – auf Wunsch neuerdings auch innen komplett in Schwarz. In unserem Selbstversuch hat das wunderbar funktioniert. Auch war der flache Adapterrahmen viel schneller angefertigt.
Das Dometic PUR-Win S10 Ausstellfenster in der Größe 900 x 500 mm ist ideal für Wohnmobile, Wohnwagen und Kastenwagen. Es bietet einen großzügigen Lichteinfall und sorgt für eine angenehme Belüftung.
Doppelverglastes Polyurethan-Fenster für Wohnmobile 700 x 300 mm schwarz
Für den Adapterrahmen müssen Selbstausbauer wissen: Fenster und Blende innen sind ab Werk für eine Wandstärke von 26 Millimetern ausgelegt – perfekt fürs Blech, die Dämmung und eine schöne Wandverkleidung. Zwar können auch dünnere Wandstärken realisiert werden, wenn der Polyurethan-Rahmen gekürzt wird, doch ohne den richtigen Maschinenpark ist das nicht zu empfehlen. Bei einem Millimeter Blechstärke und einer vier Millimeter starken Verkleidung aus Pappelsperrholz sägen wir also 21 Millimeter starke Leisten aus Konstruktionsholz. Deren Länge ergibt sich aus dem Maß des Fensterausschnitts. Fertig ist der Adapterrahmen, der zur einfacheren Handhabung bei der Montage ruhig mit doppelseitigem Klebeband am Blech fixiert werden kann. Vorher muss aber noch ein großes Loch in die Karosserie – keine ganz leichte Aufgabe, fachlich wie nervlich.
Beim S10 muss die genaue Größe des Fensterausschnitts nicht zwingend dem Fenstermaß entsprechen. In unserem Fall sind 398 mal 698 Millimeter gewünscht für ein Fenster, das mit 400 mal 700 Millimeter angegeben ist – also unbedingt die Anleitung studieren! Teilweise dient der Karton, in dem das Fenster geliefert wird, auch als Schablone. Damit können die Fenstermaße sorgfältig auf die Karosserie übertragen werden. Anschließend muss von innen und außen kontrolliert werden, ob die Position auch wirklich passt: Schräg sollte es nicht sitzen, und vor allem nicht im Bereich eines Trägers. Flatterholme können hingegen problemlos entfernt werden, am besten mit dem Dremel und einer feinen Trennscheibe.
Dann: klein vorbohren und mit einem Kegel- oder besser Stufenbohrer bis auf den gewünschten Eckradius (12 mm am Pur-Win S10) vorarbeiten. Jetzt fehlen nur noch vier möglichst gerade Schnitte. Wer keinen Knabber zur Hand hat, nimmt eine Vibrations- oder eine Stichsäge. Theoretisch klappt’s auch mit einer Flex, doch dann sollte die Karosserie großflächig abgeklebt werden:
Funken brennen sich sofort ins Lackkleid und geben unschöne Rostflecken. In jedem Fall gilt: Schutzbrille, Handschuhe und Gehörschutz tragen!
Wenn das geschafft ist, sollten die scharfen Schnittkante nachbehandelt werden.
Ein paar Euro für einen Entgrater auszugeben lohnt sich, aber es geht auch mit einer feinen Feile.
Damit die offene Kante nicht rostet, wird sie nun mit einem Pinsel und Korrosionsschutz versiegelt, zum Beispiel mit Zinkspray.
Es kommt aber nicht nur auf den richtigen Ausschnitt an. Entscheidend ist auch, wie das Fenster eingesetzt wird. Grundsätzlich gibt es zwei Methoden: Kleben oder Dichten. Beim Kleben, auch mit dauerelastischem Kleber, wird der Fensterrahmen dauerhaft mit der Karosserie verbunden. Beim Dichten wird eine Dichtmasse, zum Beispiel ein Butylband, auf dem Fensterrahmen aufgelegt. Das Fenster wird dann mit dem Innenrahmen verschraubt und dadurch abgedichtet.
Beides hat seine Berechtigung. Offiziell empfiehlt Dometic auch kein bestimmtes Verfahren, allerdings ist bei den Verantwortlichen im Prototypenbau, den wir hier besuchen durften, eine klare Tendenz zum Dichten festzustellen. Beim Kleben kann einfach viel mehr schiefgehen. Damit der Kleber permanent haftet, müssen Oberflächenbeschaffenheit, Temperatur und Luftfeuchtigkeit exakt stimmen. Wird zu viel Kleber aufgetragen, kann es zu Spannungsrissen kommen.
Im Gegensatz dazu muss eine Dichtschnur eigentlich nur flächig aufgelegt und gleichmäßig gequetscht werden – im Falle des S10 mit nur drei Newtonmetern, also Vorsicht! Das Drehmoment sollte nach einer Stunde und nochmal am Folgetag kontrolliert werden, weil die Dichtmasse träge ist und sich noch etwas setzt. Warme Temperaturen sind da natürlich von Vorteil.
Wenn der Van dann gewissenhaft ausgesaugt wurde (der rostenden Späne wegen) wartet zur Belohnung die Schutzfolie auf den makellosen Acrylglasscheiben, sowie Licht und Luft im Fahrzeug – geschafft!
Beschwingt vom geglückten Fenstereinbau geht’s am besten gleich weiter und zwar aufs Dach. Denn: Erst mit einem ordentlichen Dachfenster gelangt ausreichend natürliches Licht ins Fahrzeug. Gleichzeitig maximiert es die Frischluftzufuhr, und zwar deutlich.
Dometic schickt das neu gestaltete Midi-Heki ins Rennen: 700 mal 500 Millimeter in Grau oder Weiß, mit stufenlosem Kurbelmechanismus und vor allem mit einer hochwertigen Haube aus PMMA. Das Material ist kratzfest, UV-beständig, vergilbt nicht und dank Doppelverglasung verbessern sich die Dämmwerte deutlich, auch akustisch. Das wird man spätestens dann schätzen, wenn nachts der Regen auf das Fenster prasselt. Mit dem Facelift wurde die Haube außerdem aerodynamisch optimiert. Wer Windgeräusche weiter minimieren möchte, findet bei Dometic auch einen passenden Spoiler – übrigens alles made in Germany.
Zunächst soll es es jedoch um den Einbau eines MidiHekis gehen. Im Prinzip klappt das ganz ähnlich dem Fenstereinbau; der größte Unterschied ergibt sich durch die Fahrzeugkontur: Anders als die glatte Seitenwand sind Kastenwagen-Dächer mit Sicken versehen, um deren Formstabilität zu erhöhen. Diese mit Kleber aufzufüllen, wäre sicher nicht die beste Idee. Also lieber in einen Adapterrahmen investieren, der die Sicken ausgleicht. Das Dachfenster liegt dann flächig auf und nicht nur auf den hohen Blechstegen. Dometic hat passende Versionen für Front- und Heckmontage am Fiat Ducato im Portfolio, Adapter für andere Basisfahrzeuge findet man bei Drittanbietern.
Auch beim Dachfenster entscheiden wir uns fürs Abdichten, nur eben doppelt: die Karosserie an den Adapter und den Adapter ans Fenster. Innen wird wieder ein Holzrahmen montiert, der bündig mit den tragenden Holmen der Karosserie abschließt. So kann später noch eine Deckenverkleidung angebracht werden. Anders als das Seitenfenster S10 gibt das MidiHeki jedoch keine konkrete Wandstärke vor. Stattdessen gibt es unterschiedliche Montageböcke, die mit Holzrahmen und Dachfenster verschraubt werden, und die alle gängigen Dachstärken abdecken. Die Blende samt Verdunkelung und Fliegenschutz wird anschließend nur geklemmt.