Mit seinem ausgebauten Ford Custom nominierte sich Hans Werner Großkopf beim Selbstausbauer-Camp 2025.
Leinen los?! Wer ins Innere des roten Ford Transit Custom von Hans Werner Großkopf schaut, fragt sich kurz, ob er gerade in einen Van oder eine Schiffskajüte blickt. Die Decke gewölbt mit Zierleisten aus Eiche, der Fußboden ein Stabdeck, ein typischer Schiffsboden, und auch die schwarzen Beschläge an den Möbeln erinnern an die einer Jacht.
Kaum verwunderlich, denn der Selbstausbauer aus Lübeck ist gelernter Bootsbauer. Die Idee, selbst einen Campervan auszubauen, entstand jedoch durch sein Hobby – das Quadfahren. Dafür war Hans Werner Großkopf zuvor mit Kombi und Anhänger in Offroadparks unterwegs. Doch das Ein- und Aussteigen durch die Heckklappe fiel ihm zunehmend schwer. Ein altersgerechtes Upgrade mit Seiteneinstieg musste her, auch damit seine Frau, der kleine Hund der beiden und der Enkel mit zum Campen kommen.
Im Februar 2024 holte Hans Werner Großkopf seinen nigelnagelneuen Ford Transit Custom L2 mit 170 PS und Allradantrieb in Cham ab, mit 25 Prozent Rabatt kostete der 46.000 Euro. Ein vier Jahre alter Gebrauchter mit 100.000 Kilometern wäre nur rund 10.000 Euro günstiger gewesen, ein voll ausgestatteter Ford Nugget nach Ansicht des Lübeckers generell viel zu teuer und das Aufstelldach und die vielen Scheiben zusätzliche Ausschlusskriterien – zu viele Kältebrücken. Denn der Norddeutsche hat es auch in der Übergangszeit gerne warm. Sein selbst eingebautes Ausstellfenster von Carbest RW auf der Fahrerseite ist gedämmt.
Ganze zwei Jahre baute Hans Werner Großkopf seinen Van aus, Projektkosten insgesamt 60.000 Euro, ein Drittel weniger als ein neuer Nugget. Nicht eingepreist sind dabei die 300 Stunden Arbeitszeit. Den Aufwand eines Ausbaus hatte der 58-Jährige rückblickend betrachtet etwas unterschätzt – stolz ist er dennoch und meint: „Wenn man die etlichen Schnittwunden des Blechs beim Dämmen überlebt hat, ist das Schlimmste überstanden.“ Klingt nach einem Seemann, der nach einem heftigen Sturm auf See wieder festen Boden unter den Füßen hat.
Um möglichst viel Wärme im Fahrzeug zu halten, dämmte Hans Werner Großkopf im Dachbereich mit 13 und 19 Millimeter starkem, selbstklebendem Armaflex AF. Im Seitenbereich mit 19 Millimetern. Für die Verkleidung wählte er 3D-Filz und Sperrholz.
Gegenüberliegend zur Schiebetür baute der Lübecker über der späteren Küchenzeile ein Aufstellfenster mit 5000 Millimeter Wölbungsradius ein, das sich dank Radius an die Karosseriekrümmung des Fords anpasst. Auch in die Trennwand zum Fahrerhaus setzte er ein kleines Fenster ein. Die Abtrennung schützt vorm Wärmeverlust durch die Frontscheibe.
Um den Innenraum zu beheizen, installierte Hans Werner Großkopf eine Dieselstandheizung, ein günstiges, chinesisches Modell mit deutscher Zulassung, das sich über das mitgelieferte Steuermodul auf eine für den Custom ausreichende Leistung von 1,1 Kilowatt drosseln lässt. Bei der Elektrik mit Gleichrichter, Ladegerät und Batterieversorgung half Andreas, ein guter Freund. Auf Solar verzichtete der Selbstausbauer – mit der eingebauten 120-Ampere-Lithium-Batterie steht er problemlos zehn Tage autark.
Gemütlich eingerichtet hat es sich der Norddeutsche allemal. Für die Decke funktionierte er einen Raumteiler aus Bambus als Deckenverkleidung um – den vidaXL Paravent Natur Bambus 165 mal 400 Zentimeter. Von hinten mit Filz beklebt ist der sehr biegsam und passt sich gut an die Wölbung der Decke an. Zierleisten aus Eiche sichern die Konstruktion an den Querstreben.
Die Möbel fertigte Hans Werner Großkopf aus Erlenholz. Vier zwei Zentimeter dicke Dreischicht-Laubholzplatten verarbeitete er zu Seitenschränken und einer Küchenzeile. Mit etwa 40 Kilogramm pro Platte und einer Zuladung von 1.300 Kilogramm kein Problem fürs Gesamtgewicht. Um Material zu sparen, wurden die Türen passgenau aus der Möbelplatte geschnitten – mit einem Feinschnittsägeblatt von 2,2 Millimetern. Hier konnte der Selbstausbauer auf die Plattensäge in der Firma zurückgreifen. Das perfekte Spaltmaß zeigt die geübte Hand.
Was sich in einem Boot als widerstandsfähiger Boden bewährt, taugt auch im Van: Hans Werner Großkopf entschied sich daher für einen typischen Schiffsboden aus acht Millimeter dicken, gefalzten Eichenstäben, die er auf einer Siebdruckplatte verklebte. Die Nähte verfugte der Bootsbauer mit WKT-Synthesegummi. Nach dem Trocknen wurde das Stabdeck beigeschliffen und versiegelt – mit Treppen- und Parkettversiegelung. Fertig ist die fahrende Kajüte, die außen an Heck und Motorhaube ein schwarzer Kompass ziert. So findet man den Bootsbauer nun im Offroadpark.