Mit dem C11 baut Woelcke, Spezialist für allradgetriebene Fernreisemobile, einen familientauglichen Grundriss auf dem kompakten VW Crafter. Eine vollisolierte Kabine als Gegenentwurf zum schlichten Kastenwagen.
Kompakte, vollisolierte Raumwunder mit den Außenmaßen und der Handlichkeit eines Kastenwagens – das verspricht Woelcke für seine Autark-Baureihe. Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen Blech und GfK-Verbund beim Familien-Grundriss C11.
Wahnsinn, was gerade Wände ausmachen. So oder so ähnlich muss man das auch bei Woelcke gesehen haben, als 2004, nach rund 300 individuell geplanten Kastenwagen, das erste „vollisolierte Kompakt-Reisemobil“ fertiggestellt war. Nach und nach wuchs das Konzept zu einer kleinen Baureihe – mit Beinahe-Kastenwagen-Abmessungen, Autark-Ausstattung, Allrad und verschiedensten Grundrissen. Nun sind schmale Teilintegrierte wahrlich keine Seltenheit mehr, dieser hier aber doch. Das beginnt schon bei der Basis: Anders als üblich ist an das Fahrerhaus eines Woelcke Autark kein Flach- oder Tiefrahmen-Chassis geflanscht, sondern ein Leiterrahmen. Bei Volkswagen rollt der Crafter klassisch als Pritsche vom Band, typisch wäre auch ein Verkaufswagen oder ein Postkoffer – eine Wohnkabine ist schon seltener.
VERLANGT SPORTLICHKEIT
Diese baut Woelcke aus 30 bis 40 Millimeter starken GfK-Verbundplatten mit geschlossenporigem Polyurethan-Kern. Formschöne sowie reparaturfreundliche Außenprofile, Schürzen und Spoiler – ebenfalls aus GfK gefertigt und perfekt verfugt – komplettieren die Wohnkabine, die auf VW Crafter zwischen 3,34 und 3,90 Meter lang und rund zwei Meter hoch bzw. breit ist. Natürlich liefert Woelcke auch gleich ein paar gute Argumente für Basis und Bauweise: Die Kabine aus GfK-PU- Sandwich ist nicht nur selbsttragend und vollisoliert, sondern auch wasserabweisend und immun gegen Alufraß, sprich ausgesprochen haltbar. Der Leiterrahmen bietet deutlich mehr Stabilität und Bodenfreiheit – das Mindestmaß an Sportlichkeit, das für den Durchstieg vom Fahrerhaus in die Kabine nötig ist, bringt der typische Woelcke-Kunde mit. Da die Kundschaft außerdem mehr reist als urlaubt und das gerne auch in abgelegenen Ecken mit wenig Straßen- und Camping- Infrastruktur, sind Allrad und Autarkie eher die Regel als die Ausnahme.
Trotzdem ist nicht jeder Woelcke auch gleich ein Expeditionsmobil, eher ein an die Kundenwünsche angepasstes Reisefahrzeug. Die Grundrisse reichen von gewöhnlich mit Querbett im Heck bis hin zu eher speziellen Varianten mit einem Raumbad, das gleichzeitig als Schmutzschleuse im Eingangsbereich fungiert. Eine weitere Woelcke-Spezialität ist die Rundsitzgruppe. Zudem sind nicht nur Ausstattungspakete und Farbwelten konfigurierbar, sondern eigentlich alles, was der Zubehörmarkt so hergibt. Stellvertretend dafür steht auch unser Testwagen, der mit vollem Namen Autark Crafter C11 heißt. Den Grundriss zeichnen insbesondere die Stockbetten im Heck aus. So kommen auf gerade mal 6,28 Metern tatsächlich vier Personen und ausreichend Gepäck sowie Vorräte unter.
Weil die untere Matratze etwas kleiner ausfällt, kann die Bettplatte aufgestellt und an der Rückwand arretiert werden. So vergrößert sich die Höhe der Heckgarage mit einem Handgriff von 60 auf 133 Zentimeter. Die obere Liegefläche mit dreiteiliger Bettplatte kann ebenfalls ausgebaut werden, nicht ganz so zügig zwar, doch dann sind über zwei Meter Ladehöhe möglich. Wie eigentlich alle Stauräume in einem Woelcke ist die Heckgarage beheizt, beleuchtet und – je nach Kundenwunsch – auch mit Steckdosen und Zurrschienen oder einem Schwerlastauszug ausgestattet. Vor den Stockbetten beträgt die Stehhöhe 192, der Mittelgang ist mindestens 56 Zentimeter breit – auch bei diesen Maßen übertrifft der C11 einen typischen Kastenwagen. Das fahrerseitige Bad hat eine nutzbare Fläche von 88 mal 85 Zentimetern.
Um seinem Namen gerecht zu werden, ist jeder Woelcke Autark ab Werk nicht nur mit ausreichend Stromreserven, sondern auch mit einer Trockentrenntoilette ausgestattet. In diesem Fall ist eine Helipott XS mit manuellem Rührwerk und SOG-Entlüftung verbaut, die in Sachen Funktion und Verarbeitung zum Besten gehört, das der Markt aktuell bietet. Nichts wackelt oder riecht, schon konstruktiv kann hier eigentlich nichts daneben gehen.
ZWECKDIENLICHE NASSZELLE
Zwei Oberschränke und ein Eckschrank mit Waschbecken bieten ausreichend Stauraum, nur größere Handtücher müssen anderswo unterkommen. Der wertige Einhandmischer stammt aus dem Haushaltsbedarf. Zweckdienlich: Statt zweiter Armatur liegt eine Außenduschbrause bei, die an eine Wassersteckdose gestöpselt wird – eine robuste und vor allem klapperfreie Lösung. Auch dass Klettverschlüsse den Duschvorhang vom Körper weghalten, funktioniert einwandfrei. Und dank Gefälle findet das Brauchwasser zuverlässig seinen Weg aus der Duschtasse in „nur“ einen Ablauf.
Bei der Küche gegenüber ist noch mehr Individualität möglich: Auch ein Gasbackofen oder ein Absorberkühlschrank finden sich in der Aufpreisliste. Andererseits kann der Woelcke auch komplett gasfrei geordert werden. Der Testwagen spiegelt das Grund-Setup mit Kocher-Spüle-Kombination von Dometic wider. Töpfe dürfen hier maximal 22 und 16 Zentimeter messen, um gleichzeitig genutzt werden zu können. Den kompakten Küchenblock ergänzen ein deckenhohes Möbel samt Kompressor- Kühlschrank, eine klappbare Arbeitsflächenerweiterung und ein Oberschrank. Insgesamt ist also ausreichend Platz für Vorräte und Geschirr vorhanden. Nun wären fehlende Rüttelleisten an den Oberschränken für üblich ein Kritikpunkt. Woelcke hingegen argumentiert, dass es für die quaderförmigen Stauräume passende Aufbewahrungskörbe gebe – Rüttelleisten rüste man auf Kundenwunsch aber gerne nach.
Auf der Fahrerseite bleiben nun tatsächlich noch 1,84 Meter und damit mehr als die Hälfte der Kabine – oder etwa doppelt so viel Platz für eine Sitzgruppe, wie in den meisten Kastenwagen. Deshalb bietet der C11 auch eine Volldinette: hinten eine 93 Zentimeter breite Rückbank mit ordentlicher Sitztiefe, angeschrägter Lehne und zwei Gurtplätzen, gegenüber eine zwei Meter lange Bank mit kleinem L-Schenkel, in dem sich ein Schuhregal und die Druckpumpe verstecken. Auch der Tisch ist familientauglich: 93 mal 54 Zentimeter groß, mit ausdrehbarer Verlängerung und sehr stabil. Unser persönliches Highlight ist aber das 145 mal 55 Zentimeter große Fenster – je nach Ausblick ein würdiger Ersatz für die Kastenwagen-Schiebetür. Die Vorstellung vom morgendlichen Blick aus dem Fenster, beim Freistehen fernab touristischer Stellplätze, lässt sich natürlich romantisieren. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Sitzgruppe allabendlich zum eigentlichen Hauptbett des C11 umgebaut werden muss.
ZWINGENDES BETTENMACHEN
Das ist mit wenigen Handgriffen geschehen, und dank der bereits erwähnten Kaltschaummatratzen (hier 9 cm) liegt man auch hier überraschend gut. Den Komfort „echter“ Betten – Profis empfehlen mindestens elf Zentimeter Kaltschaum – darf man jedoch nicht erwarten. Der Grundriss bedingt zudem, dass die Dieselstandheizung in der Sitztruhe und damit in hörbarer Nähe untergebracht ist – zumindest für Menschen mit leichtem Schlaf. Vielleicht liegt es aber auch an der im Testwagen verbauten Upgrade-Variante mit sechs Kilowatt Heizleistung, die das „vollisolierte Kompakt- Reisemobil“ unserer Meinung nach nicht nötig hat: Eine kleine Heizung im Dauerbetrieb ist immer besser als eine große, die ständig ein- und ausschaltet. So oder so, frieren muss im Woelcke keiner.
Auch nicht im Fahrerhaus, das ebenfalls über einen Heizungsausströmer verfügt. Eine Option, die wir unbedingt empfehlen würden, ist der große Fahrerhaus-Dachausschnitt (2.060 €) mit umlaufender Ablage – Stehhöhe erleichtert den eingangs erwähnten Durchstieg vom Fahrerhaus in die Kabine doch deutlich. Spannend ist auch: Egal, ob die Schiebetüren der 88 mal 112 Zentimeter großen Luke offenbleiben oder geschlossen werden – es sind weder Klapper- noch Windgeräusche zu hören, eher schon der Turbodiesel des Crafter. Dass sich die deutliche Mehrheit der Kunden für den Mercedes-Benz Sprinter entscheidet, liegt aber sicherlich eher an dessen erhöhter Bodenfreiheit. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass das Crafter-Fahrerhaus – und damit auch die Kabine – satte acht Zentimeter mehr Breite bietet, und in leichtem Gelände hat der 4Motion-Allrad, der zusätzlich mit einer mechanischen Differenzialsperre für die Hinterachse bestellt werden kann (1.340 €), keinerlei Nachteil.
Basisfahrzeug: VW Crafter 35 TDI 4Motion, Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue und SCRKatalysator; Hubraum: 1.968 cm³; max. Leistung: 163 PS (130 kW) bei 3.600/min; max. Drehmoment: 410 Nm bei 1.500–2.000/min. Achtgang- Wandlerautomatik, Allradantrieb, Euro 6e
Maße & Massen: (L x B x H) 628 x 208 x 293 cm; Radstand: 3.640 mm. Masse fahrbereit: 3.150 kg; zulässige Gesamtmasse: 3.500 kg
Aufbau & Ausbau: Leiterrahmenchassis mit Kabinenaufbau aus GfK-Verbundplatten; Wände und Dach aus 1,5 mm GfK-Deckschichten und 30 mm PU-Schaum, Boden aus 1,5 mm GfKDeckschichten, 30 mm PU-Schaum plus 10 mm Multiplexeinlage, Formbauteile aus GfK-Wirrfaserlaminat. Aufbau rahmenfest montiert. Großer Fahrerhausdachausschnitt und Durchstieg in Kabine. Aufbautür mit 3-fach verriegelndem Sicherheitsschloss mit BKS-Schließzylinder, doppeltverglaste Dometic S4-Rahmenfenster rundum. Möbelbau: 12–16 mm starkes, laminatbeschichtetes Leichtbaumöbelholz
Betten: Stockbetten unten 73 x 185; oben 80 x 195 cm; Sitzgruppe 190 x 116–163 cm
Füllmengen: Frisch-/Abwasser 100/60 l innen-/ außenliegend (isoliert & beheizt); Gas: 5 kg, Kühlschrank 84 l. Dieseltank: 72 l; AdBlue: 18 l Serienausstattung: (Auszug) 163-PS-Motorisierung inkl. Automatikgetriebe und Allradantrieb, Tempomat inkl. Lane Assist, Front Assist, Klimaanlage, Trockentrenntoilette, Truma Combi D4, Aufbaubatterie 200 Ah (Li- FePO4), Ladebooster 50 A, Solarpaneele 2x 100 Wp
Sonderausstattung: (Auszug) AT-Bereifung 2.150 €, LED-Scheinwerfer 1.460 €, Vorderachse verstärkt 440 €, Hinterachse mit Zusatzluftfeder 3.500 €
Testverbrauch: 10,5 Liter
Grundpreis: 174.500 €
Preis Testwagen: 199.597 €
www.woelcke.de
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