Immer mehr Campingbusse sind mit zweiter Schiebetür zu haben. Welche Vor- und Nachteile das mit sich bringt, zeigt der direkte Vergleich zweier Vans auf Basis des Ford Custom.
Der kleine Campingbus steht ganz am Anfang der Reisemobil-Historie. Waren es doch zu Beginn clevere Tüftler, die sich aus Lieferwagen mehr oder weniger rudimentär einen Camper bastelten. Mit dem legendären VW Bulli begann in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts der weltweite Siegeszug des Campingbusses. Er wurde über sämtliche Gesellschaftsschichten hinweg zur Stil-Ikone und zum Sinnbild von Freiheit und Unabhängigkeit, verewigt in vielen Hollywood-Filmen.
Ich selbst bin ein Kind dieser Zeit, hatten meine Eltern doch nacheinander zwei T1-Camper. Und ich selbst ging Anfang der Achtziger mit einem weiß-orangefarbenen T2 mit drei Fanfaren-Hupen und blauer Schirmmütze über der Windschutzscheibe – den ich von einem Hippie gebraucht für 1.200 Mark gekauft hatte – auf große Europa-Tour. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Vieles hat sich verändert, doch die Attraktivität des klassischen Campingbusses ist geblieben.
Der neueste Trend ist die zweite Schiebetür, die VW und Co. für ihre Basisfahrzeuge anbieten – teils als Option, teils sogar zwangsweise. Zweifelsohne: Sie erhöht die Alltagstauglichkeit – was angesichts teils hoher Anschaffungspreise für einen Campingbus immer öfter eingefordert wird. Doch wo Licht ist, da ist immer auch Schatten. Welche Vor- und Nachteile die zweite Schiebetür tatsächlich mit sich bringt, zeigt der direkte Vergleich zwischen Karmann Duncan 500 mit einer und dem City Camp aus dem Hause Dreamer mit zweiter Tür, die beide auf dem 5,05 Meter langen Ford Tourneo Custom bauen.
Stahlblechkarosserien mit GFK-Aufstelldach von Westfalia (Dreamer) und SCA (Karmann) sind für beide Campingbusse Standard. Leichtgängige Gasdruckdämpfer heben beide Dächer ohne größeren Kraftaufwand an und halten sie stabil oben. Die darin verbauten Bettgestelle lassen sich ebenfalls aufstellen, um Stehhöhen im vorderen Wohnraum von mehr als 2 Metern zu ermöglichen. Dabei verbucht der City Camp einen Vorteil für sich: Durch das zusätzliche Gelenk des Bettgestells winkelt sich selbiges beim Anheben ab. So ist auch im hinteren Wagenteil über der Sitzbank Stehhöhe gewährleistet.
Punktelastische Federelemente aus Kunststoff (von Froli im Dreamer) erhöhen in beiden Aufstelldach-Betten den Liegekomfort, Kaltschaummatratzen (40 Millimeter Karmann und Dreamer) ebenfalls. Der Stoffbalg des Aufstelldachs im Dreamer City Camp besitzt größere Seitenfenster mit Fliegengitter an den Längsseiten, die Vorderseite lässt sich im Duncan 500 komplett öffnen. Die Bettenmaße fallen im Duncan mit 196 mal 117 Zentimetern schmaler aus als im City Camp mit 197 mal 125 Zentimetern. Das Ver- und Entriegeln des Aufstelldachs gestaltet sich im Dreamer-Bus dank dreier schlichter Riemengurte etwas einfacher als im Duncan mit hakeligen Klappverschlüssen, die an sich aber hochwertig verarbeitet sind.
Die zweite Schiebetür auf der Fahrerseite stellt den prägnantesten Unterschied zwischen den beiden Campern dar. Die linke Türöffnung im Dreamer ist komfortable 62 Zentimeter breit. Das bietet einige Vorteile.
Karmann + Stoffbalg Aufstelldach vorn zu öffnen – Eine Schiebetür auf der Beifahrerseite Dreamer + Breitere Liegefläche Bett Aufstelldach + Zweite Schiebetür
Die zusätzliche Schiebetür auf der Fahrerseite des Dreamer City Camp erhöht die Flexibilität beim Ein- und Ausstieg, was die Alltagstauglichkeit des Campingbusses zusätzlich deutlich erhöht. Wird der City Camp zum Beispiel auf einer Autobahn-Raststätte vom Nebenmann auf der Beifahrerseite eng angeparkt – wie in der Praxis selbst erlebt –, lässt sich über die zweite Tür noch problemlos der Wohnraum betreten und gegebenenfalls Einkäufe in den Innenraum und in die Kühlbox einladen. Ein weiterer Vorteil zeigt sich beim Boxenstopp mit Vesper bei geöffneter Schiebetür. Die zweite Tür kann dabei die Privatsphäre erhöhen, wenn auf der klassischen Beifahrer-Schiebetürseite Nachbarn sitzen, denen kein Einblick ins Fahrzeuginnere gewährt werden soll: Es bleibt immer noch eine zweite Option, um bei geöffneter Tür in Ruhe zu picknicken.
Die Dreier-Sitzbank im Karmann Duncan 500 ist 119 Zentimeter breit und bietet echte drei Plätze. Die große Schrankzeile daneben ist ebenfalls praxisgerecht dimensioniert.
Der Küchenblock fällt mit 110 Zentimetern Länge etwas kürzer als beim Dreamer aus, bietet aber deutlich mehr Stauraum und den größeren Kühlschrank.
Ein weiterer Nutzen ist die üppige Beinfreit bei gedrehtem Fahrersitz, die identisch mit der des Beifahrersitzes ist und ein großes Plus an Wohnkomfort darstellt: Die Beine müssen wegen des langen Küchenblocks bei Eintür-Bussen nicht zur Seite angewinkelt werden. Das fehlende Möbelteil erhöht an dieser Stelle das Platzangebot im Wohnraum, das im Campingbetrieb etwa die Platzierung einer mobilen Camping-Toilette ermöglicht. Wie alles im Leben bietet die Zwei-Türen-Lösung jedoch nicht nur Vorteile. Der freie Platz vor der zweiten Schiebetür fehlt wiederum an anderer Stelle. Zwar ist die Küchenplatte des City Camp mit 120 Zentimetern sogar etwas länger als die des Duncan mit 110 Zentimetern – bei identischen 40 Zentimetern Breite. Allerdings zieht sich die Küchenplatte des Dreamer wegen der Schiebetür weit nach hinten ins Fahrzeug, sodass dahinter lediglich Platz für den Einbau eines kleinen Kleiderschranks bleibt.
Kurzum: Stauraum ist im City Camp knapp. Außer Netz-Fächern an den Wänden, dem Fach unter der verschiebbaren Sitzbank und dem im Gegensatz zum Duncan nicht nach vorn hin durchladbaren Heckstauraum bleibt nicht mehr Platz zum Verstauen. Links bleibt nur Platz für einen kleinen Schrank.
Erfreulich, dass Dreamer für 740 Euro Aufpreis ein Outdoor-Kit anbietet – inklusive Arretierung des drinnen und draußen nutzbaren Tischs mit Klappbeinen (80 mal 55 Zentimeter) in der Schiebetür und zweier Campingstühle in der Heckklappe.
Deutlich weniger Stauraum-Probleme macht der Karmann Duncan 500. Zwei große Kleider- und Wäscheschränke mit Lamellen-Schiebetüren stehen den Campern hinter der Küchenzeile zur Verfügung. Dazu kommen mehrere Ablagefächer sowie Stauraum unter der Sitzbank und der durchladbare Heckstauraum. Das ist zwar nicht gerade üppig – aber für einen Campingbus zumindest guter Standard. Unterschiede gibt es auch in puncto verschiebbarer Sitzbank. Zwar weisen beide Anbieter sie als Dreier-Bank (mit zweimal Isofix) aus, die Bank des City Camp fällt jedoch mit 100 Zentimetern Breite deutlich schmaler aus als die des Duncan mit 119 Zentimetern. Auf Bodenschienen individuell verschieb- und umlegbar lassen sich beide mit wenigen Handgriffen unkompliziert zu Betten umbauen.
Dank praktischem, 18 Zentimeter breitem Einlegepolster auf der Fahrerseite wächst das City-Camp-Bett auf eine Breite von maximal 123 Zentimeter (Länge 197 Zentimeter). Im Duncan 500 sind es maximal 118 Zentimeter bei 189 Zentimetern Länge. Zu zweit im Bett machen 5 Zentimeter Breite viel aus und erhöhen den Liegekomfort beider Camper auf Tour deutlich.
Karmann + Deutlich mehr Stauraum – Wenig Beinfreiheit Fahrersitz gedreht Dreamer + Viel Beinfreiheit Fahrersitz gedreht – Wenig Stauraum
Die Küchenmaße sind, wie bereits thematisiert, nicht gravierend unterschiedlich – die Ausstattung aber sehr wohl. Platz sparend montiert Dreamer eine ausziehbare 25-Liter-Kompressor-Kühlbox von Dometic in die Küchenmöbel-Flanke, die sich auch von außen über die zweite Schiebetür leicht nutzen lässt. Mit 42 Litern Fassungsvermögen fällt das klassisch in der Küchenmöbel-Front eingebaute Kühlaggregat des Duncan deutlich größer aus. Auch kann Karmann mit deutlich mehr Stauraum und einem Gaskocher mit zwei Flammen punkten. Im Dreamer-Bus stehen lediglich ein Einflammkocher und ein in die Küchenplatte eingelassenes Staufach im hinteren Bereich zur Verfügung sowie eine Schublade unter der Auszieh-Kühlbox und ein Besteckschubfach darüber.
Karmann + Große Küchenplatte mit viel Stauraum + Großer Kühlschrank, Kocher mit zwei Flammen Dreamer + Trotz zweiter Tür große Küchenplatte – Wenig Stauraum, nur eine Flamme
Gegen Aufpreis erwärmen in beiden Testwagen Diesel-Standheizungen mit rund 2.000 Watt den Wohnraum. Der Duncan 500 verfügt mit 50 und 32 Litern über größere Versorgungstanks (City Camp 25 und 15 Liter). Die kleinen 2,75-Liter-Gasfläschchen sitzen gut zu erreichen in zwei Klappen-Fächern auf der Beifahrerseite im Heckstauraum – allein zum Kochen genügen sie allemal.
Dreamer integriert in der engen Box noch die Elektro-Zentrale, deren Bedienung sich aufgrund von Platzmangel etwas fummelig gestaltet. Dafür spart man etwas Stauraum. Karmann spendiert seinem E-Fach eine separate große Serviceklappe daneben, in der FI-Hauptschalter und Sicherungskasten feinsäuberlich nebeneinander stehen.
Die Qual der Wahl? Eigentlich nein. Die Frage, für wen ein Campingbus mit ein oder zwei Schiebetüren besser geeignet ist, lässt sich am Ende des direkten Vergleichs klar definieren. Die zweite Tür des Dreamer erleichtert nicht nur das Einsteigen, sie beschert dem City Camp auch deutlich mehr Platz im Wohnraum sowie ein gesteigertes Maß an Alltagstauglichkeit und macht ihn damit zum idealen Reise-Gefährten für Kurz- und Städtetrips. Diese Pluspunkte gehen jedoch zu Lasten von Stauraum, der für einen mehrwöchigen Campingurlaub dringend benötigt wird. In diesem Punkt spielt Karmann mit dem eintürigen Duncan 500 seine Stärke aus. Im Wohnraum geht es zwar beengter zu, dafür punktet er mit größerer Küche und Sitzbank sowie reichlich Stauraum für Gepäck.
Basisfahrzeug: Ford Tourneo Custom 2.0 EcoLine, Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue und SCR-Kat, Hubraum 1.996 cm³. Max. Leistung 125 kW (170 PS), max. Drehmoment 390 Nm. Allradantrieb, Achtgang-Automatik Maße und Massen: (L x B x H) 505 x 203 x 206 cm, Radstand 310 cm, zul. Gesamtmasse 3.170 kg, Masse fahrbereit 2.607 kg Betten: Aufstelldach 190 x 119 cm, Schlaf-Sitzbank 189 x 118 cm. Füllmengen: Frisch-/Abwasser 50/32 l, Gas 1x 2,75 kg, Kühlschrank 42 l, Diesel 70 l, AdBlue 20 l Aufbau: Stahlblechkarosserie (L1H1) mit Aufstelldach aus GFK-Sandwich, Einzelradaufhängung an Vorder- und Hinterachse, Schiebetür einseitig, Wärmeschutzverglasung Serienausstattung: (Auszug) Fahrer- und Beifahrerairbag, ABS, ESP, Rückfahrkamera, Reifendrucksensoren, Fahrerhaus-Klimaanlage, Tempomat, Lederlenkrad, Iso-Matten Fahrerhaus Extras im Fahrerhaus: (Auszug) 170-PS-Motorisierung ink. Allradantrieb und Automatikgetriebe 8.330 €, Viva-Paket u. a. inkl. lackierter Stoßfänger 2.990 €, Fahrerassistenzpaket 1.915 €, Metallic-Lackierung 1.690 € Grundpreis: 54.800 € Testwagenpreis: 72.510 €
*mit vollem Kraftstofftank; **CV-Messmethode, angelehnt an die EN 1646-2: Anteilige Achslasten errechnen sich nach dem Momentenschlüssel (Achsbelastung = Einzelgewicht x Hebelarm : Radstand)
Der Karmann Duncan 500 rollt mit zulässiger Gesamtmasse von 3.170 Kilogramm vom Band. Allradantrieb und Automatikgetriebe des Testmobils erhöhen sein Gewicht und reduzieren die Zuladekapazität. Dennoch besitzt er ausreichend Zuladereserven.
Basisfahrzeug: Ford Tourneo Custom Titanium 2.0 EcoLine, Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue und SCR-Kat, Hubraum 1.996 cm³. Max. Leistung 125 kW (170 PS), max. Drehmoment 390 Nm. Vorderradantrieb, Achtgang-Automatik Maße und Massen: (L x B x H) 505 x 203 x 204 cm, Radstand 310 cm, zul. Gesamtmasse 3.300 kg, Masse fahrbereit 2.628 kg Betten: Aufstelldach 197 x 125 cm, Schlaf-Sitzbank 197 x 101/123 cm Füllmengen: Frisch-/Abwasser 25/15 l, Gas 1x 2,75 kg, Kühlbox 25 l, Diesel 55 l, AdBlue 20 l Aufbau: Stahlblechkarosserie (L1H1) mit Aufstelldach aus GFK-Sandwich, Einzelradaufhängung an Vorder- und Hinterachse, Schiebetür beidseitig, Wärmeschutzverglasung Serienausstattung: (Auszug) Fahrer- u. Beifahrerairbag, ABS, ESP, ASR, Spurhalteassist., Müdigkeitswarner, Apple CarPlay/Android Auto, Rückfahrkamera, lackierte Stoßstangen, Scheibenwischer-Automatik, Fahrerhaus-Klimaanlage, akustische Einparkhilfe hinten, Außendusche Extras im Testfahrzeug: (Auszug) 170-PS-Motor inkl. Automatikgetriebe 5.450 €, Outdoor-Kit 740 €, Metallic-Lackierung 2.280 €, Infotainment/Navigation 1.090 € Grundpreis: 61.700 € Testwagenpreis: 73.730 €
Mit 3,3 Tonnen zulässiger Gesamtmasse besitzt der Dreamer City Camp sehr üppige Zuladereserven für zwei und vier Camper – eigentlich deutlich mehr, als er Stauraum-Kapazität zu bieten hat. Der fünfte Sitzplatz ist in der Praxis zu vernachlässigen.