> Camper-Test: VanTourer 600L mit knalliger Lackierung

(Grundriss-)Tuning: VanTourer 600 L im Test

05.07.2026
Text: Daniel Schlicke | Bild: Hardy Mutschler

Neben einer knalligen Sonderlackierung und etwas Offroad-Chichi bietet dieser VanTourer vor allem eins: richtig clevere Lösungen im Grundriss.

Um gleich zu Beginn auf das Offensichtliche zu sprechen zu kommen: die Farbe. Hierbei handelt es sich um eine Sonderlackierung in der Hausfarbe des Herstellers, die nicht nur auf Messen für Aufmerksamkeit sorgt. Grundsätzlich kann so eine Lackierung bei VanTourer auch vom Kunden in Auftrag gegeben werden: Über die Händler stünde der gesamte RAL-Farbfächer sowie individuelle Folierungen zur Wahl. Allerdings, so viel Individualität kostet neben verschmerzbaren vier bis sechs Wochen zusätzlicher Lieferzeit auch satte 12.500 Euro Aufpreis.

Individualität & Preispolitik

So gesehen als Kompromiss bietet VanTourer ein Wild-Edition-Paket für knapp 4.500 Euro an. Es bündelt schwarze Vielspeichenfelgen (Dezent KE) in 18 Zoll mit den entsprechenden All-Terrain-Schlappen (General Grabber AT3), die für die Eintragung notwendigen Kotflügelverbreiterungen aus PU, schwarze Radmuttern sowie einen schwarzen Frontschutzbügel. Die Fahrzeuge sind durchnummeriert und mit einem speziellen Logo versehen, das Kunden noch ein wenig – hier mit dem Hashtag #CaravanSalon – individualisieren können. Kombiniert mit einer alternativen Fiat-Farbe, die bereits ab 649 Euro zu haben wäre, entsteht auch so ein Kastenwagen mit coolem Individual-Look.

Nicht ganz so cool, jedoch weitaus praktischer: das Comfort-Paket, das wichtige Extras wie zum Beispiel die Fahrerhausverdunkelung, eine Tischerweiterung und zusätzliche Steckdosen enthält. Die 3.690 Euro sollte man auf jeden Fall einkalkulieren, ebenso wie weitere 2.649 Euro für das Upgrade auf 140 PS. Alles in allem – die Sonderlackierung einmal ausgeklammert – summiert sich die Rechnung des Testwagens auf 76.103 Euro.

Keine Frage, dass die Preisrallye der vergangenen Jahre auch an diesem Fahrzeug deutlich wird. Bei VanTourer ist man sich dessen durchaus bewusst. Der Hersteller verweist auf das vergleichbar, in Teilen sogar besser ausgestattete Sondermodell GO! (Comfort-Paket, Rahmenfenster, Markise, Naviceiver mit Rückfahrkamera etc.), das mit dem Grundriss 600 L für 64.626 Euro den Besitzer wechselt. Kombinieren lassen sich Wild-Edition-Paket und GO!-Sondermodell aber lediglich als Sonderwunsch über die Händler.

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Kompakt & mit Längsbetten

600 L, das heißt knapp sechs Meter Fahrzeuglänge in Kombination mit Längsbetten. Die Längsanordnung der Liegefläche war früher eher den längeren Campervans vorbehalten und verspricht ein paar entscheidende Vorteile: Neben etwas mehr Stauraum in der Heckgarage und den Dachstauschränken punkten Längsbetten mit den großzügigeren Gesamtmaßen und vor allem mit einem bequemen Zugang. Im Falle des VanTourers misst die Matratze längs zwischen 180 und 196 Zentimeter und in der Breite 184 Zentimeter. Bis zu den seitlichen Wänden, die angenehmerweise mit Stoff kaschiert sind, bleibt noch etwas Platz, der teilweise von den Verdunkelungsrollos beansprucht wird.

Tatsächlich fällt der Aufstieg ins 84 Zentimeter hohe Längsbett nicht besonders schwer, jedoch auch nicht wesentlich leichter als bei einem Querbett. Zumal der Tritt im 600 L weit hinter der Liegefläche angebracht und damit kaum nutzbar ist. Es geht also eher um den nächtlichen Gang zur Toilette – was beim Querbett bedeutet, über den anderen klettern zu müssen. Das wird den Partner sehr wahrscheinlich aufwecken. Die dreiteilige Matratze im VanTourer ist elf Zentimeter stark und ziemlich straff. Sie liegt durchweg auf einem Lattenrost, dessen Kopfteil aufgestellt werden kann. So entsteht eine bequeme Lese-Lounge – Ablagen, Steckdosen und LED-Spots inklusive. Mal eben entnehmen kann man den Lattenrost nicht, jedoch passt aufgestellt quer etwa ein Fahrrad in die Heckgarage.

Die „Loungefunktion“ mit aufstellbarem Kopfteil steigert den Nutzwert der Längsbetten, die doch einiges an Grundfläche im Fahrzeug einnehmen.

Stichwort Heckgarage

Die ist bei VanTourer traditionell deutlich größer als im Kastenwagen-Durchschnitt. VanTourer spricht von plus 40 Prozent. Der Clou: Der Frischwassertank kommt nicht wie üblich in einem der seitlichen Podeste unter, sondern unterflur, vor dem Abwassertank. Die entsprechende Isolierung kostet 359 Euro Aufpreis, zudem laufen Warmluftrohre der Standheizung hinter den Tanks. Für die Revisionsöffnung des Frischwassertanks gibt es eine sauber eingefasste Bodenluke. Die Standheizung kommt vom Zulieferer Truma, leistet sechs Kilowatt und verbrennt bei VanTourer immer Diesel. Gas kommt lediglich beim Kochen zum Einsatz, gekühlt wird mit Strom. So konnte der Gaskasten deutlich kleiner gestaltet werden, was ebenfalls dem Volumen der Heckgarage zugutekommt.

Sauber eingefasst: die Revisionsöffnung des Frischwassertanks.

Vier Zurrösen sind Serie, und sie sind durchs Karosserieblech, nicht nur durch die Bodenplatte verschraubt. Damit wäre auch der Sicherheitsaspekt beim Transport schwerer Ladung erfüllt. In der Praxis – um einmal beim Beispiel Fahrrad zu bleiben – spielen natürlich noch Faktoren wie die Rahmen- und die Laufradgröße eine Rolle: Bei einem modernen 29er Mountainbike, Größe M, muss mindestens das Vorderrad raus. Zwei Rennräder quer sind tatsächlich aber kein Problem. Eine Person könnte die Lounge dann sogar noch als Querbett (184 x 93 – 110 cm) nutzen.

Mit Raumbad

Perfekt für nach dem Sport: eine geräumige, heiße Dusche. VanTourer setzt bei seinen Kastenwagen standardmäßig auf ein Raumbad, genannt Variobad. Dem 600 L steht es freilich besonders gut. Ein bisschen gewöhnen muss man sich an die zwei Zentimeter hohe Schwelle im Mittelgang und auch daran, dass der Heckbereich beim Duschen vom restlichen Wohnraum abgeschnitten ist.

Ansonsten: Einleger in der Halterung unter dem Bett verstauen, den hinteren Teil der Badtür entriegeln und durch Magnete in geöffneter Position arretieren, Duschvorhang um sich ziehen – fertig. Mit einer Diagonale von rund einem Meter ist der Duschraum wirklich großzügig. Die Stehhöhe (191 cm) übertrifft sogar die im übrigen Fahrzeug.

Man muss nur ein wenig aufpassen, dass keiner der im Vorhang eingenähten Fiberglasstäbe verrutscht – allzu hoch ist die Schwelle dann doch nicht. Und selbst wenn das Wasser in der Duschtasse bleibt: Obwohl es an Abläufen (vier!) nicht mangelt, fließt es nicht immer perfekt ab.

Immerhin besteht der Einleger für den Mittelgang aus feuchtigkeitsunempfindlichem Material, doch im Toilettenraum läuft man Gefahr, sich nasse Socken einzufangen. Wer sich deshalb auf eine Katzenwäsche beschränken möchte: Das Waschbecken ist mit 18 Zentimetern sehr schmal geraten. Was mehr ins Gewicht fällt und zudem positiv: Auch ohne den zusätzlichen Duschraum ist das Bad groß genug, um die Toilette nutzen zu können, und zudem gut ausgestattet.

Es gibt ein Fenster (Milchglas wäre nicht verkehrt gewesen) und einen Pilzlüfter, ausreichend Stauraum, Handtuchhalter und genügend Licht. Bei der Verarbeitungsqualität punkten sauber gezogene Silikonfugen, der gewissenhaft abgekapselte Toilettenschacht und die solide Türklinke.

 

Küchenblock mit großen Oberschränken

Der Brennerabstand ist knapp, die Spüle misst immerhin 26 mal 28 Zentimeter. Die Arbeitshöhe passt mit 94 Zentimetern gut auch für größere Camper.

Den Küchenblock auf der Beifahrerseite teilt VanTourer klassenüblich auf: Kühlschrank stirnseitig, dahinter Stauraum, darüber ein Kombigerät mit Spüle und Zweiflammkocher, Marke CAN. Links bleiben 33 mal 46 Zentimeter Arbeitsfläche, eine Erweiterung gibt es nicht. Limitierender Faktor ist aber – wie so häufig – eher der Brennerabstand (19 cm).

Sehr gut gefallen die Positionierung der Steckdosen und Lichtschalter, die Beleuchtung an sich und der unterteilte Hängeschrank mit offener Ablage. Nur die Beschläge der Schrankklappen könnten höherwertiger sein und weiter öffnen.

Der Kühlschrank von Dometic kommt mit doppeltem Türanschlag, entnehmbarem Gefrierfach und dezentraler Bedieneinheit, was zusätzliches Volumen generiert. 90 Liter sind etwas mehr als Kastenwagen-Durchschnitt, und auch das übrige Stauraum-Angebot genügt gut für Vorräte und  Geschirr zweier Camper.

Große Dachstauschränke, durch Einlege-Böden mit Rüttelkante sinnvoll unterteilt.

Der Vantourer 600L - auch für Vier?

Für weitere 6.490 Euro gäbe es noch ein Aufstelldach – damit wäre der 600 L zumindest theoretisch fit für Familien, die am besten gleich das Maxi-Chassis mit höheren Achslasten mitbestellen. Mit der 3,5-Tonnen-Grenze würde es trotzdem eng, wie ein Blick auf unsere Ladetabelle verrät.

Das wiederum ist doppelt schade, weil der Sitzkomfort auf der Rückbank wirklich sehr gut ist. Gerade wenn sie seitlich ausgezogen und um das elf Zentimeter breite Zusatzpolster ergänzt wird, sitzen selbst zwei Erwachsene mit breiten Schultern bequem. Außerdem gehört der VanTourer so zu den wenigen Kastenwagen, bei denen die beiden Isofix-Halterungen auch tatsächlich gleichzeitig genutzt werden können.

Zwischen Bad und B-Säule bleiben der Sitzgruppe, die durchs Drehen der Fahrerhaussitze entsteht, immerhin 96 Zentimeter – klar, dass der Kompromiss mit den Längsbetten irgendwo auch Abstriche bedeutet. Der seitlich angeschlagene Tisch kommt auf 85 mal 45 Zentimeter, und er steht sehr stabil. Wird das Comfort-Paket bestellt, stehen durch eine ausdrehbare Erweiterung zusätzliche 28 Zentimeter bereit. Auch hier fällt die gute Ausleuchtung auf. Und die warmen Füße: Insgesamt sechs Ausströmer der Standheizung befinden sich allein im Bereich der Halbdinette. Die Aufteilung ist gut gewählt, denn im Schlafabteil darf es gerne ein paar Grad kühler bleiben.

Auffällig ist auch der Bugausbau mit Panoramafenster und klappbarer Hutablage, der 2.399 Euro Aufpreis kostet und laut Konfigurator immerhin 10 Kilogramm spart. Das Fenster lässt einen guten Spalt weit öffnen und selbstverständlich auch verdunkeln, zudem ist die zusätzliche Ablage recht praktisch. Frei von Klapper- und Windgeräuschen ist die Konstruktion aber nicht, was auch für ein paar andere Bauteile des Testwagens gilt. Andererseits, bei einem Fahrzeug, das bereits auf mehreren großen Messen stand, haben wir schon ganz andere Dinge erlebt.

Was man dem VanTourer 600 L auf jeden Fall bescheinigen darf: Der Grundriss deckt eine erstaunlich große Range ab zwischen Wohnkomfort und Flexibilität. Je nach Geschmack und Geldbeutel gepaart mit den Individualisierungsoptionen über den Handel oder das preislich besonders attraktive Sondermodell GO! – keine schlechte Wahl.

Technische Daten

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue und SCR-Katalysator. Hubraum 2.184 cm³, 103 kW (140 PS), Sechsgang-Schaltgetriebe, Vorderradantrieb, Euro 6e
Maße und Massen: (L x B x H) 599 x 205 x 258 cm, Radstand: 404 cm. Stehhöhe: 189 cm, im Bad 191 cm. Masse im fahrbereiten Zustand: 2.910 kg (lt. Hersteller), zulässige Gesamtmasse: 3.500 kg.
Ausbau: Stahlblechkarosserie L3H2 mit Werkshochdach und Isolierfenstern, vorgehängt. Isolierung Dach und Wände 10 mm PE, plus Stoff-Kaschierung, Boden 10 mm XPS
Betten: Längsbett, Heck 180 – 196 x 184 cm
Füllmengen: Frisch-/Abwasser 100/85 l außenliegend, isoliert und beheizt, Gas 1x 2,75 kg, Dometic Kompressor-Kühlschrank 90 l. Diesel 90 l, AdBlue 19 l
Serienausstattung: (Auszug) 120-PS-Motorisierung, Uni-Lackierung in Weiß, Kraftstofftank 60 l, Ganzjahresbereifung auf Stahlfelgen, Vorbereitung AHK, SAT & Rückfahrkamera, Tempomat, Klimaanlage, Ladebooster, elektr. Trittstufe, Küchenausstattung, Raumbad, 95-Ah-Aufbaubatterie (AGM-Technik)
Sonderausstattung: (Auszug) 140-PS-Motorisierung 2.649 €; Comfort-Paket u. a. inkl. Vorbereitung Solar, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Fahrerhausverdunkelung, Fliegenschutztür, Lederlenkrad, 2x Isofix, Kleiderstange, Packtaschen, zusätzliche Steckdosen 3.690 €; Wild-Edition-Paket inkl. Sonderfolierung, Rammschutzbügel,
Kotflügelverbreiterungen, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, AT-Bereifung 4.490 €; Kraftstofftank 90 l 99 €; Abwassertank-Isolierung 359 €; Ambientebeleuchtung 679 €; Bugausbau mit Panoramafenster und klappbarer Ablage 2.399 €; RAL-Sonderlackierung 12.490 €
Testverbrauch: 9,2 l/100 km
Grundpreis: ab 59.900 €
Testwagen: 88.593 €

GesamtgewichtVorderachseHinterachse
Zulässige Gesamtmasse3.500 kg1.850 kg2.000 kg
Grundmasse (gewogen)*2.835 kg1.609 kg1.226 kg
+ Fahrer75 kg57 kg18 kg
+ 100% Frischwasser100 kg16 kg84 kg
+ 100% Gas (1x 1,75 kg)5 kg1 kg4 kg
+ Boiler/Toilette10 kg5 kg5 kg
Leermasse **3.025 kg1.688 kg1.337 kg
+ Beifahrer 75 kg57 kg18 kg
+ 10 kg / Person (2/4 Pers.)20/40 kg8/15 kg12/25 kg
+ 10 kg / Meter Länge60kg23 kg37 kg
Norm-Gewicht (2 Pers.) ***3.180 kg1.776 kg1.404 kg
Rest-Zuladung320 kg74 kg/596 kg
Norm-Gewicht (4 Pers.) ***3.350 kg1.862 kg1.488 kg
Rest-Zuladung150 kg-12 kg512 kg

*mit vollem Kraftstofftank; **CV-Messmethode, angelehnt an die StVZO; ***CV-Messmethode, angelehnt an die EN 1646-2: Anteilige Achslasten errechnen sich nach dem Momentenschlüssel (Achsbelastung = Einzelgewicht x Hebelarm : Radstand)

Der Testwagen wurde bereitgestellt von TECHNIK-UNTERWEGS. Das junge Unternehmen rund um den Mechatronik-Ingenieur Matthias Faigle mit Sitz in Burgstetten nahe Stuttgart ist VanTourer-Servicepartner und außerdem spezialisiert auf die Aufrüstung von Elektroinstallationen in Reisemobilen – ein kompetenter Ansprechpartner für moderne Bordelektronik, von der Ladetechnik bis zur smarten Steuerung.

Nur ein Beispiel dafür ist die clevere SolarConnect-Dachdurchführung für Solarkabel mit integrierten MC4-Steckern – eine Eigenentwicklung, auf die bereits mehrere OEMs vertrauen. TECHNIK-UNTERWEGS bietet Termine in überschaubarer Wartezeit, aber auch aktuell ausgeschriebene Stellenanzeigen.

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