Leichter, prinzipiell einfacher und weniger empfindlich, da man es nicht kaputt biegen kann: das Prinzip der Luftmatratze in anderen Bereichen. Wie funktioniert das?
Okay, Luftmatratze ist ein wenig provokant. In Zeiten von Stand-up-Paddels und ganz vielen Zelten mit Luftgestänge darf man der Technik schon ein bisschen mehr zutrauen. Schauen wir uns einmal den Hymer Venture S und den Bürstner Lyseo an, bei denen die Dächer auch mit Luft aufgestellt werden. Auf die Idee kamen andere auch schon, nur sind die Wege verschieden.
Beginnen wir mit Stuff Bubble, die gerade noch pünktlich zur CMT in Stuttgart ihren Prototyp fertigbekommen hat. Gleich vorweg eine Besonderheit, die wir beim nächsten Kandidaten auch sehen werden. Fast so lange, wie es das Aufstelldach gibt, gibt es auch die Varianten vorn oder hinten angeschlagen. Also klappt das Dach noch vorn oder hinten hoch, wo hat man Platz, wo liegt der Kopf und wo die Füße? Meist ist der Aufstieg ausschlaggebend, denn zum Einsteigen und Sortieren braucht es etwas mehr Platz, als viele Dächer auf der Anschlagseite bieten können. Der erste Joker, den das Stuff-Bubble spielt, ist also der seitliche Anschlag. Anstatt vorn oder hinten ist das GFK-Dach seitlich, also längs zur Fahrtrichtung, angeschlagen. Gehalten wird das Dach auf einer Seite mit einem Keder. Nicht nur die Sackmarkise oder sonstiger Kleinkram wird damit befestigt, auch Lkw-Planen oder Dach und Wände von einem Festzelt auf dem Oktoberfest werden von Kedern in Kederschienen gehalten. An Sicherheit, Festigkeit und Stabilität muss man also nicht zweifeln, die Stabilität ist oft sogar ein Problem in vielen Bereichen.
Damit ein Aufstelldach oder eine Markise hält, braucht es fast immer ein Gestänge aus Metall. Da man bei Camping-Fahrzeugen auf das Gewicht achten sollte, ist es entsprechend natürlich Leichtmetall, also Aluminium. In der richtigen Legierung und der richtigen Form bekommt man Aluminium fast so stabil wie Stahl, nur eben leichter und korrosionsbeständiger.
Aber auch Stahl verbiegt sich bei entsprechender Belastung. Schließen wir die Fehlbedienung mal aus und bleiben beim Wind. Eine Böe oder ein Sturm kann nicht nur Bäume ausreißen, sondern auch Aufstelldächer oder Markisen verbiegen. Nicht die Regel, aber auch nicht unmöglich. Luft dagegen lässt sich komprimieren und der damit gefüllte Schlauch auch dehnen. Selbst wenn sich die Form verformt, verformt sie sich hinterher wieder in die Ausgangsform zurück.
Soviel mal zur theoretischen Technik. In der Praxis sieht es aber nicht viel anders aus. Wieder zurück zu Stuff Bubble. Der Erfinder hängt mit seinem Leben an der Luft. Faktisch falsch, denn richtig hängt er mit seinem Leben in der Luft. Benni Hörburger begann als Testpilot für Gleitschirme und ist heute bei einem großen Hersteller in der Entwicklung tätig.
Zum Thema Camping kam er durch seinen guten Freund Markus Wolf, der in der Szene besser als fan4van bekannt ist. Wenn Star-Camper und Produktentwickler viel Zeit miteinander verbringen, kann es schon passieren, dass man spannende Ideen hat.
Angefangen hat es nicht ganz uneigennützig mit einem aufblasbaren Bett, einer aufblasbaren Küche und der aufblasbaren Markise. Die Idee dahinter war, mit „Sportgepäck“ in den Flieger zu steigen, einen Van als Mietwagen zu nehmen und mit wenig Aufwand zum Camper aufblasen. Das hat so gut funktioniert, dass ein Business daraus wurde. Damit das Business wächst, wurden weitere Einsatzmöglichkeiten dafür gesucht und man landete schließlich beim Aufstelldach. Mit dem Konzept ging es zu SCA, die von der Idee nicht uninteressiert waren. Die Haube oder Dachschale kommt also von einem großen und erfahrenen Anbieter, der die Teile für fast jedes Fahrzeug anbietet. Da der Plan war, den Prototyp auf der CMT vorzustellen, war es knapp. Ganz hilfreich war und ist aber Bennis Connection nach Sri Lanka, wo auch die Gleitschirme gebaut werden. Gut geplant und vorbereitet war das Luftgestell rund drei Wochen vor der Messe fertig und konnte in Oberkochen bei SCA auf den Ducato von Markus gebaut werden.
Seitdem ist der fan4van sozusagen als rollendes Versuchslabor unterwegs, hat zuerst die Wintertauglichkeit getestet, war aber auch schon in der Sonne damit. Die Bettgröße, hier 1,20 mal 2,00 Meter, hängt natürlich vom Fahrzeug ab, die Höhe im Dach liegt bei rund 1,20 Metern. Geschlafen wird ebenfalls auf einer Luftmatratze, die mit einem atmungsaktiven Mesh-Gewebe für gutes Klima sorgt. Spannend sind natürlich auch die verschiedenen Luftkammern in der Matratze, die sich von der Härte an den Benutzer anpassen lassen. Das System ist auf jeden Fall sehr interessant und wird sicher spannend zum Testen.
Auch mega interessant, wenn auch nicht ganz so konsequent auf Metall verzichtet wird, ist das Dach von Freescape. Die Gemeinsamkeiten sind die längs angeschlagene Aufrichtung und die Verwendung von Luftschläuchen, um den Aufbau zu halten. Die Idee und die Anforderung waren aber anders.
Die gewählte Basis ist der neue Ford Tourneo Custom oder der neue VW T7. Beides, wenn entsprechend ausgebaut, kompakte Campingbusse, in denen man ohne nachgerüstetes Hoch- oder Aufstelldach nicht stehen kann. Auch mit Aufbau ist das Stehen nur dann möglich, wenn die Betten im ersten Stock nicht benutzt werden, denn sonst setzt der Bett-Unterbau dem Wohnraum größtenteils den Deckel auf.
Die Idee ist genial: In Fahrtrichtung links wird das Dach aufgeklappt, nach rechts klappt man das Schlafzimmer auf. Hört sich lustig an, ist es auch. Unter dem GFK-Dach ist noch eine große Plattform, die aufgeklappt und dann mit zwei Stützen verstärkt wird. Anschließend bläst ein Kompressor das Dachzelt mit einem Druck von zehn PSI, also knapp 0,7 bar auf und es entsteht ein gemütliches Schlafabteil mit 1,40 mal 2,00 Metern Liegefläche. Der große Vorteil, unabhängig vom großen Platz im Schlafzimmer, ist der große Platz im Wohnraum, besonders für den Kopf. Gut 2,50 Meter Stehhöhe bei gebautem Bett, da lässt es sich gut leben.
Wände und Decke des Wohnraums sind zweilagig, wie bei einem Zelt. Die äußere Schicht ist aus einem atmungsaktiven, beschichteten Nylon-Gewebe, wie andere Aufstelldächer auch. Das Innenzelt, das für etwas mehr Gemütlichkeit und Abstand zur Außenhülle sorgt, ist auch aus Baumwoll-Stoff.
Die Aussage „Klein fahren, groß wohnen“ hört sich ganz glaubhaft an. Als zusätzlicher Vorteil ist, dass ein Sonnensegel und eine Markise gleich dabei sind. Wenn man also die ausschwenkbare Küche beim Freescape nutzen will, steht man im Trockenen.
Wie immer bei Aufstelldächern, egal in welcher Form, ist das Freistehen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, fast unmöglich.
Nachts ankommen und morgens weiter ist aber gerade so möglich, der Auf- und Abbau dauert gute fünf, maximal zehn Minuten. Auf dem Campingplatz hat man nur Vorteile und viel Platz, um den Urlaub zu genießen und sich zu erholen. Mit vier Schlafplätzen, zwei im Dach und zwei unten auf den umgeklappten Sitzen, ist der kompakte Campingbus fast schon familientauglich oder, auch eine Option, er bietet bei herausgenommenen Sitzen viel Platz, um beispielsweise Fahrräder oder ein anderes Sportgerät zu transportieren. Spannend, wir freuen uns schon auf den ersten Test. Für den Privatkunden ist das einzelne Dach leider nicht erhältlich, dafür gibt es komplett und gut ausgestattete Fahrzeuge von Freescape auf Ford oder von Rhön Camp auf VW. Preislich geht es bei rund 75.000 Euro los.
Der Dritte im Bunde bedient wieder die größeren Fahrzeuge. Das X GLOO Roof System gibt es bisher für den VW Crafter bis 2016 und den Mercedes Sprinter ab 2006. Ganz neu auf der CMT im Januar präsentiert, ist die ‚X GLOO 3DTEX‘-Technologie.
Für viele ein wichtiger Punkt vorab. Das Hubdach gibt es montagefertig und einbaufähig. Weitere Modelle, wie der Ducato und damit natürlich auch seine baugleichen Brüder, soll es auch bald geben. Beim X GLOO ist ein bisschen mehr Metall im Spiel, das die CSRIM-Dachschale zusätzlich hält. Dennoch ist von einem Gesamtgewicht von rund 130 Kilogramm die Rede. Das Dach mit einer acht bis fünfzehn Zentimeter dicken Luftschicht in den Kammern ist bestens isoliert, also gegen Kälte und auch gegen Schall. Ein großes Dachfenster gibt es auch dazu. Der Hubbalg besteht aus einem zweilagigen, beschichteten Gewebe, das die Luft im Inneren und das Wasser draußen lässt. Der Kompressor ist integriert und stellt das Dach in etwas mehr als einer Minute auf. Der Luftdruck im Inneren beträgt 200 mBar, also knapp 3 PSI, wenn er sinken würde, regelt der Kompressor nach, aber das Dach wird ja noch von den Aufstellwinkeln gehalten. Auch ganz schick ist die zu öffnende Rückwand, die mit Abstützung wie ein Dach ist und mit einem Moskito-Netz verschlossen werden kann. Geschlafen wird wahlweise auf einer klassischen Schaumstoffmatratze oder einer dicken Luft-Komfortmatratze. Die Maße mit 2,00 mal 1,35 Metern sind gleich.
Auch interessant, da bei der Isolierung auch sinnvoll, sind die optionalen Auslässe für die Heizung. Somit ist das X GLOO wohl besonders für die Wintercamper geeignet – wobei das, was gegen Kälte hilft, auch gegen Hitze hilft. Wir sind gespannt auf den ersten Test.
Auch wenn sich der Abschluss ein bisschen um heiße Luft dreht, ist das Thema nicht ganz uninteressant. Dass keiner einen Vollwärmeschutz an sein Dach kleben kann, ist klar, das Haus möchte man aber auch nicht in Luftfolie verpacken. Wer schon einmal die Thermomatten fürs Stoffdach probiert hat, weiß, wie gut sie funktionieren. Es ist aber etwas aufwendig zu montieren und nimmt beim Transport viel Platz ein.
Vielleicht ist das Luftdach die Zukunft. Allerdings muss man die Technik und den Aufwand auch bezahlen.