Neue Basis, neues Design, neuer Ausbau-Produzent: Für Ahorn Camp aus Speyer stehen die Zeichen 2026 ganz auf Neuanfang. Ob der Masterplan aufgehen wird, oder zumindest wie die Chancen stehen, verrät unser Test.
Nur selten sind neue Campervans wirklich komplett neu – zumindest in der Großserie. Für das 2026er-Sortiment von Ahorn Camp würden wir uns aber tatsächlich zu diesem Superlativ hinreißen lassen. Da wäre das gründlich überarbeitete Chassis, der neue Ausbau-Partner und – last, but not least – eine kräftig modernisierte Designsprache. Ob neu nun immer besser ist, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Ob die neuen Kastenwagen vom Familienbetrieb aus Speyer besser sind als die Vorgängermodelle, das wollten wir ganz genau wissen. Also schickt Ahorn einen flammneuen CV 630 zum Test.
Keine Neuigkeit, aber eine Neuheit: Ahorn setzt konsequent auf den Renault Master als Basisfahrzeug, dessen aktuelle Version eben erst homologiert wurde. An der bulligen Front, die den Cw-Wert tatsächlich um 20 Prozent verbessern soll, ist er unschwer zu erkennen. Der 2025 zum „International Van of the Year“ gekürte Transporter wurde aber nicht nur optisch überarbeitet: Auch technisch ist er gut dabei, was Ahorn mit einem bestens ausgestatteten Testwagen eindrucksvoll vorführt.
Den 130-PS-Schalter der Basisversion sind wir offen gestanden noch nicht gefahren, doch bei je 1.990 Euro für das Upgrade auf 170 PS bzw. die Wandlerautomatik fällt die Entscheidung nicht schwer. Der topmotorisierte Testwagen jedenfalls beschleunigt flott und schaltet butterweich. Auf abrupt eintretende Fahrsituationen reagiert der Master – und damit auch der Fahrer – weitgehend gelassen. Das ESP ist gut dosiert, die Lenkung direkt, aber nicht nervös. Hier profitiert man vom verhältnismäßig langen Radstand, aber auch vom straff abgestimmten Fahrwerk. Die Kehrseite der Medaille: Gerade den einlagigen Stahl-Längsblattfedern an der Hinterachse gelingt es höchstens passabel, gröbere Fahrbahnunebenheiten auszugleichen.
Trotzdem bleibt es im CV 630 angenehm leise. Motor-, Wind- und Abrollgeräusche sind gut gedämmt, der Möbelbau neigt kaum zum Knarzen oder Klappern. Leicht zu beseitigende Hauptgeräuschquelle: ein schlecht eingestellter Aufsteller an einem Oberschrank.
Ein weiterer Negativpunkt des langen Radstands war immer der große Wendekreis, den die Franzosen durch eine neue Vorderachse um ganze 1,5 Meter verkleinern konnten. Tatsächlich ist der Wendekreis sogar kleiner als beim vergleichbar langen Fiat Ducato: 14,6 zu 15,3 Meter.
Bei der Ergonomie gibt es Licht und Schatten: Aufgrund der wuchtigen Motorhaube sowie der sehr niedrigen Sitzkonsolen bleibt die Übersicht nach vorn etwas hinter dem direkten Mitbewerber. Selbst größere Fahrer sehen die Straße vor sich erst ab 3,80 Metern, und sie sitzen nicht so bequem. Dafür sind der stark fahrerorientierte Infotainment-Screen und noch mehr die analogen Instrumente leicht abzulesen, es gibt beidseitig Armlehnen sowie haptische Tasten und Drehregler für die wichtigsten Funktionen.
Ganz entscheidend für Campervans auf Renault Master: die gewachsenen Gesamtlängen. Mit 5,68 beziehungsweise 6,31 Metern sind beide Varianten rund zehn Zentimeter länger als ihre Vorgänger – Platz, der dem Ausbau absolut gut tun sollte. Für den Ausbau zeichnet nun nicht mehr Luano Camp verantwortlich, sondern das ebenfalls in der Toskana gelegene, hochmoderne Erwin Hymer Group-Werk. Hier werden auch die Fahrzeuge der Marken Laika, Etrusco und Corigon gebaut – die jedoch allesamt vertraglich gesichert auf den Master als Basisfahrzeug verzichten. Die Grundrisse ändern sich durch den Umzug ins Hymer-Werk höchstens im Detail.
Spannend ist, dass der getestete CV 630 und der kürzere CV 560 bis auf das Bett im Heck exakt baugleich sind – häufiger verteilen die Hersteller die zusätzliche Fahrzeuglänge einigermaßen gleichmäßig auf Sitzgruppe, Bad und Bett.
So bleiben zwischen B-Säule und Bad verhältnismäßig kompakte 95 Zentimeter für die Halbdinette. Die Lehne der Rückbank ist nicht zu steil, der Tisch dafür eher schmal, doch er kann serienmäßig erweitert werden. Für Paare genügt das Platzangebot allemal. Nervig hingegen: Zum Drehen der Vordersitze müssen die Fahrerhaustüren geöffnet werden, bei geschlossenen Türen müssen die gedrehten Sitze fast 180 Grad zur Fahrtrichtung stehen. Das funktioniert im Ducato deutlich besser.
Familien können die Sitzgruppe optional und mittels Zusatzpolster zu einem dritten Schlafplatz umbauen. Auch einmal Isofix findet sich auf der Aufpreisliste. Im Sitzkasten kommt nun die Standheizung unter, dafür wandert der Frischwassertank ins Heck – das ist beim Wintercampen und aufgrund der besseren Warmluftverteilung eine gute Idee.
Beim Küchenblock gegenüber konzentriert sich die Arbeitsfläche (26 mal 46 Zentimeter) nun links, weil eine Kocher-Spüle-Kombination mit integrierter Armatur verwendet wird. Einzelne Tester favorisieren hier das Vorgängermodell, bei dem rechts Platz für eine schlanke Kaffee-Kapselmaschine blieb. Schwerer wiegt der geringe Brennerabstand: Bei 19 Zentimetern müssen Nudeln und Sauce entweder in kleinen Portionen oder doch eher nacheinander zubereitet werden.
Die Arbeitshöhe ist mit 96 Zentimetern gut gewählt, die Aufteilung der drei Schubladen ebenso. Obwohl die Dachstauschränke im Renault Master etwas kleiner ausfallen als in den meisten Ducatos, ist das Stauraum-Angebot ordentlicher Durchschnitt.
Die Stehhöhe liegt mit 186 Zentimetern etwas unterhalb des Durchschnitts, der Mittelgang mit 47 Zentimetern etwas darüber.
Beim Kühlschrank setzt Ahorn auf Kompressor-Technik, das Modell von Dometic ist recht leise und überzeugt zudem mit doppeltem Türanschlag und entnehmbarem Gefrierfach.
Das Kompaktbad hat alles außer übermäßig viel Bewegungsfreiheit. Der Hersteller spricht ihm nur eine Grundfläche von 80 mal 85 Zentimetern zu – recht wenig ohne Tricks wie das Klappwaschbecken des Vorgängers. Zumal mit Duschvorhang vor der Falttüre, der auf engem Raum gerne am Körper klebt. Die Falttür ist eigentlich praktisch, platzsparend und handlich in der Bedienung, aber eben nicht feuchtigkeitsunempfindlich – auch deshalb der Duschvorhang.
Aber: kaum haben wir unser Feedback an Ahorn weitergegeben, schütteln die schon die passende Antwort aus dem Ärmel: In der Produktion wurde bereits auf ein Schwenkbad umgestellt und die Falttür gegen eine Glieder-Schiebetür getauscht.
Die Materialien sind nun feuchtigkeitsunempfindlich, sodass der Duschvorhang überflüssig wird. Und im Hüftbereich bleibt deutlich mehr Platz. Fenster, Dachhaube und ein Spiegel bleiben erhalten. Da geht es schon in Ordnung, dass nun etwas weniger Stauraum zur Verfügung steht. Größtes Manko: Die Kassettentoilette baut mit 66 Zentimetern sehr hoch.
Ahorn verspricht: Wer seinen CV 560 oder 630 heute bestellt, der erhält mit Sicherheit ein Schwenkbad mit Glieder-Schiebetür. Hier bleibt viel mehr Platz zum Duschen. Also Obacht bei Fahrzeugen aus dem Lagerbestand: kein K.-o.-Kriterium, aber durchaus ein Argument beim Handeln.
Die Einzel-Längsbetten im Heck sind jeweils 73 Zentimeter breit und 200 bzw. 185 Zentimeter lang (im Vorgänger: 192 und 185 Zentimeter). Dabei ruhen die elf Zentimeter starken, nicht zu straffen Matratzen auf einem Lattenrost, der sich zur Seite klappen lässt, wodurch weitere Staufächer zugänglich werden. Getrennt geschlafen, sind sowohl die Betten als auch die Dachstauschränke besonders bequem zu erreichen. Zur Not könnten zwischen den beiden Betten auch mal zwei teure Rennräder stehen.
Andererseits sind 73 Zentimeter eher schmal, und das 25 Zentimeter breite Zusatzpolster, das die beiden Betten verbindet, die von uns favorisierte Lösung. Dank tief ausgeschnittener Matratzen bleibt der Zustieg bequem – zumindest ohne die Schottwand, für die wir uns eine zweite Arretierung weiter hinten im Fahrzeug wünschen würden. Dann ließe sich auch der Kleiderschrank ordentlich nutzen.
Gut gefallen uns die umlaufenden Fenster und die Akustikpaneele, die den schnöden Kunststoff der Wandverkleidungen spürbar aufwerten. Auch Steckdosen und offene Ablagen fehlen nicht.
Gut ist außerdem, dass Ahorn trotz Smart-Home-Steuerung von Revotion auch echte Lichtschalter verbaut. Zwar klappt die Bedienung über den großen Farb-Touchscreen intuitiv, aber eben nicht vom Bett aus, und nicht jeder will permanent sein Smartphone zur Hand haben müssen.
Gut zu wissen: Revotion ist serienmäßig verbaut und auch die Smartphone-App ist kostenlos. Die Kommunikation per Bluetooth beschränkt sich aber auf das nähere Fahrzeugumfeld – wer seinen Kühlschrank oder die Standheizung von überall aus steuern oder mal eben den Frischwasservorrat checken möchte, zahlt dafür aber fünf Euro monatlich.
Aktuell bietet Ahorn Camp den CV 630 in einer First Edition an, die zusätzlich mit einer Markise, einem Smart-TV und einer Solaranlage ausgestattet ist – macht einen Preisvorteil von etwas über 3.000 Euro, was die eher üppige Abwicklungspauschale von 2.450 Euro mehr als aufwiegt.
So oder so: Der Preis ist fair, denn der neue Master hat einiges auf dem Kasten, und dank der Verlagerung der Produktion zur EHG hat der Ausbau qualitativ einen ordentlichen Sprung nach vorn gemacht. Wenn Ahorn mit letzten Schwächen ähnlich konsequent aufräumt wie mit dem Bad, dürfte der Masterplan aufgehen.
Basisfahrzeug: Renault Master Blue dCi 170, Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue; Hubraum: 1.997 cm3; Leistung: 170 PS (125 kW) bei 3.500/min; max. Drehmoment: 380 Nm bei 1.500/min; Neungang-Wandlerautomatik, Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbeinen; hinten Starrachse an einlagigen Stahl-Längsblattfedern; Frontantrieb, Schadstoffklasse Euro 6e Maße und Massen: (L x B x H) 631 x 208 x 261 cm, Radstand: 421 cm. Stehhöhe: 186 cm. Masse im fahrbereiten Zustand: 2.937 kg (lt. Hersteller), zulässige Gesamtmasse: 3.500 kg. Aufbau: Stahlblechkarosserie L3H2 mit Werkshochdach, doppeltverglaste Alu-Rahmenfenster. Isolierung Dach, Wände, Boden PE-Schaum 12–22 mm Betten: Längs-Einzelbetten, Heck 200 x 73 und 185 x 73 plus 25 cm Füllmengen: Frisch-/Abwasser 100/80 l innen-/außenliegend, Gas 2x 11 kg, Dometic Kompressor-Kühlschrank 70 l. Diesel 80 l, AdBlue 20 l Serienausstattung: (Auszug) 130-PS-Motorisierung mit Sechsgang-Handschaltgetriebe, First-Edition-Paket inkl. Markise, 22-Zoll-Smart-TV und 95-Wp-Solaranlage; Rahmenfenster, Verdunkelungsvorhänge für Fahrerhaus, Küchen- und Badausstattung, LED-Beleuchtung, Truma Combi 4 Gasstandheizung Sonderausstattung: 170-PS-Motorisierung 1.990 €, Automatikgetriebe 1.990 €, Metallic-Lackierung in Star-Grey 890 €, Chassis-Paket u. a. inkl. Klimaanlage, LED-Scheinwerfern, Tempomat u. Allwetterreifen 1.900 €, Design-Paket inkl. Zierblenden in Wagenfarbe und Fahrerhaus-Sitzbezügen in Wohnraum-Design 690 €, Assistenz-Paket 390 €, Multimedia-Paket u. a. inkl. 10-Zoll-Infotainmentsystem mit Smartphone-Integration und Freisprechanlage 990 €, Comfort-Paket u. a. inkl. Ladebooster, Aufbaubatterie (95 Ah AGM), 230-Volt-Steckdosen, Außenleuchte, Fliegengittertür, und Vorbereitung für Sat und Solar 1.490 €, Isofix 390 €, elektr. Trittstufe 490 € Testverbrauch: 9,8 l/100 km Grundpreis: ab 54.500 € Testwagen: 68.160 €
*mit vollem Kraftstofftank; **CV-Messmethode, angelehnt an die StVZO; ***CV-Messmethode, angelehnt an die EN 1646-2: Anteilige Achslasten errechnen sich nach dem Momentenschlüssel (Achsbelastung = Einzelgewicht x Hebelarm : Radstand)