Wie gut funktioniert mobiles Arbeiten auf vier Rädern? Wir mieten den Office-Camper mit Büro im Heck, ergonomischem Arbeitsplatz und stabiler Internetverbindung per Starlink für einen ausgiebigen Praxistest.
Wer schon einmal versucht hat, aus dem Campingbus zu arbeiten, kennt es: Auf dem Tisch steht noch der ganze Kram vom Frühstück, der zunächst einmal weggeräumt werden muss, um überhaupt eine freie Fläche fürs Notebook zu schaffen. Mit Glück findet man noch einen kleinen Platz für Maus und Tastatur – für den zweiten Monitor bleibt keine Chance. Ist das Aufräumen erledigt, quetscht man sich in die Sitzecke und hofft, dass der Rücken das acht Stunden mitmacht.
Fürs Mails-Checken und Kleinigkeiten erledigen geht das noch, doch für mehrere Arbeitstage am Stück? Eher schwierig. Vor allem, wenn man zu zweit unterwegs ist und der eine arbeiten will, während der andere in Ruhe weiterfrühstücken möchte. Nun könnte man sich auch wieder ins Bett legen und von dort aus tippen – was genau solange gut funktioniert, wie man nicht viel schreiben muss. Und mit gekrümmtem Rücken auf dem Bett zu hocken hätte vermutlich bald den einen oder anderen Termin beim Physiotherapeuten zur Folge. Kurzum: Der klassische Camper-Ausbau ist kaum für regelmäßiges Arbeiten unterwegs gemacht.
Die Lösung kommt aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart: Gregory und Adrian Auracher wollten einen Camper bauen, in dem man wirklich arbeiten kann – ergonomisch, aufgeräumt, ohne jeden Morgen erst mal das halbe Fahrzeug umzuräumen. Aus dieser Idee entstanden die Manufaktur Work‘n‘roll und der Office-Camper. Er richtet sich in erster Linie an digitale Nomaden, lässt sich aber selbstverständlich auch „ganz normal“ für den Urlaub nutzen. Alles, was ein klassischer Camper bietet, hat er ebenfalls – plus ein geräumiges Büro im Heck mit ergonomischem Arbeitsplatz, 27-Zoll-Monitor, Starlink-Antenne und viel Stauraum.
Einen dieser Vans hat Daniel Holzfuß aus Senden bei Münster übernommen. Interessierte aus der Region können bei seiner Firma Work | Life | Mobility den Office-Camper mieten und damit zu ihrem eigenen Work-and-Travel-Abenteuer starten.
Ende November durfte er sich in der CamperVans-Redaktion beweisen – unter wechselhaften Bedingungen: Sonnenschein bei Minustemperaturen, Nieselregen und schließlich Schneefall prophezeit die Wetter-App für die kommenden Tage. Ich bin gespannt, wie es sich dabei auf engem Raum arbeiten und leben lässt. Und: wie es sich bei unter null Grad im Aufstelldach schläft. Denn im Fahrzeugheck ist statt des üblichen Betts das Büro eingebaut.
Gemietet wird der Office-Camper über das Buchungsportal auf der Webseite, die Mindestmietdauer beträgt drei Tage. Wer nicht nach Senden kommen kann, bucht einen Transfer zum Flughafen Münster/Osnabrück hinzu. Der reguläre Tagesmietpreis für den Camper liegt bei 129 Euro pro Tag. Wer unterwegs arbeiten möchte, bucht für 49 Euro pro Tag das Office-Paket inklusive Highspeed-Internet-Flatrate über Starlink dazu. Zudem gibt es ein reines Internet-Paket für einmalig 99 Euro. Dazu kommen 99 Euro Servicepauschale sowie 129 Euro Endreinigung (entfällt ab mehr als sieben Tagen Mietdauer). Extras wie Anhängerkupplung, Bettwäsche oder Fahrradträger können hinzugebucht werden. Auch Hunde sind willkommen. Langzeitbuchungen über mehrere Wochen sind günstiger: Ab 22 Buchungstagen kostet der Van knapp 110 Euro pro Tag.
Nach der Übergabe steuern wir die Marina Alte Fahrt Fuestrup in Greven am Dortmund-Ems-Kanal an. In der Nebensaison ergattert man hier leicht einen Platz direkt am Wasser. Wobei man mit dem gut ausgestatteten Office-Camper kaum auf die Infrastruktur eines Campingplatzes angewiesen ist: Die 280-Amperestunden-Lithiumbatterie, 320 Watt Solar auf dem Dach, die 11-Kilo-Gasflasche und die verbaute Trockentrenntoilette bieten eine solide Grundlage für autarkes Reisen. Wie lange das möglich ist, hängt vor allem von Jahreszeit, Personenzahl und individuellem Verbrauch ab. Der Strombedarf ist gut abgedeckt – selbst wenn Laptop und Monitor acht Stunden laufen. Auch ohne Sonne liefert die Batterie für mehrere Tage zuverlässig Energie.
Begrenzt wird die Freistehzeit eher durch die Wassertanks und die Toilette. Zwei Personen, die täglich (kurz) duschen, spülen und kochen, füllen den 90-Liter-Abwassertank nach etwa vier bis fünf Tagen. Der Urinbehälter der Trockentrenntoilette muss alle paar Tage geleert werden, der Feststoffbehälter seltener. Im Winter spielt der Gasverbrauch eine Rolle – je nach Außentemperatur und Heizverhalten reicht die Flasche für etwa drei bis sechs Tage. Wer allein reist, kann die Freistehzeit spürbar strecken: Im Sommer sind, bei sparsamem Verbrauch, mehr als sieben Tage möglich, bevor leere beziehungsweise volle Tanks nach Aufmerksamkeit verlangen.
Da Wochenende ist, wird zunächst die Wohntauglichkeit des Vans getestet, der für zwei Personen konzipiert ist und knapp 190 Zentimeter Stehhöhe bietet. Die Ducato-Vordersitze sind mühe- und stufenlos drehbar und bequem. Gegenüber befindet sich ein weiterer Sitzplatz. Unter diesem verbirgt sich die Trockentrenntoilette, welche bei Bedarf in der Duschkabine ausgezogen werden kann. Der Tisch kann bis auf Sitzhöhe abgesenkt werden, wodurch eine ebene „Lounge-Fläche“ entsteht, ideal zum Füßehochlegen. Zwei Personen finden hier bequem Platz zum Sitzen und Essen.
Gegenüber beherbergt das Küchenmodul einen zweiflammigen Thetford-Gaskocher, einen 98-Liter-Kompressorkühlschrank mit Tiefkühlfach von Comfee, eine große Edelstahlspüle mit schwarzer Armatur und sechs Soft-Close-Schubladen. Die Küche ist komplett ausgestattet – vom Bialetti-Kaffeekocher über Teller, Besteck und Tassen bis zum Salzstreuer – und verfügt auch über ein Müllfach. Die großzügige Arbeitsfläche bietet ausreichend Platz zum Schnippeln. Ein kleines Manko im Winter und bei Regen: Das Fenster in der Schiebetür lässt sich nicht öffnen, sodass die Tür während des Kochens einen Spalt geöffnet bleiben musste, um den Dampf hinauszulassen.
Die Seitenfenster an Sitzgruppe und Büro können ausgestellt werden und sind mit Verdunklungsrollos samt Insektenschutz ausgestattet. Die Hecktüren-Fenster und die Fenster über der Küche lassen sich mit Vorhängen abdunkeln, für das Fahrerhaus gibt es Thermomatten. Licht spenden dimmbare LED-Streifen an der Decke, über der Sitzgruppe sowie außen über der Schiebetür. Dazu kommen noch die Beleuchtung der Dusche, eine dimmbare Bürolampe und zwei Lesespots oben im Aufstelldach.
Das Übernachten dort ist nun eher für Frühlings- und Sommernächte angedacht, weniger für Temperaturen um den Gefrierpunkt. Glücklicherweise erweist sich die Kombination aus Bettdecke mit zusätzlicher Wolldecke und auf sparsame 16 Grad eingestellter Heizung als ausreichend. Hinauf und hinab kommt man über eine Leiter, die man oben gegen die entsprechenden Aussparungen lehnt. Hier hat der Ausbauer noch Nachbesserung angekündigt, denn die Leiter lässt sich nicht ganz fixieren. In der Praxis erwies sich dies jedoch nicht als Problem, sofern man nicht allzu unvorsichtig hinaufsteigt.
Die circa fünf Zentimeter dicke Matratze mit Tellerfeder-Unterbau bietet 200 mal 125 Zentimeter Platz. Unbequem liegt man nicht, begeistern wird sie aber eher Freunde festerer Liegeflächen. Wer es weicher mag, müsste mit einem Topper nachhelfen. Praktisch: Die Bettwäsche kann tagsüber einfach oben bleiben, auch wenn das Aufstelldach heruntergeklappt ist.
Die Dusche überrascht mit ihren großzügigen 87 mal 66 Zentimetern und fast 1,80 Meter Stehhöhe – ein Luxus, den man gerade in Kastenwagen nur selten findet. Ein Fenster ist hier nicht verbaut, also muss man nach dem Duschen entsprechend lüften. Im Fahrzeugheck gibt es zudem noch eine Außendusche. Durch die jeweils großzügig dimensionierte Dusche und den Küchenblock ist der Durchgang in diesem Bereich mit 48 Zentimetern recht schmal, vorn und hinten gibt es mehr Platz.
Das Herzstück des Office-Campers liegt im Heck: der großzügige Bürobereich. Hier findet der mobile Arbeiter alles, was man für einen produktiven Tag braucht: einen verstellbaren Bürostuhl auf Rollen mit orthopädischem Sitzpolster, einen 133 mal 50 Zentimeter großen Schreibtisch, dazu ein kleines Desk, das bis auf 113 Zentimeter höhenverstellbar ist, sowie einen schwenkbaren Dell-Ultra-Sharp-Monitor. Kabellose Tastatur und Maus sorgen für Ordnung auf dem Tisch. Zwei 230-Volt-Steckdosen, eine induktive Handy-Ladestation sowie USB-A- und USB-C-Anschlüsse halten alle Geräte jederzeit einsatzbereit. Gemütlichkeit bringt neben dem Filzbezug des Wohnraums künstliches Moos hinter dem Schreibtisch.
Stauraum gibt es reichlich: bodentiefer Schrank, Kleiderschränke mit Fächern und Bügeln, drei Pushlock-Oberschränke, ein offenes Ablagefach über dem Schreibtisch, fünf Regalflächen vorn und zwei kleine Fächer über den Vordersitzen – dazu zahlreiche zusätzliche Ablagemöglichkeiten für Handy und Kleinkram. Die Starlink-Antenne erweist sich als zuverlässig: Ein Geschwindigkeitstest zeigt 271 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit – der speziell für Vielreisende entwickelte Tarif „Reise unbegrenzt“ kostet 89 Euro im Monat und liefert bis zu 300 Mbit/s beim Download.
Tipp für den Winter im Office-Camper: Warme Hausschuhe mitnehmen, denn die Kälte vom Boden spürt man an den Füßen sonst deutlich. Schön wäre eine kleine Abtrennung zwischen Wohn- und Arbeitsbereich, etwa ein Vorhang, damit der frühmorgens noch schlafende Partner nicht vom Licht gestört wird.
Arbeiten im Camper? Absolut machbar – und sogar richtig angenehm. Acht Stunden auf dem Bürostuhl vergehen, ohne dass der Rücken meckert, der Platz ist großzügig bemessen, und selbst bei Regen sorgt die Aussicht aus dem Fenster für willkommene Abwechslung. Dabei ist der Office-Camper nicht nur etwas für digitale Nomaden: Auch Business-Reisende finden hier eine flexible und erfrischend andere Alternative zum klassischen Hotelzimmer.
www.office-camper.com