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Kompakter Van für vier bis fünf Personen: Kompanja ZWEI

09.03.2026
Bild & Text: Andreas Güldenfuß

Kompanja ZWEI: Ein Van für vier Personen. Oder sogar fünf? Der lang ersehnte zweite Schritt, wie gewohnt mit allen Extras und Komfort. Echt getestet.

Zu sagen, dass böse Zungen behaupten, nur die Familienplanung von Kompanja-Chef Uli Diefenbach wäre schuld am neuen Grundriss, ist natürlich Quatsch, wobei die drei Kids jetzt endlich Platz haben. Auch die andere Version, dass die anderen begeisterten Kompanja-Kunden familiär wachsen und deshalb mehr Platz benötigen, ist nicht überzeugend. Preislich ist schon der Lebensbegleiter EINS kein Einsteiger für vor der Familienplanung, sondern eher was, wenn alles in trockenen Tüchern ist und die Kinder meist auf eigenen Beinen stehen.

Aus unserer großen eigenen Erfahrung ist der Zweier eher der Schritt in Richtung mehr Komfort, bei gewohnt erstklassiger Verarbeitung, durchdachter Konstruktion und vielen sinnvollen Details. Der Campervan für das Leben nach dem Campingbus – für viele eine interessante Option. Klingt simpel und unsexy, aber eine eigene Toilette und Dusche sind eigentlich immer ganz praktisch. Der Einwurf „Gibt es doch auch auf dem Campingplatz“ ist schon richtig, aber dann brauche ich auch keinen Kompanja. Warum? Weil Kompanja schon noch etwas Besonderes ist. Ein Serien-Individualausbau wie einige andere auch. Aber man kann etwas mehr konfigurieren als das Batterie-System, die Polsterfarbe oder Diesel- oder Gas-Heizung.

Die Kompanja-Kunden haben zumindest großes vor und brauchen ein etwas anderes Fahrzeug dafür. Wie viele das Potenzial des Ausbaus nutzen, ist offen – vergleichbar damit, dass jeder einen Allrad-Camper mit AT-Reifen braucht und höchstens mal auf einen geschotterten Parkplatz fährt.

Kompaktes Basisfahrzeug mit Solaranlage

Die Basis bildet ein aktueller Citroën Jumper, L2H2, also kompakte 5,41 Meter lang, 2,52 Meter hoch und 2,05 Meter breit. Hier kommen wir gleich zum zweiten Extra, die drehbare Doppelsitzbank gibt es nämlich auch nur auf Wunsch, auch das SCA-Aufstelldach für zwei weitere Schlafplätze.

Also 2,72 Meter Höhe mit Aufbau, der bei unserem Fahrzeug in glänzendem Schwarz, passend zur Markise, auf dem Blechdach thront. Wenn schon oben, bevor man es vergisst – auf dem Dach klebt noch eine superflache Solaranlage mit 160 Wp, die bei Sonnenschein auch beim Stehen die 150-Ah-Lithium-Batterie lädt.

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Möglichkeiten beim Kompanja ZWEI

Aber zurück zum Zweier: Die Optionen zu viert oder fünft sind möglich, zu dritt geht natürlich auch. Auffallend bei unserem komplett ausgestatteten Testwagen ist natürlich die sehr transportermäßige Doppelsitzbank auf der Beifahrerseite. Das gute Stück ist natürlich nicht der serienmäßig rückenmalträtierende Zweierbock, sondern eine Bank aus Italien mit „50 years of know-how and innovation“ und dazu noch „designed for humans“.

Für mehr Komfort ist das Gestühl gut gepolstert, hat eine einstellbare, also neigbare Rückenlehne, hat Aufnahmen für Isofix, und das beinahe Wichtigste: Die komplette Bank lässt sich zum Wohnbereich drehen. Gleich vorweg, im Campmodus ist das Teil ein gemütliches Sofa.

Foto: Andreas Güldenfuß

Grundriss

Jetzt endlich mal zum Ausbau. Ganz klassisch: Auf den ersten Blick ein relativ gewöhnlicher Grundriss. Also vorn drehbare Sitze, an der Schiebetür ein Küchenblock mit Kühlschrank vorn, eine Zweiersitzbank, dahinter die Nasszelle und dann das Querbett. Aber wo ist denn der Tisch?

Nach einigem Suchen finden wir ihn unter dem Bett, besser gesagt unter dem Lattenrost – natürlich sauber eingepasst. Also herausnehmen, Tischbein einstecken und an der Wandschiene befestigen. Für die durchschnittliche Besatzung eines Campervans ist der Platz schon mehr als ausreichend.

Konstruktiv durchdacht: Der große Tisch passt genau und verrutschsicher unters Bett.
Foto: Andreas Güldenfuß

Kompakte Küche mit Arbeitsplattenerweiterung

Ganz praktisch und ganz sicher aus der Praxis entstanden, ist die Arbeitsplattenerweiterung, die in einen Auszug oberhalb des Kühlschranks eingelegt wird. Das Brett ist nicht nur eine willkommene Ablage beim Kochen oder Vorbereiten, sie ist auch ein guter Tisch für die Bewohner auf der Zweierbank. Dass der Kühlschrank in diesem Moment nur gebückt und in der Hocke erreichbar ist, ist nicht schlimm.

Bedingt durch die Kürze, ist der Küchenblock mit 1,06 Metern nicht sehr lang, da ist die Erweiterung teils wirklich hilfreich. Wer noch mehr Platz zum Abstellen benötigt, kann auch das Bett hochklappen und findet dort noch Platz.

Foto: Andreas Güldenfuß

Besonderes Wassersystem

Solange jeder sein Becherchen und sein Tellerchen hat, gibt es Freigetränke aus dem Wasserhahn. Klingt komisch, ist aber so. Das Wassersystem mit einer Druckwasserpumpe hat nämlich eine Besonderheit: Klar, 90 Liter Frischwasser und eine Truma Combi 4, die elektrisch oder mit Diesel heizt, ist keine Sensation. Der Wasserhahn kann aber mehr.

Man kann sein gewöhnliches Brauchwasser zapfen, um zu spülen, kochen oder sich die Hände zu waschen oder um gefiltertes Wasser zum Trinken zu holen. Man muss nur den richtigen Hebel bedienen – und aufpassen:

Wie der Name schon sagt, steht das System unter Druck. Bei abgedeckter Spüle oder Hahn außerhalb des Spülenbereichs kommt es schnell zur Überschwemmung. Das ist Gewohnheitssache und nach einmal erschrecken passiert es nimmer.

Foto: Andreas Güldenfuß

Optionale Autarkie beim Kochen

Beim Kochen hat man die Wahl. Serienmäßig ist ein Induktions-Kochfeld verbaut. Mit dem zusätzlichen 2.500-Watt-Wechselrichter ist man damit auch Koch-Autark. Der Mehraufwand ist der zweiflammige Gasherd, seine kleine 2,75-Kilo-Flasche steht im Schrank seitlich unter dem Bett. Noch mal ab 1.800 Euro für die Unabhängigkeit vom Landstrom.

Stauraum im Wohnbereich

Der Küchenblock mit seinen drei Schubladen ist groß genug. Ganz klassisch oben die Besteckschublade mit Aufteilung, 11 Zentimeter hoch. Dann eine Schublade für Tassen, Teller und ein paar Vorräte, 23 Zentimeter hoch und ganz unten die große Schublade mit 26 Zentimeter für Töpfe und alles, was schwer ist. Dank der guten robusten Verrieglung bleiben diese auch sicher zu.

Foto: Andreas Güldenfuß

Nicht zu vergessen ist der geschlossene Hängeschrank, natürlich mit Rausfallschutz, den man auch dazubuchen kann. Die Oberschränke sind modular: Am Dach sind an beiden Seiten Airline-Schienen angebracht, an denen die Schränke mit Sterngriff-Schrauben befestigt sind. Man kann die Oberschränke also da anbauen, wo noch Platz ist. Es gibt sie nämlich auch für die Dinette und fürs Heck über dem Bett, gegenüber und in den Hecktüren sind praktische Fächer in der Verkleidung.

Foto: Andreas Güldenfuß
Die Sofa- oder Lounge-Funktion gibt es in beide Richtungen. Clever: Unter der "Lehne" wird die Tischplatte verstaut.
Foto: Andreas Güldenfuß

Bett im Heck

Jetzt endlich zum Wichtigen, dem Bett. Quer im Heck mit 196 mal 130 Zentimeter. Auf Wunsch lässt sich die Länge um zehn Zentimeter verlängern, für rund 2.000 Euro gibt es GFK-Verbreiterungen. Wenn das Bad eingefahren ist, hat man genügend Platz, um die rund 90 Zentimeter bis aufs Bett ohne Hocker zu erklimmen – die bequeme Matratze mit 13 Zentimetern Stärke baut dabei auch ein bisschen auf. Im Bett selbst ist es sehr gemütlich, und ohne die ansonsten üblichen Störer, also die Rahmen und Kästen von Rollo und Moskito-Netz, kann man sich gut ausbreiten.

Bei all der Freude spürt man im Winter aber schnell, dass die Fenster eine Kältebrücke sind. Im praktischen Staufach über dem Fahrerhaus sind Thermomatten. Wenn man die richtige gefunden hat, lassen sich diese ganz einfach mittels Magneten befestigen. Schon wird es deutlich wärmer und hat natürlich auch den Sichtschutz von außen. So ein schönes, bequemes Bett ist perfekt zum Chillen, das beleuchtete, dimmbare LED-Band im Rahmen und zusätzliche Leseleuchten sind perfekt, um gemütlich die nächsten Aktionen planen zu können.

Das wertige SCA-Aufstelldach bietet zwei weitere Schlafplätze oder ist eine luftige Alternative für heiße Tage. Trotz dünner Matratze dank gutem Unterbau ganz bequem.
Foto: Andreas Güldenfuß

Aufstelldach

Wer die volle Kapazität ausnutzen möchte, braucht natürlich das Aufstelldach. Auch hier geht Kompanja den eleganteren Weg, denn die Leiter liegt nicht irgendwo herum, sondern ist schön aufgeräumt dem Durchstieg zum Dach eingepasst. Also einfach die Riemen lösen, die Leiter herunterklappen, das Dach öffnen und fertig ist der erste Stock.

Mit 1,95 mal 1,35 Meter hat man genügend Platz. Die klassische Matratze ist wie immer etwas dünn, aber mit den Kunststoff-Tellerfedern kommt sie mit viel Gewicht punktuell an ihre Grenzen. Für Kids und Erwachsene ist der Hochsitz mit Fenster, Moskito-Netz und der komplett zu öffnenden Front herrlich. Besonders im Sommer, wenn es unten zu warm wird.

Foto: Andreas Güldenfuß

Erweiterbare Nasszelle

Für die Unabhängigkeit gehört aber auch, wie eingangs erwähnt, die Dusche und die Toilette. Freiheit hat bekanntlich ihren Preis. Hier sind es 3.900 Euro für die Duschkabine und 3.950 Euro für die Hybrid-Standheizung mit Boiler. Damit ist das Badezimmer aber nur eine Nasszelle, die Trockentrenntoilette muss man noch reinstellen und zum Duschen rausstellen.

Jetzt kommt noch die Besonderheit: Auf den ersten Blick hat das Separee die Größe eines großen Kleiderschranks. Auf dem Boden steht die Trenntoilette, die Füße müsste man durch die offene Tür nach draußen strecken. Aber kein Zweifel, an der Wand ist die Duscharmatur, die Brause und Körbchen für Seife und Co. Die 48 Zentimeter sind zu klein, dafür ist der Gang vor dem Bad herrlich breit und man kommt ohne Probleme an die Schubladen, kann diese gut öffnen und beladen.

Der Trick ist: Das Bad lässt sich einfach herausziehen – mit einem Handgriff und ohne Kraftaufwand.

Foto: Andreas Güldenfuß

Also wirklich: entriegeln, zwei Griffe ausklappen und die äußere Hülle fährt 30 Zentimeter heraus. Danach ist der Durchgang zwischen Küche und Bad so breit, wie bei den Mitbewerbern, das Bad wird entsprechend 77 Zentimeter tief, es bleibt 56 Zentimeter breit, die Stehhöhe ist aber nicht wie im Rest des Fahrzeugs gut 1,90 Meter, sondern nur knapp 1,80 Meter. Das gibt es woanders auch, der Aufbau für die Duschwanne und der Holzrost am Boden brauchen ein bisschen Platz. Auch bei anderen Campervans ist der Bereich unter dem Dachfenster der einzige, wo man sich entspannt von oben abduschen kann.

Wie bei anderen Fahrzeugen mit Aufstelldach gibt es keine Dachhaube – und ein seitliches Fenster hat der Zweier auch nicht. Die besten Voraussetzungen für ein Dampfbad, doch Kompanja hat wie immer mitgedacht. Wird das Licht im Bad eingeschaltet, springt ein ordentlicher, aber leiser Lüfter an, der die feuchte Luft absaugt und nach außen transportiert. Gute Lösung, vor allem wenn es draußen kalt ist, muss man nicht lüften – auch wenn es einen Ausströmer für die warme Luft der Heizung gibt. Ein anderer positiver Nebeneffekt: Es wird nicht nur die warme feuchte Luft beim Duschen abgesaugt, sondern auch der Duft.

Zwei Griffe und die Nasszelle ist mit einem Zug 30 Zentimeter größer.
Foto: Andreas Güldenfuß

Heckstauraum mit Auszügen

Ganz grob wäre man jetzt durch, alles da, was man braucht, und schön dazu. Aber für die jungen oder junggebliebenen Kompanja-Kunden fehlt noch was. Stauraum hat der Zweier auch. Ganz praktisch, eine Seite mit Kunststoff-Boxen auf Schwerlast-Auszügen, die andere Seite zum freien Beladen.

Da passt nicht nur viel Zeug rein, die Freestyle-Area ist auch durch eine Klappe von vorn oder von oben bei hochgeklapptem Lattenrost erreichbar. Also auch wenn die Heckklappen durch den Fahrradträger blockiert sind, kommt man noch an seine Kletterrucksäcke – wenn sie nicht in den Boxen sind.

Foto: Andreas Güldenfuß

Fazit

Das Fazit ist einfach: kompakt, weil kurz, bequem, genügend Leistung und Automatik, Verbrauch mit rund neun Litern bei gemütlicher Fahrweise ganz okay und ein Ausbau, der keine Wünsche offenlässt. Das winzige Manko: Allein beim Bodenbelag kann man zwischen drei Farben wählen, beim Fahrzeug sind es acht und bei den Möbeln dreizehn. Von Motor, Getriebe, Kocher, Heizung und sonstiger Ausstattung ganz zu schweigen.

Ab rund 66.000 Euro startet der Einstieg in die große Klasse, „all in“ wie unser Testwagen sind es knapp 109.000 Euro. Viel Geld, aber leider zur jetzigen Zeit nicht ungewöhnlich. Als kleiner Trost: Der Kompanja ist es wert.

Foto: Andreas Güldenfuß

Technische Daten

Basisfahrzeug: Citroën Jumper L2H2, Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue und SCR-Katalysator. Hubraum 2.184 cm³, 132 kW (180 PS), Achtgang-Wandlerautomatik, Vorderradantrieb, Euro 6e.
Maße und Massen: (L x B x H) 541 x 205 x 252 cm, Radstand: 345 cm. Stehhöhe: 190 cm. Masse im fahrbereiten Zustand: 2.972 kg (lt. Hersteller), zulässige Gesamtmasse: 3.500 kg.
Aufbau: Stahlblechkarosserie mit PU-Isolierung, isolierte Aufstellfenster. Fünf zugelassene Sitzplätze.
Bett: Querbett im Heck 196 x 130 cm
Füllmengen: Frisch-/Abwasser 90/75 l innen-/außenliegend, Gas 2,75 kg, Kühlschrank 70 l. Diesel 90 l, AdBlue 19 l.
Serienausstattung: Heckbett, Induktionskochfeld, Wasserfilteranlage, Lithium-Bordbatterie 100Ah, Zweier-Sitzbank mit Isofix, Außenstromanschluss, 230-V- und 12-V-Steckdosen, Aufstellfenster.
Sonderausstattung: (Auszug) Automatikgetriebe 3.213 €, Motor 180 PS 1.785 €, Alufelgen mit Ganzjahresreifen 1.957 €, Aufstelldach 6.600 €, Techno-Plus-Paket (DAB, Navi, Klima-Automatik, digitales Cockpit) 1.964 €, Kit-Easy-Driving (Assistenzsysteme) 1.488 €, Anhängerkupplung 655 €, elektr. Trittstufe 700 €, Hängeschrank- Beifahrerseite 1.100 €, über Küche 900 €, über Dinette 1.100 €, Schwerlastauszug Heck 1.600 €, Duschkabine 3.900 €, drehbare Doppelsitzbank 3.200 €
Testverbrauch: 8,9 l/100 km
Grundpreis: ab 66.300 €
Testwagen: 108.987 €

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