Kompakt und mit Längsbetten: SüdBadenVan treibt diese Idee auf die Spitze. Der Ausbau ist obendrein urgemütlich und neuerdings auch mit Bad erhältlich.
Eigentlich ging es Michael Grundig um einen möglichst offenen, großzügigen Ausbau mit viel Bewegungsfreiheit und Komfort. Auf eine feste Nasszelle verzichtet er gerne. Sein Fokus: gutes Raumklima, eine stilvolle und langlebige Innenausstattung, effiziente Stauräume und vor allem Längsbetten auf gerade mal 5,41 Meter. Seit vier Jahren entstehen die SüdBadenVans aus Umkirch bei Freiburg nach eben dieser Formel. Mittlerweile sind es jährlich rund 30 Stück, alle optisch individualisiert und in Sachen Ausstattung fast frei nach Kundenwunsch konfiguriert. Apropos Kundenwunsch. Auf den Messen, so berichtet Grundig, fand das Urmodell großen Anklang. Gleichzeitig jedoch war da immer wieder diese eine Frage: die Frage nach einem räumlich abgetrennten Toilettenraum. Die Antwort ist das neue Modell Schauinsland (nach dem 1.284 Meter hohen Hausberg der Freiburger) mit dem Namenszusatz „D“. Anstelle der großen Küche gibt es nun das gewünschte Bad mit mobiler Toilette nach Wahl und eine Waschgelegenheit. Wohlgemerkt, es bleibt beim 540er mit Längsbetten! Da scheint der Verzicht auf eine zweite Sitzreihe, die von Alleinreisenden oder Paaren dann doch nur selten benötigt wird, nicht allzu tragisch.
Okay, die Zirbe ist eigentlich nicht heimisch im Schwarzwald. Sie wächst bevorzugt in Regionen, die höher liegen als der Gipfel des Schauinsland. Trotzdem wirkt der Ausbau in Moosgrün und mit Klappen und Fensterrahmen aus echtem Zirbenholzfurnier sowie dunkel gefilzten Wänden absolut stimmig. Die Möbel lässt SüdBadenVan als Auftragsarbeit bei VanWeekend fertigen – ein erfahrener Partner, der sich auf Kleinserien und Nachrüstungen spezialisiert hat. Zum Einsatz kommen ausschließlich hochpreisige Materialien wie die Queenply-Leichtbauplatte oder der zertifizierte Kautschuk-Dämmstoff von Vanue.
Die Rundsitzgruppe baut auf einer cleveren Unterkonstruktion aus Aluminiumprofilen, die zum Heck hin freitragend ist. Skier können also problemlos transportiert werden – das Gepäck darf nur nicht allzu hoch sein (40 Zentimeter). Über einen aufstellbaren Lattenrost ist es auch vom Wohnraum aus erreichbar. Noch besser ginge das mit einer zweigeteilten Matratze – kein Problem, verspricht Grundig, der die Idee sofort notiert. Die Matratzen können außerdem mit individuellen Stoffbezügen (auch bspw. Cord) und passenden Bettlaken bestellt werden.
Aus der bereits erwähnten, nicht allzu hohen Heckgarage ergeben sich immerhin 55 Zentimeter Sitzhöhe – ein Kompromiss, denn die Beine kleinerer Menschen dürften trotzdem nicht bis zum Vinylboden reichen. In jedem Fall sollte man ausreichend Kissen mitnehmen, um sich auch wirklich bequem hinfläzen zu können. Und im Idealfall – dank wohltuendem Zirbenduft – schläft man irgendwann einfach ein: Zum Bett umgebaut werden muss die Sitzgruppe nicht zwingend, obwohl die Einzelbetten zur großen Liegewiese (180 Zentimeter Breite) verbunden werden können. Die Matratzen messen echte 180 und 200 Zentimeter. Sie sind nicht zu weich und für uns sehr bequem.
Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist, dass man die Füße jeweils unter dem Möbel einfädeln muss: auf der Fahrerseite unter dem Kühlschrank und auf der Beifahrerseite unter dem Kocher. Die 32 Zentimeter Höhe entsprechen immerhin Schuhgröße 50 – der Platz dürfte also genügen.
Durch die Aussparung für die Füße erhalten die Möbel eine charakteristische, etwas eigenwillige Form. Im Küchenblock sind eine Schublade, eine große Spüle aus Edelstahl und ein Induktionskochfeld untergebracht. Letzteres leistet maximal 1.800 Watt, die Heizzone hat einen Durchmesser von 20 Zentimetern. Entsprechend große Töpfe kommen in einer Doppelschublade im Bettkasten unter, die durch robuste Auszüge und aufwendig gezinkte Eckverbindungen auffällt.
Einzig Arbeitsfläche gibt es nicht allzu viel, weshalb wir unbedingt den 75 mal 58 Zentimeter großen, rechteckigen Tisch empfehlen würden statt der ovalen Variante, die der Hersteller als Alternative anbietet. Die Tischplatte ist ebenfalls mit Zirbenholz furniert, das Gestell aus pulverbeschichtetem Aluminium gefertigt, schwenk- und höhenverstellbar und sehr stabil. Wer mehr Arbeitsfläche wünscht, wählt das optionale Komfortpaket, das für 499 Euro eine Abdeckung für die Spüle und außerdem Magnethalterungen sowie einen Spiegel für die Kühlschranktür enthält.
Fahrerseitig gibt es eine Besteckschublade und einen schlanken Apothekerauszug, darüber ist der Kompressorkühlschrank mit doppeltem Türanschlag bequem auf Sichthöhe montiert. Für kleinere Leute könnte das Gefrierfach etwas zu hoch sein.
Den restlichen Platz im Küchenblock belegen der Ab- und Frischwasservorrat. Jeweils 20 Liter fassen die beiden Kanister, die auf einem praktischen Schwerlastauszug stehen und gut von außen zugänglich sind. Ein größerer Wassertank mit Druckpumpe und Boiler ist auf Anfrage verfügbar, doch zum Kochen, Spülen und Zähneputzen genügen die Kanister allemal. Außerdem lassen sie sich auch dort befüllen und entleeren, wo man mit dem Fahrzeug nicht hinkommen würde.
Zwar wird die Brause im Waschraum gegenüber aus einem separaten Kanister gespeist, doch bei 20 Litern – schon kleine Tauchpumpen fördern gerne 15 Liter in der Minute – und ohne Boiler hält sich das Duschvergnügen definitiv in Grenzen. Auch einen Abwassertank besitzt der Testwagen nicht.
Ansonsten sehen die Eckdaten aber ganz gut aus: wasserabweisende, sauber verfugte Oberflächen, zwei einigermaßen sinnig platzierte Abläufe, eine sehr wertige Edelstahl-Brause und ein Fenster stehen auf der Haben-Liste. Auch etwas Stauraum, LED-Spots und eine spritzwassergeschützte 230-Volt-Steckdose fehlen nicht. Spritzwasser im offenen Staufach sollte man nach dem Duschen besser trockenwischen.
Serienmäßig ist die mobilen Trockentrenntoilette Trelino M an Bord. Sie ist aus Kunststoff (ABS) gefertigt und kann zum Duschen gut in der Nasszelle verbleiben, aber natürlich schafft man sich durch die mobile Lösung bei Bedarf auch mehr Platz.
Eine Trockentrenntoilette ist außerdem die nachhaltigste Lösung, und Wasser sparen ist im Testwagen wie beschrieben auch ein Thema. Trelino verspricht neun bis elf kleine und sechs bis zehn große Geschäfte, bevor der Urin-Tank beziehungsweise der Feststoffbehälter geleert werden muss. Alternativ verbaut der Hersteller auch eine Helipott-Trenntoilette mit manuellem oder automatischem Rührwerk oder eine Clesana-Verschweißtoilette.
Am Strom sollte es nicht scheitern. SüdBadenVan spendiert seinen Kastenwagen ein vorkonfektioniertes Elektro-Komplettpaket auf Basis des EcoFlow PowerHubs inklusive großer Lithium-Batterie, Sinus-Wechselrichter, Ladebooster, Solarladeregler und Landstrom-Ladegerät. Entsprechend gibt es überall Steckdosen und im Testwagen noch eine Ventilationsdachhaube sowie zwei große Solarpanels. Die Dachhaube und der Testsieger in unserem Vergleichstest sind baugleich.
PowerHub und Batterie sind mit soliden Halterungen und ausreichend belüftet im Bettkasten untergebracht, der EcoFlow-Sicherungskasten sogar in einer Ausfräsung im Möbel eingelassen. Alle Lichter werden per App oder über Funkschalter gesteuert – wo diese angebracht sind, entscheidet der Kunde. Das Bedienteil hat eine digitale, ebenso übersichtliche Benutzeroberfläche – top!
So viel Individualität, sprich kleine Stückzahlen, aber auch hochwertige Materialien und einige aufwendige Detaillösungen, treiben den Testwagenpreis am Ende auf über 100.000 Euro. Gerechtfertigt? Bestimmt. Handwerklich ist SüdBadenVan schließlich eine der Top-Adressen auf Stellantis-Basis. Allerdings würden wir dann auch eine vollwertige Wasseranlage mit mehr Kapazität, Boiler und Abwassertank konfigurieren. Wieder kein Problem, verspricht Grundig. Wer einen kompakten Kastenwagen sucht und auf Längsbetten nicht verzichten möchte, der darf sich die Vans der Marke SüdBadenVan ruhig mal genauer ansehen.
Basisfahrzeug: Peugeot Boxer, Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue und SCR-Katalysator. Hubraum 2.184 cm³, max. Leistung 103 kW (140 PS) bei 3.500 U/min, max. Drehmoment 340 Nm bei 1.750 U/min. Sechsgang-Schaltgetriebe, Vorderradantrieb, Euro 6e Maße und Massen: (L x B x H) 541 x 205 x 265 cm, Radstand: 345 cm. Stehhöhe: 188 cm. Masse im fahrbereiten Zustand: circa 2.800 kg (Herstellerangabe), zulässige Gesamtmasse: 3.300 kg. Aufbau und Ausbau: Stahlblechkarosserie (L2H2) mit Werkshochdach. Geräusch- und wärmedämmende Vanue-Isolierung (EPE) an Wand und Dach 19 mm plus Kaschierung mit Filz, Boden 25 mm PU, Belag in Vinyl. Isolierte Kunststoff-Rahmenfenster. Möbelbau aus Queenply-Multiplex 18 mm mit Lamitech-HPL oder Zirbenholzfurnier, Duschwanne aus Edelstahl Betten: 180/200 x 70 plus 40 cm Füllmengen: Frisch-/Abwasser 20+20/20 l innenliegend, Kompressor-Kühlschrank 70 l. Diesel 71 l, AdBlue 19 l Serienausstattung: (Auszug) Drehkonsole Beifahrersitz, Induktionskochfeld, Fenster im Bad, Duschausstattung, Trockentrenntoilette; Dieselstandheizung 2 kW, EcoFlow PowerHub inkl. LFP-Batterie 2kWh, Wechselrichter 3.600 W, Solarladeregler, Ladebooster und digitaler Steuerung, Melfbox-Landstrom-anschluss, Steckdosen: 4x 230 V, 3x USB-C Sonderausstattung: (Auszug) 140-PS-Motorisierung 1.190 €, Möbelbau in „Bonsai Opak“ 2.490 €, Lackierung Uni Thunder-Grey 416 €, Paket u. a. inkl. Allwetterbereifung und Assistenzsysteme 3.500 €, 200-Wp-Solaranlage 1.190 €, LED-Beleuchtung Fahrerhaus 299 €, 2x Bullauge inkl. Fensterrahmen und Verdunkelung 990 €, Dachluke 70 x 50 cm 1.299 €, Ventilationsdachhaube 40 x 40 1.049 €, Insektenschutztür 799 €, Markise 1.749 €, Anhängekupplung 990 €, starre Trittbretter links u. rechts 849 € Testverbrauch: 8,9 l/100 km Grundpreis: ab 84.900 € Testwagen: 103.799 €