> Citroën Typ H als Wohnmobil auf der Oldtimer-Rallye in Einbeck

Mit dem Oldtimer-Camper auf Rallye – Citroën Typ H im Wellblech-Look

01.11.2026
Text: Gerrit Reichel | Bild: Lukas Ahrens

Eine Oldtimer-Rallye fahren in einem zum Reisemobil umgebauten Citroën Typ H? Das kann nicht ohne Zwischenfälle ablaufen.

Wenn der Name dieser Stadt fällt, denken viele Menschen immer noch ans Bier. Einbecker Urbock, das ist ein Begriff. Und ja, in Einbeck kommt niemand an dem beliebten Getränk vorbei, das es heute in allen erdenklichen Varianten zu kaufen gibt. Als Brauherrenpils, Radler, Lager, als Helles, Dunkles, Pale Ale, Landbier oder „Null Bock“ und auch als Hanse-Brause mit Orangen- oder Colageschmack. Aber wir sind aus einem anderen Grund hier. Denn Einbeck, das ist auch die Stadt mit der größten Oldtimerdichte Europas. Zu verdanken ist das einem Unternehmer, dessen private Sammelleidenschaft alten Kleinwagen und Motorrädern gilt. Karl-Heinz Rehkopf heißt der und ist inzwischen 89 Jahre alt. Angefangen hat er einst mit dem Verkauf von Teppichresten, die er den großen Kaufhäusern abgekauft hat, um sie dann in einem ehemaligen Pferdestall wieder anzubieten. Verrückt, aber so war es. Später entstand daraus eine Baumarkt-Kette, die heute 120 Filialen betreibt. Für die Rehkopf’schen Oldtimer, von denen sich mittlerweile die sagenhafte Menge von mehr als 10.000 Fahrzeugen angesammelt hat, fand sich irgendwann eine neue Heimat in Form eines alten Kornspeichers. Der äußerlich unscheinbare Rehkopf, den sie hier alle nur „den Stifter“ nennen, ließ das markante Gebäude für einige Millionen Euro modern umbauen zu einer absolut sehenswerten Erlebniswelt rund um die Geschichte der Mobilität. Da stehen die schönsten seiner Sammlerstücke nun auf sechs Etagen, wunderhübsch kuratiert, in Europas größtem Oldtimermuseum, dem PS.SPEICHER Einbeck. Mehrere Depots auf dem gesamten Stadtgebiet beherbergen weitere Sammlungen, die mit einem Kombiticket ebenfalls zu besichtigen sind.

Foto: Lukas Ahrens

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Einmal im Jahr veranstaltet der PS.SPEICHER die Einbecker Oldtimertage. Dann ist die ganze Stadt auf den Beinen und steht Spalier, wenn sich ein Korso aus mehr als 200 automobilen Preziosen in Bewegung setzt und vor der Kulisse der spätmittelalterlichen Fachwerkhäuser über den Marktplatz defiliert. Einen Tag zuvor bricht der Tross zu einer Oldtimer-Rallye auf, eine genussvolle Ausfahrt mit kleinen Geschicklichkeitsaufgaben und Denksportübungen. Für CamperVans die perfekte Gelegenheit, um mit einem ganz besonderen Oldtimer an den Start zu gehen: Wir dürfen einen zum Camper ausgebauten Citroën Typ H aus der Sammlung fahren, im Volksmund meist nur HY genannt.

Was für ein Reisemobil: 4,28 Meter lang, 2,34 Meter hoch. Unverkennbare Außenhaut aus einer Leichtbau-Wellblechkonstruktion. Vorne blicken Dich zwei an die sonderbar kantig geformte Schnauze geschraubte Rundscheinwerfer an. Von der Seite betrachtet, wirkt der alte Franzose wie ein Kasten auf Rädern. Das Heck schließlich wurde offensichtlich mit der Guillotine geformt. Das hat seine Vorteile: Mit wenigen Handgriffen schwingt die obere Hälfte der Rückwand nach oben. Darunter klappt die andere Hälfte in zwei Teilen nach links und rechts zur Seite, schon ist der gesamte Innenraum perfekt zugänglich. Mit einer Ladekante in gerade einmal 35 Zentimetern über dem Boden und Platz für drei Euro-Paletten. In Frankreich kennt den HY jedes Kind; oder zumindest jeder, der zwischen 1948 und 1981 Kind war. So lange nämlich, 33 Jahre, wurde der Kleintransporter gebaut, beinahe 500.000 Mal.

Foto: Lukas Ahrens

Unser hellblaues Exemplar ist ein spätes Modell von 1972. Die Konstruktion mit selbsttragender Karosserie und dem Motor vorne, zwischen den Sitzen, ist stabil und gut zugänglich. Ein Aspekt, der später noch von Bedeutung sein wird. Der Fahrschemel ist angeblich mit nur vier Bolzen befestigt. Einmal den zierlichen Zündschlüssel drehen, schon erwacht der Vierzylinder-Benziner zum Leben. Und wie! Die Kiste dröhnt und scheppert wie eine ganze Fabrikhalle. Dämmung irgendwelcher Art? Fehlanzeige. Aber fahren kann der HY. Doppelte Querlenker vorne und Einzelradaufhängung sorgen für konkurrenzlose Straßenlage, wie man sie von einem Auto dieser Klasse niemals erwarten würde. Zudem verfügt der HY über eine Lenkung, die jeden deutschen Bulli-Fahrer vor Neid erblassen lässt, präzise und direkt, dabei obendrein auch nach vierzig Jahren noch problemlos einstellbar. Wäre da nur nicht dieses Getriebe. Das verdirbt den Spaß doch beinahe komplett. Denn drei viel zu kurz übersetzte Gänge bewirken, dass bei 80 km/h die Schmerzgrenze für Mensch und Maschine erreicht ist. Schneller hält man es nie für lange Zeit aus. Und so platzt der Traum vom romantischen Urlaub in Frankreich mit diesem Fahrzeug so schnell, wie wir uns beim ersten Anblick schockverliebt hatten.

Foto: Lukas Ahrens

Bei der Oldtimer-Rallye des PS.SPEICHER dagegen ist der HY einer der Hingucker. Und das will was heißen. Schließlich gehen hier unzählige Mercedes Pagoden, Elfer-Porsche und Bentley, aber auch einige Austin-Healey, Borgward und alte Opel der K-H-D-Serie an den Start. Unsere französische Wellblechkiste dagegen ist ein absolutes Einzelstück und wird von den Zuschauern am Wegesrand entsprechend gefeiert.

Dann allerdings passiert es. Wir fahren gerade durch die herrliche Landschaft mit ihren weitläufigen Feldern, passieren Ortschaften mit Namen wie Hardegsen, Hettensen oder Güntersen, da verliert der Motor plötzlich Leistung. Mitten an einem kleinen Aufstieg rollen wir aus. Nichts geht mehr. So ein Pech. Oder nicht? Es dauert keine zwei Minuten, da läuft wie durch ein Wunder ein Pannenwagen aus dem Begleitteam auf uns auf. Einen Anruf später trifft auch der Servicewagen mit zwei Technikern bei uns ein. Die Abdeckung des Motors fliegt zur Seite, schon stecken zwei Herren bis zu den Ellbogen in der Zündanlage. Irgendwas mit den Kondensatoren. Die Zündkerzen werden gewechselt, die Kontakte geprüft. Zur Untätigkeit verdammt, verfolgen wir das Geschehen auf den bequemen Längsbänken im Heck. Aber auch nach einer Stunde Schrauberei bleibt der Erfolg aus. Der Oldie muss auf den Abschlepper. Stahlseil abrollen, anhängen und langsam, ganz langsam anziehen. Ein betrüblicher Anblick.

Trotz intensiver Reparaturversuche muss der HY mittags auf den Abschlepper.

Doch der PS.SPEICHER kümmert sich um seine Rallye-Teilnehmer. Die Wertung können wir zwar vergessen, zu lange hat der Reparaturversuch gedauert. Die Posten, an denen wir zur Durchfahrtskontrolle hätten erscheinen müssen, wurden längst wieder abgebaut. Die kleinen Spielchen mit Präzisionsaufgaben für Fahrer und Beifahrer leider ebenfalls. Aber an der Mittagsdestination im Weser-Kurort Bad Karlshafen gibt es nicht nur einen leckeren Rest vom Büfett, sondern obendrein eine Überraschung in Form eines Ersatzwagens. Der Kontrast könnte kaum größer sein, beziehungsweise kleiner, das kommt auf die Sichtweise an: Vor uns steht ein putziger Zweisitzer namens Suzuki Cappuccino. Den muss man nicht kennen, denn in Deutschland war er schon als Neuwagen ein absoluter Exot. Ein sogenanntes Kei-Car, ein japanischer Leichtbau-Pkw aus den Neunzigerjahren. Keine 700 Kilogramm schwer, nur 3,30 Meter lang und mit 1,40 Meter Breite so schmal, dass die zwei Personen, denen er irgendwie Platz bietet, unweigerlich auf Tuchfühlung gehen. Hatten wir erwähnt, dass sich das Lenkrad auf der rechten Seite befindet und die Dachhälften im Kofferraum liegen? Wir überlegen kurz, ob wir verdutzt oder verzückt reagieren sollen, dann lassen wir den Japan-Zwerg fliegen. Der 660 Kubikzentimeter große Turbo-Dreizylinder mit Ladeluftkühlung bringt es auf 64 PS. Genug, um den leichtgewichtigen Roadster auf unterhaltsame Weise zu bewegen.

Und unser Citroën? Dem begegen wir am nächsten Tag erneut. „Der läuft wieder, die Kondensatoren waren durch“, lässt uns der Werkstattmeister des PS.SPEICHER wissen. Wir werden 2027 noch einmal unser Glück versuchen. Der Termin für die PS.SPEICHER-Rallye ist bereits notiert: 9. bis 11. Juli.

Alte Autos vor noch viel älterem Fachwerk: Zum Ausklang der Rallye flanieren die Teilnehmer vor den Augen der Zuschauer mit ihren Oldies über den historischen Marktplatz.
Foto: Lukas Ahrens

Reiseziel PS.SPEICHER

Das Oldtimer-Museum PS.SPEICHER in Einbeck gilt als das größte seiner Art in ganz Europa. Die Lage im südlichen Niedersachsen zwischen Hannover und Göttingen ist perfekt für einen Wochenendtrip mit hohem Erholungswert: Eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft, scheint sich der Fluss der Zeit hier zu verlangsamen.

Herzstück des PS.SPEICHER ist ein 120 Jahre alter, ehemaliger Kornspeicher, der denkmalgerecht restauriert wurde. Auf sechs Etagen durchlaufen die Besucher interaktive Stationen mit zum Teil einmaligen Exponaten aus der Welt der Mobilität, beginnend von den goldenen Zwanzigern im Hanomag Kommissbrot über die tpyische Milchbar der 1950er-Jahre mit Jukebox-Sound bis zur Gegenwart.

Adresse: Tiedexer Tor 3, 37574 Einbeck, Tel.: 05561/888, service@ps-speicher.de, www.ps-speicher.de

Ein Stellplatz für Wohnmobile befindet sich in der Nachbarschaft des Museums am Schwimmbad, Ochsenhofweg 9, 37574 Einbeck. Eine Stunde entfernt lohnt sich ein Aufenthalt auf dem 4-Sterne-Campingplatz Bad Karlshafen, dieser liegt direkt an der Weser und am Weser-Radweg – perfekt für Radfahrer, Wanderer und Naturfreunde. Nur wenige Schritte von der barocken Altstadt und der Wesertherme entfernt. Am Rechten Weserufer 2, 34385 Bad Karlshafen.

Tel.: 05672/710, www.camper-karli-event.de

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