> Camper-Test: SpaceCamper Classic+ Caravelle in der Praxis

Komfort trifft Funktionalität: SpaceCamper Classic+ Caravelle

18.02.2026
Bild & Text: Andreas Güldenfuß

Das Beste aus 20 Jahren SpaceCamper-Know-how im brandneuen VW – Klare Aussage von Ben Wawra, dem Firmengründer und Entwickler. Wir schauen mal.

Ganz klar, der erste Blick begeistert schon. Warm Green Metallic nennt VW die Farbe, die im oberen beziehungsweise im mittleren Bereich noch erhalten blieb. Unten, also unterhalb der Oberkante der Scheinwerfer, ist das Grün dunkler, fast noch wärmer, könnte man sagen. Oben ist der Bus, beziehungsweise das Aufstelldach, schwarz – um gleich richtig einzusteigen, die beiden Akzente kosten rund 13.000 Euro extra. Da ist er nun, die Zukunft des Bullis. Dass Volkswagen die neue Basis mit fünf Jahren Garantie ausliefert, ist auf jeden Fall ein Zeichen – wahrscheinlich ein Muss, um das Vertrauen in die Marke zurückzugewinnen. Erschwerend kommt vielleicht dazu, dass der neue VW zu großen Teilen ein Ford ist. Nichts gegen Kooperationen, VW und Ford haben schon einige gute Fahrzeuge zusammen gebaut.

Neu ist allerdings, dass VW so viel Technik von Ford übernimmt und primär an ein paar Karosserieteilen, Fahrwerkstechnik und an der Innenausstattung Unterschiede einbaut. Zwar gibt VW in den Daten noch immer TDI, die Bezeichnung des alten Pumpe-Düse-Motors an, es ist aber schon länger ein Common-Rail. Der Druck wird also nicht mehr von der einzelnen Düse pro Zylinder aufgebaut, sondern von einer Hochdruckpumpe. Einfach ausgedrückt, im VW TDI steckt der Ford TDCi. Der Hubraum ist mit 1.996 Kubikzentimeter natürlich identisch – im Vergleich zum 6.1 sogar um ein paar Kubik gestiegen. Dass es jetzt keinen 204-PS-Transporter mehr gibt, wird die wenigsten belasten. Bei ausreichenden 170 PS ist Schluss.

Ganz interessant, wenn auch nicht jedermanns Präferenz, ist die Achtgang-Wandlerautomatik anstatt dem Siebengang-Direktschaltgetriebe. Die Wandlerautomatik ist sanfter als das DSG, und jetzt das für nicht jedermanns Wichtige, für diejenigen, die ihren Bus abseits befestigter Straßen bewegen, ist der Antrieb für langsames Vorwärtskommen, also die typisch schleifende Kupplung, besser geeignet.

Die Kombination aus dem rötlichen Holz, dem schwarzen Blech und dem grauen Filz sieht sehr modern, aber trotzdem gemütlich aus. Ein weiterer Vorteil: verschraubt oder vernietet spart das Kosten, Platz und Gewicht und hält in der Regel besser.

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Um die Basis soll es jetzt aber gar nicht so sehr gehen. Sie ist neu, wird schon gut sein, wirklich wissen tun wir das erst in ein paar Jahren. Bei den Ausbauten gibt es kaum einen Ausbauer, der nicht schon vorher am Ford Tourneo Custom geübt hat. Eins vorweg, auch Space- Camper bietet jetzt den Ford an.

Mit dem neuen Modell haben sich natürlich viele, oder vielmehr alle, Maße und Formen verändert. Der Ford war also fast überall Modell und Versuchskaninchen, um auf den Hauptdarsteller VW vorbereitet zu sein. Entsprechen war die Entwicklungszeit zwischen Markteinführung VW New Transporter und dem fertigen Camper recht gering. Selbst die aufwendigeren Konstruktionen, wie beispielsweise das Aufstelldach, waren bereits fertig.
Wie ganz am Anfang erwähnt, war die Neukonstruktion schon eine gute Chance, Ideen, die man schon lange hatte, einzubauen. Der Spruch „never change a running system“ ist vielleicht so alt, dass er stimmt. Jetzt konnte Ben alles einsetzen, was ihm die letzten Jahre im Kopf herumgeschwirrt ist.

Das „running system“ wird natürlich nicht „gechanged“, die schnell und einfach zum Bett umbaubare Sitzbank bleibt natürlich angepasst erhalten. Auch die herausnehmbare Schwenkküche wird verbaut, ebenso die super praktischen Stauboxen auf Schwerlast-Auszügen im Heck unter dem hinteren Teil der Liegefläche.

Materialien und Möbelbau

Was mit als Erstes auffällt, ist, dass außer den schönen Wildeiche furnierten Birken-Multiplex-Platten auch viel Metall, genauer gesagt, pulverbeschichtetes Aluminium in Blechform, gerade oder in Form gebogen, verwendet wird. Die Kombination aus dem rötlichen Holz, dem schwarzen Blech und dem grauen Filz sieht sehr modern, aber trotzdem gemütlich aus. Ein weiterer Vorteil: Je nach Anwendungs- oder Anforderungsbedarf, wird verschraubt oder vernietet. Das spart Kosten, Platz und Gewicht und hält in der Regel besser, als eine recht kurze Spanplattenschraube im Sperrholz.

Ganz besonders ist das Konstrukt Alu/Filz beim semi-faltbaren Kleiderschrank im Heck. Anstatt der klassischen Klappen aus Multiplex sind die Klappen hier aus Aluminium mit Filz überzogen. Im ersten Moment vielleicht ein Kann, aber kein Muss. Wenn man aber überlegt, warum diese Konstruktion um rund einen Zentimeter mehr Platz zu haben, gar nicht schlecht.

 

Die mit Filz überzogenen Alu-Klappen sind stabil und klapperfrei.

Der Gag ist nämlich, dass sich die Vorderseite des Schranks mit einem Handgriff beziehungsweise einem Zug an der Entriegelung nach hinten schieben lässt. Das kostet zwar einige Zentimeter Tiefe beim unteren Fach des Schranks, verbreitert aber die Liegefläche im oberen Bereich um 16 Zentimeter. Aus den 2,07 mal 1,34 Meter werden im Schulterbereich 1,50 Meter, wobei der Schrank dahinter immer noch groß genug bleibt, um eine Jacke aufzuhängen.

Mit einem Zug an der Entriegelung wird die untere Schrankhälfte nach hinten geschoben und das Bett um 15 Zentimeter verbreitert.
Der „Classic“-er: Die SpaceCamper Klappsitzbank ist seit Jahren bewährt. Schnell umgeklappt und bequem mit vielen Staumöglichkeiten vorn und hinten darunter.

Kochen im SpaceCamper Classic+ Caravelle

Ganz klassisch CamperVan-Style ist natürlich wichtig, dass der Kühlschrank, in diesem Fall die Kühlbox, auch bei gemachtem Bett zugänglich ist. Ist sie. Der komplett mit einer Holzplatte belegte Deckel ist frei zugänglich und kann stets abgenommen werden. Mit 35 Litern ist die Kompressor-Box auch groß genug, und die Tiefe von 48 Zentimetern bietet sogar genügend Platz für Sektflaschen und Co.

Schnell und einfach: Parken, Küche raus, Kaffee kochen, Pause machen. Unbezahlbar – und damit ist nicht der Preis gemeint.

Der Küchenblock kommt im Anschluss an die Kühlbox und ist ausschwenk- und herausnehmbar. Beim Herausschwenken kann man außen arbeiten wie im Fahrzeug. Je nach Konfiguration kann mit Strom, Gas oder Spiritus gekocht werden. Gas und Spiritus sind völlig autark, da die Energiequelle mobil im Küchenblock verbaut ist. Kleine Kartuschen oder Tanks genügen. Der Zweiflamm-Primuskocher, der in der Stirnseite des Blocks eingeklappt ist, kann nur draußen oder im geschwenkten Modus verwendet werden.

Beim Outdoor-Kochen mit Induktion ist genauso wie fürs Wasser eine Leitungsverlängerung notwendig. Standard sind 1,5 Meter, zur Not lässt sich das sicher verlängern oder man holt sein Wasser eben vom Wasserhahn im Heck.

Rund 25 Kilo, unterschiedlich lange Bolzen fürs einfache Einfädeln, verschieden hohe Griffe: Allein für Kräftige kein Problem.

Eigentlich eine geniale Idee. Küche ausbauen, vor Regen geschützt unter der Heckklappe brutzeln und durch den herausziehbaren Duschanschluss kein Problem mit der Wasserversorgung haben, das Abwasser kommt eh in den Sack, und der ist an der Küche befestigt.

Der Stolz auf die tolle Idee hält nur kurz, denn in der Beschreibung steht schon, dass sich der Bereich unter der Heckklappe mit dem Heckzelt hervorragend als Dusche, Umkleide, Stauraum oder Kochnische nutzen lässt.

Das ist das Besondere bei SpaceCamper. Ben könnte man einfach als CTO bezeichnen, als Camping Technology Officer. Vermutlich gibt es wenig bis nichts, was er noch nicht erlebt oder probiert hat. Und das Schöne dabei: Was nicht passt, wird passend gemacht – ohne 20 Leute fragen zu müssen.

Kochen mit noch mehr Aussicht: All inclusive mit 1,50 Meter Verlängerung für Wasser und Strom, Gas und Spiritus sind im Block.

Classic+ Caravelle: Sitzplätze, Isofix und Innenhöhe

Noch mal zurück zum Classic+ Caravelle: also Space- Camper-Rückbank mit drei gurtgesicherten Sitzplätzen und zweimal Isofix an den äußeren Sitzen. Die Breite der Sitzbank ist gut 1,25 Meter, die Kopffreiheit bei geschlossenem Dach ist mit 96 Zentimetern nicht riesig, aber bis 1,85 Meter Körpergröße reicht es. Schon schlimm, wenn bei einem kompakten Camper mit einer Bettlänge von 2,07 Metern unten und 1,90 Metern oben im Aufstelldach die Kopffreiheit auf der Rückbank die Nutzung einschränkt. Natürlich totaler Quatsch. Die Großen sitzen vorn und schlafen unten, die Kleinen sitzen hinten und schlafen oben, und alle sind happy.

LED-Streifen im Dach und unter dem Bettrahmen beleuchten effektvoll. Die drei Zentimeter dünne Matratze auf Kunststoff-Federtellern müssen wir noch testen.

Aufstelldach von Polimer

Oben schlafen? Natürlich, das schwarze Dach ist ein Aufstelldach. Das Dach kommt aus Polen, der Hersteller heißt Polimer. Wo jeder glaubt, wenn er den Hersteller liest, der Schreiber wäre zu doof, „Polymer“ zu schreiben. Die Ausstattung und die Verarbeitung sind gut. Das Dach baut sehr niedrig, ist also ohne große Umbauten am ehesten tiefgaragentauglich. In der isolierten Schale sind LED-Leuchtstreifen verbaut, die sich dimmen und natürlich auch farblich anpassen lassen.

Im vorderen Bereich ringsum lässt sich der Stoff öffnen und man liegt luftig mit Ausblick moskitogeschützt hinter Netzstoff. Dieser lässt sich noch entfernen und man hat freies Blickfeld. Die Unterlage stammt von Froli, ein Aluminium-Rahmen mit den bekannten Kunststoff-Federtellern, darauf liegt eine drei Zentimeter dünne Schaumstoff-Matratze. USB-Anschlüsse für die Unterhaltungsgeräte gibt es natürlich auch.

Fazit

Somit sind wir so gut wie fertig mit dem Neuen mit viel Neuem. Kommen wir also zu den Kosten: Die Basis, die neue Caravelle kostet rund 60.000 Euro, mit der prinzipiell für zwei schon ausreichenden Serienausstattung des Classic+ landet man bei knapp 81.000 Euro. Das wären dann Küche, zum Bett umbaubare Sitzbank, Stauraum und Kühlbox.
Dann kommt beim Classic der Klassiker, nämlich das Plus an Ausstattung. Motor, Antrieb, Aufstelldach, Schränke, zweimal 165-Ah-Lithium-Batterien, Wechselrichter und sonstiger Komfort. Mit mehr oder weniger allem, was geht, landet man bei rund 120.000 Euro. Ein Brocken Geld, aber nicht zu vergessen, ein SpaceCamper ist in der Regel gut angelegtes Geld – auch wenn in Zukunft mit dem Neubau von Lager, Produktion, Verwaltung und Ausstellung in Darmstadt die Themen Liefer- und Wartezeit deutlich verbessert werden sollen.

Wirklich schön, ein guter Einstieg in die neue Ära. Natürlich auch als Ford erhältlich. Am besten beraten lassen, die SpaceCamper kennen sich aus.

Technische Daten

Basisfahrzeug: VW New Caravelle Style 2.0 TDI, Hubraum 1.996 cm³. Common Rail. Vierzylinder-Turbodiesel, (125 kW/170 PS) bei 3.500/min, max. Drehmoment 425 Nm bei 1.750/min. Achtgang- Wandler-Automatikgetriebe, Allradradantrieb. Abgasnorm Euro 6.2
Maße und Massen: (L x B x H) 505 x 203 x 203 cm, Radstand: 301 cm, Masse in fahrbereitem Zustand: 2.520 kg (lt. Hersteller), zulässiges Gesamtgewicht: 3.150 kg
Aufbau und Ausbau: Stahlblechkarosserie (kurzer Radstand) mit beidseitigen Schiebetüren und isoliertem GFK-Aufstelldach. Abgedunkelte Serien-Wärmeschutzverglasung mit Schiebe-/Aufstellfenster. Möbelbau aus furniertem Birken-Multiplex mit Aluminium-Träger und Alu-Klappen. Herausnehmbare Schlaf-Sitzbank mit 2x Isofix. Innenverkleidung serienmäßig mit Kunststoff-Formteilen, teils Stoff, teils Filz verkleidet.
Betten: Schlafsitzbank: 207 x 134–150 cm, Aufstelldach: 190 x 115 cm.
Füllmengen: Frisch-/Abwasser: 3x 12 l/5,5 l innenliegend, Vitrifrigo-Kompressor-Kühlbox: 35 l, Gas: 450-g- Schraubkartuschen, Tankinhalt: 70 l, AdBlue: 20 l.
Serienausstattung: (Auszug) 110-PS-Motor und Sechsgang-Schaltgetriebe, IQ-LED-Scheinwerfer und LED-Rückleuchten, Parkpilot inkl. Rückfahrkamera, Klimaautomatik, lackierte Stoßfänger, Sitzheizung, Möbelbau mit Küchenausstattung, Schlafsitzbank, Luftstandheizung, Aufbaubatterie, Außenstrom-Anschluss.
Sonderausstattung: (Auszug) 170 PS, Automatik u. Allrad-Antrieb 13.000 €, Metallic-Zweifarblackierung 5.100 €, Frontscheibe beheizbar 363 €, Aufstelldach 9.500 €, Spurwechselassist. mit Ausstiegswarnung und Spurmittenführung 1.427 €, Navigations-System mit 13“-Display 803 €, beheizbares Lenkrad 149 €, Anhängerkupplung elektr. anklappbar 1.047 €, Warmwasser-Zusatzheizung 1.666 €, manuelle DPF-Regeneration 405 €, Innenspiegel mit Display und Dashcam 1.350 €, Furnier Wildeiche 2.550 €, Heckauszug 1.180 €, 105-Ah-Lithium-Batterie 2.499 €.
Verbrauch: 8,5-9,1 l/100km*
Grundpreis: ab 80.920 €
Testwagen: 130.683 €

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