Das ist mobiles Reisen der extremsten Art: Dennis Möller fuhr mit einem Weinsberg X-Pedition 600 MQ als Begleitfahrzeug die Rallye Dakar in Saudi Arabien. Uns erzählt er von den unvergesslichen Momenten in der Wüste.
Dakar! Für jeden Rallye-Fan ein magischer Name. Seit 1979 steht die Hauptstadt des Senegal für Legenden, Tragödien und übermenschliche Leistungen im Motorsport. Sinnbild für das härteste Wüstenrennen der Welt. Und bevor wir über Dennis Möller sprechen können, den Protagonisten dieser Geschichte, müssen wir unbedingt noch einmal kurz auf ein paar Highlights dieser einzigartigen Veranstaltung zurückblicken. Petrol-Head Nerd-Shit.
Vor unserem Auge tauchen Bilder auf von Autos wie dem Porsche 953. Der erste Elfer mit Allradantrieb. Oder von völlig erschöpften Enduro-Piloten. Über Dünen springende Lkw. Fahrer, die im Rennoverall mit der Kraft der Verzweiflung ihr Auto aus dem Sand schaufeln. Wir müssen an Ikonen der Achtziger und Neunziger denken wie Hubert Auriol und Jean-Louis Schlesser. Wir erinnern uns an die Bilder von Stéphane Peterhansel, dem Rekordsieger. 14 Mal gewinnt er die Rallye, sechs Mal auf dem Motorrad, acht Mal im Auto. Und wer kennt noch Jutta Kleinschmidt, die Frau im Mitsubishi Pajero? Erst sitzt sie als Beifahrerin und Partnerin neben dem exzentrischen Franzosen Schlesser. Später trennt sich das Paar und liefert sich einen erbitterten Kampf. Eine Art Rallye-Rosenkrieg. Kleinschmidt entscheidet diesen für sich und gewinnt die Rallye 2001 als erste Frau. Ihr Ex tobt vergeblich: „Sie hat diesen Sieg nicht verdient.“
Wie kriegen wir jetzt die Kurve zu Dennis? Vielleicht mit Hilfe von Gaston Rahier. Ein belgischer Rennfahrer und mehrmaliger Dakar-Sieger auf dem Motorrad. Mit seinen 1,64 Meter Körpergröße kann er seine BMW nur im Rollen erklimmen. Im Rennen von 1985 wird seine Maschine schwer beschädigt, doch die Mechaniker können sie notdürftig reparieren. Rahier gewinnt sogar noch. Das Begleitfahrzeug im BMW Werksteam fährt damals ein gewisser Josef Loder. Da klingelt was. Loder ist Besitzer einer Firma, die sich auf die Umrüstung von Fahrzeugen für Offroad-Rennen spezialisiert hat. Die Firma gibt es noch heute. Seit 2018 gehört auch ein eigenes Reifenlabel zum Angebot, die Marke Loder Tires. Der LoderTire AT#1 hat sich in der Branche einen Namen gemacht als All-Terrain-Fabrikat für SUV, Busse und Vans, aber auch für leichte Lkw und, jawohl, für Reisemobile.
Die Söhne von Josef Loder, Maximilian und Laurence, hören immer wieder die Rallye-Geschichten ihres Vaters. Und 40 Jahre später sind auch sie am Start bei der Classic-Ausgabe der Dakar, auf den Spuren von Loder Senior. Das Begleitfahrzeug von damals, ein Puch G, kommt diesmal selbst als Rallyefahrzeug zum Einsatz. Zur Unterstützung fährt stattdessen ein modifiziertes Reisemobil der Marke Weinsberg mit. Und genau dieses fährt unser Held Dennis Möller. Sorry für die Umschweife.
Dennis ist 27 Jahre alt, die Verbindung zur Familie Loder kommt über das Thema Reisemobile. „Mein Vater leitet die Firma Sun Mobil Cars in Markt Indersdorf bei München. Wir sind der größte Knaus- und Weinsberg-Händler Europas, verkaufen 1.500 Mobile pro Jahr. Daneben habe ich noch eine eigene Firma namens Power Campers. Wir sind spezialisiert auf den Verkauf und Einbau von Zubehör. Bei uns bekommt der Kunde das Auto so, wie er will.“ Oder auch so, wie er selbst es will. Denn um bei der Dakar Classic 2026 mitfahren zu können, braucht er dann doch eine, sagen wir, etwas erweiterte Ausstattung.
Als Basis entscheidet er sich für einen Weinsberg X-Pedition 600 MQ. Dann beginnt der Umbau: „Wir haben da ein paar Extras installiert“, als wäre er Q, der Bond-Mechaniker, dann zählt er auf: „Komplettes High-End Autarkie-System von WCS Mobile Technik, Offroad-Umbau durch die Firma Car Experts, u.a. mit Schnorchel, 40 mm Höherlegung und Unterfahrschutz, Hubstützensystem von AL-KO/E&P und natürlich 18-Zoll Delta Felgen mit Offroadreifen.“ So gerüstet startet er mit seinem Freund Sebastian als Kameramann ins Abenteuer. Ihr Job: Sie fahren im Team Delta 4×4 der Familie Loder das Medienfahrzeug. Helfen Aufbauen, Abbauen, Filmen.
Die Anreise startet am 1. Januar. Über Barcelona geht es per Schiff in den nahen Osten. Was wir erwähnen müssen: In der bewegten Geschichte der Dakar hat die Rallye schon mehrfach den Kontinent gewechselt. Ursprünglich fand sie in Afrika statt. 2009 wechselte sie für zehn Jahre nach Südamerika. Seit 2020 reist der Rallye-Tross nach Saudi-Arabien. Die 2026er-Ausgabe der diesjährigen Classic-Ausgabe startet in der Hafenstadt Yanbu, am 3. Januar 2026.
Auch vier Monate später ist Dennis immer noch voller Eindrücke. „Das kannst du dir nicht vorstellen. Du fährst den ganzen Tag durch die Wüste, da ist gar nichts. Keine Infrastruktur, keine Straßen. Du fährst 500 Kilometer einfach nur geradeaus. Und dann kommt auf einmal eine Tankstelle. Da steht einer mit seinem Turban und hat die Zapfpistole in der Hand. Drum herum ist einfach nichts! Die Strecke ist komplett offroad“, erzählt er weiter. „Wir waren mit 2 bar Reifendruck unterwegs, sind so an die 100 km/h gefahren in der Spitze. Ich bin noch nie in der Wüste gefahren, schon gar nicht mit einem Wohnmobil. Das Auto ist richtig gesprungen, abgehoben und wieder eingefedert. Wahnsinn!“
Neben heftigem Wind machen Dennis und Sebastian die Temperaturunterschiede zu schaffen. Tagsüber sei es brutal heiß, erzählt Dennis, nachts dagegen kühle es auf null Grad ab. Ohne Heizung sei es bitterkalt. Überhaupt dürfe man sich die Rallye nicht als Urlaub vorstellen. Das Weinsberg Reisemobil biete zwar einen gewissen Komfort.
„Aber ich bin 1,92 Meter groß und wir haben hinten im Querbett geschlafen. Da ist so ein 6-Meter-Sprinter halt nicht ganz perfekt. 20 Tage auf so engem Raum, das ist schon heftig.“ Die Hecktüren haben zwar kleine Fenster. Doch diese zur Belüftung zu öffnen, ist keine gute Idee, wie das Duo sehr schnell feststellt: „Fährt eine Rennkarre an dir vorbei, ist alles sofort voller Sand. Ich hab den Sand auf meinen Zähnen gespürt! Lüften kannst du vergessen.“
Immerhin schlafen Dennis und Sebastian waagerecht. Ein unterschätzter Vorteil gegenüber den anderen Teams. Denn am Weinsberg sind Hubstützen verbaut, die den Camper stets perfekt ausnivellieren. „Alle anderen haben schräg geschlafen. Und es gibt nichts Wichtigeres, als guten Schlaf, um sich zu erholen.“ Die Stützen bieten zudem den Vorteil, dass sie die Bewegungen im Stand reduzieren. Zur Not können sie das Fahrzeug unterwegs sogar aus dem Sand herausheben. Auch ein Wiegemodus ist wählbar.
Ansonsten kommt der Weinsberg ohne extreme Modifikationen aus. „Ein stinknormaler Werksallrad, ohne 100-Prozent-Differenzialsperren, ohne Geländeuntersetzung. Da hat jeder gesagt, ohne geht es nicht“, berichtet Dennis, „aber das ist Quatsch. Im Sand haben wir sowas nicht gebraucht.“ Überhaupt sei er erstaunt gewesen, wie gut das Fahrzeug sich bewährt hat. „Weinsberg steht zwar für Abenteuer, aber die Marke ist ja kein Expeditionsmobil-Hersteller. Das Auto kostet voll ausgestattet keine 200.000 Euro. Dafür ist das schon sehr ordentlich.“
Nur beim Motoröl genehmigt sich der Mercedes auf der Rallye etwas mehr als üblich: „Wir haben 5 Liter nachgekippt auf 8.000 Kilometern. Kein Wunder, wenn du das Auto die ganze Zeit über Offroad-Pisten prügelst.“
Von den Menschen im Land bekommen die Rallye-Teams nicht viel mit. „Du bist den ganzen Tag im Auto und fährst von Camp zu Camp, jedes ist komplett abgeschlossen. Die Rallye ist extrem abgesichert, mit Polizeikontrollen. Da kommt keiner ran.“ Begegnungen beschränkten sich auf die Stopps nahe der größeren Städte. „Da haben sich die Leute natürlich gefreut, wollten Fotos und Videos machen. Es gibt dort viel Armut, eigentlich nur arm oder sehr wohlhabend.“ Zur Mobilität der Einheimischen gehörten typischerweise viele Pick-ups.
Und die sind oft ohne Scheinwerfer, Spiegel oder Rückleuchten unterwegs. Ob er sich die Strapazen noch einmal antun würde? „Unbedingt, ja!“, platzt es aus ihm heraus. „Nächstes Mal werden wir aber auf jeden Fall unseren eigenen Grill mitnehmen. Wobei, zum selber Kochen hast du eigentlich gar keine Zeit.“