Individuell statt Standard: VAN-Jorn setzt auf ein modulares Ausbaukonzept, bei dem sich der Camper ganz nach den eigenen Bedürfnissen zusammenstellen lässt.
Der eine will ein Querbett, die andere lieber zwei Einzelbetten. Einer braucht ein Bad, die nächste verzichtet lieber drauf. Das niederländische Unternehmen VAN-Jorn hat daraus sein Konzept gemacht und baut seit acht Jahren modulare Campervans, die ganz nach den Wünschen des Kunden entstehen. Das Grundprinzip: In den Wänden und an der Decke des Transporters werden acht Aluminiumschienen verbaut. An ihnen lassen sich alle Einrichtungsmodule befestigen, verschieben und bei Bedarf ergänzen. Wer zunächst mit Kindern unterwegs ist und später nur noch zu zweit, kann so etwa die Zweier-Sitzbank durch einen Einzelsitzplatz austauschen, oder eben andersrum. Der Van wächst mit seinen Besitzern mit, und wenn sich die Bedürfnisse später ändern, muss dafür nicht gleich ein neuer Camper her.
Als Basisfahrzeug stehen der Mercedes-Benz Sprinter und der Peugeot Boxer in mehreren Längen zur Auswahl, jeweils neu oder gebraucht, mit Diesel- oder beim Boxer auch mit Elektromotor. Wer seinen eigenen Transporter mitbringt, kann diesen ebenfalls in Groningen ausbauen lassen. Möglich ist das auf Basis von Peugeot Boxer, Fiat Ducato, Citroën Jumper, Opel Movano, Toyota ProAce Max und dem Mercedes Sprinter.
Der Grundausbau kostet 11.860 Euro und umfasst Isolierung, Bodenbelag nach Wahl mit entweder PVC oder Marmoleum, Wandverkleidungen, die Aluminiumschienen und ein Elektrosystem mit 150-Ah-Lithium-Batterie für 12 und 220 Volt. Im hauseigenen 3D-Konfigurator lassen sich dann die Einrichtungsmodule wie Bett, Küchenmodul, Sitzgelegenheiten, Schränke und Ablagen virtuell platzieren und kombinieren – in zahlreichen Möbelfarben und Polstervarianten. Auch Dachluken, zusätzliche Schiebefenster und Heckfenster lassen sich konfigurieren.
Ein fertig ausgebauter Camper inklusive neuem Peugeot Boxer startet bei rund 70.000 Euro. Mit dem Sprinter als Basis bewegt man sich mit den Zusatzoptionen schnell im Bereich von 100.000 Euro. Für den Ausbau des eigenen Transporters ist man bei VAN-Jorn ab rund 30.000 Euro dabei.
Unser sechs Meter langes Testfahrzeug auf Peugeot-Boxer-Basis trägt den Namen „Sfeermaker“, eine Bezeichnung für jemanden, der die passende Atmosphäre schafft, und entsprechend hell und freundlich wirkt der Innenraum. Helles Echtholz aus Tauari Branco, viele Fenster und gleich drei Dachluken sorgen dafür, dass es innen angenehm lichtdurchflutet bleibt.
Die Verarbeitung passt insgesamt, alle Möbelelemente sind abgerundet – ein Detail, welches man auf engem Raum schnell zu schätzen weiß, wo man sich sonst leicht an Möbelkanten stößt. Auch die Ablagemöglichkeiten sind durchdacht: geschlossene Stauschränke und offene Ablagen bieten ausreichend Platz für alles, was zwei Reisende dabeihaben. Beim modularen Konzept ist das natürlich kein Zufall: Wer mehr Stauraum braucht, plant sich diesen bei der Konfiguration entsprechend ein.
Geschlafen wird auf zwei Längseinzelbetten (je rund 203 x 70 cm), die sich über ein Verbindungsteil zu einer rund 180 Zentimeter breiten Liegefläche zusammenführen lassen. Die Matratzen liegen auf Lattenrost und bieten mit zwölf Zentimeter Stärke guten Komfort. Unter einem der beiden Betten im Heck versteckt sich ein Schrankmodul, beim Testfahrzeug sind zwei Campingstühle darin verstaut.
Das zweite Bett lässt sich hochklappen, was bei Bedarf noch mehr Platz schafft. So könnte man etwa ein Fahrrad im Innenraum mitnehmen. Praktisch dabei auch: Das Bettzeug kann, wenn es nicht zu dick ist, einfach auf dem Bett liegenbleiben. Einen kleinen Haken gibt es allerdings: Ist das Bett hochgeklappt, hat das Matratzenstück des Verbindungsteils keinen eigenen Platz mehr. Es landet dann zwangsläufig auf dem anderen Bett oder muss irgendwo im Wohnraum – vermutlich in der Praxis zumeist auf den Vordersitzen – zwischengelagert werden.
Die Schubladen sind mit Soft-Close ausgestattet, die Türen der Oberschränke schließen jedoch über ein Scharnier, und das nicht ganz geräuschlos. Tagsüber kein Problem, wer aber früh aufsteht, während der Mitreisende noch schläft, muss beim Öffnen dieser Schränke behutsam vorgehen. An einigen Stellen sind die Spaltmaße zwischen den Holzleisten nicht ganz gleichmäßig, was sich jedoch stimmig in den charmanten DIY-Charakter des Fahrzeugs einfügt.
Der einklappbare Tisch misst 100 mal 44 Zentimeter und lässt sich auf 150 Zentimeter Länge ausziehen. Damit sitzt man auch vom Beifahrersitz aus wirklich bequem am Tisch. Für die Person auf dem Einzelsitz im Wohnraum ist die Tischhöhe von 89 Zentimetern allerdings einen Tick zu hoch, um entspannt zu essen. Auf den drehbaren Vordersitzen passt es hingegen gut, da man hier grundsätzlich höher sitzt. Damit die Füße nicht baumeln, hat VAN-Jorn eine Erhöhung mit praktischem Stauraum eingebaut.
Die Küche ist solide ausgestattet: zweiflammiger Gaskocher, ausreichend dimensioniertes Spülbecken und – eine nette Idee – ein direkt neben der Spüle integrierter Spender für Spüli oder Flüssigseife. Die Arbeitsfläche am Küchenmodul selbst fällt knapp aus, dafür gibt es hier eine kleine klappbare Ablage am Modul. Mehr Arbeitsfläche bietet das gegenüberliegende Modul mit der Spüle, die durch ein Holzbrett abgedeckt werden kann, und natürlich der große Tisch. Ein 78-Liter-Kompressorkühlschrank mit kleinem Eisfach ist im Schrankmodul unter dem Bett auf der Beifahrerseite untergebracht.
Dass unser Testfahrzeug für den niederländischen Markt konzipiert wurde, bemerkt man spätestens, wenn man kochen möchte. Die Gasflasche im Küchenmodul befindet sich nicht in einem speziellen Gasflaschenkasten, da das in den Niederlanden nicht erforderlich ist. Weil das Ganze hierzulande spätestens beim TÜV oder der Gasprüfung Probleme machen würde, baut der Hersteller für seine deutschen Kunden einen TÜV-geprüften Gasflaschenkasten mit Außenbelüftung hinter dem rechten Radkasten ein.
Als wir uns abends mit knurrendem Magen ans Kochen machen, folgt noch ein kurzer Moment der Überraschung: Der Kocher hat keine Piezo-Zündung, sondern verlangt nach einem Feuerzeug oder Streichholz. Als Nichtraucher hat man so etwas eher selten griffbereit – zum Glück stehen wir auf einem Stellplatz mit freundlichen Nachbarn, die mit Streichhölzern aushelfen. Warmes Abendessen gerettet.
Im Schrankmodul gegenüber der Küche gibt es zwei Frischwasserkanister mit je zwölf Litern Fassungsvermögen sowie einen 24-Liter-Abwasserkanister zum manuellen Befüllen und Entleeren. Optional sind auch ein 90-Liter-Frischwassertank und ein 40-Liter-Abwassertank erhältlich. Gleich darunter findet ein Porta Potti seinen Platz, wahlweise ist auch eine Trockentrenntoilette möglich. Für Energie sorgen eine 150-Amperestunden-Lithiumbatterie, Solar auf dem Dach, ein 2.000-Watt-Wechselrichter und zwei 250-Volt-Steckdosen sowie jeweils vier USB- und USB-C-Anschlüsse.
Die Beleuchtung ist stimmig: Vier dimmbare LED-Spots an der Decke sorgen für ausreichend Grundlicht, die beiden Leseleuchten an den Betten sind zwar nicht dimmbar, leuchten aber auch nicht zu hell für gemütliches Lesen am Abend. Die optionale Hängeleuchte über dem Tisch bringt zusätzlich noch etwas mehr Wohnlichkeit in den Innenraum, ebenso der Vorhang zwischen Fahrerhaus und Wohnraum. Für die Verdunkelung kommen Vorhänge zum Einsatz – im Alltag etwas fummeliger als ein Rollo, dafür aber einen Tick wohnlicher. Mit rund 188 Zentimetern Stehhöhe und einem Durchgang von knapp 70 Zentimetern zwischen Küchenmodul und Sitz bleibt genug Bewegungsfreiheit, ohne dass man ständig irgendwo aneckt.
Die Optionsliste von VAN-Jorn ist lang: Infrarot-Fußbodenheizung, Tresor im Boden, Heckverbreiterungen für mehr Schlafbreite, Außendusche oder ausziehbares Mini-Bad, Schiebetür-Zuziehhilfe, Fußbodenheizung – hier bleibt kaum ein Wunsch offen. Mit einer drehbaren Vordersitzbank und einer Zweier-Sitzbank sowie Aufstelldach im Wohnraum passen übrigens bis zu fünf Personen in den Van. Das Interieurdesign wurde 2025 mit dem Red Dot Award ausgezeichnet. Wer den Camper live erleben möchte, kann einen Termin im Showroom in Krefeld vereinbaren oder die Produktion direkt in Groningen besuchen – einer Stadt, die ohnehin einen Ausflug wert ist. Im Spätsommer ist VAN-Jorn außerdem auf dem Caravan Salon in Düsseldorf dabei.
Basisfahrzeug: Peugeot Boxer, Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue und SCR-Katalysator; Hubraum 2.148 cm³; Leistung: 140 PS (103 kW) bei 3.750 U/min; max. Drehmoment: 540 Nm bei 1.750 U/min; Sechs-Gang-Schaltgetriebe; Vorderradantrieb
Maße und Massen: (L x B x H) 599 x 205 x 252 cm; Radstand: 404 cm; Masse im fahrbereiten Zustand: 2.700 kg*; zulässige Gesamtmasse: 3.500 kg
Aufbau: Stahlblechkarosserie mit Hochdach; getönte Fenster; Isolierung 17 mm Armaflex; drei Dachluken; Möbel und Decke aus Tauari Branco und Eiche
Bett: Heck-Einzellängsbetten je 203 x 70 cm
Füllmengen: Frisch-/Abwasser: 24 l in Kanistern; Gas: 11 kg; Diesel 90 l; AdBlue 19 l
Serienausstattung: Isolierung; Verkleidung; Schienensystem; Elektropaket mit 150-Ah-Lithiumbatterie
Sonderausstattung (Auszug): Dachluken 60 x 40 cm bzw. 35 x 35 cm; Maxxair Dachlüfter; drehbare Vordersitze; Einzelbetten; Autoterm 2-kW-Dieselheizung; 240-W-Solarpanels; Victron 2.000-W-Wechselrichter
Testverbrauch: 7,5 l/100 km
Grundpreis: ab 70.000 € Preis Testwagen: 84.000 €
VAN-Jorn liefert mit seinem Modulsystem einen wirklich überzeugenden Ansatz für alle, die einen Camper wollen, der zu ihrem Leben passt – und nicht umgekehrt. Das Interieur ist wohnlich und konsequent auf die Bedürfnisse der Nutzer ausgerichtet. Kleinere Details könnten noch etwas mehr Feinschliff vertragen, das Gesamtpaket stimmt. Und das Schöne daran: Was heute noch fehlt, lässt sich morgen einfach nachrüsten. Mehr Infos: www-vanjorn.com
Thorn, das malerische Städtchen im niederländischen Limburg, verdankt seinen Beinamen „die weiße Stadt“ den charakteristisch weiß gestrichenen Fassaden seiner historischen Gebäude, die den Gassen ein einzigartiges und fast märchenhaftes Erscheinungsbild verleihen. Einst war Thorn sogar ein unabhängiger Kleinstaat, regiert von Stiftsdamen unter einer königlichen Äbtissin – mit eigener Gerichtsbarkeit und eigener Währung. Und über den weißen Häusern thront noch heute die beeindruckende Abteikirche.
Wer mehr als nur durch den Ort bummeln möchte, findet rund um Thorn wunderbare Wander- und Radwege im Naturschutzgebiet RivierPark Maasvallei, gemütliche Restaurants und sogar ein kleines Museum mit interaktiver Schatzsuche für Kinder. Für Camper gibt es direkt vor dem Ort noch einen besonderen Bonus: ein ruhiger, nachts kostenfreier Stellplatz mit Platz für bis zu drei Fahrzeuge und Stromanschluss – eine Entsorgungsmöglichkeit gibt es dort allerdings nicht.