> Oldtimer-Camper: Weinsberg 2,5 Td 4×4 Cosmos HD

Oldtimer-Camper mit Allrad: Weinsberg 2,5 Td 4x4 Cosmos HD

21.05.2026
Bild & Text: Andreas Güldenfuß

„Gelungenes Styling, gepaart mit gekonnten Detaillösungen“ – Zum 35. Geburtstag dem Fiat Ducato alles Gute.

Nicht nur wer beruflich mit dem Thema Camping und Campervans zu tun hat, wird vom Google-Algorithmus ausspioniert. Vielleicht ist es ein gutes Zeichen, wenn einem keine unanständigen Sachen angezeigt werden – aber günstiger sind schöne Autos auch nicht. Ein Fiat Ducato Typ 290 steht vielleicht nicht ganz oben auf der Suchliste, aber die Kombination aus der Suchhistorie kann zu solchen verheerenden Treffern führen: Der von 1982 bis 1994 gebaute Ducato, auch als Alfa Romeo AR6, Citroën C22/25, Peugeot J5 oder Talbot Express bekannt, wurde in der Kooperation von Fiat und PSA in Sevel gebaut. Neben dem heutzutage untypischen Benziner gab es noch einen 2,5-Liter-Diesel von Citroën spendiert. Dieser galt mit seiner fünffach gelagerten Kurbelwelle als besonders langlebig, robust und ausgereift. Auch der später adaptierte Turbolader, der die Leistung von 75 aus 95 PS erhöhte, konnte an der Zuverlässigkeit nichts ändern. Auch ohne drehbare Sitze war schon damals die Schaltung des Fünfgang-Getriebes ganz praktisch am Lenkstock angebracht und die Handbrems-Betätigung auf der linken Seite. Der Durchgang nach hinten war aber trotz genügend Platz nicht ganz einfach, je nachdem wie die Rückenlehne der hinteren Sitzbank stand.

Die Mittelsitzgruppe wurde durch Umklappen und Verbreiterung zu einem 1,40 Meter breiten Bett. Wer mehr Schlafplätze gebraucht hat, konnte im ersten Stock noch ein Aufstelldach oder einen Betteinbau im Hochdach ordern.

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Wie zu der Zeit üblich, war die Transporter-Form eher praktisch als schnittig und aerodynamisch. Wie die anderen Kastenwagen war auch der Ducato ziemlich rechteckig – was natürlich viel Platz im Innenraum ließ. Den Weinsberg Cosmos gab es in zwei Versionen: eine mit zwei und eine mit bis zu vier Schlafplätzen. Das Aufstelldach mit einer Liegefläche von 190 mal 126 Zentimetern kostete mit Aufbau, Dachbett und Dachschale rund 3.400 DM. Das Hochdach, 20 Millimeter isoliert und mit Dachluke, kostete mit Aufbau knapp 3.500 DM. Das ausziehbare Bett mit 190 mal 140 Zentimetern kostete nochmals knapp 1.400 DM, wurde bei diesem Fahrzeug aber nicht verbaut.

Man sollte schon Profi sein, um die Kapazität und den Wert eines solchen Fundstücks zu erkennen. Aber die Basis stimmt: ein bisschen abstauben, gut lüften und zurück auf die Straße. Mit der Laufleistung hat der Fiat noch viel vor.

Da die Basis damals noch nicht so schwer war, wurde der Ausbau ordentlich mit robustem Sperrholz gemacht. Für die Nasszelle bei der Heckküche wurde feuchtigkeitsunempfindliches GFK verwendet. Ansonsten ist es ein klassischer Ausbau mit zweiflammigem Gaskocher, 45-l-Absorber-Kühlschrank, 80 l Frischwasser, 50 l Abwasser, 10-l-Boiler und Truma-Heizung.

Ganz nett ist, dass die Hersteller damals großen Wert auf Rostschutz gelegt haben. Türrahmen, Längs- und Querschweller wurden verzinkt, nach dem Phosphatbad wurden die Blechteile KTL-beschichtet, Türen und Schweller zusätzlich hohlraumkonserviert. Nach der Lackierung bekam die Karosserie noch eine extraharte Schicht Klarlack und der Unterboden wurde mit PVC beschichtet.

Die Technik noch nicht ganz so versteckt wie heute, dafür aber gut erreichbar, wenn man mal etwas Reparieren muss.

Spätestens jetzt weiß man, wie man sich in so einen Oldtimer verlieben kann. Jetzt kommt natürlich noch das Thema Steyr-Puch dazu. Der österreichische Hersteller wahrer Gelände-Ikonen, hat auch für den Fiat einen permanenten Allrad-Antrieb mit Viskokupplung und 40 %-Sperre an der Hinterachse entwickelt. Damit ist der knapp 4,80 Meter lange Kasten auf jeden Fall schon geländetauglich genug für die üblichen Ausflüge. Die 195/75 R16 großen Reifen sorgen für Bodenfreiheit, nur am Motorschutz könnte man noch ein bisschen optimieren.

Knapp 33.000 Euro soll das Gerät, Baujahr 1991, mit 95 PS und 87.000 Kilometern kosten. Frischer Service, Trockeneisgestrahlt und alles überholt, was man überholen kann. Wer das Schmuckstück haben will, auf zur Oldiehalle nach Loxstedt.

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