> Camper-Test: Reimo TrioStyle in der Praxis

Roter Renner: Reimo TrioStyle im Test

05.02.2026
Bild & Text: Daniel Schlicke

Mehr als Badge-Engineering: Reimo hat den TrioStyle auf Ford oder VW überarbeitet. Beiden gemein sind einige praktische Features – es gibt aber auch Unterschiede.

Beim Thema Selbstausbau führt an Reimo eigentlich kein Weg vorbei. In 45 Jahren hat man sich vom studentischen Betrieb – der Legende nach nicht uneigennützig gegründet – zum „Zubehör-Profi“ gemausert. Und natürlich weiß man auch ein bisschen über Reimos Historie als Ausbauer Bescheid oder über die Rolle des Adria-Importeurs, zumindest als CamperVans-Leser. Verglichen mit dem Zubehör-Programm fahren die ab Werk bestellbaren Komplettfahrzeuge aber immer noch ein wenig unter dem Radar. Höchste Zeit also, mal wieder einen der solchen zu testen – zumal der TrioStyle, passend für den neuen Ford Tourneo Custom und auch für den VW New Transporter, kürzlich gründlich überarbeitet wurde.

Ford ungleich VW

Bevor wir gleich auf den Testwagen zu sprechen kommen, lohnt unbedingt ein vergleichender Blick in die technischen Daten. Obwohl beinahe baugleich, sollte man genau studieren, was bei Ford und was bei VW zur Serienausstattung gehört, und dann abwägen. Die Optik oder etwa die erweiterte Herstellergarantie von VW (fünf zu zwei Jahre) dürfen natürlich auch eine Rolle spielen. Besonders wichtig ist jedoch: Beim VW nutzt Reimo die Blechkarosserie und rüstet Echtglasfenster nach. Es entfällt die werkseitige Kunststoff-Innenverkleidung, mittels Zusatz-Polster konnte die Bettenbreite um ganze 12 Zentimeter verbessert werden. Beim Ford setzt man auf die Pkw-Variante mit besagter Verkleidung, folglich schmalerem Bett, aber auch etwas mehr Ausstattung ab Werk. So liegt der Basispreis für den Trio-Style auf Ford noch unter dem VW, jedoch längst nicht so deutlich wie bei anderen Ausbauern.

Unser feuerroter Ford fällt unter die Kategorie „einmal alles bitte“, und ehrlicherweise: Er kostet auch entsprechend. Preistreiber ist insbesondere der Plug-in- Hybridantrieb, bestehend aus einem 2,5-Liter-Benziner und einer Elektromaschine samt Pufferspeicher. Über ein stufenloses CVT-Getriebe werden ausschließlich die Vorderräder angetrieben – bevorzugt elektrisch und wenn der Akku erschöpft ist oder wenn per Gasbefehl eine entsprechend hohe Leistung abgerufen wird durch den Verbrenner. Der Antrieb steht mit über 16.000 Euro in der Reimo-Preisliste, zwischen ihm und dem vergleichbaren 170-PS-Diesel samt Automatik liegen stolze 10.500 Euro.

Wer nicht nur nach dem Gewissen, sondern auch nach dem Geldbeutel entscheidet, dürfte sich nun fragen, ob sich der satte Aufpreis wirklich lohnt – was wir mit einer Rückfrage nach dem Fahrprofil, wahrscheinlich aber mit einem Nein beantworten würden: Nur rund 30 Kilometer schaffte der Testwagen rein elektrisch und urlaubsfertig bepackt mit einer Akkuladung. Zwar gibt der Bordcomputer an, dass am Ende ein Drittel der Teststrecke (über 3.000 Kilometer!) elektrisch zurückgelegt wurde, und das ohne nachzuladen, allein durchs Rekuperieren. Unterm Strich bleibt es aber bei 7,3 Litern teurem Superbenzin auf 100 Kilometern. Selbst wenn sich der Diesel in vergleichbaren CamperVans-Tests rund einen Liter mehr genehmigte, müsste man schon sehr lange fahren und fast ausschließlich Kurzstrecken mit privatem Hausstrom, bis sich die deutlich höheren Anschaffungskosten amortisiert haben.

Nicht ohne Herausforderungen

Allerdings: Am Steuer möchte man das gerne vergessen. Zwar bleibt der typische Elektro-Punch aus, doch die Motorleistung genügt locker für einen Campervan. Vor allem aber bewegt sich der PHEV weitgehend leise, lediglich von einem sanften Surren untermalt. Erst jenseits der Autobahn-Richtgeschwindigkeit wird’s lauter, wenn die Reserven der 11,8 kWh kleinen Fahrbatterie erschöpft sind und der Verbrenner zugeschaltet wird – so ein stufenloses CVT-Getriebe regelt das Drehmoment eben über die Motordrehzahl. Gleichzeitig gelingt der Wechsel zwischen den verschiedenen Motoren ohne spürbare Verzögerung, das ist Ford gut gelungen. Dazu kommen zuverlässige Fahrerassistenzsysteme und die gut abgestimmte Einzelradaufhängung.

Foto: Daniel Schlicke

Da ist es doppelt schade, dass die Spaltmaße auch an diesem Ford (wir hatten bereits darüber berichtet) teils katastrophal ausfallen. Und im TrioStyle ist das nicht nur optisch ein Thema: Reimo legt den CEE-Anschluss in den Motorraum, und im Prinzip sind möglichst wenig Bohrungen in der Karosserie ja auch eine gute Idee. Allerdings entriegelt die Motorhaube (zweimal ziehen) längst nicht immer auf Anhieb und noch seltener, wenn man auf einem Auffahrkeil steht.

Wenn der CEE-Anschluss hier gerade ein bisschen klemmt, liegt das an den Spalt-maßen des neuen Ford.
Foto: Daniel Schlicke
Deutlich moderner: Das neue Design in Anthrazit und Wildeiche ist gut gelungen.
Foto: Daniel Schlicke

Eine andere Herausforderung bringt speziell der PHEV-Antrieb mit sich: Von Ford gibt es aktuell keine Freigabe für eine Benzin-Standheizung, weshalb Reimo auf die strombetriebene Truma Eezy setzt. Die ist sehr leise und liefert absolut ausreichende 1,8 Kilowatt Heizleistung, allerdings ausschließlich am 230-Volt-Netz. Beim Thema Autarkie ist man somit etwas eingeschränkt.

Im Hybrid gibt es aktuell nur die Stromheizung, die in der Beifahrer-Sitzkonsole untergebracht ist.
Foto: Daniel Schlicke

Aber da sind ja noch einige andere gute Ideen. Unbedingt empfehlenswert ist etwa das optionale Echtglas-Aufstellfenster von Carbest, das den Lüftungsquerschnitt (64 mal 25 Zentimeter) der serienmäßigen Ford-Ausstellfenster um ein Vielfaches vergrößert. Auch ein ordentliches Kombirollo (Fliegengitter/Verdunkelung) fehlt nicht. Die werksseitige Verkleidung der Schiebetür arbeitet Reimo so um, dass ein robuster Campingtisch darin Platz findet. Dort ist er optimal und klapperfrei verstaut. Der an der Sitzbank arretierte Tisch funktioniert draußen mit optimaler Stehhöhe. Reimo bringt als Zubehör-Profi auch noch an der Heckklappe Stühle der Eigenmarke HolidayTravel unter.

Der Tisch kommt auf 77 mal 48 Zentimeter und ist von jedem Sitzplatz aus gut erreichbar. Für draußen gibt es Tischbeine.
Foto: Daniel Schlicke

Neues Dach

Foto: Daniel Schlicke

Den Modellwechsel bei den Basisfahrzeugen hat Reimo für die Konstruktion eines komplett neuen EasyFit-Schlafdachs genutzt. Es entsteht nicht mehr im Handlaminat, sondern ist zweischalig aufgebaut, und obwohl der Hersteller hier keine Angaben macht, sollte es etwas leichter geworden sein und marginal besser isolieren. Auch sind die sichtbaren Verschraubungen ver-schwunden. Nach wie vor kann es mit C-Schienen zur Montage eines Dachträgers und einem Solarpanel, in Wagenfarbe oder schwarz lackiert geordert werden – top. Die neuen Verschlüsse sind ergonomisch und lassen sich ohne größeren Kraftaufwand bedienen.

C-Schienen zur Montage eines Dachträgers und ein Solarpanel sind möglich.
Foto: Daniel Schlicke

Unscheinbar, aber ein echtes Highlight sind die neuen Gasdruckdämpfer, die das Dach kurz vor dem Schließen auf einer Zwischenstufe halten – so kann der Zeltbalg bequem sortiert werden, ohne dass man das Gewicht der Dachschale dabei tragen muss. Der Zeltbalg hat drei Fenster (2x Fliegengitter, 1x Folie) und kann auch vollständig geöffnet werden – prima zum Auslüften an trockenen Tagen.

Auch LED-Lichtleisten sowie das „Luxusbett“ mit Tellerfeder-Lattenrost und einer fünf Zentimeter starken Matratze gehören zur Serienausstattung. Ob es nun an den verschweißten Alu-Latten des Rostes liegt oder an den Federtellern vom Hersteller Zomi – für unsere subjektive Wahrnehmung war der Schlafkomfort ein wenig enttäuschend.

Die Open-Sky-Funktion: der Zeltbalg kann komplett geöffnet werden.
Foto: Daniel Schlicke

Erprobte Bank

Auf der Reimo-Bank braucht man nicht unbedingt einen Topper.
Foto: Daniel Schlicke

Ganz anders die Schlafsitzbank: Nach wie vor setzt Reimo auf die bewährte Variotech 3000 aus eigener Produktion. Weil man auf der Rückseite der konturierten Sitzfläche schläft, ist die Liegefläche eben und weich gepolstert sowie ohne störende Gurte, sodass kein Topper nötig ist. Gegenüber dem Vorgänger auf VW T6.1 konnte den die Bettenmaße sowohl im Dach, als auch der Klappbank marginal verbessert werden – aber natürlich ist mehr hier immer besser. Bei einer dreiwöchigen Reise klingen die bereits erwähnten, zusätzlichen zwölf Zentimeter im TrioStyle auf dem neuen VW durchaus verlockend.

Die Bank kann mit wenigen Handgriffen und ohne größeren Kraftaufwand umgeklappt oder aufgestellt werden. Auch lässt sie sich vergleichsweise leicht verschieben. Das Schienensystem wurde zum Modellwechsel überarbeitet und soll im Vergleich zur Vorgängerversion circa 50 Prozent leichter geworden sein (jetzt: 39 Kilogramm, Herstellerangabe).

Wer‘s breiter braucht als 1,22 Meter, sollte zum TrioStyle auf VW tendieren.
Foto: Daniel Schlicke

Über eine praktische Luke in der Bettenverlängerung erreicht man auch vom Wohnraum aus das Gepäck im Kofferraum – dieses Detail fehlt leider in vielen Campingbussen mit dem TrioStyle- Grundriss. Zum Durchladen von Skiern kann eine Blende entfernt, die große Schublade (65 mal 73 mal 20 Zentimeter) mit satten 30 Kilogramm beladen werden. An der Sitzbank wird auch der frei schwenkbare Tisch arretiert und nicht etwa an der Möbelzeile gegenüber, was quasi immer zu beengten Platzverhältnissen und versperrten Schubladen führt.

Tatsächlich darf man dem TrioStyle bescheinigen, dass nahezu jeder Stauraum, der Kühlschrank und auch das Fach für die optionale (Trenn-)Toilette jederzeit zugänglich sind.

Über eine Luke in der Bettenverlängerung ist der Kofferraum zugänglich.
Foto: Daniel Schlicke
Kleider-Schrank mit ausgeklapptem Schwenkmodul für schmale Hygiene-Artikel
Foto: Daniel Schlicke

Die Möbelzeile wurde zum Modellwechsel ebenfalls umgestaltet. Das Design – weg von Hochglanz-Weiß oder Apfelbaum, hin zu modernem Lichtgrau und Wildeiche – gefällt zumindest uns deutlich besser.

Der große Kleiderschrank hat nun eine Schiebetür und ein Schwenkmodul mit Spiegel, perfekt für Hygiene- und Kosmetikartikel. Zudem ist er durch das mehrstufige Lichtkonzept innen beleuchtet und mehrfach unterteilt, wobei die Böden teilweise entnommen werden können, um Hemden aufzuhängen.

Dahinter kommt noch der Wasser- und Gasvorrat unter. Clever: Wer besonders viel kochen will, bringt auch eine Fünf-Kilo-Flasche unter. Ansonsten sind 2,75 Kilogramm Gas an Bord und darüber ein Regalboden für zusätzlichen Stauraum.

Die Küchenzeile: Schon wieder hybrid

Der Küchenblock ist sinnvoll unterteilt, ein mobiler Gaskocher auf dem Induktions-Kochfeld ist eine praktische Ergänzung, wenn man mal abseits vom Landstrom steht.
Foto: Daniel Schlicke

Das optionale Hybrid-Kochfeld von CAN ist spannend: Auf dem Campingplatz schnell, sauber und kostengünstig mit Induktion (1,5 kW) kochen sowie autark mit Gas (1,6 kW). Außerdem ist der Brennerabstand größer als beim Zweiflamm-Gaskocher. Allerdings: Der Gasbrenner ist etwas versenkt angebracht, falls mal etwas überkochen sollte. Jedoch muss deshalb zwingend darauf geachtet werden, keine Töpfe mit mehr als 20 Zentimeter Durchmesser zu verwenden, weil die Flamme sonst nicht genügend Sauerstoff bekommt. Trotzdem hat sich das hybride Kochfeld als sehr praktisch erwiesen und wäre uns den Aufpreis auf jeden Fall wert.

Im Küchenblock bleibt trotz Toilette genügend Platz für Geschirr, Besteck und ein paar Vorräte. Arbeitsfläche entsteht, wenn die Schichtstoff-Abdeckung der Spüle in einem Aluprofil arretiert wird. Mit netto 35,8 Litern (31,7 plus 4,1 Liter Gefrierfach) ist der Kompressor-Kühlschrank von Carbest gerade ausreichend groß für zwei, drei Campingtage. Ganz praktisch ist, dass sich die Temperatur im Gefrierfach separat regulieren lässt, sodass man bei Bedarf auch mit zwei Kühlzonen arbeiten kann.

Die Abdeckung der Spüle kann in einem Aluprofil arretiert werden und ergibt zusätzliche Ablagefläche
Foto: Daniel Schlicke

Unser Fazit

Foto: Daniel Schlicke

Nicht nur für Selbstausbauer ist Reimo ein kompetenter Ansprechpartner. Der TrioStyle kann richtig viel, vieles sogar ein bisschen besser als so mancher prominenter Mitbewerber – zumal diese nun teilweise mit zweiter Schiebetür und deutlich weniger festen Stauräumen vorfahren. Im direkten Vergleich wäre der TrioStyle etwas weniger alltagstauglich, doch dafür umso geeigneter für längere Reisen. Zudem können die Komplettfahrzeuge von Reimo vergleichsweise individuell konfiguriert werden.

Das Hybrid-Kochfeld, das Aufstellfenster oder auch ein 12-Volt-Boiler sind durchaus selten im Segment der kompakten Campingbusse. Freilich spiegeln sich die vielen Extras auch im Preis wider, der für den Testwagen fällig wäre. Immerhin, beim größten Posten – dem Antrieb – ließen sich einige Tausend Euro sparen. Doch Achtung: Das gilt nur für den Ford. Beim VW ist der Top-Diesel etwas teurer und der eHybrid deutlich günstiger. Wie gesagt, es lohnt unbedingt ein vergleichender Blick in die technischen Daten.

Technische Daten Reimo TrioStyle

Basisfahrzeug: Ford Tourneo Custom Titanium 2.5 Duratec PHEV, Vierzylinder-Turbobenziner (112 kW/152 PS) plus Synchron-Elektromotor (97 kW/132 PS). Systemleistung 171 kW (232 PS) bei ­3.500/min, max. Drehmoment 390 Nm bei 1.750/min. 11,8-kWh-Lithium-Fahrbatterie, stufenloses CVT-Getriebe, Vorderradantrieb. Abgasnorm Euro 6e
Maße und Massen: (L x B x H) 505 x 203 x 205 cm, Radstand: 301 cm, Masse in fahrbereitem Zustand: 2.636 kg (Herstellerangabe), zul. Gesamtgewicht: 3.275 kg
Aufbau und Ausbau: Stahlblechkarosserie (L1H1) mit zweischaligem GFK-Aufstelldach, Wärmeschutzverglasung mit Auf- und Ausstellfenster. Möbelbau aus beschichtetem Pappelsperrholz mit Schichtstoff-Arbeitsfläche, Schlaf-Sitzbank mit 2x Isofix in Schienenboden, Innenverkleidung aus Kunststoff-Formteilen, teils mit Kunstleder kaschiert
Betten: Aufstelldach: 195 x 111 cm, Schlafsitzbank: 195 x 114–122 cm
Füllmengen: Frisch-/Abwasser: 2x 19 l/27 l innenliegend, Carbest-Kühlschrank 35,8 l, Gas 2,75 kg, Benzin 63 l
Serienausstattung: (Auszug) 136-PS-Motor und Sechsgang-Schaltgetriebe, LED-Scheinwerfer, Parkpilot inkl. Rückfahrkamera, Klimaautomatik, lackierte Stoßfänger, 13-Zoll-Infotainmentsystem, Möbelbau mit Küchenausstattung, Schlafsitzbank, Aufstelldach mit „Luxusbett“, Lithium-Aufbaubatterie 100 Ah, mehrstufige LED-Beleuchtung
Sonderausstattung: (Auszug) PHEV-Antrieb 16.105 €, Anhängevorrichtung schwenkbar 833 €, Zwei-Zonen-Klimaautomatik 298 €, Metallic-Lackierung „Artisan Red“ 940 €, Technik-Paket u. a. inkl. Navigation und Park-Pilot 1.860 €, Dach in Schwarz mit Aktivschienen und 150-Wp-Solarpanel 1.718 €, Multirail beidseitig €, 938, Echtglas-Aufstellfenster mit Verdunkelung 725 €, Trenntoilette 299 €, Hybridkocher CAN 689 €, Warmwasserboiler 595 €, Luftstandheizung Truma Eezy 1.950 €, Ladekantenschutz 129 €
Testverbrauch: 7,3 l Superbenzin plus 27 kWh Strom
Grundpreis: ab 71.990 €
Testwagen: 101.143 €

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