Durchdesignt und herrlich italienisch: Den Laika Kosmo 60 gibt es jetzt als Sondermodell Supremo in drei mutigen Farbvarianten. Wir haben Mugello Verde getestet.
Die kleinen Campervan-Manufakturen und ihre homöopathischen Stückzahlen einmal ausgeklammert, steht insbesondere die italienische Marke Laika für einen hohen Gestaltungsanspruch. Dafür beauftragt der Hersteller aus dem toskanischen San Casciano in Val di Pesa schon mal Spitzen-Designhäuser wie GFG Style, das Studio um Fabrizio und Giorgetto Giugiaro. Wie aber kann man einem Kastenwagen selbstbewusst und typisch italienisch gestalten? Das zeigt Laika mit seinem neuen Sondermodell Supremo. Der Kunde wählt zwischen dem knallig orangefarbenen Kosmo 60 Supremo Arancio Sicilia, dem babyblauen Azzurro Capri und dem rassig-grünen Mugello Verde – Farben, die laut Laika von der Welt luxuriöser Sportwagen inspiriert sind. Zudem erhält das Trio Colore einiges an Ausstattung, die für üblich extra berechnet wird.
Unsere Wahl fällt auf Mugello Verde. Ein Grün wie von Pinien und Zypressen – oder eben dem British Racing Green schneller Sportwagen. Dazu 18-Zoll-Schlappen auf wuchtigen bronzefarbenen Alufelgen.
Wo könnte man diese Schönheit wohl am besten testen? Dort, wo die Pinien und Zypressen besonders schön sind: in der Toskana. Zunächst ein kurzes Kennenlernen auf dem Werksgelände: Wie seine beiden Geschwister basiert der Kosmo 60 Supremo Mugello Verde auf dem 5,99 Meter langen Fiat Ducato in der Karosserievariante L3H2. Serienmäßig unter der Haube: das obere Ende der Motorenpalette – der 180 PS starke 2,2-Liter-Turbodiesel, der sein Drehmoment an die ebenfalls serienmäßige Achtgang-Wandlerautomatik abgibt.
Beim Grundriss macht Laika keine Experimente: Halbdinette im Bug, Küchenblock an der Schiebetür, Bad gegenüber und Doppelquerbett überm Heckstauraum. Diese Beschreibung passt auf den grünen Reiseflitzer in etwa so, als würde man einen Maserati Quattroporte über Einzelsitze und Kofferraumvolumen definieren – sie wird dem Supremo nicht gerecht. Die luxuriösen wie eleganten Lederpolster namens Cognac Matera passen perfekt zum auffällig lackierten Campervan. Beim übrigen Interieur orientiert sich Laika an seinen Reisemobilen: Die petrolfarbenen Möbeltorsi etwa kennt man auch aus den großen Flaggschiffen des toskanischen Herstellers. Schöne Innenverkleidungen und ein großes Panoramafenster über den Vordersitzen werten den Innenraum zusätzlich auf. Letzteres ist das einzige im Testwagen verbaute Extra.
Das Gepäck ist schnell verstaut, dann geht es los. Erwartungsgemäß hat der üppig motorisierte, selbstschaltende grüne Flitzer auch an den steilen Stichen der immer noch nicht fertig ausgebauten Schnellstraße zwischen Siena und Grosseto nicht die geringste Mühe, im Verkehr mitzuschwimmen. Vielmehr muss der Fahrer darauf achten, dass er Fiat Panda (übrigens ein Giugiaro-Entwurf) & Co. am Hang nicht zu nahe kommt. Gut, dass auch das Safety-Paket mit adaptivem Tempomat stets zur Ausstattung des Supremo gehört. Was man außerdem spürt: Der spurstabile Ducato ist echt straff gefedert. Das können nicht einmal die 18-Zoll-Reifen kaschieren, die breiter sind und mit niedrigerem Luftdruck gefahren werden können als die serienmäßigen 16-Zöller.
Kurzum: Der Kosmo 60 Supremo fährt, wie er aussieht: flott und sportlich. Der Verbrauch bleibt mit 8,9 Liter Diesel je 100 Kilometer im Rahmen, das Mobiliar trotz des straffen Fahrwerks recht leise.
Die Sitzgruppe ist an sich Standard, wären da nicht die hochwertigen, akkurat vernähten Echtleder-Polster inklusive passender Kissen. Und die Halbdinette gefällt mit weiteren Details: So ist der an der Seitenwand eingehängte Tisch mit 86 mal 51 Zentimeter großer und per Schwenkteil erweiterbarer Tischplatte erfreulich stabil – bei so manchem Konkurrenten ist Pizza schneiden eine deutlich wackeligere Angelegenheit.
Die Sitzbank stattet Laika mit zwei Dreipunkt-Sicherheitsgurten, höhenverstellbaren Kopfstützen und Isofix aus. Die Sitztruhe nimmt die großzügig dimensionierte Heizung Truma Combi D 6 in Anspruch. Aber auch der Dachschrank über dem seitlichen Fenster ist recht voluminös. Obwohl sich der Abgaskamin der Heizung nicht direkt unterm Fenster befindet, installiert der Hersteller einen Mikroschalter, der bei geöffneter Scheibe die Heizung abschaltet.
Tagsüber ist die Sitzgruppe dank großer Dachhaube und Extra-Fenster über dem Fahrerhaus schön hell. Während unseres Aufenthalts an der toskanischen Küste brauten sich jedoch immer wieder Gewitter zusammen, und dann kamen die dimmbaren LED-Lichtleisten voll zur Geltung.
Die Küche gefällt mit durchdachter Ausstattung. Zum hoch angebrachten Kompressorkühlschrank mit 84 Litern Rauminhalt muss man sich nicht bücken. Er ließe sich sogar gegen ein 138-Liter-Modell ersetzen. Auch Herd und Spüle sind erfreulich groß: Auf den elektrisch zündenden Zweiflammherd von Can passen dank 21 Zentimeter Brennerabstand Kochtopf und Pfanne. Abstell- und Arbeitsfläche bietet das Küchenmöbel lediglich bei geschlossenen Glasdeckeln, doch lässt es sich per Klappbrett erweitern.
Der Küchenoberschrank und der Unterschrank mit drei stabilen Auszügen bunkern problemlos Geschirr und Proviant, auch für vier Leute.
Ins Bad gelangt man durch eine raumsparende Kunststoff-Gliedertür.
Kurios: Schwenkt man das Waschbecken samt Spiegelwand vor das Dreh-WC, gibt diese nicht nur die Dusche frei, sondern hinter einem Schiebetürchen auch ein opakes Badfenster.
Prima: Weil die Schwenkwand im oberen Teil abgewinkelt ist, entsteht beim Duschen ein besseres Raumgefühl. Wasser und Schaum verlassen die Duschwanne mit ausreichend hohem Rand durch zwei Abläufe.
Über dem Heckstauraum hinter Bad und Küche baut Laika ein maximal 154 Zentimeter breites Doppelquerbett ein. Dessen drei Matratzen sind jeweils zwölf Zentimeter stark und ruhen auf zwei äußeren Holzlattenrosten mit je einem ausziehbarem Rost-Innenteil. Benötigt die Reisecrew im 129 mal 88 Zentimeter großen Heckstauraum darunter mehr als 77 Zentimeter Höhe, stellt sie die Lattenroste – sogar unterstützt von Gasdruckdämpfern – auf. Dann reicht dieses Ladeabteil bis unter die Innenraumdecke. Bei abgesenktem Bettteilen aber liegt man auf der komfortablen Liegefläche sehr gut. Und bei offenen Hecktüren lässt es sich herrlich träumen – etwa von grünen Pinien und Zypressen.
Laika verkörpert für mich Lebensfreude, gute Qualität und italienisches Design. Das habe ich bei mehreren Werksbesuchen erlebt, und das spiegeln auch die Fahrzeuge wider. Arancio Sicilia, Azzurro Capri und Mugello Verde – das sind Namen, bei denen Sehnsucht erwacht nach dem Land, wo die Zitronen blühen.
Ab 74.681 Euro ist der getestete Laika Kosmo 60 Supremo Mugello Verde vielleicht kein Schnäppchen, aber er ist definitiv etwas Besonderes. Der grüne Lack, die bronzefarbenen Alus und die Lederpolster passen toll zum ohnehin ansprechenden Laika Kosmo. Dass das Sondermodell außerdem einiges an Ausstattung mitbringt, die sonst Aufpreis kostet, ist ein weiteres Plus – außer einer Markise und etwas mehr Federungskomfort habe ich nichts vermisst.