Einstieg leicht gemacht

Panama Campervan P10+

Und damit ist nicht nur die beim Panama P10+ serienmäßige Trittstufe gemeint. Nein, in der hart umkämpften Preisklasse um 50.000 Euro macht es einem die Trigano-Marke einfach – der kompakte Camper wird in nur drei Ausstattungs-Versionen angeboten.
Fotos & Text: Andreas Güldenfuß

Es gibt einen P10e mit 105 PS und einen P10 mit 130 PS, optional fünf Metallic- Farben für je 1.200 Euro Aufpreis, ein Living-Paket mit Diesel-Heizung, Wechselrichter, Porta- Potti und elektrischer Trittstufe für 1.600 Euro, dann ist aber Schluss. Beim P10+, dem bestausgestatteten Modell mit serienmäßig 130 PS, gibt es mehr Auswahl: 2.500 Euro für den 170-PS-Motor, 1.800 Euro für das Sechsgang-Automatikgetriebe, 800 Euro für die Auflastung auf 3.200 kg, 700 Euro für Ganzjahresreifen mit Reifendrucküberwachung, das bekannte Living-Paket und noch ein Outdoor-Paket mit Fahrradträger und Markise für 1.200 Euro. Alle Optionen gezogen, kommt man auch auf 61.750 Euro – hat dann aber jeglichen Komfort, den die Basis zu bieten hat.

Der Grundriss ist klassisch, anders macht den Panama das Ausbau-Material.

Der Ausbau, der den Bus zum Camper macht, ist vom Grundriss klassisch und bewährt. Außergewöhnlich ist das verwendete Material: Der Korpus, also das Grundgerüst der Möbel, besteht ganz herkömmlich aus beschichteten Sperrholzplatten – was man teilweise noch an offenen Schnittkanten in den Schränken oder an Ausfräsungen sehen kann. Die Front, die Blenden und Klappen dagegen sind aus Schichtstoff-Platten, welche aus in Melaminharz getränkten Papierschichten unter Druck und Hitze in Form gepresst werden. High- Pressure-Laminate, oder kurz HPL, heißt der Werkstoff dann.

Das Material ist relativ unempfindlich und witterungsbeständig – weshalb es auch gerne als Fassadenverkleidung genutzt wird. Zudem ist es ressourcenschonend herstell- und recyclebar. Das einzige Problem des Werkstoffs ist das Gewicht, denn mit bis zu 1.500 kg pro Kubikmeter ist HPL knapp dreimal so schwer wie herkömmlich verwendetes Sperrholz.

#Besonders deutlich wird dies, wenn man den wunderschön und praktisch in der Schiebetür untergebrachten Tisch betrachtet: 7,1 kg ist ein ganz schöner Brocken für knapp 80 mal 60 cm – da sind normale Campingtische samt Gestell leichter. Vom Aussehen und Anfassen kann das Material aber überzeugen, besonders die schönen aus dem Vollmaterial gefrästen Radien sind etwas Besonderes – und die können sich natürlich niemals ablösen.

Der Panama ist ein Franzose

Die Markteinführung des jüngsten Sprosses der Trigano-Gruppe erfolgte auf dem Caravan Salon in Düsseldorf 2021, gebaut wird der Franzose in Spanien, genauer gesagt in Mediteraneo, wo auch der fast baugleiche Karmann Duncan vom Band läuft. Die Hauptmerkmale sind der Schnierle-Boden, die Aguti-Schlafsitzbank mit drei gurtgesicherten Plätzen und Isofix-System und natürlich das SCA-Aufstelldach mit Dachbett. Leider ist der Transit schon als Basis zu hoch, um unter den magischen zwei Metern für Parkhaus oder Tiefgarage zu bleiben – da hilft auch das flache Dach nicht weiter.

Wird die Sitzbank ganz nach vorne geschoben, entsteht ein 1,40 Meter langer Laderaum.

In diesem Punkt ist der Ford in allen Ausführungen, Ausbauten und Varianten den Mitbewerbern VW T6, Mercedes V-Klasse oder Renault Trafic unterlegen, er muss also mit anderen Werten überzeugen. Wie schon gesagt, der Grundriss ist klassisch: Die beiden Vordersitze sind drehbar – im Prinzip sogar sehr einfach, weil wirklich genügend Platz dafür da ist. Allerdings muss man aufpassen, denn wenn der höhenverstellbare Sitz ganz unten ist, kollidiert die Drehkonsole mit der Sitzverkleidung. Die Küchenzeile ist mit Zweiflamm-Gaskocher und Spülbecken gut ausgestattet. Wenn der Tisch mit seinem zusätzlichen Stützfuß ausgerüstet eingehängt ist, ist die Küche jedoch größtenteils blockiert – aber man kann auch im Sitzen über den Tisch hinweg kochen.

Ganz praktisch ist hier aber die Zusatzfunktion des Tisches, der mit einem mitgelieferten Fuß auch freistehend außerhalb des Fahrzeugs, oder eben frei im Fahrzeug benutzt werden kann. So kann man bei schlechtem Wetter den Tisch einfach an der Schiebetür positionieren und sich an der Küchenzeile bewegen. Je nachdem wie voll der Laderaum ist, kann man die Sitzbank in den Schienen auch bequem nach hinten schieben und hat dann einen richtig großen Wohnraum. Das geht natürlich auch entgegengesetzt: Wird die Sitzbank ganz nach vorne geschoben, entsteht dahinter ein 1,40 Meter langer Laderaum. Schön, aber etwas umständlich, um die Bankarretierung zu betätigen, ist die Schublade unter der Sitzbank, in der bei uns die Leiter fürs Dachbett und der Tischfuß untergebracht waren. Auf die Leiter können einige vielleicht verzichten, den Fuß muss man aber dabeihaben und gut sichern, sonst nervt er beim Fahren.

Praktikabel ausgestattet

Der Aufbau an sich ist wirklich selbsterklärend. Man muss nicht lange suchen, um alle Funktionen entdeckt zu haben. Das Bedienpanel mit den Statusanzeigen für Fahrzeug- und Versorgungsbatterie, Frisch- und Abwassertank, sowie Hauptschalter für Licht und Wasserpumpe ist vorne im Fahrerhaushimmel. Hinten am Küchenblock gibt es viele Steckdosen – USB, zwölf und 230 Volt – sowie noch einen Schalter für die

Die Wasserinstallation Panama P10+ funktioniert per Druckpumpe.

Diesel-Standheizung, an der C-Säule zudem den Taster für die Trittstufe und einen Lichtschalter. Der Gaskasten für eine 2,8-kg-Flasche ist gut erreichbar im Küchenblock untergebracht – das spart einiges an Installation, kostet aber ein bisschen Stauraum. Für diejenigen, die vorsichtshalber das Gas zudrehen, ist es aber deutlich komfortabler als irgendwo im Heck herumzukriechen.

Ansonsten bietet der Küchenblock noch ganz ordentlich Stauraum. Der 42-Liter-Kompressor-Kühlschrank mit 4-Liter-Gefrierfach sitzt ganz rechts, der Auslass für die Kühlung des Kompressors ist seitlich. Darum baut der Küchenblock weit in Richtung B-Säule, was die Sitzeinstellung längs und die Neigung der Rückenlehne des Fahrersitzes etwas einschränkt. Außerdem – und das ist leider nur schwer zu verzeihen – ist die Sitzbank zum Bett umgebaut, geht die Kühlschranktür nicht mehr auf. Bei plötzlichem Durst in einer heißen Nacht muss man umbauen.

Ansonsten sind speziell die Fächer im Bereich der Rückenlehne oder des Betts mit Lamellentüren ausgestattet, damit man eben, wenn auch nicht immer ohne Verrenkungen, rankommt. Der vorhandene Platz ist auch überall gut genutzt, ob Schublade, Klappen oder Fächer, für den normalen Trip mit einem Campingbus reicht der Platz aus. Ganz hinten befindet sich noch die Technik hinter – zumindest wenn das Auto unbeladen ist – gut erreichbaren Klappen. Ladegerät, Spannungswandler, FI-Schalter, Ablasshahn für den innenliegenden 50-Liter-Frischwassertank, dann, eher ungewöhnlich in dieser Klasse, eine Druckpumpe anstatt einer einfachen Tauchpumpe. Und wenn wir schon beim Ungewöhnlichen sind: Es gibt auch noch einen Wechselrichter mit 600 Watt im Living-Paket, der allerdings die rund 40 nutzbaren Ampere der 75-Ah- AGM-Bordbatterie in einer knappen Stunde leert. Während der Fahrt kann man also schon mal seine kleinen 230-Volt-Geräte nutzen oder zumindest laden.

Das Bett aus der Klappsitzbank misst 189 mal 109 Zentimeter, im Aufstelldach sind es 190 mal 109 Zentimeter.

Der Schlafkomfort auf der umgebauten Bank ist bekannt. Die Liegefläche ist komplett eben, die Maße sind mit 189 mal 109 Zentimeter ziemlicher Standard. Richtig bequem ist die Liegefläche aber nie – aus gutem Grund gibt es passende Topper für solche Bänke. Solang man jung ist und auf hartem Untergrund schlafen kann, ist es aber okay. Deutlich bequemer schläft es sich im Aufstelldach. Die Liegefläche dort ist etwas größer als unten, die Matratze ist mit vier Zentimetern recht dünn und weich, liegt aber auf Kunststoff-Tellerfedern auf. Außerdem schläft es sich im Obergeschoss deutlich luftiger als unten, wo man im direkten Schlafbereich kein Fenster zum Öffnen hat.

Klassisch Campingbus

Es ist also wie immer und überall: So ein Fünf-Meter- Bus ist zu viert okay fürs Wochenende oder zu zweit auch mal für längere Touren. Der Panama schlägt sich ganz ordentlich, der Ausbau ist schön verarbeitet und funktioniert. Was einem nicht so gut gefallen könnte ist das viele harte Plastik an den Wänden und teilweise die Verarbeitung auf und unter dem Fahrzeug: Das Dach ist nicht ganz so sorgfältig verklebt – es sitzt mit Sicherheit bombenfest, aber schön ist anders. Auch unter dem Fahrzeug wurde wild mit Dichtmasse geschmiert, zu große Kabelringschuhe mit kleinen Blechschrauben befestigt, und ob an der Verschraubung des Abwassertanks jemand mit Rostschutz war ist fraglich.

 

Wie immer beim klassischen Campingbus-Grundriss ist auch im Panama P10+ der Tisch etwas im Weg, wenn man am Herd arbeiten oder an den Kühlschrank möchte – und bei umgeklapptem Bett geht letzterer erst gar nicht auf.

Abschließendes Fazit: Der Panama Campervan P10+ ist ein schönes Auto mit einem klassisch funktionierenden Ausbau. Einige tolle Optionen, ein paar kleine Schwachstellen, aber für den Preis ein ordentliches Paket. Ein guter Händler oder ein verantwortungsvoller Besitzer wird an ein paar Stellen etwas nacharbeiten, um lange Freude am Fahrzeug zu haben. Der Custom an sich ist eine gute Basis. Das Getriebe ist Ford-typisch etwas hakelig, die Kupplung gewöhnungsbedürftig. Der Motor ist mit 130 PS ausreichend, komfortabler sind natürlich die 170 PS mit Automatik-Getriebe, wobei da unsere 6,4 Liter auf 100 Kilometer kombiniert mit viel Langstrecke nicht mehr reichen werden.

Technische Daten

Basisfahrzeug: Ford Transit Custom, 2,0-l-EcoBlue. Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue und SCR-Katalysator. Hubraum 1.995 cm³, 96 kW/130 PS, 360 Nm. 6-Gang-Schaltgetriebe, Frontantrieb. Euro 6d

Maße und Massen: (L x B x H) 497 x 199 x 208 cm, Radstand: 293 cm. Masse im fahrbereiten Zustand: 2.519 kg, zulässige Gesamtmasse: 3.000 kg

Aufbau: Stahlblechkarosserie mit GfK-Aufstelldach, Wände mit 7 mm-Dämm-Matten isoliert. Hohlräume, Holme mit Mineralwolle gefüllt. Boden 20 mm XPS plus 6 mm Sperrholz

Betten: Bett aus Klappsitzbank 189 x 109 cm, Aufstelldach 190 x 109 cm

Füllmengen: Frisch-/Abwasser: 50 l/30 l innenliegend, Gas: 1 x 2,8 kg, Diesel 70 l, AdBlue 24 l

Serienausstattung: (Auszug) Tempomat, Einparkhilfe, Klimaanlage, Zweiflamm-Kocher mit Spülbecken, Kompressor-Kühlschrank 42 Liter

Sonderausstattung: Webasto-Dieselstandheizung, Wechselrichter, tragbare Toilette, elektrische Trittstufe

Testverbrauch: 6,8 l/100 km

Grundpreis: ab 48.450 €
Testwagen: 54.750 €

Hersteller: www.panama-van.de

Das fiel uns auf

Redaktion
Andreas Güldenfuß

Klettern, Bergsteigen und Mountainbiken – alles Sport, bei dem man viel unterwegs ist. Das erste Auto: Ein selbst ausgebauter T3 – das war vor über 30 Jahren und seitdem keinen Tag nicht mindestens einen Camper besessen. Am Heft mach ich von allem etwas.

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