Solides Basisfahrzeug, hochwertiger Ausbau und gute Grundausstattung. Es sind aber auch die Details, die den familientauglichen Tourne Cruise 6.4 so besonders machen.
Die Modellpalette des slowenischen Ausbauers Tourne besteht aus den Grundrissen 6.0 und 6.4. Die Zahlen beziehen sich dabei auf die Länge von 6 bzw. 6,4 Metern. Die zwei Grundrisse gibt es in zwei Modellreihen: Select und Cruise. Der Cruise bietet dabei den Einstieg in die Markenwelt, jedoch ohne Verzicht auf eine reisefertige Grundausstattung und die Tourne-typische Funktionalität. Unser Testwagen, der Tourne Cruise 6.4 auf Peugeot Boxer, begleitete uns über mehrere Monate. Dabei konnten wir raffinierte Details und clevere Lösungen entdecken.
Als Basis dient, wie für alle Tournes, der Peugeot Boxer. Die günstigste Motorisierung ist dabei der 120-PS-Turbodiesel in Kombination mit dem Sechs-Gang-Schaltgetriebe. Das gibt es allerdings nur auf Light-Chassis. Unser Testwagen kam mit dem stärkeren 180-PS-Motor und dem 8-Gang-Automatikgetriebe, also auch mit verstärktem Fahrgestell. Die Automatik ist aber auch mit den kleineren Motoren verfügbar.
Da Tourne viel Wert auf eine solide Grundausstattung legt, sind beim Basisfahrzeug alle wichtigen Assistenzsysteme serienmäßig mit an Bord. Als besonders nützlich und wichtig erwiesen sich die Bergabfahrhilfe sowie die wohnmobilspezifische ESP-Steuerung, aber auch die beheizbare Frontscheibe und die Kurvenlichtfunktion der Nebelscheinwerfer möchte man nicht missen.
Unser Testwagen war mit weiteren Extras gespickt, besonders hervorzuheben ist aber das (2.450 Euro teure) Paket fürs autonome Fahren der Stufe 2. Lange Strecken lassen sich einfacher bewältigen, wenn die mittlerweile sehr gut entwickelten Helferlein unterstützen. Am hilfreichsten ist natürlich der Abstandsregeltempomat, der bei Bedarf in der Lage ist, das Fahrzeug bis zum absoluten Stillstand abzubremsen. An zweiter Stelle kommt der Spurhalteassistent, der vergleichsweise sanft in die Lenkung eingreift, sollte man über die gestrichelten Linien wandern. Die elektrische Handbremse ist ein Komfort-Feature, ebenso das Lederlenkrad und die Vorbereitung fürs Radio (mitsamt Steuerungstasten am Lenkrad). Mit an Bord war auch das DAB-Connect-Paket mit vier Lautsprechern und einem „Radio“ mit großem Touchscreen und CarPlay- bzw. Android Auto.
Ein absolut genialer Griff von Tourne ist der 90-Liter-Kraftstofftank. Während die meisten Reisemobilhersteller den Tankinhalt elektronisch auf 70 Liter begrenzen, um Gewicht zu sparen, kann Tourne es sich erlauben, die vollen 90 Liter zu tanken. Das ist insbesondere bei langen Autobahnetappen Gold wert, da man so nicht mehr auf Autobahntankstellen angewiesen ist. Auch das fügt sich gut in die Philosophie von Tourne, dass Funktionalität und Nutzwert im Vordergrund stehen müssen.
Unter der eisengrau-metallic Außenhülle des Tourne Cruise 6.4 finden wir einen cleanen, geradlinigen, funktionellen Wohnraum. Gelingt man durch den extrabreiten (66 Zentimeter) Einstiegsbereich in das Innere des Fahrzeugs, findet man sich im Grundriss schnell zurecht. Die elektrische Trittstufe ist natürlich Serie und fährt bei Einschalten der Zündung automatisch ein. Küchenzeile rechts, die zweite Sitzreihe mitsamt Einhängetisch auf der linken Seite, dahinter die Nasszelle, im Heck das Längsbett. Drei Dachluken sorgen für Tageslicht und erhellen das angenehm helle Interieur. Einen schönen Kontrast zum Holzdekor bieten die dunklen Polsterstoffe mit eingenähtem Tourne-Schriftzug. Dabei wirkt der Innenraum des Cruise 6.4 keineswegs steril, sondern eher wie ein modern eingerichtetes Wohnzimmer mit einem Hauch von skandinavischer Leichtigkeit. Doch jetzt der Reihe nach.
Der Essbereich wird, wie bei den meisten Fahrzeugen dieser Klasse, durch das Drehen der Fahrersitze vervollständigt. Diese haben einen wertigen Leder-Textil-Bezug, das ist die aufpreispflichtige (950 Euro) LSA-Polsterung. Sie gleicht dem Bezug der Sitzbank der zweiten Sitzreihe. Dazwischen der bereits erwähnte Einhängetisch, der zwei clevere Zusatzfunktionen mitbringt. Der Tisch besteht, sehr vereinfacht gesagt, aus zwei Platten, die übereinanderliegen. An der unteren Platte ist der Standfuß befestigt, während sich die obere Platte (nach Lösen einer simplen Verriegelung) in Richtung Einstiegsbereich herausziehen lässt. In die oben entstandene Lücke kommen „Puzzle-Teile“, also formschlüssige Zusatzplatten. Diese kommen bei Nichtbenutzung in einem eigenen schmalen Fach unter der Sitzbank unter. Es stellt sich aber die Frage, warum der Tisch überhaupt erweiterbar sein muss? Nun ja, diesen Tisch kann man nicht nur zu viert, sondern sogar zu fünft nutzen! Dafür kann man im Einstiegsbereich, stirnseitig am Küchenblock, einen Hocker herausziehen. Das Polster für diesen Hocker fährt im Fach über dem Fahrerhaus mit.
Doch das ist noch nicht genug. Der Essbereich beherbergt eine absolute Besonderheit: das sogenannte Dream4System.
Hier kann man einen 185 mal 115 Zentimeter großen zweiten Schlafplatz schaffen. Dafür muss der Einhängetisch eine Stufe weiter unten eingehängt werden – der Standfuß lässt sich dabei mit einem Handgriff kürzen. Die erweiterte Tischplatte liegt nun auch an der Kante der Sitztruhe und der Kante des Hockers auf. Das dreiteilige Zusatzpolster (ein Teil davon ist für den Hocker) kann nun platziert und mit einem Topper (mit dabei) geglättet werden.
Dieses einzigartige und patentierte Feature ermöglicht es kleinen Familien (1–2 Kinder), mit dem Van ohne Aufstelldach unterwegs zu sein. Aber auch Großeltern, die meist allein reisen, können sich über das „Kinderbett bei Bedarf“ freuen.
Ebenfalls kinderfreundlich, aber leider aufpreispflichtig, ist die Isofix-Halterung der Sitzbank. Sie kostet 250 Euro, aber dieses Geld ist gut investiert. Im weitesten Sinne kindertauglich ist die Zuziehhilfe der Schiebetür (1.149 Euro). Ist dieses Extra mit an Bord, können die Kleinen die Tür selbstständig schließen, ohne sie (wie sonst bei allen Kastenwagen übrig) mit viel Wucht zuschlagen zu müssen. Aber auch bei der späten Ankunft am Stellplatz freuen sich die Nachbarn, wenn die Schiebetür sanft und leise ins Schloss fällt. Apropos leise, die gründliche Armaflex-Isolierung wirkt auch akustisch wunder.
Der Küchenblock in Fahrtrichtung links verfügt nicht nur über den herausziehbaren Hocker an der Stirnseite, sondern auch über eine klappbare Arbeitsplatten-Erweiterung. Der Klappmechanismus ist aus Metall und dementsprechend sehr massiv. Der Zwei-Flammen-Kocher in der Kocher-Spüle-Einheit von Dometic reicht, wie unsere Erfahrung zeigt, auch für kompliziertere Gerichte aus. Außerdem ist er viel besser für größere Töpfe (zum Beispiel für ein Familienessen) als ein vergleichbarer Kocher mit drei kleineren Topfplätzen. Der eingebaute elektrische Zünder sorgt für Komfort, die entnehmbaren Roste für leichte Reinigung. Ebenfalls der leichten Reinigung dient übrigens die Tatsache, dass Kocher und Spüle in einem gemeinsamen Edelstahl-Formteil untergebracht sind. Das Putzwasser kann also direkt in den Abfluss fließen. Über der Küche ist ein massiver Oberschrank mit Pushlock-Verriegelung angebracht, für mehr Licht beim Kochen sorgt eine LED-Arbeitsleuchte. Für zusätzliche Ablage sorgen zwei kleine Gewürzfächer sowie ein kleines offenes Regal. Rechts sind außerdem zwei Haken für Küchentücher, darüber noch eine Steckdose für Toaster oder Kaffeemaschine.
Unten, im Küchenblock, sind vier große Schubladen mit Pushlocks, von denen zwei noch mal unterteilt sind. In die Schubladen passen auch große Töpfe und Pfannen, auch das spricht für die Familientauglichkeit. Hier im Küchenblock, über der rechten oberen Schublade, finden wir auch den Gasabsperrhahn.
Räumlich zwar etwas getrennt, aber noch zur Küche gehörend, ist der 90-Liter-Kompressorkühlschrank (mit 6,5 Litern Gefrierfach) von Thetford. Unter dem Kühlschrank ist ein weiteres Fach mit drei in der Höhe verstellbaren Regalböden. Dieses Fach kann aber auch als Kleiderschrank mit Kleiderstange genutzt werden.
Wie üblich, befindet sich gegenüber der Kochzeile die Nasszelle. Sie ist im Tourne Cruise 6.4 nicht nur erstaunlich geräumig, sondern auch sehr platzsparend möbliert. Zentrales Element ist der große Spiegelschrank, wie man ihn vielleicht vom heimischen Bad kennt. Er ist gut beleuchtet und nimmt auf zwei Regalen jede Menge Hygieneartikel auf. Serienmäßig gibt es im Bad eine Dachhaube, im Testwagen ist eine Ventilator-Haube von Thule (350 Euro) verbaut. Direkt darunter ist eine Kleiderstange verbaut, sodass man hier auch Jacken, Sportbekleidung oder Ähnliches zum Trocknen aufhängen kann. Abgerundet wird das Bad von einer Thetford-Drehtoilette mit elektrischer Spülung aus dem 95-Liter-Frischwassertank.
Ein weiteres, cleveres Detail am Bad ist die Schiebetür mit Magnetverriegelung. Während der Fahrt muss diese Tür, im Gegensatz zum Großteil der Wettbewerber, geschlossen sein. Aufgemacht wird es nicht durch Ziehen, sondern durch Hineindrücken. So trennt sich das sonst sehr starke Magnetschloss nicht.
Das Heck des Tourne Cruise 6.4 ist vom großen Längsbett für zwei dominiert. Es verfügt über einen kleinen Ausschnitt zwischen den zwei Schlafplätzen, das erleichtert das Aufstehen – es muss keiner über den anderen klettern. Der Ausschnitt könnte zwar größer sein, dann würde man aber womöglich Stauraum verlieren – man ging also einen guten Kompromiss ein. Den Einstieg ins Bett erleichtert eine herausziehbare Trittstufe. Die große Liegefläche (190 x 186/196 Zentimeter) besteht aus mehreren Polstern, die von einem Topper (serienmäßig mit dabei) zusammengehalten werden. Diese Lösung ist notwendig, da sich die Auflagefläche der Matratzen in drei Segmenten zur Seite klappen – und dort mittels Fangbändern festhalten – lassen. Die einzelnen Polster lassen sich dann aus dem Weg räumen, sodass man E-Bikes, Surfboards oder andere sperrige Sportgeräte in den Urlaub mitnehmen kann. Der Nachteil der Klappkonstruktion ist, dass die Matratzen zwar unterlüftet, aber nicht unterfedert sind. Als Vorteil ist die Möglichkeit eines Einzelbettes hervorzuheben: Man kann auf einem Segment quer schlafen, während man weiter hinten zum Beispiel das Equipment fürs Triathlon oder etwas anderes Sperriges transportiert.
Camperinnen und Camper, die gerne viel Gepäck – oder besagte Sportgeräte – in den Urlaub mitnehmen, werden sich über vier Ösen am Boden des Heckstauraums freuen. Zusätzlich gibt es links und rechts drei kleinere Regalfächer, dazu links auch noch ein größeres Fach (zum Beispiel zur Unterbringung von den Matratzenteilen). Der Gaskasten ist, wie üblich, unter dem linken Bett platziert und ist nur vom Heck aus zugänglich. Er bietet Platz für eine 11-Kilogramm-Gasflasche. Zur Serienausstattung gehört auch ein Crashsensor des Typs „Monocontrol“ von GOK, sodass man die Gasflasche auch während der Fahrt offenlassen kann. Apropos Gas – im Fußbereich der Dinette ist auch ein serienmäßiger Gaswarner von Al-Ko verbaut.
Generell ist der Tourne Cruise üppig mit Bordtechnik ausgestattet. Das fängt bereits bei der Isolierung des Fahrzeugs an: Rundum wird mit Armaflex, einem speziellen Schaumstoff, gearbeitet – die Materialstärke liegt bei maximal 30 Millimetern. Ebenfalls 30 Millimeter dick, aber mit XPS statt Schaumstoff isoliert, ist der Boden eines jeden Tourne. In dieser Isolierung laufen Wasserleitungen und Heizungsrohre, oben darauf kommt die Bodenplatte, die bündig mit der Ladekante an der Hecktür abschließt.
Die hohe Kompetenz des Möbelbaus bei Tourne fällt generell ins Auge. Die Möbel bestehen aus massiven Platten und werden „in house“ gefertigt. Am Fahrzeug angebaut werden sie an Konsolen festgeschraubt, die zuvor an den Innenwänden des Fahrzeugs befestigt werden. Einzig und allein die Nasszelle wird vor Ort, im Camper zusammengeklebt. Dieser hochwertige Möbelbau sorgt zusammen mit der Schaumstoff-Isolierung für wenig Quietschen und Rattern beim Fahren.
Es steckt noch etwas im Boden: eine serienmäßige elektrische Fußbodenerwärmung, die nur an Landstrom funktioniert. Gesteuert wird sie über ihr eigenes Bedienelement in der Dinette. Geheizt wird im Regelfall mit der Webasto-Diesel-Warmluftheizung, sie ist mehr als ausreichend. Fürs Warmwasser sorgt eine gasbetriebene Therme der Firma Whale. Beide Geräte sind unterflur montiert, um Platz im Innenraum zu sparen. Eine Truma Combi D ist gegen den Aufpreis (1.090 Euro) erhältlich.
Ebenfalls unterflur montiert – und nicht nur isoliert, sondern auch beheizt – ist der 100 Liter fassende Abwassertank. Ein Highlight ist das elektrisch schaltbare Ablassventil, das gut zugänglich im sauber abgedichteten Toilettenschacht platziert wurde. Man muss nicht an der Entsorgungsstation unter das Fahrzeug kriechen, sondern kann das Ventil per Kippschalter öffnen. Auch hier, hinter der Serviceklappe für die Kassette, ist der Anschluss für die Außendusche (kostet 650 Euro extra, beim Testwagen dabei) untergebracht. Die Öffnung zum Befüllen des Frischwassertanks befindet sich auf der gegenüberliegenden, rechten Seite. Dieser fasst 95 Liter und ist im rechten Unterbau des Bettes eingebaut. Die Wasserversorgung läuft über eine Tauchpumpe.
Weg vom Wasser, hin zum Strom: Während für den Aufbau in der Grundausstattung eine AGM-Batterie vorgesehen ist, verfügt unser Testfahrzeug über eine Lithium-Ionen-Batterie mit 100 Amperestunden (1.850 Euro). Das bringt unter anderem eine Gewichtsersparnis von 12,2 Kilogramm. Geladen wird diese Batterie nicht nur am Landstrom, sondern auch über einen 40-Ampere-Ladebooster des Typs NE325 von Al-Ko. Zusätzlich gibt es ein Solarmodul mit bis zu 140 Watt Leistung. Das hat in unserem Test gereicht, drei bis vier Tage ohne Landstrom entspannt zu überbrücken.
Für wen eignet sich der Tourne Cruise 6.4 am besten? Für Alleinreisende oder Paare eignet er sich, weil er einen klassischen Grundriss auf die Spitze der Funktionalität treibt. Auch Autarkie-Fans kommen dank Lithium-Ionen-Batterie, Solar und Ladebooster sowie dank großem Frisch- und Abwassertank auf ihre Kosten. Erkunden kann man mit dem Tourne – dank umfassender Isolierung – alle Klimazonen, von der Wüste Marokkos bis hin zum eisigen Skandinavien.
Eine weitere, vielleicht noch spannendere Zielgruppe können aber junge Familien sein. Dank Dream4System klappt der Familienurlaub auch dann, wenn das Kind bzw. die Kinder größer werden und nicht mehr im Elternbett übernachten können. Ein optionales Aufstelldach würde die Möglichkeiten noch weiter steigern, aber das Gesamtpaket überzeugt auch ohne. Der Grundpreis ist attraktiv, die Extraliste lang und fair bepreist. Da ist sicher für jeden etwas dabei.