Alles im Vlow

Dreieinhalb Wochen zu zweit auf 5,40 Metern – eine echte Herausforderung. Wie meistert der Carado Vlow 540 den Praxistest in Norwegen?
Fotos & Text: Maren Schultz

Es geht nach Norwegen. Als Menschen, denen es bereits ab 25 Grad zu warm wird, freuen wir uns diesen Sommer auf dreieinhalb Wochen durch Skandinavien, auf Elche und Fjorde – und vor allem auf nächtliche Temperaturen unter 20 Grad.

Mehr als 4.000 Kilometer sind geplant – da stellen sich an das Reisemobil ganz bestimmte Ansprüche. Jedoch keine nach Luxus und möglichst viel Platz. Im Gegenteil. Kompakt soll der Camper sein, möglichst kurz und niedrig wegen der Fährkosten, dabei aber trotzdem Platz für zwei Personen, Fahrräder und einen gewissen Vorrat an Lebensmitteln und Getränken bieten.

Fündig werden wir bei Carado mit dem V – oder Vlow – 540. Der Fiat-Ducato-Kastenwagen ist mit 5,40 Metern das kürzeste Reisemobil aus der Carado-Familie und mit 205 Meter Breite und 2,65 Meter Höhe auch noch wendig und extrem kompakt.
Was die Tester bei den Fährkosten freut, bereitet ihnen allerdings schon beim Beladen Kopfzerbrechen: Ein kleines Reisemobil bedeutet auch wenig Platz. Wohin mit dem ganzen Gepäck und Lebensmitteln? Kleidung und Schuhe lassen sich noch gut in den vier Staufächern überm Bett und in dem offenen Fach oberhalb des Fahrerhauses verstauen. Doch in der Küche wird es eng. Der 65-Liter-Kühlschrank ist schnell voll, ebenso der Stauschrank über der Küche und der Schrank unterhalb der Spüle. Kurzerhand wandern haltbare Lebensmittel auf den Boden des schmalen Kleiderschrankes vor dem Bett und in jedes verfügbare Bodenstaufach. Am Ende ist tatsächlich alles untergebracht – selbst die zwei Falträder, die den größten Teil des 69 mal 92 mal 117 Zentimeter großen Stauraums unter dem Bett einnehmen.

Los geht’s. Der Testwagen ist mit dem kleinsten, 96 kW starken Motor ausgestattet, was aber kein Problem ist. Der Vlow 540 beschleunigt anständig, schwimmt bis 140 km/h gut im deutschen Autobahnverkehr mit und hält sich angenehm mit Klapper- und Knarzgeräuschen aus dem Aufbau zurück. Lediglich die TV-Halterung schrauben die Tester schon nach wenigen Kilometern ab, da sie mit ihrem permanenten Scheppern die Nerven der Crew arg belastet. Ab 120 km/h geht der Spritverbrauch so stark in die Höhe, dass sich die Crew meist mit 110 km/h begnügt – und sich gedanklich schon einmal auf die gemütliche Fahrweise in Norwegen einstellt. So ist es außerdem möglich, den Verbrauch nahezu dauerhaft knapp unter neun Litern zu halten.

Über die Breite von gerade einmal 2,05 Meter freuen wir uns schon am ersten Abend. Ein Stopp bei Freunden in Hamburg und die bekannte Großstadt-Frage: Wo sollen wir nur parken? Nach einer halbstündigen Odyssee durch extrem schmale, zugeparkte Altonaer Seitenstraßen quetschen wir uns in eine vermutlich keine zweieinhalb Meter breite Parklücke. Rechts bleibt nicht einmal genug Platz, um die Schiebetür zu öffnen, links kann ein Erwachsener gerade so aussteigen. Und auch in Norwegen zahlen sich die kompakten Maße aus. Viele Tunnel sind nur in den Fels gehauen und nicht ausgebaut. Natürlich lassen sie sich auch mit größeren Fahrzeugen durchfahren – entspannter ist es mit dem kompakten Kastenwagen aber allemal.

Kompakt ist allerdings auch der Wohnraum. Trotzdem kommt die Testcrew sich nur selten in die Quere. Bewegt sich eine Person im Fahrzeug hin und her, beispielsweise beim Kochen, muss die andere entweder auf einem der beiden gedrehten Pilotensitze oder dem Bett sitzen – oder das Fahrzeug gleich ganz verlassen. Die Sitzbank an der Halbdinette ist hingegen nahezu komplett verlorener Platz. Der Abstand der Bank zum Tisch ist so gering, dass ein Erwachsener hier nur sehr mühsam sitzen kann. Dazu kommt: Das Tischbein ist so an der Tischplatte montiert, dass es direkt an die Sitzbank anschließt. Ein Reinrutschen auf die Bank ist daher nicht möglich. Entweder man klappt den Tisch hoch und riskiert, ihn aus der Schiene zu heben, oder man zwängt die Beine mühsam über die Sitzfläche und zwischen Bank und Tisch hindurch. Für Kinder mag das gehen, für Erwachsene ist es keine Lösung. Positiv hingegen: An dem schmalen Tisch lässt sich eine zweite Tischplatte nach vorn herausdrehen, sodass zwei Erwachsene

Zu wenig Platz bleibt dagegen zwischen Tischbein und Sitzbank der Dinette.

auch nebeneinander auf den gedrehten Pilotensitzen essen können. Die Küchenzeile vor der Schiebetür ist klein aber fein: Der zweiflammige Gaskocher mit elektrischer Zündung reicht vollkommen aus, um ein leckeres Essen zu kochen – die Kocher sind weit genug voneinander entfernt, um zwei Töpfe gleichzeitig darauf zu stellen. Den 65-Liter großen Kompressorkühlschrank von Dometic hat Carado so platziert, dass die Tür in Richtung Fahrerhaus zeigt. So können die Camper ihn auch von außen öffnen und Lebensmittel, zum Beispiel für ein Frühstück in der Sonne, einfach entnehmen. Angenehm: Vom Kompressor bekommen die Tester nichts mit. Auch nachts stört kein brummendes Geräusch den Schlaf. Dennoch ist die Kühlleistung hervorragend: Die mittlere Stufe reicht locker aus, um alle Lebensmittel ausreichend kalt zu halten. Und ein kleiner selbst geangelter Seelachs wandert zunächst für einige Tage ins Eisfach, bevor die Tester sich an die Zubereitung wagen. Praktisch: Das links an der Küchenzeile montierte, herausklappbare Brett schafft zumindest etwas Arbeitsfläche, um Gemüse zu schnippeln.

Das Bett im Heck ist überraschend groß.

Gegenüber der Küche liegt die Nasszelle mit Toilette, Waschbecken und integrierter Duschwanne. Geduscht haben die Tester im Carado allerdings nicht – zum einen aus Platzgründen, zum anderen, weil im Testwagen kein Duschvorhang zu finden war. Waschbecken und Toilette sind aber gut nutzbar und in den Schränken unterm Waschbecken und über der Toilette ist reichlich Platz für die Kosmetika von zwei Personen. Einziges Problem: Nur die beiden Fächer oben rechts sind mit einer Tür verschlossen, links handelt es sich um offene Regale. Zwar sind sie hoch genug, um größere Flaschen oder Tuben hineinzustellen. Über die niedrige Kante fallen diese jedoch schon bei der ersten Linkskurve wieder heraus. Hier wäre eine weitere Tür die bessere Lösung. Als sehr praktisch erweist sich die Handtuchstange, die sich bei Bedarf von der Decke herunter klappen lässt. Hier trocknen tagsüber Handtücher, Regenjacken und andere nasse Textilien.

Gut schneidet auch das Querbett ab. Zum einen ist es für einen so kleinen Kastenwagen vergleichsweise groß: 1,95 Meter lang und gut 1,30 Meter breit – damit können auch die beiden über 1,80 Meter großen Tester gut leben. Zum anderen ist die Matratze sehr bequem. Als Seitenschläfer litten die Tester in anderen Reisemobilen morgens häufig unter Hüft- oder Schulterschmerzen. Nicht so im Carado. Die dreigeteilte Matratze, die sich zum Transport von sperrigen Gegenständen im Heck hochstellen und mit Gurten befestigen lässt, ist fast genauso bequem wie das eigene Bett.

Den Platz unterm Bett belegen wie bereits erwähnt zwei Falträder. Da der Carado ohne Fahrradträger in die Redaktion kam, war dies die einzige Möglichkeit, um überhaupt Räder mitzunehmen. Mit Fahrradträger hätte sich die Gepäcksituation deutlich entspannt und die erste und letzte Aktion eines jeden Tages wäre es nicht gewesen, zwei Kisten mit Campingutensilien morgens von den Fahrersitzen aufs Bett und abends wieder zurück zu verfrachten. So bleibt neben den Rädern im Heck gerade noch Platz für Campingtisch und zwei Faltstühle sowie eine Klappbox mit Getränken.

Gut erreichbar ist der Gasflaschenkasten. Die Tür öffnet sich nach hinten, sodass der Flaschentausch leicht machbar ist. Warum Carado die Gasabsperrhähne hingegen im Heck auf der linken Seite ganz vorn, also kurz vor der Nasszelle platziert, ist den Testern ein Rätsel. An dieser Stelle sind sie kaum zu erreichen – auch nicht vom Wohnraum aus, wo entweder Matratze und Lattenrost oder das Brett, das die Ladung im Heck nach vorn hin sichert, entfernt werden müssen. Da hätte es sicher einen besseren Platz gegeben.

Bis auf die kleine Lampe im Heck setzt Carado bei der Beleuchtung auf LED – vorbildlich und zeitgemäß. Im Idealfall befände sich aber auch im Heck statt der Halogenleuchte eine LED – zumal die Tester die seitlich montierte Lampe mehrfach unbeabsichtigt – und unbemerkt – einschalten, wenn sie Fahrräder oder Campingmöbel verstauen. Schon nach kurzer Zeit ist die Leuchte dann heiß und zieht vor allem auch unnötig Strom aus den Bordbatterien.

In der Nasszelle sind Waschbecken und Toilette gut nutzbar, geduscht haben wir allerdings draußen.

A propos Strom: Die Versorgung mit Steckdosen im Wohnraum könnte etwas besser gelöst sein. Zum einen fehlen USB-Steckdosen. Wenigstens in der Nähe des Bettes oder an der Sitzgruppe hätten sich die Tester ein bis zwei USB-Steckdosen gewünscht, um auch ohne Landstromanschluss mal das Handy laden zu können. Zum anderen sind zwei der insgesamt drei vorhandenen 230-Volt-Steckdosen unglücklich platziert. Eine befindet sich unter dem Tisch und ist nur sehr mühsam zu erreichen. Eine weitere vorn an der Küchenzeile verengt den ohnehin sehr schmalen Durchgang zwischen Küche und Bad noch weiter und die Tester verzeichnen durch die häufigen Kollisionen mit den eingesteckten Ladegeräten nach kurzer Zeit erste blaue Flecken an Hüften und Oberschenkeln. Bleibt also nur die Steckdose oben auf dem Kleiderschrank direkt am Bett. Die ist gut platziert – und die Test-Crew freut sich über den eingepackten Mehrfachstecker.

Nach einer Woche mit viel Sonne erwischen die Tester zur Halbzeit der Norwegen-Tour im Westfjordland eine Woche mit viel Regen und Höchsttemperaturen von zwölf Grad. Da hilft alles nichts: Auch Anfang Juli muss abends die Heizung angestellt werden. Die Truma Combi 4 hat Carado vorbildlich in der Sitzbank verbaut, über die insgesamt fünf Ausströmer verteilt sich die warme Luft schnell und gleichmäßig im ganzen Fahrzeug. Erst gegen Ende des Urlaubs fällt den Testern schließlich auf, dass der Kamin direkt unter Bad- und Wohnraumfenster sitzt – und bei geöffnetem Fenster Abgase ins Fahrzeug eindringen könnten. Doch eine Nachfrage bei Carado klärt das auf: Ein Sensor an den betroffenen Fenstern sorgt dafür, dass die Heizung nicht anläuft, solange die Fenster geöffnet sind. Eine gute Lösung.

Gut erreichbar ist der Gasflaschenkasten. Die Tür öffnet sich nach hinten, sodass der Flaschentausch leicht machbar ist. Warum Carado die Gasabsperrhähne hingegen im Heck auf der linken Seite ganz vorn, also kurz vor der Nasszelle platziert, ist den Testern ein Rätsel. An dieser Stelle sind sie kaum zu erreichen – auch nicht vom Wohnraum aus, wo entweder Matratze und Lattenrost oder das Brett, das die Ladung im Heck nach vorn hin sichert, entfernt werden müssen. Da hätte es sicher einen besseren Platz gegeben.

Unter dem Bett finden sogar unsere Fahrräder Platz.

Bis auf die kleine Lampe im Heck setzt Carado bei der Beleuchtung auf LED – vorbildlich und zeitgemäß. Im Idealfall befände sich aber auch im Heck statt der Halogenleuchte eine LED – zumal die Tester die seitlich montierte Lampe mehrfach unbeabsichtigt – und unbemerkt – einschalten, wenn sie Fahrräder oder Campingmöbel verstauen. Schon nach kurzer Zeit ist die Leuchte dann heiß und zieht vor allem auch unnötig Strom aus den Bordbatterien.

A propos Strom: Die Versorgung mit Steckdosen im Wohnraum könnte etwas besser gelöst sein. Zum einen fehlen USB-Steckdosen. Wenigstens in der Nähe des Bettes oder an der Sitzgruppe hätten sich die Tester ein bis zwei USB-Steckdosen gewünscht, um auch ohne Landstromanschluss mal das Handy laden zu können. Zum anderen sind zwei der insgesamt drei vorhandenen 230-Volt-Steckdosen unglücklich platziert. Eine befindet sich unter dem Tisch und ist nur sehr mühsam zu erreichen. Eine weitere vorn an der Küchenzeile verengt den ohnehin sehr schmalen Durchgang zwischen Küche und Bad noch weiter und die Tester verzeichnen durch die häufigen Kollisionen mit den eingesteckten Ladegeräten nach kurzer Zeit erste blaue Flecken an Hüften und Oberschenkeln. Bleibt also nur die Steckdose oben auf dem Kleiderschrank direkt am Bett. Die ist gut platziert – und die Test-Crew freut sich über den eingepackten Mehrfachstecker.

Nach einer Woche mit viel Sonne erwischen die Tester zur Halbzeit der Norwegen-Tour im Westfjordland eine Woche mit viel Regen und Höchsttemperaturen von zwölf Grad. Da hilft alles nichts: Auch Anfang Juli muss abends die Heizung angestellt werden. Die Truma Combi 4 hat Carado vorbildlich in der Sitzbank verbaut, über die insgesamt fünf Ausströmer verteilt sich die warme Luft schnell und gleichmäßig im ganzen Fahrzeug. Erst gegen Ende des Urlaubs fällt den Testern schließlich auf, dass der Kamin direkt unter Bad- und Wohnraumfenster sitzt – und bei geöffnetem Fenster Abgase ins Fahrzeug eindringen könnten. Doch eine Nachfrage bei Carado klärt das auf: Ein Sensor an den betroffenen Fenstern sorgt dafür, dass die Heizung nicht anläuft, solange die Fenster geöffnet sind. Eine gute Lösung.

Fazit

Auf 5,40 Metern ist der Platz naturgemäß begrenzt. Mit etwas Einfallsreichtum und kreativem Packen passen aber auch in den Carado V 540 jede Menge Gepäck und Lebensmittel. Beim Fahren und Parken punktet der Vlow ebenso wie mit seinem unschlagbaren Preis von 39.544 Euro. Ohne Markise und Fahrradträger würden die Tester auf Dauer aber nicht fahren – dieses Geld sollte man zusätzlich investieren.
Mehr Infos: www.carado.de

Themen: Carado
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