Frischer Wind

Southvan Camper

Neues aus dem Süden: In Füssen im Allgäu startet ein junges Team mit einem kompakten Camper auf Ford Transit Custom durch. Hier trifft Altbewährtes auf Innovation. Wir haben Southvan porträtiert und getestet.
Fotos & Text: Daniel Schlicke

och immer steckt im Markt für Freizeitfahrzeuge einiges an Potenzial. Ein bisschen mehr davon schöpfen scheinbar gerade diejenigen aus, die noch keine Altlasten mit sich schleppen, ohne den trägen Apparat eines Großkonzerns agieren und mit einem weißen Blatt Papier starten können. Wobei es bei Andreas Gregg vielleicht eher die Excel-Tabelle war. Als der Betriebswirt die Firma Southvan vor etwas mehr als einem Jahr zusammen mit seinem Bruder Christian gründete, der als Handwerksmeister vor allem für den Bau und die Weiterentwicklung der Southvan-Camper verantwortlich ist, hatte Andreas bereits sechs Monate am  Geschäftsmodell und den Businessplänen gefeilt. Als wir die Jungs in ihrer Produktionshalle im Allgäu besuchen, begrüßt uns mit Daniel Leßmann ein weiterer BWL’er im Team, der bei der jungen Marke schon heute nur für zukünftige Projekte verantwortlich ist.

So ganz branchenfremd ist das Team allerdings nicht: Andreas selbst war einige Jahre im eigens ausgebauten Kastenwagen unterwegs, bevor ihn die Betriebswirtschaftslehre mehr zufällig als geplant zu einem Job in der Branche führte. Außerdem werden einige Arbeiten am Fahrzeug – vom Installieren der Elektrik über die Fertigung der Möbelzeile bis hin zum Nähen der Vorhänge – von regional ansässigen Profis auf dem jeweiligen Gebiet erledigt. Trotzdem staunen wir bei unserem Besuch immer wieder darüber, wie das Southvan-Team in seiner ungewöhnlichen Konstellation Fehler vermeidet, die größere Mitbewerber teils nach Jahren noch nicht bereinigt haben. So ein Ausbau muss in der Praxis reifen, sagen wir immer, doch hier wurden recht erfolgreich einige Schritte übersprungen.

In einem Ausschnitt in der Arbeitsfläche kann wahlweise ein Gaskartuschen- oder Induktionskocher platziert werden, ganz nach entsprechender Nutzung auf dem Campingplatz mit Landstromanschluss oder autark.
Foto: Redaktion

Basis des Southvan-Campers ist der Ford Transit Custom, der mit bis zu 3,1 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und großem Wohnraumvolumen punktet. Dabei stehen vier Ausstattungsvarianten des Custom zur Wahl, inklusive der spannenden Trail-Version mit mechanischem Sperrdifferenzial an der Vorderachse. Unabhängig der Ausstattungsvariante kommen immer geschlossene Transporter zum Einsatz, sowie
Aufstelldächer von SCA und campinggerechte Schiebefenster von Carbest, die von Southvan nachgerüstet werden. Beim Möbelbau setzt man auf Pappel- anstatt  Birkensperrholz und außerdem auf die sehr klassische Bauweise, bei der die Möbelzeile am Stück verschraubt und verdübelt ins Fahrzeug eingepasst wird. Das Ergebnis ist eine besonders leichte Schrankzeile, die trotzdem stabil ist und absolut nicht knarzt. Der Werkstoff Pappel bringt in Kombination mit den geölten Sichtkanten der Southvan-Möbel allerdings auch mit sich, dass an vereinzelten Stellen kleine Lücken zwischen den Holzlagen sichtbar sind. Die Flächen sind robuster beschichtet sowie in einer oder einer Kombination aus verschiedenen Farben und Mustern erhältlich. Der Grundriss ist klassisch, punktet allerdings mit einigen Details, die in dieser Kombination nirgends sonst zu haben sind.

Etwa der Tisch, der wie die Schlafsitzbank mit drei gurtgesicherten Plätzen und zweimal Isofix im Schnierle-Systemboden verschoben werden kann. In einem Ausschnitt in der Arbeitsfläche kann wahlweise ein Gaskartuschen- oder Induktionskocher platziert werden. Das schafft Stauraum im Schrank, den sonst die Gasflasche beansprucht, und natürlich entfällt die regelmäßige Gasprüfung. Southvan nutzt außerdem den Raum, der auf der rechten Fahrzeugseite zwischen Radkasten und Sitzbank entsteht und hält jedes Staufach stets zugänglich, mit Scharnieren teilbare Schranktüren. Das funktioniert in der Praxis wirklich lückenlos.

Galerie: Southvan im Test

Ab 55.500 Euro ist ein Southvan zu haben, der sportliche Vorführer kommt mit 185-PS-Motor und Camping-Vollausstattung auf 69.202 Euro. Interessenten werden nicht nur individuell beraten, sondern können den Camper bei einer Probeübernachtung auch selbst testen. Die Fahrzeugflotte dafür wird aktuell ausgebaut, voraussichtlich ab Sommer kann man die Vans dann auch unabhängig vom Kaufinteresse mieten. Southvan bietet außerdem einen Aufbauservice für Aufstelldächer an. Nach eigenen Angaben hat das Team aber noch einige spannende Projekte mehr in der Pipeline, etwa eine abgespeckte Version des Campers, die eine noch flexiblere Nutzung erlaubt. Das meiste allerdings ist streng geheim und fällt in den Aufgabenbereich der eigens für Innovationen gegründeten Southvan-Entwicklungs GmbH – man darf also gespannt sein!

Wissenswertes

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Planen Sie in nächster Zeit einen Camper zu kaufen? Das Angebot an Campingbussen und Kastenwagen kann für Einsteiger anfangs verwirrend sein. Zu kompliziert scheint die Auswahl des richtigen Fahrzeugs, zu vielfältig die Möglichkeiten beim Wohnmobil kaufen?

Unsere XL-Anleitung zum Camper-Kauf gibt einen Überblick über die verschiedenen Camper-Typen, erklärt den Fahrzeug-Ausbau im Detail und beschäftigt sich mit der Frage, für wen mieten, kaufen oder sharen der richtige Ansatz ist und was dabei zu beachten ist.

Redaktion
Daniel Schlicke

Weil es mit dem Fahrrad an den Atlantik doch etwas weit ist, bin ich seit meinem 18ten mit eigenem Bussle unterwegs. Bei CamperVans bin ich für Fahrzeugtests und Digitales verantwortlich, bringe mit Outdoor-Specials aber gerne etwas Abwechslung ins Heft!

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