Das Multitalent

Dreamer D55 up

Ein Kastenwagen mit separater Duschkabine ist ziemlich einzigartig am Markt. Der neue Dreamer D55 up bringt zudem ein trendiges Aufstelldach mit. Eine überzeugende Kombination?
Fotos & Text: Simon Ribnitzky

Querbett, Küche, Bad und Sitzgruppe – auf diese vereinfachte Formel lässt sich der Grundriss fast aller Sechs-Meter-Kastenwagen auf Fiat Ducato und Co. bringen. Auf den ersten Blick macht da auch der D55 up der zum französischen Rapido-Konzern gehörenden Marke Dreamer keine Ausnahme. Doch ein genauer Blick auf den Grundriss macht stutzig: ein Raumbad mit WC-Raum auf der Beifahrer- und separater Duschkabine auf der Fahrerseite in einem nur 5,99 Meter langen Kastenwagen? Tatsächlich, die Franzosen wagen diesen Schritt. Und um es vorweg zu nehmen: Die Aufteilung erweist sich in der Praxis als ziemlich überzeugend. CamperVans ist den Dreamer D55 up in seiner westfranzösischen Heimat ausgiebig Probe  gefahren. So ganz neu ist der Grundriss im Programm der Franzosen übrigens nicht, doch hat ihn der Hersteller in der neuen „up“-Version nun um ein Aufstelldach ergänzt. Das erweist sich als ideale Ergänzung – doch dazu später mehr.

Aus der fahrerseitigen Nasszelle mit Dusche und dem beifahrerseitigen Toilettenraum lässt sich ein Bad über die gesamte Fahrzeugbreite bauen.

Werfen wir also gleich einen genauen Blick in das aufsehenerregende Raumbad des Franzosen. Die Duschkabine ist zunächst gar nicht als solche zu erkennen, vielmehr steht der Camper vor einem vermeintlich klassischen Kleiderschrank. Doch der schwenkt nach einem Druck auf den Pushlock-Verschluss über das Heckbett. Jetzt noch das untere Holztürchen zur Seite klappen und die Dusche ist bereit. Ihre Grundfläche misst 70 mal 64 Zentimeter – viel größer sind auch viele Duschkabinen in ausgewachsenen Reisemobilen nicht.

 

Die Stehhöhe in der Kabine erreicht immerhin 187 Zentimeter, mehr ist im Ducato-Kastenwagen mit normalhohem Blechdach nicht drin. Trotzdem bietet diese Dusche deutlich mehr Bewegungsfreiheit als das in den WC-Raum integrierte Pendant der meisten Kastenwagen-Konkurrenten. Zudem lässt sich die Kabine einfach sauber halten. Nur eine Luke zum Lüften ist wegen des Aufstelldachs nicht möglich.

Die Tür zum WC-Raum gegenüber ist in zwei schmale Flügel geteilt. Die schwenken einfach um 90 Grad über den Mittelgang und trennen Bad und Dusche nach vorn ab. Wer nun aus der Dusche tritt, steht in einem großzügigen Ankleidebereich vor dem Heckbett – eine gelungene Lösung.

Allerdings fordert das üppige Bad – wie könnte es auf 5,99 Meter anders sein – auch Kompromisse. So beträgt die Breite des Querbetts im Heck nur 133 Zentimeter. Das mag für ein Paar ausreichen, bleibt aber hinter vielen Konkurrenten mit klassischem Bad zurück, Clevere Lösung: Die separate Duschkabine des D55 up hat Seltenheitswert im Kastenwagensegment. Sie ist groß genug, verfügt aber nur über einen Ablauf – da sollte das Auto nicht schräg stehen. Nach vorn dient die Tür des WCRaums als Raumteiler.

Die Badlösung kostet wertvolle Wohnraumlänge – im Dreamer D55 up geht sie auf Kosten des Querbett im Heck.

Platz gut genutzt: Der Kleiderschrank verschwindet in der Duschkabine, lässt sich aber auch einfach über das Heckbett schwenken. Das funktioniert gut. die zumindest auf einer Seite meist eine mindestens 150 Zentimeter breite Liegefläche vorweisen können.

Umso interessanter macht den Dreamer D55 das beim up serienmäßige Aufstelldach. Hier misst das Bett 198 mal 130 Zentimeter. Die mit elf Zentimetern für ein Bett dieser Bauart ziemlich dicke Matratze liegt auf einem Lattenrost – der Schlafkomfort im Obergeschoss ist ausgezeichnet. Zwei LED-Schwenklampen bringen Licht nach oben, auch ein Heizungsausströmer ist vorhanden. Was das Aufstelldach des Dreamer nicht bietet, ist
eine Panoramafunktion, die Moskitonetze im Zeltstoff bleiben stets geschlossen.

Die Küchenzeile ist ebenfalls kompakt geraten. Ganz anders der Kühlschank, der 149 Liter Volumen bietet.

Auch die Küche ist aufgrund des großen Bades vergleichsweise kompakt geraten. Bis auf das Klappbrett an der Stirnseite gibt es keinerlei Arbeits- und Ablagefläche. Immerhin: Die Rundspüle mit 30 Zentimeter Durchmesser ist groß genug, der Zweiflamm-Kocher verfügt über eine elektrische Zündung. Der beinahe raumhohe Kompressor-Kühlschrank mit üppigen 149 Litern Volumen steht gegenüber hinter der Sitzbank.

Diese bildet zusammen mit den drehbaren Vordersitzen und dem an der Seitenwand eingehängten Tisch die

Sitzgruppe. Aufgrund der recht kurzen Sitzfläche (39 Zentimeter) sitzen großgewachsene Camper hier nur mäßig bequem.

Auf dem Tisch mit großer ausdrehbarer Zusatzplatte ist aber genug Platz für Mahlzeiten auch mit mehr als zwei Personen. Über den Vordersitzen verbaut Dreamer ein richtig großes Panoramafenster aus Echtglas, das sich zwar nicht öffnen lässt, aber den Innenraum selbst bei geschlossenem Aufstelldach schön hell macht.

Hell und freundlich: Der Innenraum des Dreamer wirkt für einen Kastenwagen sehr großzügig. Die hellen Polster sind aber Schmutzempfindlich. Über eine Leiter geht es ins Bett im Aufstelldach, das dank dicker Matratze und Lattenrost richtig bequem ist.

Ein besonderes Augenmerk verdienen auch Technik und Konstruktion des Dreamer D55 up. Die Franzosen setzen auf eine Diesel-Heizung von Webasto sowie einen Gas-Boiler der Firma Whale – laut Hersteller eine ideale Kombination, weil das Warmwasser unabhängig von der Heizung temperiert wird, was die Aufheizzeit im Winter verkürzt. Die unterflur verbauten Geräte benötigen zudem keinen Stauraum im Innenraum, das Heizen mit Diesel schont die Gasvorräte des Kastenwagen.

Um Camping im Kastenwagen auch im Winter so angenehm wie möglich zu gestalten, dämmt Dreamer Wände und Dach mit einer kombinierten PU-/PE-Schaum-Isolierung. Die Bodenplatte isoliert der Hersteller mit wasserabweisendem Styrofoam. Welche Vorteile das bei niedrigen Außentemperaturen im Winter tatsächlich bringt, ließ sich bei der Probefahrt im französischen Herbst freilich nicht ergründen.

Bleibt abschließend ein Blick auf die Preisgestaltung: Während der Testwagen noch auf dem Fiat Ducato mit Schaltgetriebe basierte, rollt der Serien-D55 up künftig auf Peugeot Boxer, das Fiat-Chassis wird optional und nur mit dem Neungang-Automatik-Getriebe angeboten. Als Addict-Version gehört unter anderem das Fun+-Paket mit viel sinnvoller Zusatzausstattung zum Standard. So ist der Dreamer sicherlich kein Schnäppchen, aber ein mehr als faires Angebot.

Der Dreamer D55 up startet mit Aufstelldach bei 52.700 Euro. Der finale Testwagenpreis kann zur Zeit noch nicht beziffert werden, weil die Paketpolitik für 2022 noch nicht steht.

Fazit: Eine separate Dusche im Sechs-Meter-Kastenwagen, das funktioniert tatsächlich. Der Mut der Dreamer-Entwickler zu ungewöhnlichen Lösungen hat sich aus meiner Sicht gelohnt: Der D55 up ist einer der vielseitigsten Kastenwagen, die es derzeit zu kaufen gibt. Das Aufstelldach passt perfekt zum Konzept, denn das Heckdoppelbett fällt mit 133 Zentimetern eher schmal aus. Hinzu kommen das schön helle und solide gefertigte Mobiliar, eine gute Ausstattung und ein angemessener Preis.

Das fiel uns auf

Technische Daten

Basisfahrzeug: Fiat Ducato L3H2 Kastenwagen, Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbeinen vorn, Starrachse an Längsblattfedern hinten, Turbodiesel 103 kW/140 PS, Euro 6d final, Sechsgang-Schaltgetriebe und Frontantrieb

Maße und Massen: (L x B x H) 599 x 205 x 259 cm; Radstand 404 cm; Innenhöhe: 190 cm; Masse in fahrbereitem Zustand: 2.940 kg; Zulässige Gesamtmasse: 3.500 kg

Füllmengen: Frisch-/Abwasser 110/100 l; Gas 1 x 11 kg; Kühlschrank 149 l; Diesel 75 l; AdBlue 19 l

Betten: Heck 194 x 133 cm; Dachbett 198 x 130 cm

Serienausstattung (Auszug): ABS, ESP, Fahrerairbag, elektr. Fensterheber u. Außenspiegel, höhenverstellbarer Fahrersitz, Bodenisolierung Styrofoam, Dach-/Wandisolierung PU-/PE-Schaum (XHP), Webasto Dieselheizung (unterflur), manuelles Aufstelldach

Extras (Auszug): Fun+-Paket u. a. mit 140-PS-Motor, Traction+, Hill Holder, Fahrerhaussitze in Wohnraumstoff mit je zwei Armlehnen, Faltverdunkelung, elektrische Trittstufe, Kenwood-Radio, zweite Wohnraumbatterie

Grundpreis: 52.700 Euro (Peugeot Boxer, 120 PS)

Mehr Informationen

Wissenswertes

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Soll es ein Kastenwagen mit Aufstelldach werden? Viel Auswahl, aber auch viel zu bedenken. Kastenwagen mit Aufstelldach bieten viele Vorteile, jedoch auch ein paar Nachteile. So gut wie jeder Hersteller hat eine eigene Variante im Programm. Überblick verschafft unsere Marktübersicht Kastenwagen mit Aufstelldach.

Themen: Dreamer
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