Alles Inklusive

Tourne Mobil 425

Eine Neuinterpretation von Sitzbank, Küche, Bad und Bett zeigt, es gibt noch Luft nach oben bei den Kastenwagen! Tourne Mobil schnürt zudem ein interessantes Alles-Inklusive-Paket.
Text: Andreas Güldenfuß | Fotos: Redaktion

Auf begrenztem Raum versucht jeder seine Interpretation von Sitzbank, Küche, Bad und Bett unterzubringen – Tourne versucht wenigstens ein bisschen vom Standard abzuweichen. Der große Vorteil für die, die erst später in das Segment einsteigen: Man weiß genau, was bei den Kunden ankommt und auf dem Markt noch fehlt. Als Tourne vor rund drei Jahren auf den Plan trat, Kastenwagen zu bauen, suchte man sich eine entsprechende Lücke. Dass der Projektleiter, seines Zeichens Architekt und promovierter Wissenschaftler mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Bereich Innenausbau und im Ausbau von Reisemobilen und Segelbooten, ist, konnte dabei nicht schaden. Jetzt ist Slowenien kein unbekanntes Land, wenn es um den Ausbau von Kastenwagen und Reisemobilen geht. Tourne hat sich aber einen eher nicht so im Fokus stehenden Teil Europas für die Festlegung der Anforderungen für seine Fahrzeuge ausgesucht: Skandinavien.

Helle Möbel, dunkle, strapazierfähige Polster. Das Tourne Mobil macht auf schick, überzeugt aber auch noch mit Qualität und Ausstattung. Das helle Furnier lässt den Wohnraum groß und freundlich, aber auch modern erscheinen.

So baut der slowenische Hersteller

32 Millimeter Armaflex: An der Isolierung wurde nicht gespart, so viel kann man sehen.

Im Einzelnen bedeutet das weite Strecken, gute Isolierung, autark sein, frei stehen, alles dabei zu haben und angenehm wohnen und leben zu können. Das Ganze dann noch gepaart mit zweckmäßigem Design, klaren Linien und hellen Farbtönen. Das schöne daran, wenn man ein Fahrzeug von Grund auf neu entwickelt – es gibt keine Altlasten. Man sucht sich einfach ein bestehendes Fahrzeug auf dem Markt und fängt an, Schwachstellen auszumerzen. Ein bisschen skandinavisches Hygge ist wohl auch mit eingeflossen, denn den Tourne darf man wirklich als gemütlich bezeichnen. Ob zuerst die

Konstruktion  für das patentierte Bettsystem dream4system oder die Idee für die aus dem Küchenblock herausziehbare Bank da war, ist nicht bekannt, am Nutzen ändert es nichts. Wie gesagt, der Grundriss ist klassisch – viele Alternativen gibt es bei einem Fahrzeug mit sechs Metern Gesamtlänge ja nicht. Der Küchenblock mit vier Schubladen, Zweiflammenherd und Spüle ragt ein bisschen in die Schiebetüröffnung, es bleibt aber genügend Platz, um ein- oder aussteigen zu können. Der Clou verbirgt sich an der Front, nämlich eine herausziehbare Bank. Zwar nehmen die Polster für die Bank fast den kompletten Dachstaukasten über dem Fahrerhaus in Beschlag. Allerdings entschädigt beinahe die Option, ohne die Sitze dafür drehen zu müssen oder auch bei gedrehtem Sitz, die Füße hochlegen zu können. Aber es geht noch weiter: Die Bank ist vielleicht nur ein schönes nice to have, der Marktvorteil setzt sich aus Bank, Tisch und ein paar zusätzlichen Bauteilen zusammen: Ein vollwertiges Bett mit 1,86 Meter Länge und bis zu 1,11 Meter Breite. Dank ausgeklügelter Konstruktion und robustem, aber auch sehr schwerem Material, muss man keine Angst haben, dass das Bett zusammenbricht – selbst wenn man darauf rumläuft, wackelt nichts. Auf einen Lattenrost muss man allerdings verzichten – dafür sind die Matratzen etwas weicher. So wird der Tourne mindestens ein Drei-, wenn nicht sogar ein Vier-Personen-Schläfer, beziehungsweise, man könnte auch problemlos im Heck bei hochgeklapptem Bett Material transportieren und ohne Komforteinbußen vorne übernachten. Das ist auf jeden Fall schon mal clever. Wintertauglichkeit stand ganz weit oben. Aus diesem Grund hat Tourne das Fahrzeug auch in der Kältekammer testen lassen und nach der Norm EN 1646-2 auf Winterfestigkeit prüfen lassen. Das Ergebnis war, dass der Tourne die Temperaturwerte 46 Minuten früher als gefordert erreicht und den Test mit Bravour bestanden hat. Alles, was dazu notwendig ist, wie zum Beispiel hinterlüfteter Möbelbau für bessere Luftzirkulation, perfekt positionierte Heizungsausströmer und frostsichere Tanks, wurde schon bei der Konstruktion berücksichtigt.

Hygge, also wohlfühlen, gibt es aber nicht nur, wenn es draußen kalt ist. Es fängt schon mit der Sitzbank für die Passagiere an: Anstatt der weitverbreiteten Folterbank mit waagrechter Sitzfläche und senkrechter Rückenlehne, gibt es hier eine einfach mit einem Keil unterlegte Sitzfläche und Rückenpolster mit Kontur. Wäre fast perfekt – wenn Isofix jetzt auch noch Serie wäre und nicht 151 Euro Aufpreis kosten würde. Dafür gibt es serienmäßig ein komplettes Bettwäscheset mit passgenauen

Das patentierte Bettsystem dream4system.

Bezügen, Decken, Kopfkissen und noch Tagesdecken dazu – letztere vermutlich dafür, wenn man gar nicht mehr aus dem Fahrzeug möchte und den ganzen Tag darin herumlümmelt.
Trotz der großzügigen Nasszelle bleibt noch genügend Platz, um sich ungehindert zwischen Bett, Dinette und Küche bewegen zu können. Der 90-Liter-Kompressor-Kühlschrank ist bequem erreichbar hochgesetzt. Ganz praktisch sind die Multifunktionsschränke, die entweder mit Fachböden für Vorräte oder ohne Böden für sperriges Gepäck oder mit Kleiderstange für Jacken am Bügel benutzt werden können. Dass bei den Mitbewerbern teilweise fehlende Aufhänger für Jacken kritisiert wurden, haben die Slowenen ganz genau genommen – im Tourne gibt es neun. Die Nasszelle ist mit 1,86 Meter Stehhöhe, einer Breite von 97 Zentimeter und einer Tiefe von knapp 80 Zentimeter groß. Licht, Schränke, Spiegel und Ablagen hat es ebenfalls genügend, kein Fenster, dafür ein Mini-Heki, durch das beim Duschen der Dampf abziehen kann. Die Warmwasserbereitung übernimmt ein acht Liter Hybrid-Boiler, der mit Gas und/oder 230-Volt betrieben werden kann, der genauso wie die Webasto-Dieselstandheizung platzsparend unter dem Fahrzeug verbaut ist. Da mit Diesel geheizt und mit Strom gekühlt wird, reicht dem Tourne eine elf Kilogramm Gasflasche – jedenfalls in der Theorie. In der Praxis ist es allerdings so, dass man lieber, ob man sie braucht oder nicht, eine zweite Flasche als Back-up dabeihat. Also doch nicht so praktisch, oder der perfekte Grund, in den kompakten Gaskasten, eine einfach zu füllende Tankflasche einzubauen. Noch eine Besonderheit: Zusätzlich zum dick isolierten Boden hat der Tourne serienmäßig eine elektrische Ebeco-Fußbodenheizung. Über den Heizdrähten ist auch kein weicher, empfindlicher PVC, wie bei vielen Mitbewerbern, auf denen jeder schwere Gegenstand sofort Abdrücke hinterlässt, sondern eine robuster, abriebfester PU-Anstrich auf dem Bodenbelag im Fahrzeug. Ein kompletter Fahrzeugteppich ist übrigens auch serienmäßig dabei.

Basisfahrzeug
Peugeot Boxer, 2.2 BlueHDI. Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue und SCR-Kat. Hubraum 2.179 cm³. Leistung 121 kW (161 PS) bei 3.750/min, Drehmoment 370 Nm bei 1.750/min. 6-Gang-Schaltgetriebe, Frontantrieb. Euro 6d-TEMP.
Maße und Massen
(L x B x H) 599 x 205 x 266 cm, Radstand: 404 cm. Masse im fahrbereiten Zustand: 3.150 kg, zul. Gesamtmasse: 3.500 kg. Stahlblechkarosserie mit Hochdach. Alu-Rahmenfenster, 2 Midi-, ein Mini-Heki Dachfenster. Isolierung Wand/Dach 32 mm Armaflex, Boden 30mm Stryropor.
Betten
Heckquerbett 191 x 136 cm, Dinettequerbett 186 x 111/74 cm.
Füllmengen
Frischwasser: 100 l innen/Abwasser 100 l außen, isoliert und beheizt. Gas: 11 kg, Diesel 90 l, AdBlue 15 l
Serienausstattung
Tempomat, Kenwood-Navi, Anhängerkupplung, Diesel-Standheizung, Fußbodenheizung, Boiler, 95 Ah-Aufbaubatterie, Markise, Bettwäscheset.
Preise
Grundpreis: ab 59.389 €, Testwagenpreis: 67.656 €

Alles in allem wohnt und fährt es sich sehr schön im Tourne. Besonders, dass der Campervan fast komplett ohne Klappern und Windgeräusche unterwegs ist, ist außergewöhnlich. Musste man sonst immer zuerst alle Schränke und Fächer mit Kleidung und anderem schalldämmendem Material beladen, um eine realistische Wahrnehmung der Geräuschentwicklung zu bekommen, ist es beim Tourne eher so, dass wenn man etwas falsch belädt, das Geklapper erst losgeht. Viel praxisbezogene Liebe zu den Details findet man überall. Es geht schon damit los, dass sich endlich mal ein Hersteller Gedanken darüber macht, von wo ich überall das Licht im Fahrzeug aus- oder einschalten muss. Wie oft musste man gerade unter die Decke gekuschelt, wieder aufstehen, weil ausgerechnet der Schalter für das Licht, das noch an war, vorne am Eingang war. Steckdosen und USB-Anschlüsse sind dort, wo man sie benötigt und so installiert, dass man das, was man einstecken will, auch irgendwo rein- oder ablegen kann.

Auf der breiten Bank kann man es aushalten. Am besten funktioniert sie als Ablage für die Beine, zum gemütlich fläzen.

Beim gemütlichen Zusammensitzen ist der mittels Zusatzplatte vergrößerbare Tisch klasse. Beim Schnippeln und Kochen ist die mit einer Hand zu bedienende Arbeitsplattenverbreiterung sehr hilfreich. In den Schränken und Schubladen bekommt man vieles unter. Einen Besteckeinsatz muss man zwar selbst aufbringen, aber da sind die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden. Das offene Gewürzboard über der Spüle ist ganz praktisch, für die drei herausnehmbaren Holzboxen muss man eben das passend große Zubehör finden. Dank der optionalen 110 Wh-Solaranlage und einer zweiten 100 Ah-

Aufbaubatterie sind wir mit dem Tourne Mobil wirklich luxuriös und autark unterwegs. Auch die 100 Liter Frischwasser, platzsparend im Tank, der um den Radkasten gebaut ist, reichen für eine Weile. Die serienmäßigen Fliegenschutztüren brauchen wir zu dieser Jahreszeit auch nicht, den ebenfalls serienmäßigen Gaswarner ebenso, höchstens die serienmäßige Thule-Markise. Wäre es schon richtig Sommer, könnte man die aufpreispflichtige Außendusche testen; so bleibt es aber bei der Begutachtung des sehr sorgfältig abgedichteten Toilettenschachts. Zur Schlafenszeit kann man noch eine Weile gemütlich im großen Heckbett die Eindrücke verarbeiten. Aus den Boxen in den Dachschränken kommt leise Musik und das Ambiente-Licht sorgt für die richtige Stimmung. Anstatt Latte oder Froli gibt es nur große Bohrungen zur Belüftung in der Unterlage, bequem ist das aber dennoch.
Nicht schlecht, was die 50 Mitarbeiter bei  Tourne Mobil da auf die Räder gestellt haben. Qualität und Ausstattung sind auf höchstem Niveau, wie man es von einer Manufaktur erwarten darf. Das Team ist jung und motiviert. Das merkt man dem Produkt auch an. Das Ziel ist tolle, schöne Fahrzeuge zu bauen, und sie bauen einfach so viele, wie sie bei diesem Qualitätsanspruch schaffen. Ein guter Ansatz, wenn auch nicht gerade wirtschaftlich. Doch andere schaffen es auch mit so einer Philosophie, wieso nicht auch eine Manufaktur aus Zentralslowenien, genauer aus Vrhnika in der Nähe von Ljubljana.
Ganz günstig und leicht ist der gut ausgestattete und verarbeitete Tourne allerdings nicht, aber wer genau nachrechnet, weiß, woher der Preis und das Gewicht kommen. Anschauen lohnt sich ganz sicher!

Galerie: Test: Tourne Mobil 425

Redaktion
Andreas Güldenfuß

Klettern, Bergsteigen und Mountainbiken – alles Sport, bei dem man viel unterwegs ist. Das erste Auto: Ein selbst ausgebauter T3 – das war vor über 30 Jahren und seitdem keinen Tag nicht mindestens einen Camper besessen. Am Heft mach ich von allem etwas.

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