Campervans werden teurer

Preise für Campervans und Kastenwagen 2022

Die Preise für Campervans und Kastenwagen steigen drastisch. Das liegt nicht nur an der stetig wachsenden Nachfrage.
Text: Claus-Georg Petri | Fotos: Messe Düsseldorf, Jörg Nullmeyer

So viele Menschen wie noch nie in Deutschland wollen einen Camper kaufen. Doch das ist nicht mehr so preisgünstig wie noch vor wenigen Monaten. Den Preisanstieg verdeutlicht der Blick auf die Internet-Verkaufsplattform mobile.de.

Kostete dort ein Camper aus zweiter Hand vor vier Jahren im Schnitt 34.000 Euro, war es im April dieses Jahres mit mehr als 45.000 Euro rund ein Drittel teurer. Selbst bei über acht Jahre alten Fahrzeugen legten die Preise im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zu. Auch bei neuen Fahrzeugen gingen die Preise nach oben. War auf mobile.de noch Anfang Oktober bei einem Händler in Süddeutschland ein neuer Camper, Modell 2022, für 63.333 Euro avisiert, kostet dasselbe Fahrzeug zwei Monate später 70.999 Euro – 12,1 Prozent mehr. Ähnliche Beispiele ließen sich fortsetzen, wie auch der Gang über die Messe TC in Leipzig zeigte. Einige Fahrzeughersteller halten ihre Preise für die Modellsaison 2022 noch immer zurück. Die Preise, die der Redaktion aktuell bekannt sind, haben sich alle samt verteuert.

Gebrauchtfahrzeuge verteuerten sich in den letzten vier Jahren um mindestens 30 Prozent.

Doch wo liegen die Gründe für den starken Anstieg? Zum einen in der deutlich gestiegenen Nachfrage, die, so will es das Gesetz des Marktes, den Preis nach oben treibt. Und natürlich haben auch Reisemobilhersteller ein Interesse daran, möglichst viel zu verdienen.

Mehr ins Gewicht indes fallen die durch die Pandemie unterbrochenen oder zumindest gestörten Lieferketten, die verknappten Rohstoffe und die für den Fahrzeugbau schlecht lieferbaren, aber notwendigen Mikrochips. Obendrein schottet sich China als großer Lieferant von

Zubehörteilen wegen Corona weiter ab. Dieses Bündel an Faktoren löst einen Mangel an Zulieferteilen und Basisfahrzeugen aus.

Die Konsequenz: Hersteller von Ausstattung wie Fenster, Kühlschränken und Toiletten kommen nicht hinterher, weil ihnen Kunststoff-Granulat fehlt. Nicht einmal Marktführer Fiat kann die Nachfrage nach dem Basisfahrzeug Ducato befriedigen, da nicht genügend Halbleiter vorhanden sind. Diese durch die Pandemie und den global gestörten Frachtverkehr verursachten Engpässe ziehen Konsequenzen nach sich:

  1. Die Lieferzeiten von Kastenwagen und Campingbussen verlängern sich erheblich. Manche Hersteller produzieren ihre Fahrzeuge auf Halde:
    Es fehlen bestimmte Teile, um sie fertigzustellen.
  2. Am Ende der Kette wartet der Kunde auf sein Fahrzeug. Die Hersteller kommen ihren Aufträgen nicht oder eben nur sehr verspätet nach.
  3. Die Preise für Zulieferteile und Basisfahrzeuge klettern, teilweise, so ist zu hören, sogar mehrfach unangekündigt.
  4. Campervans verteuern sich deutlich.

Die Preissprünge sind aber nicht nur für Kunden schlecht, die sich gegenwärtig zum Kauf entschließen. Auch die Hersteller, die etwa auf dem Caravan Salon Fahrzeuge verkauft haben, müssen ihre Verträge erfüllen. Die mittlerweile gestiegenen Rohstoff- und Fertigungspreise jedoch verteuern die Produktion jedes einzelnen Fahrzeugs und schmälern den Gewinn.

Diese Situation treibt jetzt schon Blüten: Tatsächlich berichten Kunden mit auf dem Caravan Salon abgeschlossenem Kaufvertrag über Versuche von Herstellern, das Fahrzeug rückwirkend zu verteuern. Bis zur Auslieferung des georderten Fahrzeugs sollen sie wegen der gestiegenen Preise zum Beispiel fürs Basisfahrzeug, für Fenster oder Kühlschränke einem Kaufpreis zustimmen, der um 1.500 bis 3.000 Euro höher liegt als im Kaufvertrag vereinbart. Andernfalls werde der Liefertermin auf den Sanktnimmerleinstag verschoben.

Preise in unterzeichneten Kaufverträgen halten Händler bis zur Auslieferung aktuell nur mit Müh' und Not.

Die Folgen der aktuellen Marktlage können fatal sein – siehe Automobilindustrie: Auch die Hersteller von Pkw kamen ihren Aufträgen monatelang wegen pandemiebedingter Lieferengpässe und Materialknappheit nicht hinterher. Die potenziellen Käufer reagierten mit erheblich weniger Aufträgen für Neuwagen.

Wissenswertes

Hintergrund-Infos vom Sunlight-Geschäftsführer

Im Vanlife-Podcast des Herstellers spricht Jasper Jauch mit dem Sunlight-Geschäftsführer Stephan Brutscher über den Reisemobil-Boom, Lieferengpässe und eine unvorhersehbare Preispolitik: www.rollingstories.de/episode-8

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