Wohlfühlklima 2.0

Selbstausbau: Camper dämmen mit Kork

Dass nachhaltige Dämmmaterialien durchaus Vorteile haben, konnten wir bereits anhand Schafwolle klären. Eine weitere Alternative ist Kork.
Text: Viktoria Schmidt | Fotos: Viktoria Schmidt

Wer ein Fahrzeug zum Camper ausbaut, stellt sich zwingend die Frage, welche Isolation die Richtige ist. Dabei ist Armaflex vor allem unter den Selbst-, aber auch bei den Serienausbauern das gängigste Dämmmaterial. Für mich persönlich kommt eine synthetische Dämmung nicht in Frage. Da der Bus mein Zuhause ist und ich sehr viel Zeit darin verbringe, ist es mir wichtig, keine Weichmacher oder Ähnliches einzuatmen.

Gemütlich: Vikis ökologisch ausgebauter Camper
Architektin Viki reist und lebt mit ihrem Hund Vollzeit im nachhaltig ausgebauten Van.

Als Architektin kenne ich viele natürliche Dämmstoffe. In der Regel sind diese etwas weniger leistungsstark als künstliche Dämmungen, jedoch darf das im Fahrzeugbau vernachlässigt werden. Denn eins muss den Busbastlern bewusst sein: Es ist und bleibt ein Fahrzeug, das niemals perfekt isoliert werden kann. Während der Recherche zum Thema Dämmung im Camper kann man sich schnell in U-Werten verlieren und Tage mit der Entscheidung verbringen, ob nun 19 oder 22 Millimeter besser sind.

Dabei vergisst man schnell, dass ein Camper in der Praxis nun einmal auskühlt, sobald die Standheizung ausgeschaltet wird. Ob das nun zehn Minuten schneller geht, macht dabei kaum einen Unterschied. Wir sollten den Busausbau nicht mit den Hausstandards vergleichen. Zudem sind 90 Prozent der Camper bei milden Temperaturen unterwegs und in der Praxis ist der Unterschied von einem Zentimeter Dämmung schwer messbar. Mein Tipp: Nicht zu sehr verkopfen. Locker bleiben. Ein gedämmter Van ist zu empfehlen, aber aus der Dämmstärke muss man keine Wissenschaft machen.

Kork als Rohstoff

Nur teilweise ökologisch: gepresster Pinnwand-Kork

Kork wird gewonnen aus der Rinde der Korkeiche, die in Spanien und Portugal wächst. Die Ernte erfolgt alle neun bis zwölf Jahre, ein Baum wird bis zu 200 Jahre alt. Kork ist ein bekanntes Dämmmaterial im Hausbau. Das Besondere daran ist, dass er sowohl schall- als auch wärmeisolierend wirkt. Dabei muss zwischen zwei verschiedenen Kork-Arten unterschieden werden. Der gängige Kork, den wir von Pinnwänden kennen, wird geschrotet und dann mit Klebstoff in Form gepresst. Leider ist der Kleber synthetisch, das Produkt damit nicht zu hundert Prozent natürlich.

Dämmkork: absolut ökologisch

Die „bessere“ Variante ist Dämmkork. Hier wird der Kork gebacken. Dadurch setzt der Rohstoff selbst ein Harz frei, dass das Material zusammenhält. Somit ist Dämmkork absolut ökologisch. Das Material hat jedoch auch ein paar Nachteile: Leider ist Dämmkork recht steif und außerdem sehr bröselig, weshalb er sich nicht für alle Einsatzzwecke eignet. Das „Röstaroma“ des Backkorks dagegen fällt unter der Verkleidung nicht mehr auf.

Es gibt zwei Arten von Kork. Beim hellen Kork wird das geschrotete Rohmaterial in Form geklebt. Der dunkle Kork wird gebacken und kommt ohne künstliche Zusätze aus. Beides finden Selbstausbauer zum Beispiel unter www.cork-shop.com

Für mich kommt eine synthetische Dämmung nicht in Frage.

– Viktoria Schmidt, Architektin und Vollzeit-Vanliferin

Beliebt in der deutschen Camperszene: synthetische Dämmmaterialien

Leider musste ich starken Gegenwind erfahren, als ich die gängige synthetische Dämmung, etwa mit Armaflex, in der Ausbau-Szene in Frage stellte. In vielen der entsprechenden Foren werden nachhaltige Dämmalternativen verpönt – ohne dass jemals jemand eigene Erfahrungen damit gemacht hat. Armaflex ist im klassischen Sinne Dämmung für Rohrleitungen. Es ist gemacht, um den Bruchteil eines Quadratmeters auf einen ganzen Raum zu verkleiden – nicht jedoch das ganze Schlafzimmer. Seit die deutsche Camperszene das Material für sich entdeckt hat (im Ausland wird es weniger verwendet), haben sich die Hersteller angepasst und Camper-freundlichere Produkte herausgebracht. Dennoch ist es für mich keine Alternative.

Ökologisch ausbauen

Camper dämmen mit Kork: Vorteile

  • nachwachsender Rohstoff
  • beugt Staunässe im Camper vor
  • schallabsorbierende Eigenschaften
  • Backkork ist zu 100 Prozent kompostierbar
  • umweltfreundliche Ernte
  • unterstützen der Korkeichen-Bestände in Spanien und Portugal
Mit entsprechend zugeschnittenen Dämmkorkplatten-Streifen werden die Sicken im Boden ausgefüllt

Dämmung des Fußbodens

Beim Selbstausbau meines Fiat Ducato habe ich mich entschieden, Dämmkork als Isolierschicht für den Boden zu verwenden. Für die erste Schicht, also um die Sicken auszufüllen, wurden ein Zentimeter starke Dämmkorkplatten in entsprechende Streifen geschnitten. Darauf folgte eine vollflächige, zwei Zentimeter starke Schicht. Dabei lässt sich der Kork einfach schneiden oder brechen und es reicht, den Kork zu legen. Kleben ist nicht notwendig.

Insgesamt hat es lediglich gut drei Stunden gedauert, den gesamten Boden zu dämmen. Kork ist außerdem trittfest und benötigt keine zusätzliche Unterkonstruktion. Auf den Kork wurde die alte Siebdruck-Bodenplatte gelegt, an der Möbel befestigt werden können. Ein Einbauvideo dazu sowie Videos zu Kork, Hanf-, Schaf- und Kokoswolle gibt es auf meiner Website www.vanillaicedream.com und auf YouTube unter vanilla icedream.

Die Korkplatten eignen sich hervorragend für die Dämmung des Fahrzeugbodens. Sie sind leicht zu verlegen, trittfest und benötigen keine Unterkonstruktion.

Dämmen der Seitenwände

Mein gebrauchter VW Bulli kam mit einer Verkleidung aus Riffelblech, in die ich die zwei Zentimeter starken Dämmkorkplatten geschraubt habe, die auch beim Boden des Ducatos zum Einsatz kamen. So hatte ich ohne großen Aufwand eine „hinterlüftete Fassade“, an der das Kondenswasser an der Fahrzeuginnenwand und in den Holmen abfließen kann. Alternativ, bei nacktem Bulli-Blech, können ein bis zwei Zentimeter starke Korkplatten gegen die Fahrzeugwand geklebt werden. Dann sind zwar die Holme nicht gedämmt, das sollte für reine Sommercamper jedoch ausreichen. Wenn man dafür den weniger bröseligen Pinnwandkork nutzt, hat man mit der Dämmung gleichzeitig eine hübsche Verkleidung und spart sich einen aufwendigen Ausbauschritt und teures Material wie Filz. Der Rollenkork an der Metallwand ersetzt außerdem das synthetische Alubutyl, das gängigerweise für den Schallschutz verklebt wird.

Kork in Kombination

Den Fiat Ducato wollte ich „winterfester“ ausbauen. Dann sind als alleinige Wandisolierung ein paar Millimeter Kork nicht ausreichend. Hier funktioniert das Naturmaterial nur in Kombination mit einer Dämmwolle. Bei den Seitenwänden habe ich mich also für eine sechs Zentimeter starke Hanfdämmung entschieden. Darunter befindet sich, als Haut zwischen Hanf und Metall, eine drei Millimeter starke Schicht Rollenkork.

Kreativität ist beim provisorischen Befestigen der Wolldämmung gefordert. Später wird sie von der Holzdecke gehalten. Ich habe mir mit einem Schusstacker und Bindfaden beholfen.

Dieser wird mit dem Kork-Kontaktkleber – leider nicht ökologisch – verklebt. Für meinen Ducato L4/H2 habe ich eine Fünf-Kilogramm-Dose verbraucht. Auch der Rollenkork lässt sich sehr einfach zuschneiden. Der Kleber muss beidseitig aufgetragen werden und dann erst einmal ablüften. Das ist etwas umständlich und man muss sich ein bisschen Koordinieren. Jedoch können, während der Kleber antrocknet, schonmal andere Teile gemessen und ausgeschnitten werden. Das Bekleben der ganzen Rundungen und Holme ist und bleibt allerdings etwas „friemelig“. Wer das Metall perfekt abdecken möchte, kann alternativ Sprühkork auftragen. Dies ist teurer und auch recht aufwendig, bietet optisch aber das deutlich bessere Ergebnis.

Natürliche Dämmmaterialien sind übrigens schimmelresistent. Sie nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben sie wieder an die Raumluft ab.

– Viktoria Schmidt
Als zusätzliche Wandisolierung kommt eine Dämmwolle zum Einsatz.

Feuchtigkeit?!

Natürliche Dämmmaterialien sind übrigens schimmelresistent. Sie nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben sie wieder an die Raumluft ab. Das ist gar nichts Schlechtes, im Gegenteil. Wichtig ist: Lüften, auch bei synthetischer Dämmung – sonst gammelt es hinter der Holzverkleidung. Fenster und Zwangsentlüftung sorgen dafür, dass feuchte Luft austreten kann, die warme Luft der Standheizung dafür, dass alles schön abtrocknet.

Ich bin keine professionelle Ausbauerin und dies ist keine Anleitung mit Garantie. Es sind meine Erfahrungen und die aus der Community, die auf meine Videos zum Thema reagiert hat. Ich versuche das ganze Thema praktisch anzugehen. Den Bulli bin ich drei Jahre schimmelfrei gefahren, im Winter im Ducato gab es eher Probleme mit Trockenheit als mit zu viel Feuchtigkeit. Ähnliches berichten andere Vollzeitreisende, die ein ökologisches Dämmmaterial verwendet haben. Angenehmes Raumklima – selten beschlagene Scheiben. Selbst beim Kochen. Wozu sich also in einem Raum voller synthetischer Stoffe aufhalten?

Lesetipp zum Thema: Camper dämmen mit Schafwolle.

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