Mieten oder kaufen?

Ab wann sich ein eigener Camper lohnt

Einen eigenen Camper zu besitzen, hat durchaus Vorteile. Aber Anschaffung und Unterhalt kosten auch viel Geld. Ab wann lohnt sich der Kauf wirklich? Ratgeber: So funktioniert das Mieten bei Roadsurfer und das Wohnen im Westfalia Columbus 540 D.
Text: Daniel Schlicke | Fotos: Andreas Güldenfuß

Ganz klar: zu jeder Zeit und spontan mit dem eigenen Camper wegfahren zu können – das lässt sich nur schwerlich ersetzen. Und noch schwerer mit einem Geldwert gegenrechnen. Trotzdem stellt sich für fast jeden Kaufinteressierten die Frage, ob es sich wirklich lohnt, diesen doch nicht ganz kleinen Batzen Geld in die Hand zu nehmen, oder ob sich das Mieten eines Campers vielleicht mehr lohnt.

In einem Gespräch im Jahr 2020 mit dem Magazin SPIEGEL sagte Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verband (CIVD), dass sich der Kauf eines Wohnmobils erst ab einer Nutzung von vier bis sechs Wochen im Jahr lohnt. So viele Urlaubstage muss man erstmal zum Campen zur Verfügung haben. Doch warum ist das so?

 

2019 betrug der durchschnittliche Neupreis für ein Wohnmobil 71.962 Euro. Seitdem haben die Preise, nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Lage am Rohstoffmarkt und der gleichzeitig hohen Nachfrage nach Freizeitfahrzeugen, weiter zugelegt. So muss für ein neu zugelassenes Reisefahrzeug im Jahr 2022 bereits durchschnittlich 77.500 Euro auf den Tisch gelegt werden. Neben der Anschaffung kommen regelmäßig Kosten für Steuer, Versicherung, TÜV, Wartung, Reparatur und gegebenenfalls auch einen Unterstand auf den Käufer zu.

Außerdem muss ein Wertverlust des Fahrzeugs, 5 bis 10 Prozent im Jahr rechnen Vermieter, einkalkuliert werden, wobei das bei den sehr wertstabilen Campern hauptsächlich für die ersten Jahre gilt und außerdem von der aktuellen Marktlage abhängig ist. In den ersten Jahren summiert sich also allein der Wertverlust plus Fixkosten (bei einem Neufahrzeug zum Durchschnittspreis in 2019) auf je 4.000 bis 4.500 Euro – in etwa derselbe Betrag, der für fünf Wochen Camper-Miete in einem sehr vergleichbaren Mietfahrzeug fällig werden: Für den Vergleich haben wir uns das „Road House“ von Roadsurfer herausgesucht.

 

Der Westfalia Columbus 540 D in der Roadsurfer-Edition passt nicht nur so gut, weil es ein klassischer Einsteiger-Kastenwagen mit Familiengrundriss ist, er kommt mit seiner Sonderausstattung zudem auf einen Preis von rund 71.000 Euro – dem bereits erwähnten Durchschnittskaufpreis eines Wohnmobils in 2019. Die Miete für das Road House beträgt täglich 99 Euro in der Nebensaison. In der Hauptsaison variieren die Preise: Je frühzeitiger man bucht, umso günstiger ist in der Regel die Miete.

Bei der Fahrzeugübergabe wird der Camper auf eventuell vorhandene Kratzer und weitere Mängel untersucht.

Zur Fahrzeugmiete dazu kommt pro Buchung eine Servicepauschale von 99 Euro. Fünf Wochen Urlaub im gemieteten Road House (bei beispielsweise zwei Buchungen in der Neben- und zwei in der Hauptsaison 2023) kosten rund 4500 Euro – das entspricht also in etwa dem durchschnittlichen jährlichen Wertverlust inklusive Fixkosten eines Reisefahrzeugs.

In der Theorie lohnt ein Camper-Kauf somit erst dann wirklich, wenn wir noch ein paar Tage länger mieten würden. In der Praxis, und das betrifft gerade kompakte Campervans sehr häufig, fehlt in unserer Kostenaufstellung erstens noch der Restwert, den ein gekaufter Camper auch noch nach Jahren hat und zweitens der Alltagsnutzen, wenn ein Fahrzeug im Alltag nur selten aber doch ab und an benötigt wird. Dann lohnt es sich häufig gleich doppelt, ein sogenanntes Multi Purpose Vehicle zu kaufen – des geringeren Wertverlusts wegen.

„FIXKOSTEN + 5 % WERTVERLUST VOM Ø-NEUPREIS /JAHR = 5 WOCHEN CAMPER-MIETE /JAHR“

Roadsurfer ist mit 51 Verleih-Stationen in 12 Ländern vertreten. Ab 65 Euro pro Nacht kann ein Campervan gemietet werden. Das von uns getestete Road House kostet ab 99 Euro pro Nacht.
Tipp

Frühzeitiges Buchen lohnt sich: Während Kurzentschlossene in diesem Sommer bis zu 199 Euro pro Tag für das Road House von Roadsurfer einkalkulieren müssen, kann das Fahrzeug für den Sommer 2023 beispielsweise schon für 115 Euro am Tag vorgebucht werden. Wer noch weiter im Voraus planen kann, ergattert den Camper mitunter sogar zu noch günstigeren Mietpreisen.

Zurück zum Mieten. Nach einer Online-Buchung, die so unkompliziert abläuft, dass sie kaum einer weiteren Erklärung bedarf, dürfen wir unser Road House an einem der 53 Standorte in Europa und den USA abholen. Die Buchung ginge auch vor Ort, dann kann man sich das am besten passende Fahrzeug noch besser heraussuchen. Nur eine Wunschfarbe der verschieden beklebten Camper aussuchen ist wegen des großen organisatorischen Aufwands leider nicht möglich. Ein Siegel an der Schiebetüre garantiert, dass unser Fahrzeug gereinigt wurde und abfahrbereit dasteht.

Als nächstes erhalten wir eine ausführliche Einführung in das Mietfahrzeug – ein weiterer Grund, warum Einsteiger sich zunächst einmal einen Camper mieten sollten. Gerne fängt man dabei ganz von vorne an, wird uns versichert, das sei schließlich immer noch weniger Aufwand als Diesel im Frischwassertank. Alles schon dagewesen. Der Columbus hat 8.205 Kilometer auf der Uhr und augenscheinlich kaum Gebrauchsspuren. Noch einmal außen nach möglichen Kratzern im Lack suchen, die Kaution von 800 Euro per Kreditkarte hinterlegen und der Urlaub kann beginnen.

Wir sind mit dem kostenfreien Basic Sorglos-Paket mit 1.500 Euro Selbstbeteiligung im Schadensfall und zwei erlaubten Fahrern unterwegs. Wer sich besser absichern oder mehr Fahrer registrieren möchte, wählt das Advanced- oder Complete Sorglos-Paket, die 15-, beziehungsweise 29 Euro pro Tag kosten. Für Jungfahrer unter 23 Jahren gilt eine höhere Selbstbeteiligung.

Roadsurfer

Flexibel, frei & unabhängig urlauben – so titelt Roadsurfer auf der eigenen Website. Dafür stehen an 53 Standorten in Europa und den USA (19 in Deutschland) mehrere Tausend Camper zur Abholung bereit. Vom California Beach über den Nugget oder Marco Polo bis hin zum getesteten Westfalia-Kastenwagen ist für jeden Urlauber etwas dabei. Preislich sind die bunt beklebten Fahrzeuge ab 65 Euro pro Nacht (in der Nebensaison) zu haben, allerdings beträgt die Mindestmietdauer drei Tage. Langzeit-Mieter erhalten Rabatte.

Pro Buchung kommt noch eine Servicepauschale von 99 Euro und ggf. Gebühren für weitere Fahrer und Versicherungen dazu. Neben dem Vermieten verkauft Roadsurfer auch junge Gebrauchte, die aus dem eigenen Fahrzeugpool stammen. Die Camper sind in einer Online-Fahrzeugbörse gelistet und können bei einem Termin live oder per Videocall begutachtet werden. On top gibt es einen neuen TÜV- und Service- Stempel sowie 36 Monate Garantie. www.roadsurfer.com

Probewohnen im Roadhouse

Unser zu Hause auf Zeit ist mit der neuen Neungang- Automatik und sogar Sitzheizung sehr gut ausgestattet. Der 140 PS starke Motor reicht locker, um die 3.165 Kilogramm Masse in fahrbereitem Zustand des kompakten Columbus recht flott zu bewegen. Zuladungsreserven sind also auch für eine vierköpfige Familie noch genügend vorhanden, vorausgesetzt man ordert den Columbus mit 3.500-Kilogramm-Chassis, was Roadsurfer clevererweise getan hat. Vorne sitzt es sich gewohnt angenehm, hinten ist die Rückenlehne zwar konturiert, typisch Kastenwagen aber sehr steil.

Junge Familien dürften sich über Isofix-Befestigungen für Kindersitze freuen. Ein Kindersitz und weiteres Zubehör wie passende Bettwäsche können direkt bei der Buchung dazugeordert werden, wobei ein Basic-Paket mit Küchenbox, zwei Stühlen, einem Tisch, Auffahrkeilen, Landstromkabel mit CEE-Stecker und Pannenausrüstung immer und in jedem Roadsurfer mitfährt. Ein willkommener Nebeneffekt von Aufstelldach und Rahmenfenstern: kaum Windgeräusche während der Fahrt. Auch Klappergeräusche vom Möbelbau sind nur Wenige zu vernehmen. So macht das Spaß.

Der Columbus überrascht allgemein positiv, besonders durch die gelungene Aufteilung der ja doch knapp bemessenen Wohnfläche. Gerade hat Westfalia für 2021 ein optionales Panoramadach angekündigt, das das Raumgefühl sicher nochmal verbessert, allerdings auch den Wegfall des Dachstauschranks über dem Fahrerhaus bedeutet. Im 540er mit Familiengrundriss will das wohl überlegt sein, da zählt jeder Kubikzentimeter Stauraum, zumal der Columbus mit hellem Furnier und der optionalen Spiegeltüre zum Bad für uns auch ohne Oberlicht und mit Dachschrank großzügig genug wirkt.

Im selben Dachschrank wird während der Fahrt der Tisch für die Sitzgruppe verstaut. Er ist mit 40 Zentimetern Breite zwar etwas schmal – große Teller müssen versetzt stehen – mit seiner Verlängerung aber ausreichend bemessen. Anders als bei vergleichbaren Modellen stört das Tischbein kaum, wenn man auf der Sitzbank Platz nimmt.

Zeit fürs erste Mal Kochen im Road House. Wer bei der Einführung aufgepasst hat, weiß noch, wo der Trennschalter für die Wasserpumpe platziert ist. Und falls man doch etwas vergessen haben sollte: Das Roadsurfer- Team hat vorsorglich Print-Anleitungen für alle möglichen Szenarien ins Handschuhfach gelegt und Erklärvideos auf YouTube geladen. Der Küchenblock mit Abdeck-Brettchen für die Spüle bietet richtig viel Arbeitsfläche und auch fürs Geschirr und Vorräte ist im Geschränk darunter genügend Platz. An der inkludierten Küchenbox merkt man, dass Roadsurfer mit Bullis begonnen und die größeren Kastenwagen noch nicht allzu lange im Programm hat.

Wer gerne mehr als Nudeln kocht, sollte einen normalgroßen Topf oder auch Löffel aus Metall aus dem heimischen Fundus mitnehmen. Zumal der Zweiflammkocher mit Piezozündung groß genug wäre. Stirnseitig platziert Westfalia einen recht leisen 65-Liter-Kompressorkühlschrank von Vitrifrigo. Der öffnet zwar nicht beidseitig, aber weit genug, damit man sich auch von außen an gekühlten Getränken bedienen kann.

Camper im Abo bei Roadsurfer

Weltweit einzigartig ist das Camper-Abo: Zum monatlichen Fixpreis inklusive aller Nebenkosten steht dem Abonnenten jederzeit der ausgewählte Wunschcamper zur Verfügung. Damit schließt das Unternehmen die Lücke zwischen kurzfristiger Miete und langfristiger Bindung, wie es beim Leasing der Fall wäre. Ab 799 Euro pro Monat ist ein Fahrzeug im Abo zu haben. Inkludiert sind neben dem Fahrzeug auch die Kosten für Versicherung, Wartung und Steuern – lediglich das Tanken muss selbst bezahlt werden. Die Mindestlaufzeit von nur drei Monaten garantiert zudem viel Flexibilität. www.roadsurfer.com

Gegenüber platziert Westfalia ein Bad, an dem man sicher am deutlichsten merkt, dass man in einem 5,41 Meter kurzen Ducato steht. Zum Duschen muss der Durchschnitts-Europäer die Knie anwinkeln oder sich gleich auf die Chemietoilette setzen. Das macht die Konkurrenz aber nur selten besser. Eigentlich wären die vielen Ablagen toll, die dünne Reling hält aber längst nicht alles dort, wo es platziert wurde. Löblich: Die Nasszelle ist ringsum einwandfrei abgedichtet. Ein zusätzlicher Heizkörper und die beheizte Duschtasse versprechen zudem viel Komfort beim Wintercampen.

Geschlafen wird im Heck auf 115-130 mal 195 und im Dach auf 130 mal 200 Zentimetern. In beiden Fällen gibt es Leselampen, USB-Steckdosen und sehr bequeme Matratzen auf Federtellern von Froli. Jetzt könnte man meinen, nach dem man ja schon so manche Horror-Story über Hotelbetten gehört hat, dass ein Miet-Camper nicht so hygienisch sei, doch unser Eindruck ist das absolut nicht. Dafür ist allerdings Roadsurfer verantwortlich – der Mieter gibt das Fahrzeug nach dem Urlaub ganz stressfrei lediglich besenrein und vollgetankt zurück.

EINEN CAMPER KAUFEN IST ABER AUCH ERST NACH VIELEN JAHREN BILLIGER.

Fazit: Ab wann lohnt sich ein eigener Camper?

Einen Camper mieten, das ist nicht billig. Einen Camper kaufen ist aber auch erst nach vielen Jahren billiger, es sei denn er wird häufig auch im Alltag genutzt. Wer nicht mal eben Geld übrig hat, für ein Fahrzeug, das die meiste Zeit dann doch nur dasteht und wer sich dafür auch kein Geld leihen möchte, wer sich mit dem passenden Fahrzeug oder Grundriss noch nicht sicher ist oder bei wem sich die Lebenslage, zum Beispiel durch Nachwuchs, in näherer Zukunft ändern könnte, ist mit einem gemieteten Camper also sicherlich gut beraten.

 

Der XL-Guide zum Camper-Kauf

Wer einen Camper kaufen möchte, hat viele Fragen – vom passenden Kastenwagen- oder Bus-Typ über das richtige Basisfahrzeug bis hin zum idealen Camping-Zubehör. In diesem Ratgeber hat die CamperVans-Redaktion ihr Wissen gebündelt.

Redaktion
Daniel Schlicke

Weil es mit dem Fahrrad an den Atlantik doch etwas weit ist, bin ich seit meinem 18ten mit eigenem Bussle unterwegs. Bei CamperVans bin ich für Fahrzeugtests und Digitales verantwortlich, bringe mit Outdoor-Specials aber gerne etwas Abwechslung ins Heft!

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