Absorber oder Kompressor?

Kühlschrank fürs Camping

Frische Lebensmittel, kühle Getränke – ein zuverlässig funktionierender Kühlschrank fürs Camping ist eine feine Sache. Es gibt jedoch Unterschiede, sowohl in der Bauform als auch in der Funktion!
Text: Andreas Güldenfuß | Fotos: Hersteller, Redaktion

Prinzipiell kein Camper ohne Kühlschrank – allein schon, um alle Vorurteile zwecks des kühlen Bieres zu bestätigen. Dabei ist ein Kühlschrank besonders in den meist gängigen verbauten Größen schon ein Luxus, denn ganz ehrlich, wer betreibt schon im Urlaub oder am Wochenende so eine Vorratshaltung wie zu Hause? Butter, Käse, Wurst, Milch, vielleicht ein bisschen Grillfleisch – früher hätte man mit einer Kühltasche und drei Kühlakkus das Wochenende überlebt, heute hat man einen 140-Liter-Hightower im Camper und wundert sich, weshalb das Fahrzeug so schwer ist und man so wenig Stauraum hat.

Leider bleibt einem beim Kauf selten die Wahl. Größer ist besser, denken viele Hersteller. Teils wird auch der Einfachheit halber der gleiche Kühlschrank, das gleiche Modell in allen Fahrzeugen verbaut, egal ob 8-Meter-Integrierter oder 5,40-Meter-Kastenwagen. Das ist natürlich kein Beinbruch, aber unterm Strich oft Energie- und Stauraumverschwendung. Bei der Wahl des passenden Kühlschranks gibt es ein paar Dinge zu beachten: Das Erste ist, es gibt zwei verschiedene Varianten, den Absorber-Kühlschrank und den Kompressor- Kühlschrank. Beide Kühlschränke entziehen dem Innenraum Wärme, der Absorber verdampft dafür Salmiak, der Kompressor verdichtet und verflüssigt ein Kältemittel – ähnlich wie bei der Klimaanlage im Auto.

Absorber- vs. Kompressorkühlschrank. Beide bieten ganz unterschiedliche Vor- aber auch Nachteile.
Foto: Redaktion

Der Absorberkühlschrank

Wichtiger ist aber, womit sie das machen. Moderne Absorber-Kühlschränke sind mit einem AES-System – Automatic-Energie-Selection – ausgestattet. Zur Wahl stehen 230 Volt am Landstrom, 12 Volt von der Lichtmaschine oder Gas. Das bedeutet: Während der Fahrt kommt der Strom vom Fahrzeug, wenn ich auf dem Platz 230 Volt einstecke, wird diese Stromquelle gewählt. Die Krux ist, wenn ich nicht auf den Campingplatz fahre und das Gas nicht aufgedreht oder leer ist, bleibt der Kühlschrank aus. Denn die Heizung des Absorbers braucht viel Strom, deshalb sind die Aufbau- Batterien von der Versorgung ausgenommen. Ist die Gasflasche aber voll und aufgedreht, zündet der eingebaute Brenner automatisch und ein kleines Flämmchen hält das Salmiak am Kochen und den Kühlschrank kalt – und das unter bestimmten Voraussetzungen mit einer 11-Kilogramm-Gasflasche bis zu sechs Wochen lang.

Vorteile:

  • Absolut lautlos
  • Arbeitet als AES-Version völlig eigenständig
  • Keine mechanischen, beweglichen Teile,
    kein Verschleiß

Nachteile:

  • Kamin für Abwärme notwendig
  • Größerer Platzbedarf
  • Höherer Installationsaufwand
  • Fahrzeug muss gerade stehen

 

Absorber-Kühlschränk von Thetford
Foto: Hersteller

Der Kompressorkühlschrank

Der Kompressor ist da etwas einfacher gestrickt. Er kann nur mit Strom arbeiten. Also während der Fahrt mit 12 Volt von der Lichtmaschine, auf dem Campingplatz mit Landstrom und freistehend mit Strom aus der Batterie. Und da liegt das Problem: So ein großer Kompressor- Kühlschrank nimmt sich auch mal bis zu 2,5 Ampere die Stunde. Das macht in zehn Stunden 25 A, in 24 Stunden 60 A. Eine meist serienmäßige 95-Ah-AGM-Batterie, die man – wie man weiß – nicht unter 50 Prozent, also wirklich maximal 50 A entladen sollte, ist nach 20 Stunden leer (nur kühlen, kein Licht, kein Radio, keine Heizung und keine Wasserpumpe).

Wer mit einem Kompressor-Kühlschrank an Bord längere Zeit autark stehen möchte, muss investieren: Solar bei schönem Wetter, eine Brennstoffzelle für das ganze Jahr, mehr oder größere Batterien. Natürlich hat der Kompressor auch Vorteile: Die Kühlleistung ist besser, er arbeitet relativ lange unabhängig, also auch, wenn das Fahrzeug schräg steht.

Kompressor-Kühlschränk von Thetford
Foto: Hersteller

Vorteile:

  • Funktioniert auch, wenn
  • Fahrzeug schräg steht
  • Einfache Installation
  • Wartungsfrei
  • Sehr gute Kühlleistung

Nachteile:

  • Etwas teurer in der Anschaffung
  • Teils laute Kompressoren
  • Hoher Stromverbrauch

 

So viel zum Thema Kaufberatung: Wer also weiß, dass sein Fahrzeug regelmäßig während einer Bike- oder Bergtour zwei Tage auf dem Wanderparkplatz steht und wer dennoch das kühle Bier bei der Ankunft haben möchte, sollte sich dessen bewusst sein. Und was auch nicht vergessen werden darf, ein Kompressor- Kühlschrank erzeugt meist ein bisschen Lärm. Der Absorber ist also anspruchsloser, autarker und leiser. Dafür ist er viel aufwendiger einzubauen. Er braucht Stromanschlüsse, Gasleitungen und einen Kamin für die Abgase. Außerdem ist er nicht so leistungsstark wie ein Kompressor. Beim Absorber sagt man grob, dass er rund 30 Grad unter die Umgebungstemperatur kühlen kann. Umgebungstemperatur bedeutet aber nicht gleich Außentemperatur, mit Umgebung ist der Bereich um die Heizpatrone gemeint. Ein ganz alter Trick ist die Umgebung, also die Heizpatrone, mit kleinen Lüftern zu kühlen. Dann bleibt die Leistung konstant. Und selbst mit ein paar kleinen PC-Lüftern arbeitet der Absorber leiser und energiesparender als jeder Kompressor.

Während der Fahrt auf sehr holprigem Untergrund oder wenn das Fahrzeug nicht gerade steht, hat der Absorber seine Probleme – das war auch der Grund, weshalb anfangs hauptsächlich Offroad-Fahrzeuge auf den Kompressor umgestiegen sind. Für den normalen Einsatz im Campingbus oder Kastenwagen gibt es aber nicht so viele Gründe, einen Kompressor zu wählen – außer für den Hersteller, der spart dadurch viel Arbeit.

Kompressor-Kühlbox von Truma
Foto: Hersteller

Mobile Bauform

Kühlboxen gibt es als Kompressor oder Absorber. Leer wiegt eine Box rund 20 Kilogramm. Während der Fahrt sollte sie also nicht verrutschen können. Bei Anschluss an den Zigarettenanzünder Stromstärke beachten. Gibt es auch als Absorber-Gas aus der Kartusche oder von Carbest oder Truma als Kompressor mit kleinem 12-Volt-Akku.

Vorteile:

  • Mobil einsetzbar
  • Keine Installation notwendig
  • Platz gut nutzbar

Nachteile:

  • Unübersichtlich einzuräumen
  • Muss beim Transport gesichert werden
  • Teils hohe Ströme erfordern belastbare
    Anschlüsse an 12 Volt

 

Eine dritte einfache, wenn auch exotische Variante sind passive Kühlboxen. Nicht die isolierten Einkaufs- oder Picknick-Taschen, sondern Hightech-Boxen mit Kühl-Akkus, die den Inhalt bis zu zehn Tage bei gleichbleiben der Temperatur halten. Je nach gewähltem Kühlelement können Temperaturbereiche von -25 °C bis +8 °C gewählt werden. Die einmal mit in der Gefriertruhe vorbereiteten Elementen befüllte Box ist anschließend völlig autark. Ganz günstig sind solche Truhen nicht und durch die fast schon perfekte Isolation ist das Volumen innen verglichen mit den Außenmaßen nicht riesig, dafür sind sie recht leicht und robust. Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass die Box wirklich überall eingesetzt werden kann, wenn einem die zehn Tage reichen oder man unterwegs die Möglichkeit hat, nachzukühlen.

Alternative: Passiv

Die gute alte Kühltasche gibt es auch in Hightech: Mit speziellen Kühlelementen halten die Boxen bis zu vier Tage Temperaturen bis zu minus 25 Grad, je nach Kühlelement. Ab 400 Euro sind die gut isolierten Kisten erhältlich.

Vorteile:

  • Verhältnismäßig günstige Anschaffung
  • Absolut lautlos

Arbeitet völlig eigenständig

 

Passiv-Kühlbox von Petromax
Foto: Hersteller

Nachteile:

  • Begrenzte Nutzungsdauer
  • Braucht einen Gefrierschrank
    oder Eis zum Reaktivieren

So betrachtet ist das Thema Kühlen ganz schön kompliziert. Wer ein gängiges Serienfahrzeug kauft, hat mit einem Absorber-Kühlschrank meist weniger zu tun. Vielleicht noch etwas „Abluft-Tuning“, fertige Gebläsesets gibt es ab 20 Euro im Zubehör, und alle paar Jahre mal den Kamin und die Belüftungsöffnungen kontrollieren. Beim Kompressor-Kühlschrank kann es bei entsprechender Nutzung schon anders aussehen. Wer viel und lange autark stehen möchte, sollte schon 100 A frei verfügbare Energie an Bord haben, um drei Tage sicher versorgt zu sein. 100 Ampere nutzbar sind 200 Ampere AGM, also das Doppelte dessen, was normalerweise verbaut ist. Die Alternative ist natürlich das Umrüsten auf Lithium-Batterien, das sind jedoch wieder rund 1.000 Euro Kosten. Eine Solaranlage ist, bis sie installiert ist, nicht viel günstiger – und die funktioniert auch nur, wenn die Sonne scheint. Das Hauptproblem ist hausgemacht: Die Kühlschränke werden jedes Jahr größer, gleichzeitig schrumpft der Stauraum in den Küchen, also wird alles, was bei Kälte nicht verdirbt, in den Kühlschrank gepackt, der dann wieder mehr Energie verbraucht. Darauf muss geachtet werden.

Redaktion
Andreas Güldenfuß

Klettern, Bergsteigen und Mountainbiken – alles Sport, bei dem man viel unterwegs ist. Das erste Auto: Ein selbst ausgebauter T3 – das war vor über 30 Jahren und seitdem keinen Tag nicht mindestens einen Camper besessen. Am Heft mach ich von allem etwas.

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