Ratgeber: Markisen für den Campervan

Schutz vor Sonne, Nässe & Wind

Markisen für den Camper stehen weit oben auf der Liste der Must-haves beim Campingzubehör. Welche Modelle sich für Campervans eignen und wie sie richtig abgespannt und gepflegt werden, erfahrt ihr im hier.
Text: Maren Siepmann, Daniel Schlicke | Fotos: Hersteller

Egal ob Kastenwagen oder Campingbus: Kaum einer ist heute noch ohne Markise unterwegs. Der Grund liegt auf der Hand: Markisen spenden nicht nur Schatten an heißen Sommertagen, sie schützen zu einem gewissen Grad zudem vor Regen und erweitern den Wohnraum enorm. Vor allem die Nachfrage nach spezifischen Markisen für Kastenwagen und Campingbusse mit Aufstelldach sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen, sagt Nils Ihsen von Thule. Obwohl es mit Dometic, Fiamma und Thule lediglich drei wirklich große Hersteller von Markisen für den Campingbereich gibt, hat der Kunde in vielen Punkten die freie Wahl.

Ein Camper genießt das schattige Plätzchen unter der Markise.
Foto: Thule

Welche Markise für welches Fahrzeug?

Ob du eine Dach- oder Wandmarkise brauchst, gibt dein Fahrzeug vor: Wandmarkisen eignen sich bei Vans mit Aufstell- oder Hochdach, also mit ausreichend Platz über der Schiebetür. Ansonsten kommen Dachmarkisen zum Einsatz. Und – Egal, ob du Wert auf das Gewicht oder den Preis legst, mit unseren Referenz-Modellen lässt sich ideal vergleichen:

Welcher Markisentyp eignet sich für welche Fahrzeuge? Unser Referenz-Modell gibt Hilfestellung.

Markisen für den Camper: Die passende Markise wählen

Größen und Auszugslängen gibt es in vielen verschiedenen Kombinationen, bei Kassette und Markisentuch stehen meist verschiedene Farben zur Wahl. Und wer nicht selbst kurbeln möchte, dem stehen heute sogar motorisierte Modelle zur Auswahl. Lediglich den Montageort gibt in den meisten Fällen das Fahrzeug vor: Wandmarkisen eignen sich fast ausschließlich bei Kastenwagen und Campingbussen mit Aufstell- oder Hochdach, also mit ausreichend Platz über der Schiebetür. Das ist auch beim H2-Ducato noch nicht gegeben. Hier kommen daher Dachmarkisen zum Einsatz, die allerdings die Gesamthöhe des Fahrzeugs vergrößern und zudem mit Solarpaneelen, Sat-Anlagen, Klimaanlage und Stauboxen um den knappen Platz auf dem Fahrzeugdach konkurrieren.

Geht es bei Tuch- und Kassettenfarben allein um Optik und persönliche Vorlieben, so sollte die Frage nach Motor oder Handkurbel nicht nur aufgrund der eigenen Bequemlichkeit entschieden werden. Markisen mit Motor sind nicht nur teurer – sie wiegen auch mehr. Mit rund einem bis zweieinhalb Kilogramm fällt der Motor je nach Markisenmodell ins Gewicht. Wer ohnehin nur knappe Zuladungsreserven hat, sollte sich dieses Zusatzgewicht sparen.

Bei plötzlich aufkommendem Wind oder einzelnen Böen ist eine Markise außerdem deutlich schneller mit der Hand eingekurbelt, als sie per Motor einfährt. Im Zweifelsfall entscheiden wertvolle Sekunden darüber, ob der Wind unters Markisentuch fährt und Schäden an Markise oder Fahrzeug verursacht. Deshalb sollte eine Markise zusätzlich auch immer abgespannt werden, um die Windlast zu verringern.

Markisen für den Camper im Überblick

Dachmarkisen und Wandmarkisen für den Campervan im Vergleich

Die Markise richtig abspannen und sichern

Markise rauskurbeln und erst einmal ein Bierchen im Schatten genießen? Nicht ohne vorher die Markise gegen Windböen gesichert zu haben. Denn schon eine einzige, unvermittelt heranbrausende Windböe kann teure Schäden an Fahrzeug und Markise verursachen. Ungesichert hebt schon ein mittelstarker Wind die Markise an und schlägt sie an oder auf das Dach des Fahrzeugs. Richtiges Abspannen und Verankern der Stützbeine ist daher immer unabdingbar, sobald die Markise ausgefahren wird.

Die Markise sollte immer sorgfältig abgespannt werden.
Foto: Fiamma

Dabei helfen Sturmbänder, Spannstange und Ankerplatten. Von Eigenkonstruktionen, einfachen Abspannleinen aus dünnen Nylonstricken und einfachen Heringen ist dagegen abzuraten. Letztere garantieren bei entsprechender Kraftentwicklung keinen sicheren Halt im Boden. Besser sind spezielle Abspann-Kits, sogenannte „Tie Downs“, die mit breiten Abspannbändern und stabilen Heringen den Markisenkasten zum Boden hin abspannen und eine solide Sturmverspannung ermöglichen.

Dometic (Tie Down Kit: rund 24 Euro), Thule (Hold Down Side Strap Kit: circa 30 Euro), Fiamma (Tie Down: rund 25 Euro), Peggy Peg (TieStrap: 12,50 Euro) und H. R. Rathgeber (HT-Sturmleine Wurmi-Set Aluminium/ Kunststoff: 74,95/59,95 Euro) führen solche Kits im Sortiment. Robuste Sturmbänder bestehen aus strapazierfähigem Gurtmaterial und einer stabilen Arretierung, die sehr belastbar ist und sich auch nicht von selbst löst. Dennoch sei gesagt: Drohen Unwetter oder starke Sturmböen – unbedingt lieber auf Nummer sicher gehen und die Markise einfahren. Denn die Bezeichnung Sturmband ist irreführend: Bei einem richtigen Sturm hilft nur ein taktischer Rückzug.

Praxistipp

So bleibt der Hering stabil im Boden

  • Nicht senkrecht: Heringe im rechten Winkel zur Abspannleine und außerdem leicht schräg in den Boden einschlagen – das erhöht die Zugkraft deutlich.
  • Je tiefer, desto besser: So bleibt er auch unter hoher Zuglast stecken. Der Hering ist so zudem weniger eine Stolperfalle.
  • Der richtige Hammer: Gummi-, Kunststoff- oder Holzhämmer sind besser geeignet als ein Eisenhammer, sonst drohen Verbiegen und kaputte Köpfe.
  • Nicht mit Gewalt: Besser immer vorbohren. › Zuglast minimieren: Bei weichen Böden Abspannleinen mit zwei Heringen befestigen.
Signalfarbenes Sturmband für Markisen von Peggy Peg
Foto: Peggy Peg

Die Markise mit Sturmband fixieren: so gehts

Es gibt zwei Möglichkeiten, das Sturmband zu befestigen: Bei Markisen von Thule befindet sich am oberen Gelenk des Stützfußes eine Öse. In diese lässt sich ein S-Haken einhängen. Bei Dometic und Fiamma wird das Sturmband mittels Adapter in die Kederleiste eingezogen beziehungsweise eingehängt. Ist das Sturmband in die Kederschiene geführt oder in die vorgesehene Öse eingehakt, gilt es die Spiralfeder zwischen Hering und Gurt zu platzieren – sie ist meist im Set enthalten und federt Zugkräfte bei starken Böen ab.

Einzig die HT-Sturmleine von H. R. Rathgeber verzichtet auf diese Feder. Der elastische Gurt dehnt sich um maximal zehn Zentimeter aus und reagiert schon bei kleinsten Windböen, minimiert somit sofort die Belastung auf das System. Danach den Gurt nach vorne oder im 45-Grad-Winkel abspannen und den Hering einschlagen oder eben einschrauben. Hierbei gilt: Den Hering im schrägen Winkel vom Fahrzeug weg justieren. So drückt der Zug aus dem Gurtband den Hering eher in den Boden, als dass er ihn heraushebelt. Abschließend das Sturmband spannen. Wichtig: Sind die Arretierungen an den Markisenfüßen festgeschraubt?

Zusätzlicher Schutz

Mit Ankerplatten (Fiamma oder Peggy Peg) lassen sich Markisenstützfüße zusätzlich mit Heringen fixieren. Das Markisengestänge lässt sich mithilfe von Spannstangen verstärken. Sie verlaufen parallel zum Markisenkasten (Fiamma Universalrafter) oder zu den Seitenarmen (Thule Tension Rafter). Letztere sorgen gerade bei längeren Modellen für extra Stabilität und lassen mehr Zugkraft auf die Abspannung geben. Gegen das Flattern und Schlagen des Markisentuchs helfen spezielle Klemmen.

Fiamma Halteplatte für Markisenstützfuß

Tipp: Markisenfüße minimal unterschiedlich hoch ausfahren – so kann Regenwasser über eine Ecke ablaufen und es bildet sich kein Wassersack auf dem Markisentuch.

Seitenwände und Vorzelte erweitern den Wohnraum

Neben Qualität, Gewicht und der Frage, wie komfortabel sich eine Markise bedienen lässt, schauen die Kunden nach Aussagen der Hersteller vor allem auch auf das vorhandene Zubehör. Denn mit Seiten- und Vorderwänden, die sich an der Markise anbringen lassen, oder gleich einem ganzen Markisenvorzelt wird der Platz vor dem Fahrzeug quasi zu einem weiteren Wohnzimmer, das nicht nur Schutz vor brennender Sonne, sondern auch vor Regen, Wind und neugierigen Blicken bietet. Sowohl Fiamma als auch Dometic und Thule bieten ihren Kunden ein umfangreiches Sortiment an Markisenerweiterungen, die der Kunde optional erwerben kann. Eine Auswahl an Markisenerweiterungen findet ihr hier.

Günstige Alternativen

Markisen stellen mitunter eine nicht ganz kleine Investition in den Campervan dar. Etwas günstiger als solche zum Kurbeln oder gar mit Motor, aber immer noch in einer schicken Kassette mit Aluminiumgehäuse sind Rollmarkisen, bei denen das Tuch manuell per Hand aus- und eingerollt wird. Fiamma bietet mit der F35 Pro ein entsprechendes Modell zu Preisen zwischen 427 und 522 Euro, Thules Omnistor 3200 liegt je nach Ausführung bei 519 bis 609 Euro. Wer auch auf optischen Vorzüge einer festen Kassette verzichten kann, greift zur Sackmarkise. Fiammas Caravanstore (ab 359 Euro) und die Thule 1200 (ab 429 Euro) zeichnen sich zudem durch ihr geringes Gewicht aus und die einfache Befestigung an einer Kederleiste.

Rollmarkisen sparen sich Kurbel oder gar Motor.
Foto: Fiamma

Sonnensegel und Tarp

Noch deutlich günstiger sind Sonnensegel und die universell einsetzbaren Tarps, die teilweise ebenfalls über einen Keder am Fahrzeug befestigt werden können, aber mit entsprechendem Gestänge und Leinen abgespannt werden müssen. Los geht’s bereits ab 60 Euro in den Onlineshops von Fritz Berger, Movera, Frankana Freiko und Reimo.

Günstiger als mit einem Tarp kommt man nicht zum schattigen Plätzchen.
Foto: Fritz Berger

Pflege und Reparatur der Markise

Moderne Markisentücher sind aus kratzfestem PVC gefertigt und bestehen meist aus fünf Schichten. Im Vergleich zu früheren Acryl-Tüchern sind sie heute robuster, dürfen auch mit passenden Reinigern gesäubert und zur Not auch einmal nass eingerollt werden. Zwar ist es grundsätzlich besser, das Tuch vor dem Einfahren trocknen zu lassen, manchmal ist das aber einfach nicht möglich. Dann gilt: Die Markise nach der Ankunft sofort wieder ausfahren, sonst bilden sich im nassen Tuch schnell Stockflecken oder gar Schimmel.

Aber auch ohne Regen kommen Markisen zwangsläufig mit Dreck in Kontakt. Blütenstaub, Sand, Feinstaub – alles, was sich in der Luft befindet, setzt sich nach und nach im Tuch fest. Einige Tipps zum Reinigen: Groben Schmutz wie Äste, Zweige, Blüten und Blätter zunächst mit einem Besen oder einer weichen Bürste entfernen. Bei kleineren Flecken reicht oft schon warmes Wasser und gegebenenfalls etwas tensidfreier Universalreiniger, um diese mit einem weichen Schwamm oder Mikrofasertuch zu entfernen. Harte Scheuertücher oder Bürsten vermeiden. Keine Hochdruckreiniger verwenden – diese können das Tuch beschädigen.

Harzentferner und PVC-Cleaner zur Markisenpflege.
Foto: Dr. Keddo, Thule

Für hartnäckigere Flecken gibt es spezielle Reiniger, zum Beispiel den PVC Cleaner von Thule (ca. 9 Euro) oder den Markisenreiniger von Mellerud (rund 7 Euro): Tuch zunächst anfeuchten, Reiniger auftragen, kurz einwirken lassen und den Fleck eher abtupfen – nicht reiben. Anschließend gut abspülen und trocknen lassen.

Bei Vogelkot heißt es: Nicht lange warten. Dieser ist ätzend und kann das Tuch angreifen. Lieber schnell entfernen. Besonders hartnäckig sind Harzflecken von Nadelbäumen. Auch hierfür gibt es spezielle Baumharz-Entferner, z. B. Harzolan von Dr. Keddo, der laut Hersteller auch für Markisentücher geeignet ist. Vorsicht: Andere Harzentferner dürfen nur auf Lack, Felgen, Kühlergrill und Kunststoff angewendet werden. Unbedingt vorher Gebrauchsanweisung lesen!

Nach der Reinigung: Markise imprägnieren.

Nach der Anwendung von Reinigern und Harz-Entfernern sollte das Markisentuch imprägniert werden, um seine wasserabweisende Funktion zu erhalten. Für kleinere Risse im Tuch gibt es spezielle Reparatur-Kits wie das Fiamma Kit Repair Plus und das Thule Reparatur- Set (beide rund 20 bis 25 Euro), bestehend aus transparenten Klebestreifen, die über den Riss geklebt werden. Bei größeren Schäden bleibt irgendwann nur der Austausch des gesamten Markisentuchs.

Mehr Zubehörtipps für euren Campervan findet ihr hier.

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