Ducatos mit Super-Hochdach sind einigermaßen selten geworden. Läuft Yucon hier zur Hochform auf? Wir haben den Kastenwagen-Ausbau getestet.
Wer maximal viel Platz im Kastenwagen möchte, kommt am extralangen Ducato mit Superhochdach kaum vorbei. Die Kombination aus 6,36 Meter langer, vergleichsweise breiter Karosserie und dem circa 25 Zentimeter höheren Blechdach ergibt eine relativ wuchtige Optik, aber eben auch deutlich mehr Innenraum-Volumen. Und in Kombination mit einem Hubbett entsteht richtig viel Flexibilität. Genau das verspricht Yucon für den 63 H. Der Hersteller hat auch gleich zwei Vorschläge, wie der voluminöse Heckbereich unter dem Hubbett am besten genutzt werden kann: Einmal mit einem zusätzlichen Etagenbett, das für 990 Euro bestellt werden kann. Es verwandelt den 63 H in einen Familien-Van mit vier vollwertigen Schlafplätzen. Oder aber als wahres Raumwunder mit großer Heckgarage, zum Beispiel für sperriges Sportgepäck.
Unser Vorführ-Fahrzeug ist als Transportmeister, sprich ohne Zusatzbett konfiguriert. Der Laderaum ist maximal 197 Zentimeter hoch, 105 Zentimeter breit und 155 bis 195 Zentimeter lang. Das würde gut auch für ein Motorrad genügen, jedoch nur in der Theorie: Leider wurden die Zurrpunkte lediglich durch die Bodenplatte, nicht durch das Karosserieblech verschraubt. Da sollte der Hersteller nachbessern. Leichtere Sportgeräte sind aber auch in doppelter oder dreifacher Ausführung kein Problem – lange Surfbretter lädt man bei entnommener Schottwand ganz einfach bis in den Wohnraum durch.
Um im Fahrzeug zu übernachten, wird das Hubbett elektrisch abgesenkt. Der Mechanismus muss zunächst durch langen Knopfdruck entsperrt werden, was die Sache ein wenig verkompliziert – aber natürlich ist es sinnvoll, wenn sichergestellt wird, dass sich auch wirklich niemand die Finger einklemmt. Der E-Motor stoppt das Hubbett zunächst in einer Zwischenposition, die noch ausreichend komfortables Schlafen mit 65 Zentimeter Kopffreiheit gestattet. Eine Leiter erleichtert den Zustieg, die Heckgarage ist dann noch 133 Zentimeter hoch. Ganz heruntergefahren bleiben 68 Zentimeter und man erreicht das Doppel-Längsbett vollkommen unbeschwert.
Clever: Egal, auf welcher der beiden Stufen geschlafen wird, dank Zusatzpolster links oder rechts ist die Liegefläche immer 155 Zentimeter breit. Auch die seitlichen Fenster sind auf unterschiedlichen Höhen angebracht, sodass immer mindestens eines zur Verfügung steht. In der unteren Position kann die nicht allzu lange Matratze (mind. 176 Zentimeter) mittels Einhängebrett und Zusatzpolster auf immerhin 201 Zentimeter verlängert werden – man darf nur nicht vergessen, das Brett zu entfernen, bevor das Hubbett wieder angehoben wird: Die Ducato-Karosserie verjüngt sich nach oben hin eben doch recht stark und droht, mit dem Hubbett zu kollidieren.
Einige Ablagen, Gepäcknetze sowie die Schrankwand mit geräumigen Fächern hinter Rolltüren bieten ausreichend Stauraum und ersetzen die klassischen Dachstauschränke. Auch LED-Leseleuchten und USB-Steckdosen fehlen nicht. Und zumindest der erste Eindruck von der elf Zentimeter starken Komfortmatratze, die auf einem Holzlattenrost ruht, ist absolut vielversprechend.
Nach vorn hin ist der 63 H eigentlich ein recht gewöhnlicher Kastenwagen, wobei man auch hier vom Superhochdach profitiert, aus dem sich 2,13 Meter Stehhöhe ergeben. Der Mittelgang bleibt an schmalster Stelle immerhin 43 Zentimeter breit.
Zur Fahrerseite betritt man durch eine platzsparende Glieder-Schiebetür eine kompakte Nasszelle. Dass auf nur 83 mal 83 Zentimetern Grundfläche genügend Platz zum Duschen bleibt, liegt insbesondere an der verschiebbaren Banktoilette, aber auch am klappbaren Waschbecken. Außerdem ist die gesamte Baugruppe (Möbelbauplatten aus CPL und Kunststoff-Formteile) wasserabweisend, sodass auf einen Duschvorhang verzichtet werden darf. Trotzdem fehlt es auch hier nicht an Ablagen und Staufächern.
Den kompakten Küchenblock gegenüber ergänzt ein deckenhohes Möbel, in dem auch der Kompressor-Kühlschrank unterkommt. Top: Der Thetford-Kühlschrank befindet sich auf Augenhöhe.
Neben reichlich Stauraum gibt es etwa auch Handtuchhalter, ein kleines Gewürzregal, einen Auszug mit Mülleimer und eine klappbare Ablage (25 mal 43 Zentimeter).
Eine Kocher-Spüle-Kombination mit elektrischer Zündung und Einhandmischer komplettiert die Ausstattung. Wie fast immer bei solchen Kombigeräten fällt der Abstand zwischen den beiden Gasbrennern recht gering aus (20 Zentimeter), sodass höchstens mittelgroße Töpfe gleichzeitig befeuert werden können.
Die Sitzgruppe ist ab Werk mit einem dunklen Kunstleder bezogen, das auch haptisch überzeugt. Außerdem ist die Lehne der 93 Zentimeter breiten Rückbank ordentlich ausgeformt und damit durchaus langstreckentauglich. Alternativ gehören zweimal Isofix zur Ausstattung ab Werk – das unterstreicht die eingangs erwähnte Familientauglichkeit genau wie der stabile, 90 mal 44 Zentimeter große Tisch mit ausdrehbarer Erweiterung.
Obwohl im Grundpreis nicht ganz günstig, bei 200 Ah Lithium, zwei Solarpanelen, einem Pioneer-Naviceiver, der Markise, Rahmenfenstern rundum und der großen Diesel-Elektro-Standheizung von Truma hält sich das Preis-Leistungs-Verhältnis durchaus die Waage. Unterm Strich und durch das XL-Format bietet der Yucon 63 H sogar richtig viel Campervan fürs Geld. Je nach Nutzung lohnt noch ein Blick auf die Gewichte, die wir in der Ladetabelle (rechts) aufgedröselt haben.