Der Panorama Van von der Vanfabrik verzichtet auf die klassische Dinette und verlagert den Aufenthaltsbereich an die Schiebetür. Ein Ausbau für zwei, der den Innenraum offen hält und mit viel Liebe umgesetzt wurde.
Vanfabrik-Gründer Tom kommt eigentlich aus der Möbelindustrie und arbeitete jahrelang als Projektmanager bei einem der größten Möbelhäuser Europas. Irgendwann beschloss er, seine Begeisterung für Reisen und Vanlife mit seinem Ingenieurswissen und einem hohen handwerklichem Anspruch zu verbinden, und gründete 2021 die Vanfabrik. Aus Münster ging es zusammen mit CNC-Fräse und einer ersten Mitarbeiterin zwei Jahre später nach Telgte – in eine größere Werkstatt, um mehr Projekte umsetzen zu können. Seit Ende 2025 ist das auf mittlerweile zehn Leute angewachsene Team wieder in Münster und fertigt hier designorientierte Komplettausbauten und Modulmöbel für die Kundschaft. Dabei stehen drei Ausbaukonzepte für MAN TGE, VW Crafter oder den Mercedes-Benz Sprinter mit je drei Ausstattungsoptionen zur Auswahl. Genauso ist es aber auch möglich, mit seiner ganz eigenen Vorstellung und selbst ausgetüftelter Grundrissskizze für den Traumcampervan bei der Vanfabrik vorstellig zu werden. Und: Wer später nachrüsten oder reparieren möchte, soll das auch können. Der Ausbau ist reparaturfreundlich aufgebaut, mit zugänglichen Komponenten und ohne verklebte Lösungen. Der Anspruch ist klar: langlebig, durchdacht, handwerklich ordentlich umgesetzt. Man möchte hier Vans bauen, die ihren Besitzern lange Freunde machen. Wie sich dieser Ansatz in der Praxis anfühlt, zeigt der Panorama Van auf Sprinter-Basis mit der mittleren Ausstattung Active.
Beim Öffnen der Schiebetür wird deutlich, dass hier kein klassischer Kastenwagengrundriss umgesetzt wurde. Statt Halbdinette hinter dem Fahrersitz und Küchenmodul gegenüber gibt es eine Loungesitzbank in der Schiebetür und ein offenes Raumgefühl trotz überschaubaren Innenraummaßen. Die Loungesitzbank ist dabei aber mehr als nur ein Sitzplatz zum Entspannen – wenngleich sich dies hier vorzüglich machen lässt. Unter dem vorderen Polster verbirgt sich eine Trenntoilette, dahinter gibt es freien Stauraum. Auch der schwenkbare Tisch mit Lagun-Gestell kann hier eingehängt werden. Alternativ wird er seitlich am Küchenmodul befestigt. Die Vordersitze lassen sich drehen und ergänzen die Bank zur Sitzgruppe für bis zu drei Personen. Ansonsten ist der Van klar für zwei Reisende konzipiert und bietet entsprechend zwei Gurtplätze.
Im Heck verbessern Karosserieverbreiterungen auf Höhe des Bettes den Schlafkomfort und ermöglichen Querschlafen im Van. Die rund zwölf Zentimeter dicke, im ersten Eindruck bequeme Matratze (190 mal 149 Zentimeter) und Unterkonstruktion sind belüftet, darunter liegt von innen und außen gut zugänglicher Stauraum. Über dem Bett öffnet sich durch eine 70 mal 50 Zentimeter große Dachluke der Blick zum Himmel. Zusätzlich gibt es noch eine weitere, kleinere Dachluke mit Maxxfan-Ventilator. Hängeschränke mit integrierten Lichtleisten und abgeschrägten Kanten nehmen Kleidung und Reiseutensilien auf, ohne den Schlafbereich einzuengen. Insgesamt gibt es zehn davon im Van, drei davon über der Küche. Dieses wartet mit einem einflammigen Induktionskochfeld, Edelstahlspüle mit Schneidebrett als praktische Abdeckung und einem 70-Liter-Kompressor-Kühlschrank mit Gefrierfach auf. Drei große Schubladen und ein Apotheker-Auszug sorgen für gut erreichbaren Stauraum. Über dem beidseitig zu öffnenden Kühlschrank können elektrische Geräte über einen 230-Volt-Anschluss sowie über USB- und USB-C-Fastcharge-Steckdosen geladen werden.
Unter dem Querbett bietet die Heckgarage mit rund 158 mal 84 mal 84 Zentimetern viel Platz für Campingmöbel, Sportequipment oder größere Kisten. Praktisch ist die Durchgangsöffnung von rund 55 Zentimetern in der Breite und 68 Zentimetern in der Höhe in den Wohnraum – so holt man auch bei Regen schnell etwas, ohne einmal um den Van laufen zu müssen. Seitliche Staufächer im Heck halten Kabel und Zubehör aufgeräumt. Optional lässt sich noch ein Schwerlastauszug, der mit bis zu 200 Kilogramm belastbar ist, konfigurieren – auch als Fahrradauszug.
Alles ist gut erreichbar und übersichtlich gelöst. Besonders praktisch ist auch das schmale Fach direkt an der Schiebetür – passend für Schuhe oder Dinge, die man ständig braucht. Abends sorgt eine dimmbare Zwei-Zonen-Ambientebeleuchtung an der Decke und unter den Hängeschränken für gemütliches Licht, dazu kommen Leselampen am Bett und eine separate Beleuchtung der Heckgarage. Die Beleuchtung lässt sich auch vom Bett aus ausschalten.
Ein Vorhang trennt Fahrerhaus und Wohnraum, hält die Wärme im Fahrzeug und sorgt für Privatsphäre. Die Rahmenfenster im Wohnbereich sind mit Insektenschutz und Verdunkelung ausgestattet. Die Materialwahl und eine durchweg sorgfältige Verarbeitung prägen den positiven Gesamteindruck des Ausbaus. Leichtbau-Möbel aus Queenply, die geräuschdämmende Decke mit Lamellen aus Eiche, die Arbeitsflächen und der Tisch aus dreifach geölter Eiche als warmer Kontrast zu den dunklen Möbelfronten und Filzverkleidungen in Rauchgrau sind harmonisch aufeinander abgestimmt. Der Vinylboden in zu den Holzelementen passender Eiche-Optik ist robust und pflegeleicht. Die zweischichtige EPE-Dämmung des Vans sorgt für ein angenehmes Raumklima und schafft gleichzeitig eine deutliche Lärmreduktion. Technisch ist der Panorama Van so aufgebaut, dass man problemlos ein paar Tage autark unterwegs sein könnte. Die elektrische Anlage ist modular aufgebaut, mit wählbaren Lithium-Batterien, Solaranlage und Wechselrichter – je nach Nutzungsprofil. Im Testfahrzeug arbeiten eine 300-Ah-Lithiumbatterie, zwei Solarmodule mit je 180 Watt sowie Victron-Komponenten für Laden, Wandlung und Steuerung zusammen. Strom steht über 230 Volt ebenso bereit wie über USB-A und USB-C. Geheizt wird mit einer Truma Combi D4 E, die gleichzeitig Warmwasser liefert – sowohl für die Küche als auch für die Außendusche. Warmluftausströmer verteilen die Wärme im Wohnraum und im Heck gleichmäßig. Der Frischwassertank fasst 84 Liter und sitzt frostgeschützt im Innenraum, das Abwasser wird elektrisch entleert und ist im Winter beheizbar.
Der Panorama Van lebt von seinem offenen Grundriss. Die Lounge in der Schiebetür ersetzt die Sitzgruppe, der Innenraum bleibt frei, nichts wirkt zugebaut. Man kocht sich einen Kaffee, hängt den Tisch da ein, wo man ihn braucht, und stellt Tasse, Buch und Handy ab. Dann sitzt man auf der Loungesitzbank in der Schiebetür mit Blick auf die Landschaft und genießt die Auszeit – mehr braucht es nicht für einen schönen Campingmoment. Funktional gedacht und gleichzeitig edel umgesetzt – der Panorama Van ist ein Camper für zwei, der Raum anders verteilt und genau daraus seine Qualität zieht.
Das Konzept der Vanfabrik kommt jedenfalls gut an: Erst kürzlich wurde das Team auf der Urlaubsmesse CMT mit dem „Van Builder Award 2026“ ausgezeichnet.
Zur Philosophie der Vanfabrik gehört auch, dass der Ausbau nicht mit der Fahrzeugübergabe endet. Alle Vans kommen mit Service-Garantie, das Team bleibt erreichbar, auch wenn der Camper längst unterwegs ist. Auch Inspektionen der Einbauten sind möglich. Man baut hier nicht nur Vans, sondern begleitet sie und ihre Besitzer noch ein Stück auf ihrem Weg.