Nominiert beim Selbstausbauer-Camp 2025: Mit seinem selbst ausgebauten Sprinter zeigt Daniel Pütz besonders ausgeheckte Lösungen.
Alexa, Licht an!“, ruft Daniel Pütz in den Innenraum seines dunkelroten Sprinters. Die LED-Spots an der Holzdecke schalten sich ein. Im Licht zeigt sich ein offener Raum mit Küchenzeile und großem Längsbett im Heck, darüber ein Dachschrank mit drei Fächern. Jeweils längs mit Gummibändern abgespannt, damit während der Fahrt nichts herausfällt. Beim Griff ins Fach schaltet ein Bewegungsmelder das Licht ein. Aus der vordersten Öffnung schaut ein Plüschtier mit Knopfaugen.
Nicht sehr angsteinflößend, dabei ist der selbstausgebaute Mercedes-Benz Transporter nach dem Wikingerkönig Ragnar benannt. Der goldene Drachenkopf der Wandlampe über der Schiebetür erinnert dagegen schon eher an eine Galionsfigur. Ursprünglich sollte der Innenausbau einem Schiff gleichen. Am obersten Küchenschrank dient eine Klampe als Griff. An dem geschwungenen Metall-Beschlag werden auf Booten die Taue festgezurrt. Die übrigen Schränke zieren Porzellanknöpfe. „Die sahen dann doch besser aus“, erzählt der 47- Jährige und lacht.
Grundriss und Ausbau folgten keinem festen Plan: Das ehemalige Handwerkerfahrzeug kaufte Daniel Pütz im Januar 2020, Baujahr 2015 mit 80.000 Kilometern. Vieles im Grundriss ist seiner Größe geschuldet, denn mit 1,90 Meter Körpergröße quer zu schlafen, ist keine Option. Für mehr Stehhöhe verzichtete er auf die Isolierung. Dazu sollte noch ordentlich was reinpassen, genauer gesagt ein Motorrad samt zehn Ersatzreifen und vier Sprittanks.
Der Selbstausbauer entschied sich für ein 140 mal 200 Zentimeter großes Heck-Längsbett mit Kopfstützen, das sich bei Bedarf zusammenklappen und seitlich verstauen lässt. Dafür wird zuerst die Matratze gefaltet und an der Wand auf der Fahrerseite aufgestellt, dann das Holzgestell in der Mitte hochgezogen. Der Lattenrost klappt sich nach unten zusammen und wird am oberen Rahmen mit einem kurzen Spanngurt am Dachschrank fixiert. Querbalken stabilisieren die Bettkonstruktion von unten. Werden sie herausgenommen, kann der Raum im Transporter durchgängig genutzt werden. Über Zurrschienen an den oberen Kanthölzern der Heckregale und zwei Schienen im Boden wird die Ladung gesichert. Eine Auflage schützt das darunterliegende Vinyl.
„Der Transporter ist funktional, größtenteils erschaffen aus dem, was es im Baumarkt so gibt – dabei ist doch auch viel aus Bauchgefühl und dem Herzen entstanden.“
Zudem bieten im hinteren Bereich auf beiden Seiten Regale zusätzlichen Stauraum. Um ausreichend Reserve beim Transportgewicht zu haben, musste das Holz für den Ausbau möglichst leicht sein. Für die Küchenzeile wählte Daniel Pütz daher Paulownia-Holz, für die Arbeitsplatte robustere Akazie. Samt Ausbau wiegt der Sprinter 2.800 Kilogramm.
Das Holz kaufte der Selbstausbauer im Baumarkt. Die Maße wählte er teilweise rein nach Bauchgefühl. Während des Ausbaus wurde das Innere des Sprinters zu seiner Werkstatt, denn Material, Stichsäge und Werkzeuge bewahrte Daniel Pütz im Fahrzeug auf. Zugeschnitten, geschliffen und eingebaut wurde an der Straße vor der Haustüre. Viele Feierabende verbrachte er im Bus. Die beiden Seitenteile zwischen Küchenzeile und Hängeschrank waren besonders knifflig, denn durch den nach oben schmaler werdenden Kastenwagen ergaben sich für die Möbelwände unterschiedliche Innenwinkel. Auch an der Holz-Verkleidung über der Schiebetüre feilte er lang. Zwei Jahre dauerte der Möbelausbau, wie er heute dasteht. „Fertig wird er wohl nie“, meint Daniel Pütz.
Immer wieder fällt dem Selbstausbauer aus Baden-Baden etwas Neues ein, vieles davon sind Eigenentwicklungen. Teilweise sogar selbst konstruiert und additiv gefertigt, sprich 3D-gedruckt. Zum Beispiel eine Halterung fürs Handy mit Gelenkarm, die ist unter das wegklappbare Regalbrett am Bett montiert. Über den Arm kann das Handy beliebig ausgerichtet werden – ohne es die ganze Zeit in der Hand halten zu müssen. Daneben gibt es für Kleinteile noch eine flache Schublade.
Überm Bett hängt ein kleiner Deckenventilator, gebastelt aus zwei Computerlüftern. Ein leichter Knick in der Mitte richtet die Gebläse zu beiden Bettseiten hin aus. Frischluft kommt zudem durchs runde Dachfenster im Heck. Hierfür fertigte Daniel Pütz für einen Insektenschutz ein Kunststoff-Gehäuse. Auch einen Ventilator-Einsatz gibt es, um den Luftzug zu verstärken, ebenfalls mit einem Computerlüfter gebaut. Der Ideenreichtum des Selbstausbauers findet sich überall. Sei es eine kleine Abdeckung für das Licht an der Trittstufe am Eingang oder ein schöneres Gehäuse für das Bedienpanel der Infrarot-Heizung.
Die lässt sich auch per App steuern. Im Sprinter von Daniel Pütz mit Tuya Smart, einem freien IoT-Steuerungssystem, sozusagen Smart Home im Campervan. Um Geräte mit der App zu vernetzen, braucht es eine WLAN-Verbindung, ein Schaltmodul sowie bei nicht von Haus aus mit Tuya kompatiblen Geräten, sogenannte Smart Switches, Schalter, die an die Geräte angeschlossen werden. Temperatur und Feuchtigkeit werden über Sensoren an die Tuya-App übertragen. Auch im Kühlschrank meldet ein Sensor die Gradzahl. Bei einem Defekt, verzeichnet die App den Temperaturanstieg und kann warnen. Solche Verknüpfungen oder Szenen, wie sie in der App heißen, können beliebig festgelegt werden.
Daniel Pütz nutzt das System auch zur Regulierung der Heizung. Bei milden Temperaturen wird der Van von einer Heizmatte unter dem Teppich sowie einer Infrarot-Heizung des Herstellers Bringer beheizt – die ist an der Trennwand zum Fahrerhaus mit Magneten befestigt. Wird es richtig kalt, schließt der Selbstausbauer zusätzlich von außen eine mobile Autotherm-Dieselheizung fürs Dachzelt an. Dafür wird im Fenster auf der Beifahrerseite eine Metallplatte mit runder Öffnung eingesetzt. Als Nächstes werden die Heißluftschläuche von innen und außen über die Öffnung verbunden. Die warme Luft gelangt ins Innere. Nun kommt der Clou: Zum Fahrerhaus hin ist eine Lüftungsklappe eingesetzt, die schließt und öffnet über eine Weichensteuerung aus dem Modelleisenbahnbau. Sollen im Innenraum zum Beispiel 22 Grad erreicht werden, bleibt die Klappe geschlossen. Übersteigt die Temperatur den eingestellten Wert, öffnet die Klappe automatisch und die Luft zieht ins Fahrerhaus ab. Ein positiver Aspekt dabei: An der Windschutzscheibe bildet sich über Nacht kein Kondenswasser.
Geräte und Elektrik benötigen ausreichend Strom. Die 540-Ampere-Lithium-Batterie sitzt zusammen mit Wechselrichter, Solar-Laderegler, zwei Batterie-Ladegeräten und der restlichen Bordelektrik unterm Beifahrersitz. Hier ist jedes Kabel und jede Box beschriftet. Sein Wissen hat der Selbstausbauer aus dem Flugzeug-Modellbau. Über einen eingebauten Spannungsmesser kann Daniel Pütz jederzeit in der Tuya-App sehen, wie voll die Bordbatterie geladen ist – und die Sprachsteuerung? Bei all den Details und Erinnerungsstücken an den Holzwänden, wäre die Mini-Alexa fast nicht aufgefallen. Das kleine, schwarze Mikrofon sitzt im Heck über den Flügeltüren. Wenn diese Stimme aus dem Off doch auch all die schönen Orte sehen könnte, die Daniel Pütz mit seinem Sprinter Ragnar bereist.
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