Jetzt aber: Mit dem KIA PV5 steht bei Alpincamper endlich ein preiswerter Elektro-Camper in ordentlicher Größe zur Verfügung. Der Durchbruch?
Schon 2018 wagte man bei Alpincamper den Schritt in Richtung Elektromobilität. „Der Nissan NV200 war genial“, sagt Michi Zaiser, Chef des Isar Outdoorcenter, unter dem die Marke Alpincamper firmiert. „Nur 4,40 Meter lang, aber viel geräumiger als ein Hochdachkombi. Trotzdem, so richtig gut verkauft haben wir die Elektro-Variante nie.“ Ob die Absatzzahlen auf VW ID. Buzz merklich besser sind? Man liest zumindest viel Gegenteiliges. Zwar hat der Retro-Stromer eine doppelt so große Batterie wie der Nissan und außerdem ein richtig gelungenes Design, doch das Ladevolumen ist klein und der Preis schlicht sehr hoch.
Neben steuerlichen Vorteilen fördert die deutsche Bundesregierung Elektroautos aktuell auch wieder mit einer Kaufprämie. Wie hoch der Zuschuss ausfällt, hängt von Einkommen, Familienstand und Fahrzeugtyp ab:
Das alles soll nun besser werden dank dem KIA PV5. Der im Februar 2025 vorgestellte Elektro-Transporter misst sogar einen Zentimeter kürzer als der ID. Buzz, und doch geht der Punkt Ladevolumen mit 4,4 zu 3,9 Kubikmetern klar an die Koreaner. So auch das Thema Preise: Bei 39.190 beziehungsweise 48.368 Euro startet die jeweilige Cargo-Version. Dabei fehlt es dem KIA weder an einem eigenständigen Design noch an Ausstattung. Zumal Alpincamper den PV5 ausschließlich mit Beinahe-Vollausstattung anbietet. Mit Hubdach, Möbeln und Womo-Zulassung rufen sie knapp 55.000 Euro auf. Den Buzz gibt’s für dasselbe Geld nur gebraucht, und ein Verbrenner ist auch nicht günstiger.
Auf der Straße punktet der PV5 mit ergonomischen Sitzen (beheizt und belüftet!), feinfühligen Assistenzsystemen, einem logisch aufgebauten Infotainmentsystem und bester seitlicher Übersichtlichkeit durch die extrem tiefe Fensterlinie. Dass an den Vorderrädern ein Drehmoment von immerhin 250 Newtonmeter anliegt, ist weniger spürbar. Die Anrampung des Gaspedals ist sehr konservativ programmiert, jedoch steht ausreichend Leistung zur Verfügung, um jederzeit sicher überholen zu können. Und obwohl der PV5 wie die meisten E-Autos von KIA auf der E-GMP-Plattform basiert, gibt sich das Fahrwerk Transporter-like; mit flott abgestimmter Zugstufe, gerade an der Vorderachse, wodurch das Fahrgefühl zuweilen etwas nervös wirkt.
Gegen die Reichweitenangst greift man bei Alpincamper stets zur größeren Batterie, die nach WLTP für 412 Kilometer gut sein soll. Realistisch und mit der Option Wärmepumpe, die ebenfalls Serie ist, dürften es gut 300 sein. Wichtiger: Dank 400-Volt-Plattform und an der Schnellladesäule steigt der State of Charge innerhalb einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent. Eine Spezialität des PV5 ist die niedrige Ladekante: Trotz Höherlegung durch Alpincamper (vier Zentimeter) liegt sie nur 46 Zentimeter über dem Boden. Wer wiederum auf die Option Höherlegung und das Plus an Bodenfreiheit verzichtet, tangiert exakt die für viele Tiefgaragen relevante Zwei-Meter-Marke.
Kommen wir zu den inneren Werten: 224 Zentimeter Länge, 183 Zentimeter Breite und 146 Zentimeter Höhe bietet der Lade- respektive Wohnraum – und Stehhöhe sowie Licht und Luft durch ein klassisches Pilzhubdach vom Zulieferer Reimo, der auch die Fenster beisteuert. Der Raumeindruck ist spürbar besser als im Buzz – ein Hoch auf die Kastenform und ihre geraden Wände.
Im Heck bleibt sogar noch Platz für eine Trennwand mit Verzurrmöglichkeiten, etwa für Campingstühle und Auffahrkeile. Auch die Option Dachstauschrank bietet Alpincamper exklusiv für den KIA. Im kompakten Campingbus ist dieser freilich Gold wert, obwohl uns eine Rüttelkante fehlen würde.
Die Küchenzeile ist mit Frisch- und Abwassertank, einem Spülbecken und einer Induktionskochplatte ausgestattet. In Sachen Arbeitsfläche übertrifft der PV5 die meisten Kastenwagen – zumal mit der klappbaren Erweiterung, die von außen wunderbar auch als Stehtisch dient. Gegenüber komplettiert eine Kühlschublade die Küchenausstattung. Sie ist praktikabel und für einen Kurztrip ausreichend groß bemessen – man muss nur sichergehen, dass die Milchtüte auch wirklich dicht verschlossen ist.
Eine aufwendige Tisch-Lösung spart sich Alpincamper – einfach die Schlafcouch ein Stück weit ausziehen, dann ist die Arbeitsplatte tatsächlich gut erreichbar. Ansonsten ist das Bett auch zusammengeschoben breit genug für Alleinreisende, die im 48 Zentimeter breiten Mittelgang noch ein teures (E-)Bike transportieren können. Wer zu zweit unterwegs ist, zieht einen Sicherungssplint und dann den Lattenrost aus und nutzt die beiden Rückenpolster als zusätzliche Matratze. Der Liegekomfort ist überraschend gut, die Polsterbezüge passgenau und aus einem robusten Stoff gefertigt. Im Bereich der Schiebe- und Hecktür bleibt ausreichend Platz für die Schuhe. Einzig die mobile Trenntoilette ist dann nicht mehr nutzbar.
Im Minicamper ist das Meckern auf hohem Niveau. Spätestens wenn es draußen herbstlich wird, hat das Alpincamper-Konzept klare Vorteile gegenüber dem Auszug unter der Kofferraumklappe. Draußen kochen kann man trotzdem: Die E-Autos von KIA verfügen über die noch immer seltene V2L-Funktion, die bidirektionales Laden erlaubt und Elektrogeräte wie Induktionskocher und Tischgrills mit Energie (bis 3,6 Kilowatt!) versorgt – Standheizung und -klimatisierung inklusive. Auch die fest verbauten Verbraucher speist Alpincamper aus der Fahrbatterie des PV5. Dabei lässt sich die Restladung manuell konfigurieren. Lediglich als Pufferspeicher sind zusätzlich eine Lithium-Batterie und ein Wechselrichter mit Vorrangschaltung verbaut.
Das klingt alles nach einem größeren Schritt in Richtung campingtaugliche Elektromobilität – und es fühlt sich ehrlich auch so an. Auch Michi Zaiser ist überzeugt: „Bald fahren wir das zweite Mal elektrisch nach Marokko.“ Und er verspricht, dass im KIA noch mehr Potenzial steckt: Die Drehkonsole für den Beifahrersitz ist aktuell in der Abnahme, ein Schienensystem mit zusätzlichem Einzelsitz für den Wohnraum bereits bestellbar. Zum Spätsommer soll ein echtes Aufstelldach mit Bettgestell folgen.