> Purismus zum kleinen Preis

LMC Innovan Pure 600 im Test: Was der Campervan für unter 50.000 Euro wirklich bietet

24.09.2026
Bild & Text: Maike Leitholf

LMC reduziert auf das Wesentliche: Der Innovan Pure 600 tritt als solider Kastenwagen zum Kampfpreis ab unter 50.000 Euro an. Wie viel Vergnügen im puren Konzept steckt, verrät der Test.

Unter 50.000 Euro für einen ausgewachsenen Kastenwagen? Beim LMC Innovan Pure 600 lohnt sich der zweite Blick. Das Modell startet in Deutschland bei 49.990 Euro. Der Testwagen kostet mit Pure-Paket, Chassis-Design-Paket, Infotainment und weiteren Extras allerdings 62.930 Euro und ist somit knapp 13.000 Euro teurer als der Basispreis, mit dem der Hersteller lockt. Dennoch stellt der Pure einen vergleichsweise günstigen Einstieg in die Welt der Campervans dar. Er zeigt aber auch, wie schnell der Grundpreis zu einem deutlich höheren Rechnungsbetrag wachsen kann.

LMC richtet sich mit dem Pure ausdrücklich an Einsteiger und preisbewusste Camper. Entscheidend ist deshalb nicht, ob er Luxus bietet, sondern wie viel Gegenwert im Alltag steckt. Vorweg: Die Antwort darauf fällt überraschend positiv aus. Der Pure ist bewusst einfach gehalten, wirkt aber erwachsen, modern und ordentlich verarbeitet. Er verzichtet auf Chichi, liefert dafür einen funktionalen Grundriss und eine Ausstattung, die in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich ist. Beim Grundriss setzt LMC auf Bewährtes: Querbett im Heck, Sitzgruppe vorn, Küche an der Schiebetür und das Bad gegenüber. Für zwei Reisende passt das gut. Mit knapp sechs Metern Länge bleibt der Jumper handlich genug für Stadtverkehr, enge Stell- und Supermarktparkplätze.

Kompakt, aber alltagstauglich und mit klassischem Grundriss: Küche und Dinette liegen im vorderen Bereich, dahinter schließt sich das Schlafzimmer an. Die helle Möblierung und viele große Fenster lassen den Sechs-Meter-Van freundlich wirken.

AUCH INTERESSANT

- Anzeigen -

Camping- und Bungalowpark Ottermeer: Winter-Wonderland an der Nordsee

Dreamer Neuheiten 2027

Hvidbjerg Strand Feriepark

Das quer eingebaute Heckbett bietet eine vergleichsweise großzügige Liegefläche. Das große seitliche Fenster sowie Lesespots schaffen eine helle, gemütliche Atmosphäre.

Der Innenraum wirkt durch die helle Möblierung mit abgerundeten Kanten großzügig und freundlich. Drei Dachhauben und mehrere Fenster bringen viel Tageslicht ins Fahrzeug. Die vorgehängten Fenster sind zwar einfacher als Rahmenfenster, verfügen aber immerhin über Verdunkelungsrollos und Insektenschutz.

Auch die Hecktüren besitzen Fenster, die sich öffnen lassen. Das fahrerseitige Heckfenster gefällt besonders: Vom Bett aus lässt sich der Blick nach draußen genießen, gleichzeitig kann bei geöffnetem Fenster Luft durch den Schlafbereich ziehen. Bei rund 40 Grad am Tag und wenig Abkühlung in der Nacht erwiesen sich die zahlreichen Lüftungsmöglichkeiten als großer Vorteil.

Als Basis dient der Citroën Jumper mit 140 PS. Serienmäßig geht die Motorkraft an ein Sechsgang-Schaltgetriebe, der Testwagen war dagegen mit der optionalen Achtgang-Automatik ausgestattet. Im Test begnügte sich der Pure mit 8,6 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Bis etwa 120 km/h bleibt es angenehm ruhig im Fahrzeug, darüber nehmen die Windgeräusche der Dachhauben merklich zu. Der Innenausbau hinterlässt einen für die Preisklasse ordentlichen Eindruck und bleibt während der Fahrt weitgehend ruhig und klapperfrei.

Die Schubladen schließen sanft mit Softclose, die Klappen werden per Push-Lock gesichert. Die bei der Baureihe verwendeten Materialien mögen einfacher sein als bei teureren Modellen, einen billigen Gesamteindruck hinterlässt der Pure jedoch nicht. Sich lösende Kantenumleimer, Kunststoffverkleidungen und die eher funktionale Beleuchtung erinnern allerdings daran, dass hier konsequent auf den Preis geachtet wurde.

An das Heckbett schließen sich fahrerseitig das Bad, ein Kleiderschrank und die Halbdinette an.
Der große Tisch bietet mit rund 127 Zentimetern Länge und 51 Zentimetern Breite ausreichend Fläche für Mahlzeiten. Die ausdrehbare Erweiterung ist Teil des Pure-Pakets.

Vorn entsteht aus den drehbaren Fahrerhaussitzen und der Sitzbank eine klassische Halbdinette. Das Sitzgruppenpodest mit integriertem Stauraum sorgt für eine angenehme Sitzhöhe auf den dreh- und höhenverstellbaren Vordersitzen. Die Rückbank eignet sich aufgrund der recht steilen Lehne eher zum Essen als zum entspannten Lümmeln. Dafür lassen sich die Vordersitze weit zurückstellen und werden fast zu Liegesesseln – praktisch, wenn man abends gemütlich einen Film schaut. Die TV-Vorbereitung befindet sich bereits über der Sitzbank.

Auch bei der Serienausstattung ist der Pure schon ordentlich ausgestattet. Die Basisausstattung bringt zwei Isofix-Plätze, Parksensoren hinten, Tempomat, Fahrermüdigkeitserkennung, Verkehrsschildererkennung sowie die manuelle Klimaanlage im Fahrerhaus mit. LMC ergänzt unter anderem noch Markise, Fliegengittertür, Ladebooster, 95-Ah-AGM-Aufbaubatterie, Gasheizung und einen Rauchmelder.

Das Pure-Paket kostet 2.990 Euro und bündelt mehrere sinnvolle Erweiterungen. Dazu gehören eine elektrische Einstiegstufe, die Rückfahrkamera, Plissee-Verdunklung im Fahrerhaus, eine 70 mal 50 Zentimeter große Dachhaube über der Sitzgruppe, ein isolierter und elektrisch beheizbarer Abwassertank, TV- und Solar-Vorverkabelung sowie die Möglichkeit, die Sitzgruppe zum Bett umzubauen. Wer den Pure 600 kauft, sollte deshalb nicht nur auf den Einstiegspreis von 49.990 Euro schauen.

Die Verdunkelungsplissees gibt’s mit dem Pure-Paket.

Die Küche ist kompakt, lässt sich aber gut nutzen. Der Zweiflammkocher mit Piezozündung bietet Platz für zwei kleinere Töpfe nebeneinander, während die geteilte Glasabdeckung zusätzliche Arbeitsfläche schafft. Der 69-Liter-Kompressorkühlschrank besitzt ein Eisfach und lässt sich auch von außen öffnen.

Zum Pure-Paket kommt auch eine vollständige Duschausstattung samt Duschwanne, Duschvorhang und ausziehbarer Handbrause hinzu. Das Ausstellfenster sorgt für zusätzliche Belüftung und die sehr praktische Möglichkeit, die Handbrause als Außendusche zu nutzen. Im Bad können Camper bis zu einer Körpergröße von knapp 1,90 Meter problemlos duschen, auch wenn sich der Vorhang dabei gerne mal an den Körper anschmiegt. Die Stehhöhe im Gang und im Bad beträgt 189 Zentimeter.

Hinten liegt ganz klassisch das Querbett mit 195 mal 147 bis 155 Zentimetern Liegefläche und einer zwölf Zentimeter dicken Kaltschaummatratze auf einem herausnehmbaren Lattenrost in der Mitte. Der Liegekomfort ist ausreichend, allerdings kommen die Kopfkissen großgewachsener Camper nachts gegebenenfalls mit der Verdunkelung des seitlichen Fensters in Berührung. Unter dem Bett bietet die Heckgarage Platz für Gepäck, und die Bauteile sowie Polster für das 185 mal 88 bis 105 Zentimeter große Zusatzbett, das sich vorne aus der Sitzgruppe bauen lässt. Mit dem optionalen Aufstelldach sind je nach Konfiguration sogar bis zu fünf Schlafplätze möglich. Für Wärme und Warmwasser sorgt eine Truma Combi 4 mit 10-Liter-Boiler.

Mit 100 Litern Frischwasser und 90 Litern Abwasser bringt der Pure gute Voraussetzungen für ein paar Tage unabhängig vom Campingplatz mit. Limitierender ist bei längeren Standzeiten eher die 95-Ah-AGM-Aufbaubatterie.

Die Heckgarage misst 137 mal 92 Zentimeter bei gut 70 Zentimetern Höhe. Unterkonstruktion und Matratze des Zusatzbetts nehmen einiges davon in Anspruch. Links im Schrank finden zwei 11-Kilo-Gasflaschen Platz.
Markise und Insektenschutztür sind bereits Serie beim Pure.

Unterm Strich zeigt der Innovan Pure 600, dass ein günstiger Campingbus nicht automatisch nach Sparmodell aussehen muss. Auch wenn LMC hier einfachere Lösungen und Materialien verwendet, eignet sich der Kastenwagen wunderbar für den typischen Camping-Urlaub zu zweit oder dritt. Der Grundriss funktioniert, der Ausbau wirkt solide und ist hell.

Die Serienausstattung fällt angesichts des günstigen Einstiegspreis schon ganz ordentlich aus. Insgesamt ist der Innovan für Einsteiger und preisbewusste Camper ein durchaus attraktives Angebot. Mindestens das Pure-Paket und ein paar weitere Extras sollten jedoch einkalkuliert werden – schon weil der große Möbelkorpus ohne Duschausstattung, allein als Toilettenraum, nur wenig Sinn ergibt.

AKTUELLE AUSGABE
6/2026
Abo
abschließen,
Prämie
sichern!
Akuelle image