> Test Westfalia Kipling: Campingbus mit festem Heck-Querbett

Campingbus mit festem Heck-Querbett: Westfalia Kipling im Test

03.11.2026
Bild & Text: Mathias Piontek

Der Westfalia Kipling bietet vier Sitz- und vier Schlafplätze – ohne Umbau der Sitzbank. Wir haben den Campervan auf Ford Transit Custom in Frankreich ausprobiert.

Möglichst viel Nutzen auf möglichst wenig Fläche – das ist die Quadratur des Kreises, an der sich fast alle Hersteller von Campingbussen versuchen. Oft von vornherein gesetzt: Die verschiebbare Sitzbank lässt sich zur Liegefläche umbauen. Dieser Doppelnutzen bringt Platzersparnis, doch erkauft der Urlauber sich dies oft mit Kompromissen beim Liegekomfort und nächtigt dann doch oft auf konturierten Sitz- und Rückenpolstern oder auf den ebenfalls nicht übermäßig bequemen, meist sehr straffen Polster-Rückseiten des Gestühls. Ein Topper schafft Abhilfe, beansprucht aber wiederum Platz.

Eine andere Lösung bietet Westfalia in seinem neuen Modell Kipling auf Basis des 5,45 Meter langen Ford Transit Custom II mit 2,0-l-Turbodiesel mit 100 kW/136 PS, optional mit 125 kW/170 PS. Gleich auf den ersten Blick fallen im Innenraum einige Besonderheiten auf. Zum einen fehlt an der fahrerseitigen Seitenwand der Küchenblock, denn den installiert der Hersteller wie bei einem Kastenwagen am hinteren Ende der Schiebetüröffnung. Warum? Weil der Westfalia mit dem Kipling-Paket unter anderem eine zweite Schiebetür bietet.

Bei geöffnetem Aufstelldach genießt der Redakteur ein tolles Raumgefühl. Das Beste: Zur Nacht kann die Sitzgruppe so bleiben, wie sie ist. Die Beinfreiheit und die Größe der Tischplatte gehen voll in Ordnung.

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Eigentlicher Clou ist aber das Doppel-Querbett im Heck: Es bezieht die Zweier-Sitzbank davor nicht mit ein, die Sitzgruppe bleibt damit zu jeder Zeit voll nutzbar.

Die geschickte Aufteilung des Innenraums beschert den bis zu vier Urlaubern im Westfalia Kipling viel Platz. An der Sitzgruppe mit drehbaren Vordersitzen und bequemer Sitzbank gefällt der Tisch mit großer Platte. Die fahrerseitige Schiebetür ist Bestandteil des Kipling-Pakets.

Gegenüber der Küche eine weitere Besonderheit: Hier baut der Campervan-Spezialist jenseits des Mittelgangs den Kühlschrank ein und darunter ein ausziehbares Dreh-WC. Eine Kombination, die sicherlich Geschmacksache ist. Nach Aufstellen des Schlafdachs komplettiert eine Liegefläche für zwei weitere Urlauber den Grundriss.

Eingeschoben verschwindet das Dreh-WC von Thetford hinter einem Kunststoff-Rollo unter dem 51-Liter-Kompressorkühlschrank. Darüber stellt Westfalia einen Klappspiegel bereit.

Weil Westfalia zur französischen Rapido-Gruppe gehört, entstehen einige Modelle bei Fleurette. So hatten wir die Gelegenheit, den Westfalia Kipling in der Region Nouvelle-Aquitaine auszuprobieren. Vom Fleurette-Werk im 4.059-Seelen-Ort Benet bei Niort in der Region Pays de la Loire führt unsere Fahrt über Coulon und Sansais nach Mauzé-sur-le-Mignon und von dort schnurstracks in Richtung Atlantik. Gegen Aufpreis ist unser Fahrzeug mit 2,0-Liter-Turbodiesel mit 125 kW/170 PS, Achtgang-Automatikgetriebe und Allradantrieb ausgestattet. So fährt sich das wendige Vierer-Mobil auf Ford Transit Custom wie ein Pkw. Der 4×4-Antrieb macht den Westfalia nicht zum Geländewagen, nimmt aber rutschigen Schotterwegen und feuchten Wiesen den Schrecken. Und als das Navi uns zum zweiten Mal falsch leitet, gelingt mit 3,5 Metern Radstand auch der U-Turn auf freier Route noch problemlos. Die Geräuschkulisse während der Fahrt ist angenehm. Motor- und Windgeräusche halten sich zurück, auch am Westfalia-eigenen Aufstelldach entsteht kaum ein Rauschen. Möbelklappern? Fehlanzeige.

In Châtelaillon-Plage finden wir am Ortsrand ein schönes Plätzchen an der Küste. Es ist immer wieder faszinierend, dem Spiel der Gezeiten zuzuschauen. Was liegt hier näher, als eben mal das Schlafdach aufzustellen und dem Treiben der Wellen vom Oberstübchen aus zuzusehen? Schnell die klappbare Leiter einhängen und ab nach oben. Die 181 x 128/120 Zentimeter große Matratze ist mit vier Zentimetern Dicke zwar recht dünn, liegt aber auf unterlüfteten Federtellern von Clima Plux, so dass der Liegekomfort besser ist als gedacht.

Nach Öffnen der Stoffwände vorne und an den Seiten fällt der Blick durch Moskito-Gaze, die sich leider nicht öffnen lässt. Durch ihr feinmaschiges Netz ist der Blick etwas getrübt. Was aber schwerer wiegt: Das Dachgeschoss wird so zur Insektenfalle.

Ins Oberstübchen gelangt man einfacher über eine stabile, raumsparend klappbare Aluleiter zum Einhängen aus dem Kipling-Paket.

Ansonsten aber überzeugt das Schlafdach mit solider Scherenmechanik, kräftigen Gasdruckdämpfern als Aufstellern und isolierter Dachschale. Tagsüber gleitet die zweiteilige Liegefläche von vier Gasdruckdämfern angehoben hoch an die Unterseite des Aufstelldachs. Zwei LED-Schwanenhalsleuchten mit USB-Steckdose im Bereich des Kopfendes lassen sich von Wohnraum und Dachbett aus nutzen. Nach kurzer Siesta bei Meeresrauschen gefällt beim Absenken der sauber verarbeiteten GfK-Schale die ebenso einfache wie wirksame Verriegelung mit zwei Zurrgurten.

Die Federteller befestigt der Hersteller an Aluminium-Traversen mit Stoffbespannung an der Unterseite.
Im Dachbett genießen zwei Reisende guten Liegekomfort und bei geöffneten Stoffwänden trotz Moskito-Gaze gute Aussicht. Der Abstand der Liegefläche zur Unterseite der isolierten GfK-Dachschale beträgt 32 bis 82 Zentimeter.

Zeit für einen Espresso aus der guten alten Bialetti. Den Zweiflamm-Gasherd von Dometic mit elektrischer Zündung, Glasdeckel und 21 Zentimetern Brennerabstand lässt der Hersteller neben der Rechteckspüle in der mit 97 Zentimetern erfreulich breiten und rund 37 Zentimeter tiefen Arbeitsplatte ein. Die hochaufragende Metallarmatur versorgt eine Druckwasserpumpe. Das ist bei Campingbussen nicht selbstverständlich. Ein nach vorne öffnender Auszug sowie zwei große Schubladen bunkern Geschirr und Proviant. Für zwei Urlauber reicht das Stauraumvolumen der Küche gut aus, bei vier Campern ist der Platz naturgemäß recht knapp.

Die Küche an der beifahrerseitigen Schiebetür gefällt mit vergleichsweise großem Herd, großer Rechteckspüle und Wasserversorgung per Druckwasserpumpe. Auch Ausleuchtung und Stauraumangebot gehen voll in Ordnung.

Das Gleiche gilt für den 51-Liter-Kompressorkühlschrank von Vitrifrigo, den Westfalia jenseits des Mittelgangs und dort unmittelbar über dem Auszug für die drehbare Kassettentoilette einbaut. Über diesem Ensemble hat der Hersteller an einen klappbaren Spiegel gedacht.

An der Sitzgruppe, bestehend aus der mit 91 Zentimetern recht breiten Zweier-Sitzbank mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten und hohen Kopfstützen, dem Tisch sowie den dreh- und höhenverstellbaren Vordersitzen mit je zwei Armlehnen finden zwei Leute bequem, vier Urlauber ausreichend Platz. Auch die Beinfreiheit geht in Ordnung. Und mit 83 x 59 Zentimetern ist die Tischplatte im kompakten Westfalia Kipling sogar größer als in so machem Reisemobil. Dank Klappbeinen an der Tischplatte lässt sich dieses Möbel auch freistehend draußen nutzen. Für die Fahrt findet sie ihren Platz an der Innenseite der Heckklappe, wohingegen das zentrale Tischbein für drinnen in einer Halterung links im Heck unterkommt. Diese Lösung spart Platz, allerdings belastet sie die Gasdruckdämpfer zusätzlich, was mit den Jahren zu erhöhtem Verschleiß führen kann.

Heckstauraum erweitern: Einfach hintere Betthälfte nach vorne schieben oder Matratzen und Roste entnehmen. Das Tischbein kommt links im Heck unter, die Platte des auch draußen nutzbaren Tischs an der Heckklappe.

Das Doppel-Querbett im Heck des Westfalia Kipling ist ein echtes Kaufargument: Über dem Heckstauraum besteht es aus zwei 64 und 64/60 Zentimeter breiten Matratzen und kommt inklusive Zusatzpolster für Kopf- und Fußende auf 1,88 Meter Länge. Um das verschiebbare Dreh-WC sowie einen Schrank auf der gegenüberliegenden Seite besser zu erreichen, lässt sich der vordere der beiden Holzlattenroste in den hinteren schieben. Wer mit den 188 Zentimetern Bettlänge klarkommt, für den ist das Heckbett gegenüber dem ebenfalls bequemen Schlafdach die komfortablere Wahl. Licht spenden hier vier LED-Einbauspots.

Die seitlichen schwarzen GfK-Ohren ermöglichen immerhin 1,88 Meter Länge beim Heck-Querbett.

Schiebt man den hinteren Holzlattenrost des Doppel-Querbetts in den vorderen oder entfernt beide Matratzen und Holzlattenroste aus dem Kipling, vergrößert sich die Höhe des 111 Zentimeter langen und 107 Zentimeter breiten Heckstauraums von 70/75 Zentimetern auf 133 Zentimeter bis unter das Dachbett. Dann passt auch sperriges Urlaubsgepäck in den 5,45-Meter-Campingbus. Hierfür rüstet Westfalia den Heckstauraum dank Kipling-Paket mit zwei Schienen für verschiebbare Zurrösen sowie mit zwei fest montierten Zurrösen aus. Ein schwenkbarer LED-Einbauspot hilft beim Be- und Entladen im Dunkeln.

Die Holzlattenroste liegen auf Eckprofilen auf und lassen sich ineinander schieben oder aus dem Fahrzeug entnehmen. Im Zusammenspiel mit den beiden acht Zentimeter starken Matratzen ergibt sich sehr guter Liegekomfort.

Der Gasflaschenkasten befindet sich im Heckstauraum hinten rechts. Sein Holz-Korpus ist mit Slilikon, die Holztür mit einem Gummiprofil abgedichtet. Für den zweiflammigen Herd sowie den optionalen Warmwasserboiler reicht die für den Gasflaschenkasten vorgesehene 2,75-Kilogramm-Gasflasche gut aus.

Den Innenraum temperiert eine 2,2-kW-Diesel-Luft-Heizung von Eberspächer, unterflur installiert vor dem linken Hinterrad. Warmwasser für die Küchenarmatur sowie für die im Heckstauraum installierte Außendusche liefert ein Zehn-Liter-Gas-Warmwasserboiler von Truma aus dem Kipling-Paket, eingebaut in der Sitzbanktruhe. In der der Konsole des Beifahrersitzes hingegen kommt der ebenfalls im Kipling-Paket gelistete AGM-Bordakku mit 92 Ah Kapazität unter.

Der Ausflug mit dem Kipling an die Atlantikküste hat einmal mehr gezeigt, wie sehr es Westfalia versteht, praxistaugliche, kompakte Campervans zu bauen.

Über dem Kompressorkühlschrank mit klappbarem Spiegel darüber bringt Westfalia das zentrale Bedien- und Infopaneel sowie die Bedienteile für Dieselheizung und Warmwasserboiler unter. Der große Drehknopf ist der Regler für die optional dimmbare LED-Beleuchtung.
Der Westfalia Kipling basiert auf dem 5,45 Meter langen Ford Transit Custom mit 3,50 Metern Radstand. Das Aufstelldach ist eine bewährte Westfalia-eigene Konstruktion.

Technische Daten: Westfalia Kipling

  • Basisfahrzeug: Ford Transit Custom II 2.0 EcoBlue; Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue; Hubraum: 1.995cm³; Leistung: 125 kW/170 PS bei 3.500/min; max. Drehmoment 390 Nm bei 1.750/min; Achtgang-Wandlerautomatik, 4×4-Antrieb; Abgasnorm Euro 6e.
  • Maße und Massen: (L x B x H) 545 x 203 x 204 cm, Radstand: 350 cm, Masse in fahrbereitem Zustand: 2.600 kg*; zulässige Gesamtmasse: 3.300 kg.
  • Aufbau und Ausbau: Stahlblechkarosserie (L2) mit GfK-Aufstelldach und GfK-Verbreiterungen; Isolierung: PU-Schaum und XHP, Wärmeschutzverglasung mit versenkbaren Seitenscheiben in Vordertüren und Schiebefenstern in Schiebetüren; Stoffplissees zum Abdunkeln, Innenverkleidung teils Kunststoff, teils Textil; Möbelbau Sperrholz/Multiplex; Zweier-Sitzbank mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten und Isofix.
  • Betten: Querbett (L x B): 188 x 64+64/60 cm; Dachbett (L x B): 181 x 128/120 cm.
  • Füllmengen: Frischwassertank: 50 l in Heckstauraum; Abwassertank: 50 l unterflur, nicht isoliert/beheizt; Kühlschrank: 51 l; Gas: 2,75 kg; Diesel 55 l, AdBlue 21 l.
  • Serienausstattung (Auszug): Ford Drive-Pack mit Spurhalteassisstent, Warnung bei Gegenverkehr, Aufmerksamkeitsassistent, Einparkhilfe vorne/hinten, Pre-Collision-Assistent und Verkehrsschildererkennung; Rückfahrkamera; Audio-System; 13-Zoll-Display, Android Auto/Apple CarPlay; Alufelgen; Diesel-Heizung Eberspächer 2,2 kW.
  • Sonderausstattung (Auszug): 170 statt 130 PS und Achtgang-Automatik (5.800 €); 4×4-Antrieb und 3.300 statt 3.200 kg zulässige Gesamtmasse (4.400 €); Kipling-Paket u. a. m. AGM-Aufbaubatterie 92 Ah, fahrerseitiger Schiebetür, 10-l-Warmwasserboiler, Fensterplissees; Campingmöbel (1.450 €).
  • Testverbrauch: 7,4 l.
  • Grundpreis: ab 67.990 €, Testwagen: 80.585 €
Grundriss Westfalia Kipling
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