Sie können also doch auch anders in Aulendorf: Der Relax ist ein großer Schritt in Sachen Designsprache – und spürbar günstiger eingepreist. Gibt es auch einen Haken?
Nicht, dass die bisherigen Malibus nicht ansehnlich waren. Das Interieur unseres letzten Testwagens haben wir als gediegen, aber keineswegs altbacken beschrieben. Und die organische Formsprache gelobt, die wie aus einem Guss wirkt. Nur: Nachgefragt wird derzeit eher ein geradliniger Möbelbau mit klaren Linien. Das Gros der Kastenwagen-Kundschaft möchte mattschwarze Schalter anstelle von verchromten und, na klar, günstige Einstiegspreise.
Genau diese Themen geht Malibu mit der neuen Baureihe Relax an. Der Hersteller spricht vom Einstieg in die Premium-Welt, der zunächst als klassischer 640er mit Längsbetten startete und künftig auch mit Hubbett zu haben ist. Die Preisliste beginnt schon bei 59.470 Euro. Dazu kommt allerdings noch eine der drei obligatorischen Ausstattungslinien: Der aufs Wesentliche reduzierte Active, der komfortable Ambition oder der umfangreich ausgestattete Exclusive. Ehrlicherweise liegt die UVP also mindestens bei 65.220 Euro – oder 77.250 Euro für unseren Testwagen mit Ambition-Paket. Dann ist die Ausstattungsliste (siehe technische Daten) schon ordentlich lang. Gut ist auch, dass es neben den Paketen auch Einzeloptionen gibt. Man wird also nicht zur Vollausstattung gezwungen, wenn man seinen Relax beispielsweise mit einer Markise ausstatten möchte.
Auch bleibt es bei den klassischen Tugenden der Marke Malibu: Sehr gut nutzbare Stauräume, ein Lichtkonzept mit mehreren Ebenen oder den Möbelbau mit Doppel-Verbindung (verschraubt und verzapft) sowie mit wertigen Auszügen und Scharnieren gibt es auch im Relax. Wände und Decke sind mit einem atmungsaktiven Stoff kaschiert, großflächige Verkleidungsteile aus Kunststoff sucht man vergebens. Tatsächlich wirkt der Relax moderner und vor allem aufgeräumter als die anderen Baureihen aus Aulendorf. Die neue Designsprache kombiniert anthrazitfarbene Oberflächen mit dem neuen Holzdekor Nussbaum – inklusive Haptik der Maserung. Die Klappen der Dachstauschränke sind nun plan statt konvex und haben grifflose Klappen. Ganze 18 LED-Spots leuchten den Wohnraum wirklich vorbildlich aus.
Eine echte Besonderheit ist der riesige Eingangsbereich mit 92 Zentimeter breitem Durchstieg vor dem Küchenblock. So, und weil das Staufach über dem Fahrerhaus entfällt, entsteht richtig viel Bewegungsfreiheit. Ausnahme: Das unnötig tiefe Oberschränkchen über der Schiebetür, hinter dem Malibu das Bedienpanel versteckt und an dem man sich gerne den Kopf stößt.
Relaxen lässt es sich ganz gut an der Halbdinette des Relax. Neben der bereits erwähnten, gelungenen Beleuchtung und der textilen Wandverkleidung, in die das Verdunkelungsrollo sauber integriert ist und die sich bis über die B-Säule spannt, punktet besonders die Rückbank mit ihrer ergonomisch geformten Lehne. Gegen 269 Euro Aufpreis verfügt sie über eine Isofix-Halterung. Im Testwagen sorgt ein durchaus brauchbares Soundsystem für akustische Unterhaltung ohne Stauraumverlust. Der Tisch steht stabil, misst 91 x 54 Zentimeter und verfügt über eine 38 Zentimeter breite Erweiterung. Damit sollten zwei Personen locker auskommen. Abstriche gibt es auch, aber die tun nicht weh: Beispielsweise verzichtet Malibu am Staufach im Podest der Sitzgruppe auf die Scharniere. Gleiches gilt für das Schneidebrett, das der Hersteller für üblich in die Spülabdeckung der Küche integriert.
Auf der Habenseite stehen geräumige Schubladen inklusive Besteckeinsatz, dessen Trennwände vielleicht ein wenig hoch geraten sind für kleine Löffel. Spüle und Zweiflammkocher (mit elektrischer Zündung) sind als separate Geräte ausgeführt und entsprechend großzügig dimensioniert. Der Kühlschrank kommt stirnseitig unter und arbeitet mit Kompressor-Technik, jedoch ausreichend leise. Seine Tür ist beidseitig angeschlagen, das Gefrierfach entnehmbar. Dann stehen 70 Liter Rauminhalt zur Verfügung, was ebenfalls genügen sollte für zwei Personen und drei, vier Campingtage. Es ist mehr die Arbeitsfläche, die für aufwendige Gerichte etwas zu knapp ausfällt – zumindest, wenn gleichzeitig die Spüle benötigt wird. Eine klappbare Arbeitsflächenerweiterung bietet der Konfigurator im Paket mit dem beschriebenen Schneidebrett für 240 Euro Aufpreis.
In der Nasszelle entfällt der für Malibu typische Schwenkmechanismus für die Toilette. Stattdessen gibt es so etwas wie eine Badekappe fürs WC und einen knappen Vorhang, der Waschtisch und Spiegel vor Spritzwasser schützt. Klingt gewöhnungsbedürftig, funktioniert in der Praxis aber ganz wunderbar – beim Duschen und auch beim Putzen, weil es weniger enge Nischen und versteckte Ecken gibt. Extrapunkte sammeln die raumsparende Glieder-Schiebetür und die dunkle, viel weniger empfindliche Duschtasse mit niedriger Schwelle und sinnvoll platzierten Abflüssen. Sie ist ganz ordentlich abgedichtet, der Kassettenschacht wenigstens abgekapselt. In den übrigen, klassischen Test-Disziplinen gibt es Schulnoten zwischen gut (Beleuchtung/Belüftung) und befriedigend (Stauraum). Mehr als ein Gag ist die Haube fürs WC nicht. Wenn gerade geduscht wurde, bekommt man so zwar keinen nassen Hintern, aber weiterhin nasse Füße.
Platz für Gepäck und vor allem für Bekleidung findet sich eher im Heckbereich, dort aber fast ohne Ende. Zusätzlich zu den innenbeleuchteten Dachstauschränken gibt es beifahrerseitig einen großen Kleiderschrank, gegenüber Schubladen und ein riesiges Wäschefach. Der Kleiderschrank sollte allerdings nicht zweckentfremdet werden: Die nackte Dämmmatte aus PU ist empfindlich. Auch die Stufe zum Bett lässt sich als Staufach nutzen – oder unkompliziert ausbauen, um durchladen zu können. Die Heckgarage dahinter ist mit Zurrösen ausgestattet und lässt sich optional mit einem Zwischenboden (210 Euro) konfigurieren.
Die beiden Längs-Einzelbetten geben ebenfalls kaum Anlass zur Kritik. Der Liegekomfort ist hoch, der breite Zustieg sehr bequem. Die jeweils zehn Zentimeter starken Matratzen haben Öko-Tex-zertifizierte Bezüge und liegen durchweg auf einem Holzlattenrost – sogar für die Revisionsöffnungen des Frischwassertanks gibt es solche im Miniaturformat. Wenigstens eine Bettseite misst knapp zwei Meter, bis zu den Hecktüren sogar noch etwas mehr. Clever: An der gefährdeten Längsseite werden die Verdunkelungsplissees durch Holzblenden geschützt. Zudem gibt es beidseitig offene Ablagen für Kleinkram wie Brille und Smartphone, USB-Steckdosen sowie separat schaltbare Leuchten am Kopfende.
Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Einen Haken gibt es, abgesehen vom Trick mit dem Grundpreis und den obligatorischen Ausstattungspaketen, eigentlich nicht. Die neue Baureihe Relax ist in jeder der drei Ausstattungslinien fair eingepreist und mit dem getesteten Ambition-Paket bleiben so gut wie keine der üblichen Ausstattungswünsche offen. In Sachen Verarbeitung liegt der Malibu Relax auf dem Niveau seiner Schwestermodelle. Da darf der neue Look guten Gewissens kaufentscheidend sein.