Der kompakte Alpincamper Opel Combo setzt mit dem Dangel-Allradantrieb auf eine elektrische Hinterachse, die sich bei Schlupf automatisch zuschaltet.
Offroad-Klassiker wie der kultige Fiat Panda 4×4 und der Toyota Land Cruiser LJ70 zeigten schon vor Jahrzehnten, dass kompakte Maße und moderates Gewicht eines Fahrzeugs in schwierigem Gelände von Vorteil sind. Der Panda in erster Generation konnte zudem sogar mit umgelegten Sitzen als Mikro-Camper genutzt werden. Heute bieten Manufakturen wie Alpincamper im bayerischen Lenggries weit komfortablere Lösungen an, so zum Beispiel den kompakten Opel Combo 4×4 mit festem Campingausbau sowie elektrisch angetriebener Hinterachse. Dieses interessante 4WD-System stammt vom französischen Allrad-Spezialisten Dangel. Der weiß lackierte Alpincamper mit Aufstelldach begleitete die Redaktion der CamperVans im August auf unserer Offroad-Leserreise durch die Pyrenäen. Dafür hieß es zunächst von Oberbayern aus einmal von Nord nach Süd durch Frankreich bis hinter die spanische Grenze bei Le Perthus zu kommen – mehr als 1.200 Kilometer auf Asphalt. Darauf folgten fünf Tage mit zehn weiteren Fahrzeugen auf Offroad-Tracks – entlang der spanisch-französischen Grenze, auf Hochgebirgsstraßen, durch Nationalparks und über einen Schmugglerpfad. Die Wege teils steinig und eng und die Gelegenheit, das Können des halbelektrischen Dangel-Antriebs abseits befestiger Wege auf die Probe zu stellen.
Dangel ist als kompetenter Spezialist für die Allrad-Aufrüstung von Vans aus dem Stellantis-Konzern bekannt. 2021 verließen die Werkshallen noch rund 3.500 Fahrzeuge mit Kardanwelle und per Knopfdruck aktivierbarer Viskokupplung. Die leitet die Motorkraft, sobald Schlupf an den Vorderrädern entsteht, an die Hinterachse. Seitdem erhöhten sich jedoch die Hürden bei der Zulassung. Die Emissionsnorm Euro 6 war mit den auf Allradantrieb umgerüsteten Ducatos schlicht nicht zu erreichen. Auch Assistenzsysteme wie der Notbrems- oder der Spurhalteassistent, die heute Vorschrift sind, waren mit dem damaligen Dangel-Allrad nicht kombinierbar.
Doch Dangel gab nicht auf und entwickelte für die Bus- und Hochdachkombi-Klasse von Stellantis einen Hybridantrieb – nur eben nicht, um den Verbrauch zu beschönigen oder für CO2-neutrale innerstädtische Pendelstrecken. Das neue Konzept besteht aus einer autonom arbeitenden, elektrisch angetriebenen Hinterachse, die den Verbrenner im Gelände unterstützt und sich im „Auto“-Modus bei Bedarf selbstständig zuschaltet. Die Vorderräder werden wie gewohnt vom Verbrenner angetrieben. Sobald die elektronische Steuerung dort einen Traktionsverlust erkennt, wird das System, bestehend aus E-Motor und 45-Volt-Akku mit 4,7 Kilowattstunden Kapazität, für den Allrad-Einsatz aktiviert. Die Batterie wird während der Fahrt per Rekuperation und durch die Lichtmaschine geladen.
Wertvolle Unterstützung liefern auch die zuschaltbare 100-Prozent-Differenzialsperre an der Dangel-Hinterachse und eine zweite Untersetzungsstufe, der „Low“-Modus. Mit diesem lässt sich das Drehmoment des E-Motors bis Tempo 45 auf beachtliche 1.600 Newtonmeter anheben. Der Allradantrieb kann über den für Dangel typischen Drehschalter konfiguriert werden. Für die nötige Fahrsicherheit sorgt ein ESP, das zusammen mit Bosch speziell für den neuen Antriebsstrang abgestimmt wurde. Außerdem wird die Karosserie um satte sechs Zentimeter höhergelegt und der Antriebsstrang mit einem robusten Unterfahrschutz versehen. Macht alles in allem ein Mehrgewicht von 150 Kilogramm – was im Minicamper-Format nicht ganz so tragisch ist wie bei den Kastenwagen. 825 Kilogramm Zuladung sind mehr als ausreichend.
Auf den Passstraßen zeigt sich der Opel Combo 4×4 wie erwartet sehr wendig. Dank guter Federung geht es sanft über Erdhügel und in unzähligen Kurven auf steinigen Pfaden in die Gebirgshöhen. Die Anstiege meistert der 130 PS starke Turbodiesel ohne Probleme. An engen Stellen gilt es, teils über die Böschung Platz für Gegenverkehr zu machen. Hier punktet der kompakte Alpincamper gegenüber manchem Kastenwagen mit niedrigerem Schwerpunkt und mehr Kippstabiliät, auch bei steileren Böschungswinkeln. Und während aus den Fenstern des Offroad-Sprinters zwei Fahrzeuge weiter vorn in den Weg stehende Äste fleißig mit Gartenschere gekappt werden, um tiefe Kratzer im Lack zu verhindern, schlüpft der nur 1,88 Meter hohe Combo einfach unter den Baumkronen hindurch.
Die automatische Zuschaltung der Dangel-Hinterachse passiert wie von Zauberhand. Teilweise reagiert der elektrische Allradantrieb etwas zeitversetzt, was in der Regel jedoch nicht groß auffällt – lediglich auf sehr steiler Steinpiste. Hier beschleunigt das Dangel-System nach dem Rückschalten etwas zu schnell, so dass der Combo einen Satz nach vorne macht und vom Fahrer gegengesteuert werden muss. Für die Praxis heißt das, einfach in den manuellen oder „Low“-Modus wechseln, um die Geschwindigkeit feiner steuern zu können.
Trotz zahlreicher Schotterpisten ist vom Campingausbau kaum etwas zu hören. Das Gepäck ist sicher im Fußraum untergebracht, denn im Opel Combo lässt sich die Sitzfläche des Beifahrersitzes hochklappen. An den Fahrersitz schließt eine ausziehbare Längscouch. Darunter befindet sich eine Kühlschublade. Die Couch dient zudem als Bett. Zieht man den Sicherheitssplint im Lattenrost heraus, kann die Liegefläche bis an die Küchenzeile erweitert werden und reicht für Zwei. Die beiden Rückenpolster werden hierfür als zusätzliche Matratze genutzt. Seit Neuestem gibt es den Alpincamper auch mit Aufstelldach, alternativ bietet ein Pilzhubdach Stehhöhe.
Gegenüberliegend zum Bett verläuft die Küchenzeile mit Spüle und Gaskocher. Für zusätzlichen Stauraum sorgt eine Packtasche. Die Fenster lassen sich mit Stoffvorhängen abdunkeln, die mittels am Saum eingelassener Magnete halten, und der Vorhang hinter der Sitzbank ist mit zwei Handgriffen zugezogen und erschafft einen privaten, gemütlichen Raum. Alles in allem ist der Alpincamper 4×4 simpel, minimalistisch schön und dabei unglaublich praktisch. Der Dangel-Allradantrieb sorgt dazu für jede Menge Fahrspaß.