> Abschluss: Dauertest Ahorn Van 550

Treuer Begleiter

20.02.2023

Auch der bewegteste Dauertest geht einmal zu Ende. Nach über 28 Testmonaten geht der Ahorn Van 550 zurück in seine pfälzische Heimat und wir ziehen ein Resümee.

Rekordverdächtig: So lange wie der Ahorn Van 550 musste sich bisher kein Campervan in unserem Dauertest beweisen. Über 28 Monate beziehungsweise durch nun 15 Heftausgaben hat er die Redaktionsmitglieder und euch Leser begleitet. Mit einem Basispreis von aktuell 51.800 fällt der Van ins Segment der preisorientierten Einsteigerklasse, auch wenn unser Dauertest mit fast allen Extras fürs Basisfahrzeug deutlich teurer ist.

Auch wenn der Alltagsanteil pandemiebedingt zunächst hoch ausfiel, gab es doch genug Gelegenheit für uns, mit dem Ahorn auf Tour zu gehen.

Um ganz ehrlich zu sein, hätten wir in der Redaktion nicht so recht geglaubt, dass der Ahorn richtig lange durchhalten würde. Zu viele Hände, dazu noch ungeübte aus anderen Abteilungen unseres Verlags, die mit dem Ahorn Van 550 das erste Mal überhaupt auf Camping-Reise gingen. Da sind Verschleiß und Defekte vorprogrammiert – dachten wir. Doch nun, gegen Ende des Dauertests, lässt sich sagen: Der Van hat immer alles mitgemacht, was von ihm gefordert wurde. Und oft sogar noch ein bisschen mehr.

Nagelneu: unser Dauertester frisch vom Band bei Ahorn in Speyer. Zu haben ist der Van 550 ab 51.800 Euro. Mit fast allen Extras fürs Basisfahrzeug ausgestattet war unser Modell deutlich teurer.

Die Top-Motorisierung unseres Testfahrzeugs mit 180 PS sorgt für starken Durchzug und ein rasches Vorankommen auf der Autobahn. Hat man sich nach kurzer Eingewöhnung an das anfangs eigenwillig anmutende automatisierte Schaltgetriebe eingeschossen, fährt der Van sich richtig angenehm. Fahrer- und Beifahrersitz bieten auch über Stunden guten Sitzkomfort.

Mitfahrer auf der Rückbank hingegen freuen sich über nicht allzu lange Fahrten, denn die recht steile Rückenlehne bereitet dem Rücken weniger Vergnügen. Aufgrund seiner Größe ist der Van ohnehin mehr für das Reisen zu zweit oder allein ausgelegt. Einen kurzen Schreckmoment gab es, als das Getriebe schon nach rund 11.000 Kilometern seinen Dienst quittierte. Der Grund: eine undichte Schaltrobotik. Der Schaden wurde ohne Diskussion unter Garantie getauscht.

Blick aufs Küchenmodul des Testfahrzeugs

Nachbesserungen

In Sachen Alltagsnutzen haben wir selbst direkt ein bisschen nachgebessert: An der schicken, aber randlosen Glasoberfläche des Küchenblocks drohte überkochendes Nudelwasser oder Wasser vom Abwasch ungehindert die Möbelwände hinabzulaufen. In der Nasszelle mogelte sich Spritzwasser vom Duschen an der geschlossenen Lamellentür vorbei in den Wohnraum. Mit ein wenig Silikon und etwas handwerklichem Geschick war hier alles rasch abgedichtet. Wer sich dann noch mit Filzgleitern und einem Schraubendreher zum Nachjustieren der Aufstell-Scharniere bewaffnet, hat außerdem einen während der Fahrt relativ klapperfreien Ausbau.

Bildergalerie

Die Liste der Defekte blieb überschaubar: Ein verrosteter Kontakt an der Abwasserheizung wurde im Ahorn Servicecenter erneuert. Ein gebrochener Griff an der Fahrerhaus- Verdunklung, eine kaputte Führungsschiene der Lamellentür des Bads sowie eine zersplitterte Umrandung der Nasszelle ließen sich ebenfalls ohne viel Aufwand beim Ahorn-Händler austauschen. Die betreffenden Bauteile sind vielleicht nicht unbedingt aus dem hochwertigsten Kunststoff gefertigt, dennoch waren die Defekte hier wohl am ehesten auf Bedienungsfehler zurückzuführen. Speziell der Einstieg zur Nasszelle erfordert ein wenig Obacht, denn schnell ist man hier versehentlich auf die Umrandung aus etwas labilem Plastik getreten.

Ansonsten gab es noch ein abgelöstes Furnier an der Schottwand zu bemängeln. Hier war die Führung, ein Aluminiumprofil, nicht ordentlich entgratet und entsprechend scharfkantig. Und dann war da noch die zu stramm gehaltene Duschtrennwand, die sich bei sommerlicher Hitze verzog, nun aber wieder einigermaßen grade ist und bündig schließend anliegt. Wie gesagt – es braucht nicht viel mehr als einen Schraubendreher und einen einigermaßen sorgsamen Umgang mit der Materie. Beides braucht es aber auch bei deutlich teureren Fahrzeugen.

Campingtrip mit dem Ahorn Van 550

Ein Van für alle Fälle

Zum Leben und Reisen im Ahorn Van 550 lässt sich nach fast zweieinhalb Jahren Dauertest einiges sagen. Eins vorweg: Es ist alles drin, was man braucht. Stauraum gibt es ausreichend, vor allem dank der großzügigen Heckgarage unter dem Querbett. Auch in der Nasszelle ist trotz der knappen Maße des Vans genug Platz, um einigermaßen bequem zu duschen.

In den tief heruntergezogenen Schrank über dem Bett passt viel hinein. Allerdings haben sich fast alle Tester hier mindestens einmal Fuß oder Bein angestoßen.
Felliger Besuch: Der vierbeinige Kurzzeit-Tester fühlt sich in der Nische unter dem Hängeschrank im Heckbett offensichtlich sehr wohl.

Kritik gab es auch: Zum weit heruntergezogenen Hängeschrank über dem Bett urteilte man einstimmig: Nette Idee, in der Praxis haut man sich hier jedoch zu oft die Knöchel an. Das 187 mal 120–137 Zentimeter große Heckbett an sich ist für nicht allzu groß Gewachsene, die gerne etwas härter liegen, ganz bequem. Ab einer Körpergröße von über 1,80 Meter liegt Mann oder Frau besser leicht diagonal im Bett. Einstimmiges Feedback gab es zu den etwas schwergängigen Schubladenauszügen, dem wackeligen Tisch der Dinette sowie der labilen Fliegengittertür.

Kochen geht gut in dem kompakten Camper, besonders wenn das Wetter mitspielt und die Schiebetür offen bleiben kann. Auf den Zwei-Flammen-Herd passen entweder zwei kleine Töpfe nebeneinander oder ein großer Topf. Praktisch: die tiefe Edelstahlspüle mit hohem Einhebel-Wasserhahn.

Die moderne Möblierung in hellen und dunklen Grautönen ohne Holzdekor ist Geschmackssache – auf jeden Fall fällt der graue Campervan mit seiner leuchtend orangefarbenen Beklebung unterwegs auf. Mehr als einmal wurden wir auf das Fahrzeug angesprochen und um einen Blick ins Innere gebeten. Das Konzept des kompakten Campers, der zwar nicht ins Parkhaus, dafür aber in fast jede Parklücke passt und dennoch nichts an Ausstattung vermissen lässt, kommt gut an. Und das auch in der Redaktion: Obwohl gleichzeitig größere, komfortablere Reisemobile zur Verfügung standen, fuhr unser Verlagschef am liebsten mit dem wendigen Ahorn in den Urlaub.

Partner für alle Zwecke: Gewicht am Haken oder wie hier auf dem montierten Fahrradträger macht dem Van nichts aus. Und dank seiner kompakten Maße macht er auch Stadtausflüge mühelos mit.

Auch als Zugfahrzeug erwies sich der Ahorn Van 550 als zuverlässig und kräftig. Ob es darum ging, einen Test-Wohnwagen unserer Schwesterredaktion Camping, Cars und Caravans oder das Pferd vom Chefredakteur im Anhänger durch die Gegend zu ziehen – auf den Ahorn war Verlass.

Dank seiner Anhängelast von 2.500 kg (ungebremst: 750 kg) und Twin-Turbo-Technologie zieht der Van auch größere Anhänger mühelos weg. Dann aber steigt der Durchschnittsverbrauch bei unserem Testfahrzeuug von rund zehn Litern auf rund 13 Liter an.

Das heißt – fast immer. Der Turboschlauch des Masters erwies sich als derart unwiderstehlich für Marder, dass diese sich gleich dreimal im Motorraum austobten. Erst seit Einbau eines Marderabwehr-Geräts mit Ultraschall und Strom herrscht Ruhe. Folge der Marderbesuche waren neben diversen Einsätzen des ADAC einige ungeplante Aufenthalte in der Werkstatt.

Vorübergehend lahmgelegt durch Marderschaden: Abtransport zur Werkstatt

Am Ende aber lässt sich eins mit Sicherheit sagen: Auseinandergefallen, wie anfangs befürchtet, ist der Einsteiger-Ahorn nicht. Er hat, wie es im Zeugnis heißen würde, die Erwartungen an ihn nicht nur erfüllt, sondern teilweise auch übertroffen. Und wenn ihn nicht grade der Marder besuchte, war uns der Ahorn Van 550 ein treuer Begleiter. www.ahorn-camp.de

Wertstabil: Solange die Marktlage bleibt, wie sie ist – für einen ähnlich jung gebrauchten Van 550 wird im Netz aktuell beinahe der Neupreis gefordert – bleibt der Ahorn ein idealer Zweit- oder gar Erstwagen.

Infobox

  • Basisfahrzeug: Renault Master dCi 180, 2,3 Liter Twin-Turbo-
    diesel mit AdBlue und SCR-Katalysator, Euro 6d-ISC-FCM,
    Leistung: 132 kW (180 PS), Drehmoment 400 Nm.
    Automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe. Frontantrieb.
  • Maße und Massen: (L x B x H) 555 x 205 x 260 cm, Radstand:
    368 cm. Masse in fahrbereitem Zustand: 2.870 kg,
    zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg.
  • Aufbau: Stahlblechkarosserie mit Serienhochdach, isolierte Alu-
    Rahmenfenster. Isolierung Dach 23 mm, Wände und Boden 16 mm
    Polyethylen-Schaumstoff. Zwei Dachluken 40 x 40 cm.
  • Bett: Heck-Querbett: 187 x 120–137 cm,
    Zusatzbett Dinette: 174 x 106 cm.
  • Füllmengen: Frisch-/Abwasser: 100 l innen-/80 l außenliegend,
    Gas: 11 kg, Diesel 105 l, AdBlue 22 l.
  • Serienausstattung: (Auszug) Nasszelle mit Kassettentoilette und
    Klappwaschbecken, Küchenblock mit Softclose, 90 l Kompressor-
    Kühlschrank, Spülbecken und Zweiflamm-Kocher,
    Seitz-Rahmenfenster.
  • Sonderausstattung: (Auszug)Chassis-Paket 2.890 €,
    Designpaket 490 €, Fahrerhaus-Klimaanlage 1.890 €,
    180-PS-Motor und Automatik 4.180 €, Rückfahrkamera 828 €,
    Markise 1068 €, Fliegengittertür 590 €.
  • Dauertest-Upgrades: Sawiko Agito 120 Motorradträger-Komplett-
    system 2.085 €, zweite, besser positionierte Duschkopf-Halterung
    plus Tesa-Powerstips 47 €, Goodride SW 612-Winterreifen 289 €,
    E-Trailer-Kontrollsystem 679 €, Marder-Duftabwehr 16 und 231 €,
    12-Volt-Zusatzheizung und beheizbare Sitzauflagen 57 €, neue
    Scheibenwischerblätter von Bosch 25 €, Safetyre Reifendruckkon-
    trollsystem 190 €, Filz und Kleber 84 €,
    Aluröhrchen fürs Küchenmodul 15 €.
    Inspektionskosten nach 40.000 km: 291 €.
  • Testverbrauch: 10,2 l/100 km, AdBlue-Verbrauch: 0,52 l/1.000 km
  • Grundpreis: ab 51.800 €
    Testwagen: 71.980 €
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