7 Dachzelte im ADAC-Test

Ein Zelt bekommt die Note "sehr gut"

Aufgrund der zunehmenden Beliebtheit als Alternative zu Campern und Wohnmobilen hat der ADAC erstmals Dachzelte für PKW getestet. Das Ergebnis: kein Modell fiel durch, aber trotz ähnlicher Grundkonstruktion gibt es deutliche Unterschiede.
Text: CamperVans - Magazin | Fotos: ADAC e.V., Zeichnungen: Dachzeltnomaden

Sie sind bequemer als ein Zelt und günstiger als ein Reisemobil: Dachzelte, auf dem Autodach montiert, ermöglichen spontane Campingausflüge mit dem Alltagsfahrzeug. Das Nischenprodukt Dachzelt erfreut sich seit einigen Jahren steigender Beliebtheit. Inzwischen gibt es allein auf dem deutschen Markt fast 100 Hersteller für Dachzelte – ein Grund für den ADAC, sieben Modelle ohne Hartschale zu testen, die neben dem Auto aufgeklappt und mit einer Leiter abgestützt werden. Weitere Auswahlkriterien waren eine Liegefläche mit etwa 140 Zentimeter Breite, ein überdachter Zugang sowie ein maximales Gewicht inklusive Dachträger von 75 Kilo.

Das Dachzelt Vickywood Big Willow 140 im ADAC-Test
Foto: ADAC/ Rasmus Kaessmann

Auf- und Abbau, Verarbeitung, Wetterfestigkeit, Schadstoffe und Campingtauglichkeit – das waren die Kriterien, nach denen der ADAC die sieben Dachzelte aus dem Test geprüft hat. Die Zelte, die preislich zwischen rund 1850 und 3400 Euro liegen, sind von ihrer Grundkonstruktion alle nah beieinander und bieten ähnliche Vorteile, doch bei genauem Hinsehen zeigten sich auch Schwachstellen. Und ausgerechnet das innovativste und zugleich teuerste Zelt aus dem Vergleich landete im Test auf dem letzten Platz.

Sieben Dachzelte im ADAC-Test: das Ergebnis

Foto: ADAC e.V.

Sieger des Vergleichstests: das Dachzelt Tepui Autana von Thule. Das mittelpreisige Modell punktet mit der besten Verarbeitung und erlaubt sich auch in den Bereichen Komfort, Nutzbarkeit und Schadstoffe keine Schwächen. Lediglich bei der Nutzung bei kalten Temperaturen müssen Abstriche gemacht werden: Zwar ist das Thule Zelt laut Hersteller ganzjährig und in jedem Klima nutzbar, aber im Gegensatz zu den Dachzelten anderer Hersteller fehlt hier ein Thermoinnenzelt. Die Temperaturmessung in der Kältekammer zeigt, dass das Thule Zelt dadurch nicht mit anderen mithalten kann.

Testverlierer wurde ausgerechnet das innovativste Modell: Das Gentletent GT Roof (Modell 2021) wird nicht, wie die anderen Modelle, mit Zeltstangen aufgebaut, sondern einfach aufgepumpt. Dadurch ist es besonders leicht – ein großer Vorteil hinsichtlich der erlaubten Dachlast und auch angesichts des höheren Spritverbrauchs bei mehr Gewicht. Mit Hilfe der elektrischen Luftpumpe ist das Gentletent in etwa zehn Minuten einsatzbereit – länger dauert der Aufbau aber auch bei den anderen Modellen nicht.

Im Test zeigten sich einige Schwachstellen des teuersten Zelts im Vergleich: Das Zelt punktet zwar mit einer üppigeren Innenhöhe als die anderen Modelle, die Stoffe waren jedoch unsauber verarbeitet und die Nähte gaben an manchen Stellen schon im Testzeitraum nach. Im Beregnungstest trat Wasser ins Zeltinnere ein, welches zudem aufgrund der wenigen und kleinen Fenster nur schlecht belüftet werden kann. Allerdings hatte der ADAC das Modell von 2021 getestet, da das 2022er-Modell zum Testzeitpunkt leider noch nicht lieferbar war. Dieses ist laut Hersteller mit einem geänderten Regencover ausgestattet.

Das Dachzelt Thule Tepui Autana im ADAC-Test
Foto: ADAC/ Rasmus Kaessmann

Tipps für die Dachzeltauswahl

Alle getesteten Dachzelte bieten mit einer Breite von 140 Zentimetern und bis 240 Zentimeter Länge ausreichend Platz für zwei Erwachsene und gegebenenfalls zusätzlich ein bis zwei Kinder. Die Tester empfehlen, Modelle mit überdachtem Einstieg zu kaufen, bei denen der Eingang blickgeschützt ist. Zudem bietet der überdachte Bereich Platz für Klapptisch und Stühle.

Wichtig für den Schlafkomfort sind zudem ausreichend Fenster mit Fliegengitter und somit Belüftungsmöglichkeiten. Wer nachts vom Bett aus den Sternenhimmel beobachten möchte, sollte bei der Modell-Auswahl auf das Vorhandensein einer Dachluke achten. Fünf der Modelle aus dem Test verfügen darüber, nur die beiden Dachzelte von Horntools und Gentletent haben keine zusätzliche Öffnung an der Decke.

Generell zeigte sich, dass zumindest bei den Farbvarianten im Test die dunkleren Stoffe einen Vorteil für Langschläfer boten: In den Dachzelten von Thule, Vickywood, Dare to be different und Nakatanenga blieb es morgens länger dunkel.

Ein wichtiger Aspekt: Schadstoffe im Dachzelt

Der ADAC prüfte die sieben Dachzelte und integrierten Matratzen zudem im Labor auf Schadstoffe. Hier schnitten die Modelle von Thule, Nakatanenga und Gentletent mit jeweils der Note 1 am besten ab. Die anderen Modelle bewegen sich bei den Schadstoffen innerhalb der für Erwachsenen gesetzlich erlaubten Grenzwerte. Doch Projektleiter Pauly merkt an, dass grade hier strengere Maßstäbe angesetzt werden sollten: „Da in Zelten natürlich auch Kinder schlafen, sind wir trotz der legalen Grenzwerte besorgt und fordern, dass sich die Hersteller an den Grenzwerten für Spielzeug orientieren.“

Dachzelttypen

Man unterscheidet beim Dachzelt drei verschiedene Typen: Klappdachzelt, Hartschalendachzelt und Hybriddachzelt.

  • Beim Hartschalenzelt fahren zwei Schalenelemente mit Hilfe eines Scherengestänges oder eines Gasdruckfedersystems, entweder parallel oder in Form eines Dreiecks auseinander. Sie zeichnen sich durch schnellen Auf- und Abbau aus.
  • Beim Klappdachzelt werden die zwei mit Schanieren verbundenen Bodenplatten auseinandergeklappt. Es kombiniert kompakte Packmaße und geringes Gewicht mit einem großzügigen Raumangebot.
  • Ein Hybriddachzelt kombiniert beide Versionen, lässt sich also schnell aufbauen und bietet dennoch mehr Platz. Preislich geht’s ab rund 600 Euro für ein Klappdachzelt los, durchschnittlich kostet ein Exemplar zirka 2.500 Euro.
Drei verschiedene Dachzelttypen: Klappdachzelt, Hartschalendachzelt und Hybriddachzelt.
Foto: Zeichnungen: Dachzeltnomaden (www.dachzeltnomaden.com)
Montage auf dem Dach: besser mindestens zu zweit

Nur bei besonders leichten Zelten, wie dem 26 Kilo leichten Gentletent aus dem Test, lässt sich die Montage auf dem Dach allein bewältigen. Bei den meisten Modellen gilt es aber, sich Hilfe von einer oder besser zwei weiteren Menschen zu holen, denn die Modelle wiegen oft mehr als 50 Kilo. Wer das Geld übrig hat, kann die Montage auch beim Händler erledigen lassen – dieser Service kostet aber schonmal bis zu 200 Euro extra.

Kauf und Nutzung des Dachzelts: weitere Tipps der ADAC-Experten

Grundsätzlich kann auf jedem Modell, das eine Dachlast erlaubt, ein Dachzelt montiert werden. Hier muss auf die zulässige Dachlast des Fahrzeugs geachtet werden, welche sich aber auf die Nutzung während der Fahrt bezieht. Bleibt man stehen, um im Dachzelt zu übernachten, darf dieser Wert deutlich überschritten werden.

Vor dem Kauf eines Dachzelts sollte geprüft werden, ob Dachzelt und Dachträger zueinander passen und ob die gewünschte Kombination möglich ist. So erlaubt beispielsweise Thule die Montage von Dachzelten auf klemmbaren Dachträgern nur dann, wenn eine Reling auf dem Fahrzeug vorhanden ist.

Wird das Dachzelt nicht gebraucht, sollte es abmontiert werden. Das senkt den Spritverbrauch und ist zudem aus Sicherheitsgründen ratsam, da das Zelt durch seine ungünstige Gewichtsverteilung bei Ausweichmanövern ein Nachteil sein kann.

Die langfristige Alternative zum Dachzelt: das Aufstelldach

Als komfortable Alternative zum Dachzelt können Camper ihren Hochdachkombi oder Transporter auch mit einem Aufstelldach nachrüsten lassen. Preislich ist dieses teils deutlich teurer als ein Dachzelt, hat aber dafür auch einige Vorteile. So entsteht bei aufgestelltem Dach auch tagsüber praktische Stehhöhe im Camper, der Aufbau ist meist bequemer und die Fahrzeughöhe bei geschlossenem Aufstelldach ändert sich kaum. Der Aufstieg zum Bett erfolgt innen und nicht von außen wie beim Dachzelt, was bei sehr schlechtem Wetter von Vorteil ist. Ein weiterer Vorteil: der Bereich im Aufstelldach kann mitgeheizt werden. Viele Kastenwagen gibt es auch mit bereits fertig montiertem Aufstelldach zu kaufen, wie unsere Galerie zeigt.

Doch auch das Dachzelt hat gegenüber der Dauerlösung Aufstelldach Pluspunkte: Meist entsteht im aufklappbaren Dachzelt eine größere Liegefläche als es im Aufstelldach möglich ist. Zudem kann es im Bedarfsfall auch auf andere Fahrzeuge montiert werden. Unter dem aufgeklappten Zelt entsteht zudem ein überdachter Bereich neben dem Auto, der als Abstell- oder Sitzfläche genutzt werden kann und beispielsweise eine Markise überflüssig macht. Wenn neben den Schlafplätzen im Dachzelt auch Schlafmöglichkeiten im Auto existieren, so ergeben sich zwei räumlich voneinander getrennte Schlafbereiche.

Fazit

Dachzelte als Alternative zu einem Wohnmobil sind durchaus praktisch, aber keine Schnäppchen. Neben den Anschaffungskosten für das Dachzelt an sich, die oft mit mehreren Tausend Euro zu Buche schlagen, kommt noch der Preis für einen passenden Dachträger, der im Schnitt 150 Euro kostet.

Daher sollte vor dem Kauf erst einmal ausprobiert werden, ob diese Form des Campings zu einem passt und welches Modell in Frage kommt. Praktischerweise gibt es bei vielen Händlern die Möglichkeit, ein Zelt übers Wochenende auszutesten. Zudem haben sich einige Anbieter auf den Verleih von Dachzelten, teilweise auch mitsamt Auto, spezialisiert. Über die Community Dachzeltnomaden gibt es auch die Möglichkeit, ein Modell von privat zu mieten. So kann für kleines Geld herausgefunden werden, ob die Investition ins eigene Dachzelt lohnt.

Alle Infos zum Test: www.adac.de

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