> Camper-Praxis: Gastank-Einbau

Der Tankmann

22.06.2023

Mit jeder Hand, durch die ein Camper geht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass etwas daran verändert wird. Ärgerlich wird es, wenn es die überprüfungspflichtige Gasanlage betrifft.

Nerv-Faktor Gas! Da fährst du einmal kurz nach England und nach einer Hand voll Tagen geht dir das Gas aus. Das „komplette“ Adapter-Set „Entnahme“, noch schnell bei einem windigen Online-Händler vor der Abreise erstanden, aber nicht überprüft, hält natürlich den für das Vereinigte Königreich benötigten Gasflaschenadapter nicht bereit. Weswegen die zweite Hälfte des Urlaubs mit warmem Bier und streichzartem Käse verbracht werden darf. Gas im Camper ist so eine Sache. Vor allem, wenn es leer ist. Die Beschaffung einer neuen Füllung kann Zeit, Nerven und somit Urlaubsqualität kosten.

Wohl dem, der in seinem Van die kleinen, aber teuren 2,8-Kilogramm-Campingaz-Flaschen nutzt. Diese sind innerhalb Europas zwar nicht überall, aber immerhin recht zuverlässig erhältlich. Was von 5,5- oder 11-Kilogramm-Gasflaschen nach deutscher Norm nicht gerade behauptet werden kann. Nahezu jedes Land kocht in Bezug auf Inhaltsstoff – vor allem aber Flaschengewinde – sein eigenes Süppchen. Eine europäische Parallelwelt, fernab von der entmündigenden Brüsseler Regelungs- und Vereinheitlichungswut. Die Lösung? Entweder sich im Rahmen der Reiseplanung vorab mit Nachfülloptionen im Zielland auseinandersetzen oder aber mit möglichst großem Vorrat losfahren.

Campinggaz - Kleine Flaschen, große Vorteile?

Sie sind der bunte Hund der Gasflaschen-Szene, weswegen sie auch jeder kennt. Die Rede ist von den kleinen blauen Gasflaschen von Campingaz. Ihren hohen Bekanntheitsgrad verdanken sie zum einen ihrer charakteristischen Farbe, zum anderen dem Umstand, dass man diese Flaschen in Europa an sehr vielen Verkaufsstellen, neben dem Campingfachhandel auch im Baumarkt oder sogar in der Camping- oder Sportabteilung eines Kaufhauses, finden kann.

Doch diese Verfügbarkeit lässt sich Campingaz fürstlich entlohnen, weswegen die Blauen, wenn im Camper mit Gas mehr als nur gekocht wird, lediglich als Retter in der Not in Frage kommen. Am Ende eines Urlaubs zum Beispiel ist es sinnvoller, eine Campingaz-Flasche zu kaufen als eine ausländische Gasflasche, auf der man in Deutschland dann sitzen bleibt. Wichtig: Campingaz- Flaschen enthalten reines Butan, eignen sich also nicht bei Minusgraden. Zwei Behälter sind im Angebot: Modell R904 mit 1,8 Kilogramm Butan und das Modell R907 mit 2,8-Kilogramm-Füllung. Beide Gasflaschen verfügen an ihrer Oberseite über ein Kugelventil mit Innengewinde.

Die blauen Butangasflaschen von Campingaz lassen sich mit einem Einschraubventil an den Gasregler des Reisemobils anschließen.
Foto: Redaktion

Handlungsbedarf

Je älter ein Campervan, desto mehr Veränderungen durchlebt er. Einige davon freiwillig, andere zwangsweise. Im Falle des VW T3 Joker des Autors wurde eine unumgängliche Änderungsmaßnahme mit der Aufrüstung auf LiFePO-Akku, Solaranlage und Kompressor-Kühlschrank (CamperVans 6/2022) augenfällig. Die frei im Küchenblock stehende Gasflasche musste verschwinden – und zwar schnell. Nicht nur, weil sie wegen des Kühlschrankaggregats dort keinen Platz mehr hatte. Sondern vielmehr, weil sie dort, so ganz ohne Gaskasten, eh nicht sein durfte. Warum sie überhaupt dort stand? Das weiß nur der Vorbesitzer, der damals den originalen Gastank ausgebaut hatte.

Originalität hat auch Vorteile

Die Überlegung, einen Gaskasten innerhalb des Küchenblocks zu bauen und auf eine kleine 2,8-Kilogramm-Campingaz-Flasche umzustellen, wurde schnell aus Platzgründen verworfen. Schließlich ist der Joker meist mit vier Insassen unterwegs und Stauraum rar. Außerdem hatte ich nach dem Nachfüll-Dilemma in England keine Lust mehr auf begrenzte Ressourcen. Ein Blick unter den Wagen offenbarte, dass die vier Stehbolzen, die vormals den originalen Gastank hielten, noch vorhanden waren.

Ergo: diese nutzen und wieder einen originalen Unterflurtank anbringen! Damit erlegt man mehrere Fliegen auf einen Streich. Fliege eins: die enorme Autarkie, die durch den großen Gastank entsteht. Fliege zwei: das komfortable, europaweit kinderleichte Gastanken an LPG-Zapfsäulen. Fliege drei: mehr Platz im Küchenblock. Und – der wichtigste aller Vorteile – da die Originaltanks Außengasanschlüsse besitzen: Endlich ist das Kochen im Freien möglich! Man muss nicht mehr isoliert im Wagen stehen und brutzeln, während draußen das Leben tobt.

Gastank-Einbau im Camper Step bei Step

Bildergalerie

Projektstart

Also, einen Tank und einen Gasfachmann für den Einbau suchen. Letzterer war in Person von Gerd Lindner von Fahrzeugtechnik Lindner in Siegburg dank räumlicher Nähe und privater Empfehlung schnell gefunden. In einem Telefonat wurde das Vorhaben abgesprochen und es gab von Gerd die ersten Tipps zur Tankbeschaffung. Denn dieser muss, um von ihm überholt und geprüft zu werden, gewisse Eingangskriterien erfüllen. Zum einen beenden tiefe Macken und große Beulen das Leben eines Gastanks, zum anderen zu tiefe Korrosionsnarben oder Rissbildung.

Auch die Suche nach der Hardware – sprich einem ordentlichen Tank – ist überraschenderweise schnell erledigt. Ich werde bei Manu von Vanu Campers in Adelebsen bei Göttingen fündig. Manu hat sich dem VW Bus T3 verschrieben. Er kauft und verkauft, vermittelt und, wenn es gar nicht anders geht, schlachtet die Bullis zur Ersatzteilgewinnung. Manu hat ein passendes, überholungswürdiges Exemplar aus dem Baujahr meines T3 verfügbar. Also bestellt und zügig geliefert – dann geht es damit zu Gerd.

Die Evolution der Füllstandgeber. Oben: erste Generation, hier brachen die Zahnräder. Mitte: Evo 2 – die Schwimmer wurden undicht. Unten: tut!
Foto: Redaktion

Ruckzuck war der Tank dran

Der frisch überholte und geprüfte Tank wird mit geprüften und, falls notwendig, überholten Armaturen ausgestattet. Füllstopp, Füllstandgeber und Auslassventil werden penibel geprüft, das Überdruckventil wird immer erneuert. Dann wandert der Tank unter den Wagen. Der Anbau läuft fluffig, denn Gerd und sein Mechaniker wissen, was sie tun. Allerdings verläuft auch dieser Anbau nicht zu 100 Prozent nach Plan, denn einer der Haltebolzen ist lose im Karosserieboden und muss frisch ans Blech geschweißt werden.

Dann noch hurtig den Boden des Küchenblocks für die Gasleitung in den Innenraum durchbohrt und schon kann es ans Biegen der neuen Gasleitung gehen. Diese besteht aus zwei Teilen. Das erste geht vom Tank an die Karosseriedurchführung und ist in wenigen Minuten fertig. Die zweite Leitung im Innenraum ist etwas komplizierter. Sie führt entlang des Fußbodens bis zur Wand im Küchenblock, an der die Sperrventile sitzen. Doch auch dieser spezielle Leitungsweg ist von Gerd schnell gebaut. Was bei ihm kinderleicht aussieht, würde dem Hobbyschrauber graue Haare bereiten. Schließlich muss die Leitung später spannungsfrei sein und die Transferleistung des „im Auto schauen und Maß nehmen“ bis zur perfekt sitzenden Leitung, die am Schraubstock gebogen wird, ist herausfordernd.

Sichtprüfung: Alle Komponenten der Gasanlage werden vom Prüfer unter die Lupe genommen.
Foto: Redaktion

Gasprüfung – die Probe aufs Exempel. Schritt 1: Sichtprüfung

Nun, da alles fertig ist erfolgt die Gasprüfung. Diese ist bei jedem Umbau an einer Gasanlage sowie turnusmäßig alle zwei Jahre fällig. Sie besteht aus drei Komponenten: Sichtprüfung, Druckprüfung und Funktionsprüfung. Die Sichtprüfung erfolgt sehenden Auges. Alle Komponenten der Gasanlage werden auf Beschädigungen, schadhafte Halterungen oder Ähnliches geprüft.

Druckprüfung

Danach erfolgt die Druckprüfung. An der Gasarmatur des Tanks befindet sich ein Prüfanschluss, der auch für externe Gasgeräte genutzt werden kann. Mit dem Unterschied, dass während der Druckprüfung, bei abgesperrtem Druckminderer, die Gasanlage per Pumpe mit Überdruck beaufschlagt wird. Dann erfolgt die Überprüfung von Verschraubungen, Absperrhähnen und Anschlüssen mittels Lecksuchspray. Schließlich wird nach einigen Minuten am Manometer kontrolliert, ob die Anlage den Prüfdruck über die gesamte Dauer gehalten hat.

Druckprüfung: Die Anlage wird unter Druck gesetzt und der Druck muss gehalten werden.
Foto: Redaktion
Funktionsprüfung: Jeder Gasverbraucher wird auf seine korrekte Funktion überprüft.
Foto: Redaktion

Funktionsprüfung

Ist dies der Fall, geht es mit der Funktionsprüfung weiter. Im Falle eines Herds wird dieser entzündet und das Flammbild gecheckt. Dann wird die Flamme gelöscht und die automatische Abschaltung des Brennfelds geprüft. Schaltete die Gaszufuhr innerhalb von 60 Sekunden von allein ab, ist mit der Gasanlage alles in Ordnung und das Prüfsiegel wird verklebt. Zudem wird die Prüfung im Gasprüfbuch vermerkt.

Lindners Gruselkabinett: Diese drei Tanks zeigen die klassischen Beschädigungen. Rissbildung (links oben), Durchrostung (rechts oben) und starke Beulen (unten) beenden das Leben eines Gastanks. Der verbeulte Tank wurde vom Kunden erst gestrahlt und dann gepulvert – um letztendlich wegen der groben Beulen keine Prüfplakette mehr zu bekommen. Die Kosten hätte man sich sparen können.
Foto: Redaktion

Infobox

Gas sollte man Respekt zollen, schließlich steckt sehr viel Energie in diesem fossilen Brennstoff. Dass Gas in Campern schon seit Ewigkeiten ein wichtiger Energieträger ist, zeugt aber auch davon, dass dessen Handhabung kein Hexenwerk und sicher ist. Sofern man gewisse Regeln beachtet und sein Hirn einschaltet, wenn man damit umgeht. Da Kontrolle besser ist, als Scherben aufkehren, müssen Reisemobile und Caravans mit Gasanlage an Bord alle zwei Jahre zur Gasprüfung.

Das war so und das ist seit 1. Januar 2023 wieder so – die Aussetzung der Prüfung während der Pandemie ist Vergangenheit. Ohne gültige Gasprüfung besteht ein Wohnmobil die Hauptuntersuchung nicht und bekommt somit also keine neue Plakette. Hier im Überblick, was bei der Gasprüfung, bei der das gelbe Prüfbescheinigungsheft vorgezeigt werden muss, in Augenschein genommen wird.

Geprüfte Komponenten bei der Gasprüfung:

  • Prüfung von Halterungen der Gasflaschen/Gastanks
  • Prüfung von Lüftungsöffnungen
  • Prüfung der Dichtungen der Gasanlage
  • Prüfung der Sicherheitsventile
  • Funktionsfähigkeit der Gasanlage
  • Prüfung von Anschlussschlauch und Druckminderer
  • Prüfung der an die Gasanlage angeschlossenen Gasgeräte
  • Prüfung der Abgasrohre

Neu – oder alt und original

Beim VW T3 ist die Einbausituation besonders. An dem Oldie sollte tunlichst ein Originaltank verbaut werden, denn dessen Halterungen sind an den Unterboden des T3 angepasst, wodurch der Tank höchstmöglich (weg vom Boden) sitzt. Dies ist beim Befahren von Schlechtwegstrecken enorm wichtig, damit der Tank nicht aufsetzt und irreversible Schäden erleidet. Gerade die im Aftermarket für VW Busse angebotenen Gastanks, die per universeller Edelstahlschlaufen befestigt werden, hängen deutlich tiefer als ein Originaltank – mit entsprechend höherem Aufsetzrisiko.

Wer genug Platz unter dem Fahrzeug hat, kann sich frei an den angebotenen Tanks bedienen, sofern sie die entsprechende Prüfnorm besitzen. Noch etwas positives: ein fester Gastank wiegt kaum mehr als zwei 11-kg-Gasflaschen, ist jedoch allein durch die LPG-Tankmöglichkeit ein enormer Komfortgewinn.

Infobox

Kosten und Bezugsquellen:

  • Einbau circa 300 Euro
  • Gastank (gebraucht für VW T3) circa 250 Euro
  • Gasprüfung ab 50 Euro
  • Gastankprüfung-/überholung circa 260 Euro
  • Tank von www.vanu-campers.de
  • Einbau & Prüfung: www.lindner-siegburg.de

Zum Weiterlesen: Mehr Tipps und DIY-Anleitungen rund um die Themen Vanlife, Campervan-Ausbau und -Technik findet ihr hier.

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