Filzen für Anfänger

Selbstausbau

Es sieht leichter aus, als es ist. Dennoch lässt sich mit überschaubarem Aufwand und wenig Handarbeitstalent ein ansehbares Resultat erzielen. Camper-Blech mit Filz verkleiden – so geht‘s.
Fotos & Text: Andreas Güldenfuß

Schwaben tun sich echt schwer beim Filzen – denn zu sparsam sollte man nicht sein. Je mehr Material man „verschwendet“, umso besser das Ergebnis. Messen, zuschneiden, einsprühen auf der einen Seite, reinigen, abkleben, einsprühen auf der anderen Seite. Dann etwas ablüften lassen und schon gehen Filz und Untergrund eine unlösbare Verbindung ein. So die Theorie. Die Praxis ist kaum anders, was auch bedeutet, man hat meist nur einen Versuch. So war es definitiv eine schlechte Idee, allein, direkt über Kopf, mit dem in alle Richtungen gewölbten Hochdach anzufangen. Aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Und wenn man erst panisch versucht, den Filz doch noch irgendwie an die Decke zu bekommen und dabei so wenig Falten wie möglich zu legen…

Selbstausbau: Camper filzen – Schritt 1: Eine große Schneidunterlage erleichtert das Arbeiten. Eine Bahn übrige Isolierung darunter wäre perfekt und würde die Standfestigkeit der Klingen verlängern.

Das Hauptproblem beim sparsamen Schwaben ist allerdings, dass er versucht ohne Verschnitt, also Abfall, zu arbeiten. Vom Nachhaltigkeitsgedanken vielleicht ein schöner Zug, in der Filzpraxis aber eher ungeeignet. Einmal um zwei Zentimeter versetzt angelegt, schon reicht die Bahn an einer Ecke nicht aus. Schöner wird das Ergebnis dadurch nicht und hat letztendlich zu der Erkenntnis geführt, dass man im Hochdach gar nicht so viel Licht braucht – denn im dunklen Dämmerlicht lassen sich die „Fehler“ besser verbergen. Der erste Praxistipp ist also: Nicht sparsam sein. Das gilt für Filz, bedingt auch für den Sprühkleber und ganz sicher für die Klingen des Schneidmessers.

Schritt 2: Was nicht befilzt oder mit Kleber besprüht werden soll, muss abgeklebt werden. Dafür eignet sich altes Zeitungspapier.

Der zweite Tipp: mit etwas einfachem wie etwa einer Verkleidung anfangen. Auch ganz hilfreich ist eine große Arbeitsfläche, um den Filz schneiden zu können. Es ist zudem einfacher, flache Teile auf den Filz zu legen, als den Filz auf das Teil legen, denn dabei können Falten entstehen. Zu zweit, oder bei ganz komplizierten, gro- ßen Flächen auch zu dritt, tut man sich deutlich leichter. Wenn einer positioniert und zwei die Enden halten und sich dann von der Mitte nach außen streichen, könnte man auch ein Hochdach in einem Rutsch hinbekommen. Ganz ohne Nähte und Anstückeln geht es aber nie, denn allein schon die Breite der Filz- bahn mit zwei Metern setzt Grenzen.

Schritt 3: Der Würth-Sprühkleber wird auf beiden Flächen, also auf den Filz und auf den Untergrund aufgesprüht.

Wichtig ist festzuhalten: Es muss zwangsläufig gestückelt werden. Also nicht den Mut verlieren, wenn eine Fuge mal ein bisschen breiter ist – die kann man hinterher mit ein paar Filzfasern füllen. Und außer einem selbst sieht es eh keiner. Ordentlich Material einplanen. Viel stückeln kann man sich sparen, wenn man genügend Reserven hat, um auch eine etwas verrutschte Bahn noch bis zum Ende kleben zu können. Rechtzeitig die Klingen wechseln. Mit neuer, scharfer Klinge gelingt der saubere Schnitt durch zwei überlappende Bahnen am besten und am saubersten.

Schritt 4: Eine flache Türverkleidung eignet sich perfekt zum üben, bevor man sich an dreidimensional geformte Teile wagt.
Schritt 5: Nach dem filzen können die abgeklebten Teile wie Fensterflächen einfach ausgeschnitten werden.

Auf dem blanken Blech zu filzen geht natürlich auch. Jeder Belag ist besser als kaltes Blech, auf dem sich bei unzureichender Belüftung schnell Kondenswasser bildet. Die Lackflächen sollte man vorher aber leicht anschleifen oder zumindest ordentlich reinigen, damit sie fett- und staubfrei sind. Dann die nicht zu filzenden Bereiche abkleben und loslegen. Bei ganz komplizierten Formen kann man den Filz schon vorher ein bisschen ziehen und dehnen, dann ist es leichter, ihn in Form zu bekommen.

Schritt 6: Das Ergebnis an der Heckklappe kann sich einigermaßen sehen lassen. Weiter geht's mit den Holmen.

Wenn man es richtig macht, wären es für den VW T4 mit Hochdach rund 15 Quadratmeter Filz – mit rund 15 Prozent Verschnitt. Eine Dose Sprühkleber pro Quadratmeter ist großzügig – aber auf der sicheren Seite. Je nachdem, wie viel man schneiden muss, auf jeden Fall zehn Ersatzklingen für das Messer einplanen. In Summe also rund 500 Euro Materialeinsatz, um den Camper von innen schön zu machen. Dass es auch schön für außen werden kann, hat Frank von Bus4fun schon vor längerem bewiesen. Ein VW T5 komplett innen und außen befilzt, um die Strapazierfähigkeit des Materials unter Beweis zu stellen.

Mehr Tipps zum Filzen findest du im Beitrag zu unserem Syncro-Projekt: www.campervans.de/camper-filzen/

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Komplettsets zum Verarbeiten, Filz in drei verschiedenen Farben – dunkles anthrazit, steingrau-gemasert oder hell-silbergrau-gemasert – Sprühkleber und extrascharfe Messer gibt es bei Bus4fun. Wer es sich nicht zutraut – oder es einfach perfekt haben möchte – findet über Bus4fun auch einen von über 30 professionellen Verarbeitern von B4f-Carpet-Filz, die einem die Arbeit abnehmen.

Redaktion
Andreas Güldenfuß

Klettern, Bergsteigen und Mountainbiken – alles Sport, bei dem man viel unterwegs ist. Das erste Auto: Ein selbst ausgebauter T3 – das war vor über 30 Jahren und seitdem keinen Tag nicht mindestens einen Camper besessen. Am Heft mach ich von allem etwas.

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