> Reportage WCS Mobile Technik: So geht Strom

So geht Strom: Werksbesuch bei WCS Mobile Technik

08.07.2026
Bild & Text: Daniel Schlicke

Bei der Bordelektronik vieler Campervans von der Stange ist noch Luft nach oben. Was Batterie, Solarpanel, Wechselrichter und Co. tatsächlich leisten können und wie sie fachgerecht verbaut werden, zeigt die Firma WCS aus Goch.

Ohne Frage: Keiner möchte heute mehr auf fließend Wasser, kalte Getränke oder schlicht auf Licht im Campervan verzichten. Pumpen, zünden, kühlen, leuchten – für fast alles braucht man den Saft aus der Dose oder eben aus der Batterie. Und die Anforderungen werden immer komplexer. Was vor ein paar Jahren noch absoluter Luxus war oder ausschließlich am Landstrom funktionierte, bieten heute schon Kastenwagen der mittleren Preisklasse, teilweise für bis zu zehn Tage autark und bequem per Smartphone-App gesteuert – zumindest versprechen das die Fahrzeughersteller. Die Wahrheit sieht natürlich ein bisschen anders aus. Jede noch so große Bordbatterie macht noch lange kein rundes Elektro-Setup, zumal zur Autarkie nicht nur Strom, sondern auch die Toilette, das Frischwasser und andere Vorräte gehören.

Jährlich > 10.000 Sicherungen

Was heute alles möglich ist, das beweist zum Beispiel WCS Mobile Technik. Der Familienbetrieb aus Goch in Nordrhein-Westfalen hat sich auf die Entwicklung und Aufrüstung von Elektrotechnik für Reisemobile spezialisiert – dabei hatte vor über 25 Jahren alles mit einem Deichselrad für einen Wohnwagen begonnen. Heute werden in Goch jährlich rund 1.500 Fahrzeuge aufgerüstet. Die Aufträge reichen vom Upgrade auf eine Lithium-Batterie bis zum vollumfänglichen Autarkie-Paket, von der Klimaanlage über spezielle Produkthalter bis zur smarten Steuerungstechnik. WCS-Produkte gibt es außerdem DACH-weit bei 70 geschulten Händlern oder im Onlineshop für Selbstausbauer.

Alles in-house: In Goch werden die WCS-Produkte entwickelt, getestet, gelagert und verbaut.

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Das Besondere: die Produkte stammen aus eigener Entwicklung und lösen so manches gängige Problem. „Fast alles, was von den großen Herstellern kommt, ließe sich besser machen“, so Geschäftsführer Götz Tönshoff. „Man muss sich nur mit der Materie beschäftigen und ein paar Euro mehr in die Hand nehmen.“ Und so verbringt der 67-jährige Kfz-Meister, Kühl- und Caravantechniker seine Zeit am liebsten im eigenen Labor. Seine neueste Eigenentwicklung ist ein Kompressorkühlschrank. Der besitzt nicht nur ein separates Gefrierfach, sondern auch zwei Kompressoren und damit zwei getrennte Kühlkreisläufe. „Nur so bleibt die Butter streichzart und das Milcheis tiefgefroren, trotz hohem Zuckeranteil“, verspricht Tönshoff. Bis 38 Grad Celsius Außentemperatur garantiert WCS minus 18 Grad im Gefrierfach. Dabei verbraucht der Kühlschrank nicht wesentlich mehr Strom, weil ein effizienteres Kältemittel verwendet wird und weil er über ein Umluftsystem verfügt – beides ist einzigartig im Caravaning-Segment. Der Kühlschrank ist außerdem App-fähig und verfügt über Gimmicks wie eine Türrahmenheizung, die das Anfrieren der Dichtung verhindert. Ganz günstig ist das alles natürlich nicht, doch immerhin konnte Tönshoff den Preis kürzlich dauerhaft reduzieren, weil die Entwicklungskosten inzwischen wieder erwirtschaftet wurden.

(Frühstücks-)Service inklusive

Besonders ist auch das Serviceversprechen. Auf seine Geräte gibt WCS drei bis fünf, teilweise sogar zehn Jahre Garantie. Dank eigenem Lager sollen Ersatzteile binnen 24 Stunden beim Kunden sein. Fremdteile, die nicht mehr lieferbar sind, werden schon mal im 3D-Drucker nachgefertigt. Und: Wer ein Problem mit seiner Heizung oder dem Kühlschrank hat und den Weg nach Goch auf sich nehmen will, der kann sogar ohne Termin vorbeischauen. Tönshoff ist wichtig, dass möglichst keiner seiner Kunden eine Reise absagen muss.

Wie viel Service der Familienbetrieb bieten möchte, wird spätestens beim Termin in Goch klar. Wer am Vortag anreist, übernachtet auf dem firmeneigenen Stellplatz mit wirklich luxuriösem Sanitärcontainer. Der Termin beginnt dann mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet, gefolgt von einer fachkundigen Beratung im WCS-Showroom. Den ganzen Tag über stehen Getränke und Sitzmöbel zur freien Verfügung – oder aber ein Mietwagen, mit dem die Euregio Rhein-Waal erkundet werden kann.

"Wer das Komplettpaket will, muss nicht nur das entsprechende Kleingeld, sondern auch Platz im Fahrzeug und das Gewicht einplanen.“

Kunstwerk Kabelbaum

Und in der Werkstatt? Da arbeiten bis zu vier Fachkräfte gleichzeitig an einem Fahrzeug. Auch das ist alles andere als Standard, doch so wird der Aufenthalt, den Kunden für einen Termin einplanen müssen, erheblich verkürzt. Die sieben Arbeitsplätze sind für Reisemobile bis zwölf Meter Länge ausgelegt. Zudem verfügt die Manufaktur über Maschinen zur Blech- und Holzbearbeitung. Hier können problemlos fehlende Halterungen gefertigt oder notwendige Änderungen am Möbelbau realisiert werden – selbstverständlich im OEM-Look. Und wenn beim Gerätetausch auffällt, dass der Kastenwagen ab Werk nicht ordentlich isoliert wurde, hilft WCS so gut es geht mit Armaflex aus. Wenn möglich, zum Beispiel beim Landstromanschluss per Defa-Stecker, werden unnötige Bohrungen ins Blech vermieden. Wo gebohrt oder gesägt werden muss, etwa beim Dachausschnitt für die Ventilationsdachhaube, wird sauber entgratet und vor allem gewissenhaft konserviert.

Eigentliches Aushängeschild der Werkstatt sind aber die Elektroinstallationen: Selbstverständlich passt jeder Kabelquerschnitt zur Anwendung. Die Kabel laufen aber auch allesamt in schwer entflammbaren, sauber beschrifteten Leerrohren und gehen regelmäßig zur Materialanalyse, um den Kupfergehalt sicherzustellen. Egal ob Kabelschuh oder FI-Schutzschalter: Hier kommt ausschließlich Markenware zum Einsatz. Am Ende ist jeder Kabelbaum selbst ein kleines Kunstwerk.

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