Der Sunlight Cliff 640 im Dauertest

Kastenwagen vs. Teilintegrierter

Im Endspurt unseres Sunlight-Cliff Dauertests versuchen wir aufzuholen, was uns während des Lockdowns verwehrt war. Kürzlich musste sich der Kastenwagen gegen einen ausgewachsenen Teilintegrierten, den Sunlight T68 behaupten.
Text: Andreas Güldenfuß | Fotos: Hersteller, Redaktion

Lockdown und dazu noch ziemlich bescheidenes Wetter. 2021 hat es uns bisher relativ schwer gemacht, wie gewohnt unterwegs zu sein. Entsprechend bescheiden fielen auch die Ziele mit unserem Action-Van, natürlich unserer Adventure Edition, aus. Mehr Basislager, Büromobil und Versuchslabor als gemütlicher Camper. Viel Alltag – und das geht trotz 6,36 Meter Länge fast immer und überall problemlos. Transporter für alle Aufgaben, Fahrräder und Motorräder eingeschlossen. Aber richtig wegfahren und campen lief recht wenig.

Packen & Fahren

Dann konnte aber endlich gepackt werden: Zwei Bikes auf den Fahrradträger, Kisten mit Fahrradsachen, Kletterausrüstung, Schuhen und noch ein bisschen Zubehör in den Stauraum unter dem Bett, der größte Teil Klamotten und alles für die Küche findet in den Schränken im Fahrzeug Platz. Eine besondere Challenge diesmal, wir fahren nicht allein. Begleitet werden wir vom großen Adventure Edition Bruder. Aber was ist größer als ein 640er Cliff? Natürlich der T68, der Teilintegrierte mit 7,40 Meter Länge und Hubbett. Das Fahrzeug sieht in der Edition schon toll aus – man könnte fast neidisch werden. Aber ob sich die 13.000 Euro Mehrpreis in der Praxis und beim Wohnen auch wirklich auszahlen, wollen wir ausprobieren.

Der Kontrahent: Sunlight T68 Adventure Edition. 7,40 Meter-Teilintegrierter mit Hubbett, Grundpreis: 58.299 Euro.
Foto: Sunlight

Beim Fahren machen der zusätzliche Meter Länge, die knapp 30 Zentimeter mehr Breite und die 25 Zentimeter mehr Höhe kaum einen Unterschied. Beide Sunlights haben die Neungang-Automatik, so kann man sich voll aufs Fahren konzentrieren. Am Berg spürt man vermutlich nicht das Mehrgewicht von 100 Kilogramm des Teilintegrierten, sondern die 20 PS weniger, die der T68 hat. Der Cliff hat 160 PS, der T68 nur 140 – um da dran zu bleiben, hilft teils nur der Power-Modus.

Aber jetzt sind wir ja schon unterwegs, die größten Unterschiede taten sich ja schon vor der Abfahrt auf. So ein Teilintegrierter mit riesiger Garage ist natürlich purer Luxus. Zu zweit fällt es nicht einmal schwer, die Zuladung von rund 400 Kilogramm einzuhalten. Alles Material in die Heckgarage und wer versucht, alle Schränke und Fächer vollzuladen, hat hinterher ein leeres Haus.

Beim Beladen steht es ganz klar 1:0 für den T68, denn die Bikes auf dem Fahrradträger des Sunlight Cliff 640 zu befestigen, ist immer ein größerer Aufwand und Fahrradträger und ausschwenkende Hecktüren haben schon für viele blaue Flecken gesorgt.

An sich aber ist der Unterschied auf der Straße nicht groß, wobei der T68 fast leiser ist als der Kastenwagen, der Cliff aber doch agiler und handlicher. Und um es gleich vorwegzunehmen – im Vergleich zu unserem 160-PS-Dauertester, der sich  eigentlich permanent mit neun Litern Diesel begnügt, nimmt sich der große 140-PS-Teilintegrierte direkt zwei Liter mehr. Am Fahrstil kann es nicht liegen – wir alle vier sind beide Fahrzeuge ungefähr gleichweit gefahren. Der Punkt geht an den Cliff, somit 1:1.

Unser Dauertester: Sunlight Cliff 640 (Bild: 600) Adventure Edition. 6,36 Meter-Kastenwagen mit Längsbett, Grundpreis: 45.899 Euro.
Foto: Sunlight

Auf dem Campingplatz

Angekommen am Ziel, fällt einem erst einmal auf, wie schön es ist, eine große Schiebetür zu haben. Man fühlt sich deutlich mehr in der Natur. Und wenn man in der Gruppe unterwegs ist, verpasst man auch nichts, wenn man am Herd Kaffee kocht, während es sich der Rest unter der Markise gemütlich macht. Im großen Wohnmobil verschwindet man förmlich im hinteren Teil des Fahrzeugs und ist raus. Schön, um seine Ruhe zu haben, aber irgendwie auch doof. Dann lieber im offenen Kasten. Das Leben spielt sich eh draußen ab. Auch hier ein Daumen hoch für den Sunlight Cliff 640. Kaltes Bier aus dem Kühlschrank – ein Handgriff ohne die Schuhe ausziehen zu müssen. Klar, die große Sitzgruppe im T68 ist schon verlockend, aber es ist Sommer, wer will da schon im Auto sitzen? Auch die große L-Küche im T68 entpuppt sich als „Mogelpackung“, richtig viel Arbeitsfläche gibt es nicht, eher gar nicht. Selbst der schier unendliche Platz in den vielen Fächern und Schubladen ist die ersten Tage eine echte Herausforderung – vielleicht sollten wir beim nächsten Mal außen draufschreiben, wo Teller, Töpfe, Strümpfe und Unterhosen versteckt sind.

Beim Cliff ist es wieder einfach: Rechts deins, links meins – der Rest ist in Euro-Boxen im Laderaum unter dem Bett. So gesehen ist es also ganz gut und nachvollziehbar, dass viele Camper erst später auf ein größeres Fahrzeug, teilintegriert oder mit Alkoven, umsteigen. Aber die meisten  kommen eben vom kleinen Campingbus – ausgehend von einem 640er ist die Not nicht ganz so groß. Selbst mit kleinen Kindern würde ein 2022er Cliff RT mit Aufstelldach völlig ausreichen – die Kinder sind auf dem Campingplatz sowieso von früh bis spät  unterwegs und nur zum Schlafen im Auto. Natürlich vorausgesetzt, es ist Sommer und schönes Wetter. Im Winter bietet ein Teilintegrierter schon deutlich mehr Komfort. Allein die separate Garage, die sogar beheizt ist und nicht wie die Hecktüren beim Öffnen kalte Luft ins Fahrzeug lässt. Diese Vorteile kann der große T68 jetzt aber nicht ausspielen und selbst bei der teils drückenden Hitze in der Nacht ist der Kastenwagen mit weit geöffneter Tür und  vorgeschobenem Insektenschutz luftiger als der top isolierte GfK-Aufbau.

Mittendrin statt irgendwo im Fahrzeug versteckt. Die große Schiebetür sorgt für viel Licht und Luft, die Fliegenschutztür für ruhige Abende.
Foto: Redaktion

Rein von der praktischen Seite ist die Not viel kleiner als man denkt. Der Cliff kann eigentlich alles genauso gut – jedenfalls in der von uns getesteten Konstellation mit zwei Erwachsenen bei gutem Wetter. Bei sieben Tage Regenwetter hätte es anders ausgesehen. Wir hätten alle an der großen Sitzgruppe des T68 gesessen und Pläne für besseres Wetter geschmiedet.

Aber trotzdem, der große Aha-Effekt bleibt aus. Die Küche ist, wenn man die Arbeitsfläche miteinbezieht, beim T68 etwas unpraktisch. Okay, das Raumbad ist super und die Garage – der Punkt ging sowieso schon an den Teilintegrierten.

Kein klarer Sieger

Als Fazit bleibt ein etwas schwammiges Unentschieden – es gibt kein perfektes Fahrzeug, es gibt immer nur ein Fahrzeug, das zum Zeitpunkt X am besten zu den eigenen Lebensumständen und Bedürfnissen passt. Und unser Sunlight Cliff 640 hat während Corona bewiesen, dass er auch uneingeschränkt alltagstauglich ist, alle Transportprobleme meistert, immer einen Parkplatz findet, sparsam zu fahren ist und  sich nicht viel anders durch die Stadt bewegt wie ein etwas größeres Auto. Wir wären ja nicht die CamperVans-Redaktion, wenn unser Adventure-Cliff den Vergleich nicht gewinnen würde, oder?

Wissenswertes

Planst Du in nächster Zeit, einen Camper zu kaufen? Das Angebot an Kastenwagen und Campingbussen kann für Einsteiger anfangs verwirrend sein. Zu kompliziert scheint die Auswahl des richtigen Fahrzeugs, zu vielfältig die Möglichkeiten beim Camper kaufen?

Unsere XL-Anleitung zum Camper-Kauf gibt einen Überblick über die verschiedenen Fahrzeug-Typen, erklärt den Camper-Ausbau im Detail und beschäftigt sich mit der Frage, für wen mieten, kaufen oder sharen der richtige Ansatz ist und was dabei zu beachten ist.

Themen: Sunlight
Redaktion
Andreas Güldenfuß

Klettern, Bergsteigen und Mountainbiken – alles Sport, bei dem man viel unterwegs ist. Das erste Auto: Ein selbst ausgebauter T3 – das war vor über 30 Jahren und seitdem keinen Tag nicht mindestens einen Camper besessen. Am Heft mach ich von allem etwas.

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