Zusätzlich zu großen Reisemobilen fertigt Laika heute auch moderne Campervans. Begonnen hat aber alles mit Caravans.
Laika aus dem toskanischen San Casciano in Val di Pesa ist nicht gerade als klassischer Hersteller von Campervans bekannt. Doch seit einigen Jahren findet man auch bei der italienischen Marke der Erwin Hymer Group schmucke Kastenwagen auf Fiat Ducato. So machte auf dem Caravan Salon Düsseldorf 2025 der Laika Kosmo 60 Supremo mit seinen farbenfrohen Sondermodellen Mugello Verde, Arancio Sicilia und Azzurro Capri von sich reden. Mit ihnen zeigte Laika, dass man Kastenwagen nicht etwa als notwendiges Übel betrachtet, sondern ihnen den gleichen Anspruch angedeihen lässt wie den großen Reisemobilen der Baureihen Kosmo, Ecovip und Kreos.
Auch wenn am Standort in Tavarnelle in Val di Pesa erst seit einigen Jahren Kastenwagen vom Band rollen, reicht die Geschichte von Laika doch viel weiter zurück: Das Italien der 1960er Jahre war vom wirtschaftlichen Aufschwung geprägt. Die Deutschen knatterten mit Vespa, Isetta, Käfer und Co. über die Alpen an die Adria und folgten damit ihrer Sehnsucht nach dem Land, von dem schon Goethe völlig richtig bemerkte, dass hier die Zitronen blühen. Auch der Bau der legendären Autostrada del Sole war in vollem Gange. 1964 erreichte das Asphaltband der von Mailand bis Neapel projektierten Trasse der A1 bereits Florenz.
Im selben Jahr gründete Giovanbattista Moscardini im toskanischen Tavarnelle in Val di Pesa sein Unternehmen Laika, um Wohnwagen zu bauen. Gleich das erste Modell, der legendäre Laika 500 mit formschönem Polyester-Aufbau mit absenkbarer oberer Schale wurde ein Verkaufshit. Denn dieses kleine Wägelchen konnte die italienische Kleinfamilie dank seines geringen Luftwiderstands mit ihrem Fiat 500 ziehen. An Campervans dachte damals natürlich noch niemand. Auf der fertiggestellten Autostrada del Sole rollten zunächst einmal Wohnwagen – viele davon aus Tavarnelle. So etwa der Laika 4000 mit einem Aufbau partiell aus GFK. Später folgte der Laika Polo, ein modern geschnittener Caravan mit leicht nach hinten ansteigender Dachlinie. Vom kompakten Modell bis zum luxuriösen Doppelachser mit sämtlichem Komfort war alles im Programm.
In den 1980er-Jahren – die Autostrada del Sole reichte mittlerweile bis nach Süditalien – rollten bei Laika im Herzen der Toskana die ersten Reisemobile aus den Werkshallen. Der naheliegende Name in Anlehnung an die damals aktuelle Caravan-Baureihe: Motorpolo.
Es folgten die Alkovenmobile Lasercar und die Integrierten der Baureihe Laserhome, erstmals auf Fiat Ducato, freilich noch in der ersten Generation.
Kurz nach Einführung der bis heute erfolgreichen Serie Kreos für Teilintegrierte und Integrierte wird Laika im Jahr 2000 Teil der Erwin Hymer Group: Das Unternehmen profitiert von Synergieeffekten, etwa bei Materialeinkauf und Entwicklung – die Marke mit dem rasanten, roten Hund behält sich aber bis heute in vielen Dingen, insbesondere beim Design, ihre Eigenständigkeit.
Warum eigentlich ein roter Hund? Im kommunistischen Italien der 1960er Jahre waren viele Menschen, so auch Firmengründer Giovanbattista Moscardini, begeistert von den Erfolgen der Sowjetunion im Weltraum. Die Mischlingshündin Laika, das erste irdische Lebewesen in der Erdumlaufbahn, erlangte zeitweise Kultstatus. Bis die ersten Campervans von Laika aufkamen, hatte sich die Farbe der Hündin allerdings längst auch auf grau oder silber erweitert.
2022 überraschte der toskanische Hersteller mit seinem Campingbus Laika Kosmo Urban F100 auf Basis des Ford Transit Custom. Der 4,97 Meter kurze Van hatte einen für diese Fahrzeuggattung klassischen Grundriss mit drehbaren Vordersitzen, einer zur Liegefläche umbaubaren Dreier-Sitzbank, einer Küchen- und Schrankzeile auf der Fahrerseite sowie einem Tisch. Im Schlafdach war Platz für zwei weitere Urlauber. Das praktische Fahrzeug für Stadt und Land, obwohl durchdacht und sehr gut verarbeitet, teilte sein Schicksal mit seinem Pendant der Konzernschwestern Bürstner und Dethleffs und blieb nur relativ kurze Zeit im Programm.
Quicklebendig hingegen sind die Kastenwagenmodelle aus der Laika-Baureihe Ecovip, die der toskanische Hersteller künftig in die Serien Ecovip Performance und Ecovip Evoluzione aufteilt.
Die Serie Ecovip Performance ist in drei Grundrissen zu haben: Der Ecovip Performance 540 ist ein 5,41 Meter langer Campervan auf Fiat Ducato L2H2 mit Halbdinette im Bug, Küche an der Schiebetür, Bad gegenüber und Doppel-Querbett über dem Heckstauraum. Der 5,99 Meter lange Ecovip Performance 600 auf Fiat Ducato L3H2 bietet, abgesehen von einem zusätzlichen Kleiderschrank und insgesamt mehr Platz, eine ähnliche Aufteilung. Abseits vom Grundriss-Mainstream bewegt sich dagegen der Laika Ecovip Performance 645. Der 6,36 Meter lange Kastenwagen auf Fiat Ducato L4H2 trumpft mit einer zum Doppelbett umbaubaren Rundsitzgruppe vor den Heck-Flügeltüren auf. Stets Serie: der 2,0-Liter-Turbodiesel mit 160 PS samt Achtgang-Automatik sowie eine nochmals erweiterte Serienausstattung. Zudem wählt der Kunde aus vier Editionen: Grigio Torino, Bianco Cortina, Azzurro Portofino und Grigio Napoli.
Die neue Serie Ecovip Evoluzione wird es in den Grundrissen 540 und 600 geben und soll einen sportiven Charakter erhalten. Neben der Achtgang-Automatik sind hier auch mächtige 18-Zoll-Alufelgen im Grundpreis enthalten. Laika Ecovip Evoluzione 540 und 600 verlassen die Werkshallen in Tavarnelle in Val di Pesa in der neuen Farbvariante Grigio Nardò sowie als Arancio Assen, Azzurro Le Mans und Mugello Verde – mit jeweils passend abgestimmter Inneneinrichtung.
Mugello Verde? Diese Variante kennt der aufmerksame Leser bereits von den Campervans der Baureihe Kosmo, die der Hersteller jedoch zugunsten des Ecovip Evoluzione einstellen wird. Doch auch mit den neuen Modellen bekennt sich Laika zu seinen jungen und jung gebliebenen, designverliebten Kunden. Denn vielleicht mögen Campervans bei Laika eine Nische sein – dann aber eine besonders schöne.