Vom einfachen Hochdachkombi über den kompakten Campingbus bis hin zum großzügigen Kastenwagen: Unsere Übersicht zeigt acht gängige Campervan-Typen inklusive deren Vor- und Nachteile.
Das Angebot an Campervan-Typen kann durchaus verwirrend sein. Die Unterschiede sind teils marginal und in der Praxis dennoch entscheidend. Um die Entscheidung zu erleichtern, zeigen wir die verschiedenen Fahrzeug-Typen und erklären, worum es sich handelt und für wen sich welcher Fahrzeugtyp eignet.
Minicamper sind die Einstiegsklasse unter den Campervan-Typen: Fast wie Tetris-Spezialisten haben Tüftler herausnehmbare Küchenmodule und erweiterbare Liegeflächen entwickelt, die aus einem normalen Kompaktvan oder Hochdachkombi ein funktionsfähiges Campingmobil machen. Dabei ist es erstaunlich, was man aus einem kompakten Fahrzeug machen kann. Man braucht also nicht viel, um zumindest gut schlafen zu können. In den meisten Fällen kann das Auto trotz Einbau der Campingausrüstung weiterhin im Alltag als Vier- oder Fünfsitzer genutzt werden. Der komplette Ausbau der Module ist bei fast allen Anbietern in wenigen Minuten erledigt und zur Befestigung werden meist bereits vorhandene Punkte an der Karosserie benutzt, sodass keine Veränderungen vorgenommen werden müssen. Gekocht, gespült, Zähne geputzt und gewaschen wird unter der Heckklappe. Für diejenigen, die sich mehr Privatsphäre wünschen, gibt es tolle umlaufende Vorhänge, die an der Klappe befestigt werden können.
Alltagsnutzen: 5 von 5 ★ PKW-Feeling: 4,5 von 5 ★ Fahrkomfort: 4 von 5 ★ Trucker-Feeling: 1 von 5 ★ Platzangebot: 3 von 5 ★ Wohnkomfort: 0,5 von 5 ★
Schlafen: 1-2 Personen, Sitzen: 2-7 Personen
Spätestens wenn ein Kind dazu kommt, wird es langfristig schwierig, den Minicamper-Traum weiterzuleben. Aber natürlich gibt es eine Lösung für das Problem – ohne gleich im Zelt auf dem Boden schlafen zu müssen. Die mit am wenigsten Aufwand verbundene ist das Dachzelt. Nicht ohne Grund sind Dachzelte in der Beliebtheitsskala ein gutes Stück nach oben gerutscht.
Nur unwesentlich teurer, wenn man selbst die Säge in die Hand nimmt und aus dem Familien-Van das Dach aussägt, ist ein Aufstelldach mit Dachbett zu Nachrüsten. Die Fahrzeughöhe kann so bequem unter der Zwei-Meter-Marke bleiben, der Camper ist somit beinahe uneingeschränkt alltagstauglich. Wer auf Nummer sicher gehen möchte lässt sein Aufstelldach in einer Werkstatt nachrüsten. Reimo bietet mit dem EasyFit-Schlafdach verschiedene Optionen – neuerdings auch für den elektrischen KIA PV5.
Alltagsnutzen: 5 von 5 ★ PKW-Feeling: 4,5 von 5 ★ Fahrkomfort: 4 von 5 ★ Trucker-Feeling: 1 von 5 ★ Platzangebot: 2 von 5 ★ Wohnkomfort: 1,5 von 5 ★
Schlafen: 1-4 Personen, Sitzen: 2-7 Personen
Seit langem sind sie aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken: Die Fahrzeuge, die eine ganze Generation und den Begriff Campervans geprägt haben. Allen voran natürlich der VW California in all seinen Modellvarianten und mit all seinen Vorgängern.
Ganz viele Hersteller haben sich wirklich auf die speziellen Bedürfnisse ihrer Kunden eingestellt und bauen praktische, kompakte Camper mit extrem hohem Nutzwert. Oft sind es die kleinen Individual-Ausbauer, die das richtige Gespür haben. Doch zum Glück gibt es speziell in diesem Segment unzählige Anbieter, die wenigstens ein bisschen auf Änderungswünsche eingehen oder die so viel Praxiserfahrung haben, dass die inzwischen standardisierten Fehler schon ausgemerzt wurden.
Alltagsnutzen: 4 von 5 ★ PKW-Feeling: 4 von 5 ★ Fahrkomfort: 4 von 5 ★ Trucker-Feeling: 2 von 5 ★ Platzangebot: 3 von 5 ★ Wohnkomfort: 2 von 5 ★
Schlafen: 2-4 Personen, Sitzen: 2-8 Personen
Mit 100 oder 120 Stundenkilometer fährt es sich einfach gemütlicher, stressfreier und spritsparender. Wenn man bedenkt, dass sich der Luftwiderstand von Tempo 80 zu 120 km/h verdoppelt, weiß man, wie man trotz größerer Stirnfläche relativ sparsam fahren kann und dabei noch den Antrieb schont.
Zu diesem Fahrstil passt ein Campervan mit Hochdach. Der Platzgewinn bei diesem Campervan-Typ ist enorm. Zusätzlich ist man deutlich unempfindlicher, was schlechtes Wetter angeht, einem GFK-Hochdach ist es egal, wenn es nass wird. Im Winter hat man es unter der isolierten Kuppel zudem deutlich angenehmer als in einem Aufstelldach mit Stoffbalg. Der Schlafplatz oder die Schlafplätze im Dach sind meist toll und das Beste daran: Man muss nicht so viel aufräumen, da im Dach alles liegen bleiben kann.
Abstriche gibt es natürlich auch bei diesem Campervan-Typ, und zwar für diejenigen, die ins Parkhaus wollen. Die Durchfahrtsbeschränkungen an Parkplätzen beginnen oft schon bei 1,90 Metern. Man zahlt etwas mehr bei manchen Fähren, ist etwas anfälliger bei Seitenwind und verbraucht natürlich tendenziell ein bisschen mehr Sprit.
Alltagsnutzen: 2 von 5 ★ PKW-Feeling: 4 von 5 ★ Fahrkomfort: 3,5 von 5 ★ Trucker-Feeling: 2 von 5 ★ Platzangebot: 3,5 von 5 ★ Wohnkomfort: 3 von 5 ★
Schlafen: 2-4 Personen, Sitzen: 2-6 Personen
Die Evolution oder der beinah logische Schritt, wenn einem fünf Meter zu wenig werden: Das klassische Sechs-Meter-Mobil auf Basis der üblichen Verdächtigen. So hoch, das man auch ohne zusätzliches Dach stehen kann, so breit, dass das Bett sowohl quer als auch längs eingebaut werden kann, mit Bad, Toilette, fest eingebauten Tanks für Wasser und Abwasser.
Diesen Campervan-Typ findet man sehr oft. Eine Auffälligkeit ist, dass es nur wenige Abweichungen von Schema F gibt. Die meisten Modelle verfolgen das gleiche Grundriss-Prinzip, was sich auch durchaus bewährt hat. Meist gibt es reichlich Stauraum und bequeme Betten. Die Unabhängigkeit von Sanitäreanlagen ist ein großer Vorteil, wenn man unabhängig und spontan reisen möchte.
Mit einem optionalen Aufstelldach bietet ein Sechs-Meter-Kastenwagen massig Stauraum oder Platz für die Familie. Ganz wichtig im Dschungel der vielen Angebote: Immer schön das Gewicht im Auge behalten, denn mit jeder gewählten Option reduziert sich die Zuladung.
Alltagsnutzen: 1,5 von 5 ★ PKW-Feeling: 1,5 von 5 ★ Fahrkomfort: 2 von 5 ★ Trucker-Feeling: 3 von 5 ★ Platzangebot: 3,5 von 5 ★ Wohnkomfort: 3,5 von 5 ★
Schlafen: 2-4 Personen, Sitzen: 2-4 Personen
Sechs-Meter-Camper mit Hochdach lösen viele Probleme, die bei anderen Campervan-Typen auftreten. Dachbetten können schon mal mit 2,10 Meter Länge aufwarten, während es quer im Heck nur 1,90 Meter sind. Schränke werden bis unters Dach gebaut. Es bleibt zudem genügend Luft nach oben, um einen besonders Wintercamping-tauglichen Doppelboden einzubauen.
Prinzipiell kommt so ein Campervan vom Platzangebot schon recht nah an ein Reisemobil ran. Man spart rund 30 Zentimeter in der Breite und man genießt robustes Blech um sich herum. Doch natürlich gilt es hier umso mehr auf das Gewicht zu achten: Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.500 Kilogramm bleibt meist nicht mehr viel für Passagiere und Gepäck übrig. Wer dann noch Sportgeräte mitnehmen möchte, kann meist davon ausgehen, überladen zu sein.
Außerdem relevant: Auch wenn der Ausbau Platz für vier Personen bietet, bleibt die Ausstattung im Fahrzeug meist gleich. Wassertank, Kühlschrank, Kochstellen am Herd sind dann wie bei Modellen, die explizit für zwei Personen ausgelegt sind. Für die meisten Familien stellt das jedoch kein Problem dar.
Alltagsnutzen: 1 von 5 ★ PKW-Feeling: 1 von 5 ★ Fahrkomfort: 1,5 von 5 ★ Trucker-Feeling: 3,5 von 5 ★ Platzangebot: 2 von 5 ★ Wohnkomfort: 4 von 5 ★
Schlafen: 2-5 Personen, Sitzen: 2-4 Personen
Lang und hoch – was will man mehr? Das interessante daran ist, dass es mit dieser Konstellation vermutlich genauso viele Grundrisse für zwei wie für vier Personen gibt. Die Summe der Camper, die im gediegenen Alter von einem großen Reisemobil auf den nur 2,05 Meter schmalen Kastenwagen wechseln, ist gar nicht so gering. Auf rund 6,40 Meter Länge lassen sich natürlich noch deutlich mehr Extras und Luxus unterbringen als auf sechs Metern.
Dank hohem Dach sind auch hier ein doppelter Boden für Ganzjahrestauglichkeit sowie als Gepäckfach kein Problem. Wer so ein großes Mobil mit viel Platz nur mit zwei Personen nutzt, kommt meist auch mit der zulässigen Gesamtmasse gut zurecht.
Die andere Option, nämlich das optimale Fahrzeug für die große Familie, ist mit Vorsicht zu genießen. Ein großer Kastenwagen, am besten noch mit einem großen Motor, ist selten unter einem DIN-Leergewicht (Fahrer und Beifahrer, Gas und Wasser) von 3.200 Kilogramm zu bekommen. Da bleiben für die Kinder und fürs Gepäck allerhöchstens 300 Kilogramm.
Familien müssen bei dieser Fahrzeugklasse also entweder sparsam packen, oder gleich überlegen, ob bei einem großen Kastenwagen vielleicht doch eine Auflastung in Frage kommt – vorausgesetzt, man hat den richtigen Führerschein dazu.
Alltagsnutzen: 1 von 5 ★ PKW-Feeling: 1 von 5 ★ Fahrkomfort: 1,5 von 5 ★ Trucker-Feeling: 4 von 5 ★ Platzangebot: 4 von 5 ★ Wohnkomfort: 4 von 5 ★
Schlafen: 2-5 Personen, Sitzen: 2-5 Personen
Der letzte Campervan-Typ ist nicht ganz so weit verbreitet. Auch wenn bei den Außenmaßen einiges an der viel geschätzten Handlichkeit sowie der Alltagstauglichkeit bei den Sieben-Meter-Kastenwagen verloren geht – verglichen mit einem Reisemobil scheint es die Kunden nicht zu schrecken. An Komfort fehlt es jedenfalls nicht, erst recht nicht, wenn man nur zu zweit im Sieben-Meter-Kastenwagen unterwegs ist. Bei den Grundrissen, die ab Werk schon auf zwei Personen beschränkt sind, geht die Gewichtskalkulation vielleicht im ein oder anderen Fall noch gerade so auf. Bei Fahrzeugen mit großen Fahrrad- oder Motorradgaragen im Heck muss man, um diese auch nutzen zu können, aber sicher auflasten. Deshalb ist eine sorgfältige Kalkulation enorm wichtig; das Thema Gewicht sollte vor der Nutzung oder einem Kauf gut durchdacht werden.
Wenige Ausbauer setzen bei den Campervan-Typen noch einen drauf und nutzen als Basis den Mercedes-Benz Sprinter in der L4-Version, die stolze 7,37 Meter misst. Diese absolute Oberklasse unter den Kastenwagen zeigt, was in Sachen Raumangebot und Komfort möglich ist.
Alltagsnutzen: 1 von 5 ★ PKW-Feeling: 1 von 5 ★ Fahrkomfort: 1,5 von 5 ★ Trucker-Feeling: 4 von 5 ★ Platzangebot: 5 von 5 ★ Wohnkomfort: 5 von 5 ★