Mit seinem ausgebauten Postbus nominierte sich Marcel Kurth beim Selbstausbauer-Camp 2025. Die Basis: Ein DHL-Transporter auf Iveco Daily.
Kein Fahrzeug von der Stange sollte es sein: Das Projekt „Posti“, wie Marcel Kurth liebevoll seinen gelben Ex-Postbus nennt, begann im Juni 2024 mit der Idee, selbst ein Fahrzeug auszubauen. Es folgte der nächste logische Schritt: Der Allgäuer und seine Frau schnappten sich das Wohnmobil des Vaters und fuhren mit Freunden an den Gardasee, zwei Wochen Probecampen.
Zurück in Deutschland war klar, das Projekt steht und es soll ein ehemaliges Postauto werden, auch weil ein Kofferaufbau mehr Platz als ein Kastenwagen bietet. Zwei Tage später war das richtige Fahrzeug gefunden, ein DHL-Transporter auf Iveco Daily, Baujahr 2012 mit etwa 80.000 Kilometern auf dem Tacho. Noch am selben Tag fuhr Marcel Kurth seinen Postbus nach Hause ins Allgäu.
Voller Tatendrang ging es direkt los. Die alten Postregale kamen raus. Durch ein Nebengewerbe standen dem 41-Jährigen zwei Hallen zur Verfügung, darin kam der Postbus für den Ausbau unter. Das Projekt „Posti“ musste jedoch, wegen der Arbeit, noch mal warten. Doch Marcel Kurth hatte seiner Frau versprochen, zu ihrem Geburtstag im April 2025 gemeinsam wegzufahren – im Postbus.
Gesagt, getan: Der Allgäuer machte sich im Internet schlau, las Tests und legte los – mit Unterstützung seiner Frau, von Freunden und vor allem seinem Vater, der einige gute Ideen lieferte, hielt Marcel Kurth sein Versprechen. Rund fünf Monate dauerte der Ausbau, ganz fertig ist der „Posti“ noch nicht. Das Fahrerhaus steht als Nächstes an. Doch bereits jetzt ist alles Wichtige drin, zum Beispiel ein großer Kühlschrank, 145 Liter mit Getränkefach und ein Induktionskochfeld, um gasfrei zu reisen. Das braucht wiederum viel Strom. Den liefern zwei Lithium-Batterien mit insgesamt 640 Ah und ein Solarpanel auf dem Kabinendach.
Auch eine 12-Volt-Klimaanlage baute Marcel Kurth selbst rein, da der Iveco keine besitzt und die kühle Luft über die Zwischentür auch das Fahrerhaus kühlt. Für Wärme und Warmwasser sorgt die Autoterm, eine Dieselheizung mit 2 kW. Alternativ kann das Wasser im Boiler auch elektrisch erhitzt werden. Damit das zum Duschen reicht, befindet sich unter der Sitzbank ein von außen befüllbarer 90-Liter-Frischwassertank. Die Sitzbank gehört zu einer Face-to-Face-Sitzgruppe, die auf der Fahrerseite ans Bad anschließt. Gegenüberliegend befindet sich die Küchenzeile und im Heck ein 160 mal 200 Zentimeter großes Querbett. Das ist extra hoch eingebaut, sodass Fahrräder und Kinderanhänger darunter passen – und ein paar Kisten Bier, die sind auch beim Selbstausbauercamp 2025 dabei. Zusätzlich zum Platz bringt der Postkoffer beim Selbstausbau zwei weitere Pluspunkte mit: die geraden und dank Verbundplatten vollisolierten Wände.
Marcel Kurth isolierte zusätzlich mit selbstklebendem Armaflex. Darauf kam eine Unterkonstruktion aus 19-Millimeter-Holzleisten und darüber abschließend Pappelsperrholz. Das veredelte der Allgäuer im Wohnbereich mit weißem Kunstleder sowie weißem und schwarzem Vlies und ums Bett im Heck mit flauschigem Teddystoff.
Die Decke zieren Akustikpaneele mit LED-Streifen. Tageslicht fällt durch ein Fenster des Herstellers Belluna über der Sitzgruppe ins Innere. Ein weiteres wurde im Bad eingebaut, auch zum Lüften. Als Boden der Nasszelle dient eine Edelstahl-Wanne, die ist mit dem Abfluss verlötet, und die Wände sind wasserdicht mit der Vinyl-Bodenplatte verklebt.
Auch einen neuen Außenanstrich erhielt der „Posti“ – in Postgelb versteht sich. Auffällig ist so ein Postbus auf dem Platz allemal, oft kommt die Frage: „Hast du ein Paket für mich?“ – Das vielleicht nicht, aber mit Sicherheit ein Bierchen im großen Kühlschrank.
Weitere Informationen findet Ihr auf Instagram unter @posti_allgaeu.